Thread Luftmassengrenze / Wintereinbruch ab 08.03.2013

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    • Geteiltes Thüringen am 08.03.2013

      Glücklich konnten sich heute diejenigen schätzen, die sich südlich des Thüringer Waldes bzw. auf den Kamm befanden. Denn hier herrschte teils aufgelockerte Bewölkung und bis zu 6h Sonnenschein konnten genossen werden. Dazu stieg auch das Quecksilber nochmal auf zweistellige Werte an. Im großen Rest mit Ausnahme des äußersten Südostens herrschte dichter Nebel, teilweise betrugen die Sichtweiten nur 50 Meter. Die Temperaturen in diesen Bereichen gerade mal 2 - 4°C.

      Blick auf 12:30 Uhr:

      Quelle: WetterOnline Mitgliederbereich

      SAT zur gleichen Zeit, was die grünen Südthüringer Bereiche zeigt:

      Quelle: WetterOnline Mitgliederbereich

      Temperaturübersicht amtliche Stationen in °C
      Quelle: DWD

      14,1 Meiningen
      6,3 Schmücke
      5,6 Neuhaus/Rwg.
      4,1 Gera/Leumnitz
      3,9 Erfurt/Bindersleben
      3,9 Eisenach
      3,8 Artern
      3,4 Schleiz
      3,1 Leinefelde

      Temperaturübersicht private Stationen in °C

      Quelle hier zu sehen

      15,0 Bad Salzungen
      11,7 Stadtlengsfeld (WAK)
      11,2 Zella-Mehlis (SM)
      10,6 Gersfeld (Rhön) (WAK)
      9,9 Gefell (SOK)
      9,7 Dietlas (WAK)
      9,5 Hirschberg (SOK)
      9,0 Steinach-Silbersattel (SON)
      .
      .
      .
      .
      4,0 Blankenhain (AP)
      3,3 Thimmendorf (SOK)
      2,8 Kyffhäuser

      Die Webcams dazu:

      Schneekopf zwar frühs im Nebel, mittags aber aufgelockert:


      Frankenblick am Abend:


      Suhl im Sonnenschein:


      :winken Markus
    • Ab 14.03.2013 bitte wieder den März-Thread nutzen!


      "Schneechaos" in Deutschland - eine Retrospektive

      Der heftige und wieder einmal völlig überraschende Wintereinbruch mit
      starken Schneefällen hat vor allem in den mittleren Teilen
      Deutschlands den Straßen- und Luftverkehr lahmgelegt und für
      chaotische Verhältnisse gesorgt. Der Rhein-Main-Flughafen Frankfurt
      war zeitweise geschlossen, hunderte Flüge wurden annulliert und
      mehrere hundert Passagiere durften die vergangene Nacht auf
      Feldbetten in der Halle von Deutschlands größtem Airport verbringen.
      Auf der Autobahn A45 im Bereich der Wetterau (Mittelhessen) kam es zu
      einer Massenkarambolage, an der über hundert Fahrzeuge beteiligt
      waren und dreißig Menschen verletzt wurden, sechs davon schwer. In
      Sachsen geriet eine Autofahrerin auf glatter Straße in den
      Gegenverkehr und kam ums Leben.

      Was war geschehen? Eine Luftmassengrenze über Süddeutschland trennte
      gealterte, relativ milde Meeresluft über dem Alpenraum und Südeuropa
      von kontinentaler Polarluft weiter nördlich. Grenzflächen (Fronten)
      zwischen verschiedenen Luftmassen bewirken Niederschläge, im
      konkreten Falle schneite es an der Nordseite, an der Südseite fiel
      Regen. Bereits am Samstag entstand diese Struktur über
      Norddeutschland und wanderte langsam südwärts. Darüber hinaus bildete
      sich im Frontbereich über Frankreich das kleine, aber intensive
      Tiefdruckgebiet XAVER. Gestern früh griff es auf Deutschland über und
      bescherte insbesondere den Mittelgebirgen ergiebige Schneefälle, die
      örtlich Unwettercharakter aufwiesen.

      Eine Landkarte der vierundzwanzigstündigen Neuschneemengen (in
      Zentimetern) bis heute 06:00 UTC finden Sie rechts in der Rubrik
      "Thema des Tages" unter [mehr]. Die Karte zeigt den Bereich der
      deutschen Mittelgebirgsschwelle, etwa zwischen Rheinischem
      Schiefergebirge und Erzgebirge. Der Vollständigkeit halber muss
      ergänzt werden, dass durch kräftige Schneeschauer im gleichen
      Zeitraum auf der Zugspitze (2960 m NN) 20 cm Schnee fielen.

      Dass es nun zum "Chaos" kam, liegt wohl weniger an der "riesigen
      Schneewalze" als vielmehr an der Entwöhnung und Empfindlichkeit
      unserer modernen Gesellschaft. Just-in-Time-Logistik und unbedingte
      Mobilität finden hier ihre Grenzen. Es gibt Gerüchte, dass nach den
      warmen Vorfrühlingstagen zu Monatsbeginn, einige Winterdienste ihre
      Technik bereits eingemottet hätten. Das ist nicht gerade smart.
      Apropos "smart" - eine Schneeräum-App für Smartphones wurde bislang
      noch nicht erfunden...



      Dipl.-Met. Thomas Ruppert
      Deutscher Wetterdienst
      Vorhersage- und Beratungszentrale
      Offenbach, den 13.03.2013

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