30.06.2012 / SHK+GRZ / Super Strukturen, Farben und Blitze

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    • 30.06.2012 / SHK+GRZ / Super Strukturen, Farben und Blitze

      Guten Abend,

      da war sie, eine der Gewitterlagen im Jahr mit viel Energie und Potential zu jenen konvektiven Erscheinungen, die in den vergangenen Jahren virtuell eine explosive Entwicklung erfuhr. Die Wettermodelle berechneten jedenfalls für die Nacht zum Sonntag einen MCS über Mitteldeutschland mit den typischen Unsicherheiten der räumlichen Verteilung. Im Vorfeld schien die Entwicklung von Superzellen möglich, wie eindrucksvoll in BaWü/BY zu sehen war. Schon am Vorabend entwickelten sich 2 Superzellen, die teilweise auch durch Südthüringen zogen und eindrucksvoll dokumentiert wurden. Diese wollte ich mir nicht entgehen lassen und in Südostthüringen abfassen. Pünktlich zu meiner Ankunft nahe Bad Lobenstein hatten sich die Zellen abgeschwächt, der leere Schirm hing Richtung WSW. Ich verblieb noch etwas an meinem Standort und experimentierte bisschen mit Belichtung, Mond und den schnell ziehenden Wolken:





      Am Samstagmorgen zogen bereits Gewitter über den Freistaat hinweg, die ich aber außen vor lies in Anbetracht des potentiellen Nacht-Chasings. In Thüringen tat sich nach den Morgengewittern bis zum Abend nicht viel. Irgendwann lagen Cirren sowie der Schirm der einen Superzelle über Teilen des Südens und Ostens. Im weiteren Verlauf kündeten Quellwolken von Neuentwicklungen. Dabei entstand eine erste Zelle zwischen Neustadt/Orla und Schleiz. Zu dieser Zeit fuhr ich in Weimar los.

      Die Quellungen sahen im Abendlicht fantastisch aus:


      Man sieht richtig, wie die Energie reingedrückt wird:


      Bei Umpferstedt (AP) machte ich ein Bild der Zelle im Osten:


      Bei Stadtroda musste ich nochmal von der Autobahn abfahren, um das zu fotografieren:




      Weiter ging es Richtung Osten zum bekannten Beobachtungspunkt Rüdersdorf, wo sich schon Kay, Ronny und Stephan eingefunden hatten. Die Zelle gen Südosten blitzte anfangs recht ordentlich, danach wurde es immer weniger. Hier die beiden besten Exemplare:





      Nach Abgleich mit dem Radarbild fuhr ich Richtung Süden in den Landkreis Greiz um einerseits die vorlaufenden Zellen abzufassen und später den MCS. Nach 2 Fehlschlägen was den Beobachtungspunkt angeht, fand ich einen bei Burkersdorf, der jedoch in der Nähe von Freileitungen war. In entsprechender Distanz und mit programmierten Fernauslöser lies ich die Kamera im Freien laufen, während ich vom Auto zusah. Es flackerte ununterbrochen, viele Wolkenentladungen, aber auch einige Blitze zur Erde:





      Da ich nicht noch einmal den Standort wechseln wollte, nahm ich für dieses Mal die Stromleitungen im Bild in Kauf. Elektrizität ist ja irgendwo das Gleiche:






      Der nachfolgende Cluster brachte zwar auch eine hohe Blitzaktivität, doch blieb der Großteil der Blitze in den Wolken. Ich fuhr Richtung Schleiz und kam in den unangenehmen Teil des Storm Chasings. Auf der B2 entlang einer Allee frischte der Wind sprichwörtlich von 0 auf 100 in wenigen Sekunden auf. Plötzlich rieselten Blätter, kleine und größere Äste auf die Fahrbahn. Es polterte auf dem Autodach, während ich Slalom auf der Bundesstraße fuhr. An einer Lichtung machte ich erstmal Halt ohne die Nähe zu Bäumen zu haben. Das Auto wackelte bei einigen Böen, draußen rauschte es wie die Hölle, durchleuchtet von Blitzen. Nach etwas Beruhigung weiter Richtug Schleiz. Äste, Schilder, kleine Bäume auf der B2, das mulmige Gefühl stets im Magen. Am Ortseingang Schleiz dann nochmal kurzer Halt. Während der Regen prasselt und der Wind pfeifft leuchtet der Himmel immer wieder auf, während in den Straßen im Tal blaues Licht aufleuchtet. Eine beklemmende Stimmung mit Gänsehautfaktor. Die Blitze wurden immer seltener, die Heimreise stand an. Schätzungsweise dreimal kam es zu tollen "Blitzkombinationen", die irgendwo im Westen anfingen, dann über mir waren und im Osten aufhörten.

      Ein beeindruckender aber auch beängstigender Tag, der nicht zuletzt zeigt, wie gefährlich solche Lagen sind.

      Herzliche Grüße

      Markus
      Gründer und Organisator Thüringer Storm Chaser
      ESSL Voluntary Observer Person (Qualitätslevel QC1) (European Severe Storms Laboratory)
      Premium Advanced Spotter & Regionaler Ansprechpartner Thüringen (Skywarn Deutschland e.V.)
      Weitere Mitgliedschaften: Arbeitskreis Meteore e.V. • Cloud Appreciation Society