Best Of 2011: Der mitteldeutsche Jahresrückblick, Teil 1: Januar bis Mai

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    • Best Of 2011: Der mitteldeutsche Jahresrückblick, Teil 1: Januar bis Mai

      Was für ein Jahr! Endlich kann ich mit den unzähligen Chasingberichten, den vielen Videos, auf denen nichts außer Schwarz zu sehen ist, abschließen! Es gab eindeutig zu viele Gewitter!
      28 Gewittertage habe ich erlebt. Berücksichtigt man die zahlreichen Chasings, wären es noch immer etwa 25 Tage. Das Jahr 2011 belegt in dieser Hinsicht momentan den zweiten Platz hinter 2007.

      In vielerlei Hinsicht bildete 2011 ein spannendes Wetterjahr mit allerlei Extremen. Vom Eisregen über Hagel und einen extrem gewitterträchtigen September bis zum äußerst trockenen November war alles dabei.

      Doch der Reihe nach.

      Wie bereits in meinem letzten Jahresrückblick sind wieder einige unveröffentlichte Aufnahmen mit dabei. Die Bilder der bereits geposteten Chasingberichte beschränken sich auf eine hoffentlich ausgewogene,
      gesunde Mischung an Wetter- und Gewitterbildern, die ihr gern kommentieren dürft. Schlechte Motive / Bilder sollten hier nicht stehen. Falls ihr solche identifiziert, hilft mir das, die Spreu vom Weizen zu trennen.



      Januar

      Ein wechselhafter Geselle war der Januar 2011. Anfang und Ende hüllten die Landschaft in Kälte, während es Mitte Januar eine intensive Tauperiode gegeben hat.

      Doch zunächst hielt der Januar ein astronomisches Highlight parat. Eine partielle Sonnenfinsternis beglückte uns am 04.01. mit einer spürbaren Verdunklung.

      Während der 05.01. noch einmal knackige Kälte bereit hielt, gab es am 06.01., bedingt durch den abrupten Übergang zum einsetzenden Tauwetter, wie bereits im Dezember, heftigen Eisregen in Leipzig.
      Autos kamen bereits bei Schrittgeschwindigkeit ins Schleudern und kollidierten. Die Bürgersteige waren morgens komplett vereist und erst am Nachmittag, als die 5°C warme Luft den Boden erreichte,
      verschwanden die Eisflächen allmählich.
      Nachdem der 07.01. noch einmal verregnet war, folgten zwei vorfrühlingshafte Tage, worüber ich mich nach der Dezemberkälte besonders freute. Das Tauwetter hielt bis Mitte Januar an.
      Danach folgte eine nasskalte bis leicht frostige Witterungsperiode, zum Ende hin mit Nebel am Vormittag.


      Februar

      Der Februar tat es im Prinzip dem Januar gleich. Der 03.02. startete mit leichtem Eisregen. Die Folgetage brachten erneut vorfrühlingshafte und zum Teil sogar recht sonnige, milde Tage.
      Nasskaltes Übergangswetter leitete eine 5-tägige Dauerfrostperiode vom 19.02. bis zum 23.02. ein. Am Morgen des 23.02. herrschte mit -12°C die zugleich tiefste Temperatur des Jahres.
      Der Folgetag brachte Warmluftadvektion und am Tage begann es nun zu tauen, was dem Boden zu unglaublichen Duftnoten verhalf.


      März

      Der dritte Monat des Jahres, meistens ist dies der März, startete mit Hochdruck. Der höhere Sonnenstand sorgte bereits für milde Tage, die Nächte blieben aber für Anfang März typisch frostig-kalt.
      Es folgte eine sehr wechselhafte Periode mit einem Maximum von 17°C am 13.03. in Sondershausen. Ende März schließlich setzte allmählich der Erstfrühling ein. Gelegentlich gab es noch Frost.
      Die Tage wurden jedoch Stück für Stück wärmer und die Frühlingssonne tat ihr Übriges. Die ersten "sommerlich" anmutenden Quellwolken tauchten auf.


      April

      Während ich die Vormonate nur schriftlich dokumentierte, begann ich in diesem Monat wieder mit der Bilderknipserei. Am 03.04. führte ich mit Maurice das erste Schauerchasing durch.
      Das Ergebnis war verblüffend:



      Abgesehen von einer Kaltfront und einem Kaltlufttropfen gestaltete sich der vierte Monat des Jahres (wieder mal) als zu warm, zu trocken und zu sonnig. Ich nutzte die Gelegenheit und streifte
      am 11.04. durch den Leipziger Auenwald.









      Auch Ostern konnte man bei strahlendem Sonnenschein genießen.











      Mit dem oben erwähnten Kaltlufttropfen begann am 26.04. schließlich auch mit Martin die Chasingsaison bei Haldensleben.





      26.04.2011: Gewitterstimmungen, Haldensleben


      Mai

      Nachdem der Mai zunächst noch kühl startete, stellte sich bald eine Südwestlage ein, die sommerliche Temperaturen und gewittrige Ereignisse brachte. Die ersten Chasings im Wonnemonat
      waren jedoch ein Reinfall. Zwar gab es am 11.05. einige Entladungen, das Gewitter schwächte sich jedoch bei Annäherung an unseren Standort, irgendwo in der Pampa von Sachsen-Anhalt, rasch ab.



