02.08.2012 / Jena bis Zeitz / Multizellen mit Hagel und Starkregen

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • 02.08.2012 / Jena bis Zeitz / Multizellen mit Hagel und Starkregen

      Hallo zusammen,

      Anfang August lag Deutschland an der Vorderseite eines westeuropäischen Troges. Durch ablaufende Anteile des Troges, die auch über Thüringen schwenkten, wurden Gewitter ausgelöst, die an diesem Tag besonders Ostthüringen betrafen. So bildeten sich zahlreiche Einzel- und Multizellen, die recht schnell verclusterten. Ich beobachtete bereits frühzeitig die Entwicklung erster Quellwolken von meinem Balkon aus. Diese gaben jedoch erstmal nicht viel her, die Kuppen "trockneten" noch ab und es war offensichtlich, dass noch ein paar Konvektionsanläufe nötig waren, um sich weiterzuentwickeln. Dem war dann auch nördlich von Jena so, weitere Zellen sollten folgen. Nach einigem Zögern machte ich mich dann nach 15:15 Uhr auf Richtung Osten. In Jena galt es noch, Marco aufzugabeln.

      Auf der Fahrt sah ich eine neue mächtige Quellwolke über dem Saaletal, die Richtung Nordost zog. Die Basis wurde dunkler und erste Fallstreifen waren kurz vor Jena zu sehen.

      Radarbild mit dem typischen schwachen Echo bei einem neuentwickelten TCU:

      Quelle: WetterOnline

      Als ich Marco aufsammelte, besprachen wir kurz die Lage. Diese zeigte:

      - neuentwickelte kräftige Zelle direkt vor uns mit dichtem Niederschlagskern, Zugbahn SW-NO
      - weitere Zellen im Südosten Thüringens, die man notfalls abfangen könnte
      - um vor die neue Zelle bzw. dem sich daraus entwickelten Multizellenkomplex zu kommen, muss die Zelle auf der Autobahn durchfahren werden um am entwicklungsgünstigen Südende zu bleiben
      - Am Hermsdorfer Kreuz nur Weg nach Osten staufrei (A9 nach Norden über 10km Stau durch Baustelle, A9 nach Süden 5km Stau durch Unfall), somit wäre da kein Chasen mehr möglich

      Fazit: Mulmiges Durchfahren des Zellkerns mit der Gefahr, dass es auch hier Unfälle geben kann, dann weiter nach Osten, Gera ab und über Zeitz nach Norden. So fahren wir mit dem Multizellencluster mit und bleiben an seinem Süd- bzw. Südostrand.

      Radarbild mit eingezeichneter Lage:


      rote Linien: horizontal A4, vertikal A9
      grüne Pfeile: Stau
      schwarze Punkte: unsere Route
      blauer Pfeil: Multizelle mit Zugrichtung
      Quelle Bild: WetterOnline

      Wir gerieten zwischen dem 1. Parkplatz hinter Jena und der Anschlussstelle Stadtroda in den Zellkern. Die Fahrzeuge bremsten abrupt ab, einige machten Warnblinkanlage an. Der Starkregen nahm zu, dann prasselten Hagelkörner auf das Auto, wir fuhren um die 40 km/h, dann kam auch noch Wind dazu, der den Regen über die Fahrbahn peitschte. Auf der Gegenspur standen zahlreiche Autos auf dem Standstreifen, um abzuwarten, bis die Zelle abzieht. An der AS Stadtroda war es trocken und wir waren am Rand der Zelle. Wir fuhren ein Stück nordwärts um die Zelle abzulichten.

      Zunächst ein Video von der Autobahn:

      [video]http://www.youtube.com/watch?v=-793rOd1VIc[/video]

      Zellkerne auf der Autobahn zu durchfahren, ist gefährlich und sollte eigentlich vermieden werden. Da wir jedoch den Jagdtag nicht frühzeitig aufgeben wollten, entschieden wir uns für diesen Schritt. Mit entsprechender Vorsicht (rechtzeitiges Abbremsen, langsames Fahren, Abstand halten und Konzentration des Fahrers) kann man solch einen Schritt durchaus wagen und auch ohne Schaden überstehen.

      Wir hielten an einem Feld und beobachteten unseren kleinen Giftzwerg:




      Wie schon auf der Hinfahrt waren auch an dieser Stelle keine Blitzkanäle bis auf eine Ausnahme zu sehen. Meist flackerte nur der Niederschlagsbereich auf. Über uns bildete sich derweil der nächste TCU, die dunkle Unterseite wurde immer breiter und schon platschten dicke Tropfen auf uns herab. Wir rannten zum Fahrzeug:


      Weiter nach Osten, Hermsdorf-Ost nochmal kurz abgefahren:


      Anschließend wieder auf die Piste bis zum Geraer Kreuz. Von hier an ging es auf der B2 weiter nordwärts gen Zeitz. Neue Quellwolken kündeten von den nächsten Neuentwicklungen. Der Multizellenkomplex lag nun nordwestlich von uns und zeigte anhand der Fallstreifen mehrere Zellkerne. Das erste Bild von mir entstand hinter der Thüringer Landesgrenze:


      Marco machte noch einige Bilder während der Fahrt, die noch nachgeliefert werden, hoffe ich.

      Vor Zeitz machten wir erneut Halt, um den Komplex zu beobachten. Die Blitzaktivität lies immer mehr nach, dennoch entwickelten sich am Südende immer wieder neue Quellwolken:




      Trotz der Abschwächung folgten wir dem Teil noch weiter auf der B2 Richtung Leipzig. Wir strandeten schließlich irgendwo auf der Hälfte der Strecke und fanden ein Feld um die "nachgewittrigen Eindrücke" festzuhalten. Ich lief natürlich erstmal gegen einen Weidezaun, der unter Strom stand :grins





      Auf der Heimreise war bereits deutliche Stabilisierung in der Atmosphäre zu sehen. Sämtliche Quellwolken flachten ab und breiteten sich aus. Ein paar Eindrücke der Abendstimmung folgen mal in einem anderen Thread.

      Zum Abschluss nochmal eine Animation der Gewitterentwicklungen an diesem Tag:


      Quelle: WetterOnline

      Beste Grüße

      Markus