      Ein weiterer Chasingversuch im Leipziger Land brachte zwar noch einige Bilder, war aber letztlich auch eher von Zerfall geprägt.



      Der Folgetag brachte schließlich noch einen Gewittertag für Leipzig, einen Tornado bei Alpoda und starken Hagel für Maurice.

      Doch der Mai steigerte sich. Am 19.05. fuhren Martin und ich abermals nach Sachsen-Anhalt und konnten immerhin eine cumuliforme Böenfront festhalten.



      11./19.05.2011, Erfolglos durch Sachsen-Anhalt

      Der nächste Tag startete mit leichtem Nebel und ich erlebte auf der A38 Richtung Nordhausen mein seit langem erstes Hagelgewitter. Ein schöner Aufwindturm und permanentes Geflacker zierten das Erlebnis.

      Thread Gewitterlage 19.05. - 21.05.2011

      Auch der 22.05. sollte schon wieder ein Gewittertag werden. Doch der Kaltfront, auf die ich mein Augenmerk legte, wurde der Saft durch eine vorlaufende Konvergenz abgedreht.
      Einzig bei Gotha gab es schöne Mammaten zu beobachten:



      Und der Mai blieb weiterhin ein schwülwarmer, gewittriger Monat. Unser Instinkt führte Martin und mich von Leipzig aus in Richtung Dresden und Bautzen, wo wir uns einer dreistöckigen Shelf,
      Mammati und unzähligen Erdblitzen gegenüber sahen.



      26.05.2011 / Meteorologische Exkursion ins Erzgebirge

      Nach einer kurzen Abkühlung folgte schließlich am letzten Maitag das Finale furioso. Martin und ich chasten nach einem 30°C warmen Spätfrühlingstag heftige Hagelzellen südlich von Leipzig.
      Es ist möglich, dass eine dieser Zellen eine Mesozyklone mit Wallcloud besaß. Da wir jedoch keine sichtbare Rotation beobachten konnten und wir auch keine Zeitrafferaufnahmen gemacht haben,
      belassen wir es bei der Vermutung.







      Nach einem Hagelgewitter mit 1 cm großen Körnern beherrschten hohe Kontraste das Himmelsbild. Ein riesiger Eisschirm mit Mammati hatte sich über uns ausgebreitet.



      In mehreren kleineren Ortschaften kam es zu Überflutungen. Leider hat Martin bis heute noch keine Bilder dazu nachgereicht. Ich hoffe, er schämt sich wenigstens dafür.

      31.05.2011 / Super Zelle / Leipzig, Borna und Co.

      Zum Abschluss des ersten Teils präsentiere ich noch einige Bonusbilder, die ich experimentell bei der Hochdrucklage Anfang Mai schoss...







      ... sowie interessante Wolkenstrukturen, die ich bei einem entstehendem Schauer am Abend des 27.05. von Leipzig aus in südöstlicher Richtung beobachten und festhalten konnte.






      To be continued...
      Meilensteine:
      - wetterinteressiert und unwetterbegeistert seit Beginn der 2000er Jahre
      - TSC-Mitglied seit 2007, aktiver Chaser seit 2010
      - eigenes Portal seit 2017: faszination-sturmjagd.de
    • Dieser Bericht würde -könnte ich es manuell einstellen- an die Spitze vor sämtlichen Bilderbeiträgen kommen.

      Die Mischung aus gut geschriebenem Text, einer gesunden Bildmischung (ohne viel Bearbeitung), Liebe zum Detail und insbesondere die Berücksichtigung von Wetterlagen, Messwerten und Beobachtungen unterstreichen diesen Beitrag in seiner fachlichen Wohltat.

      Dafür wieder einmal ein herzliches Dankeschön mit riesiger Vorfreude auf mehr!

      Gruß

      Markus
      Gründer und Organisator Thüringer Storm Chaser
      ESSL Voluntary Observer Person (Qualitätslevel QC1) (European Severe Storms Laboratory)
      Premium Advanced Spotter & Regionaler Ansprechpartner Thüringen (Skywarn Deutschland e.V.)
      Weitere Mitgliedschaften: Arbeitskreis Meteore e.V. • Cloud Appreciation Society
    • Vielen Dank für die netten Kommentare!

      In anderen Foren kam der Bericht (bisher) leider nicht so gut an.
      Möglicherweise fehlte die Erwähnung des Wortes "Superzelle" oder "Wallcloud" in der Überschrift.

      Hier geht's zu Teil 2: Best Of 2011: Der mitteldeutsche Jahresrückblick, Teil 2: Juni und Juli
      Meilensteine:
      - wetterinteressiert und unwetterbegeistert seit Beginn der 2000er Jahre
      - TSC-Mitglied seit 2007, aktiver Chaser seit 2010
      - eigenes Portal seit 2017: faszination-sturmjagd.de
    • chris89 schrieb:


      In anderen Foren kam der Bericht (bisher) leider nicht so gut an.


      Lass dich davon nicht beirren. Dort zählt nicht immer solch eine Qualität wie du sie in deinen Beiträgen lieferst. Und da neben den erwähnten Begriffen dort auch andere Faktoren eine Beitrags(inhalts)bewertung ausmachen, wird diese Fraktion nicht entsprechend befriedigt.

      Markus
      Gründer und Organisator Thüringer Storm Chaser
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