Thread Sturm-/Orkanlage ab 02.11.2013

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    • Thread Sturm-/Orkanlage ab 02.11.2013

      :Sturm / Orkan (ab Bft. 9) Thread zur Sturm-/Orkanlage ab 02.11.2013

      Einschätzungen, Nowcast, Meldungen + Messwerte, Bilder (max. 4) zur Lage.

      Thread gilt bis auf Weiteres!





      Sonntag auch Chancen auf fotogenes Rückseitenwetter in Kaltluft.

      Ansonsten ist der grobe Ablauf hier sehr gut beschrieben:




      Thema des Tages
      Schon wieder Orkan?

      Am vergangenen Montag (28.10.2013) wirbelte Orkantief "Christian"
      über Mitteleuropa und schüttelte vor allem den Norden Deutschlands
      ordentlich durch. Böen bis 172 km/h (Rekord für Sankt Peter-Ording)
      wurden im Messnetz des Deutschen Wetterdienstes registriert
      (ausführliche Informationen zu "Christian" finden Sie in einem
      achtseitigen Bericht unter www.dwd.de/presse in der Rubrik
      "Hintergrundberichte"). Nachdem dieser Orkan nun Vergangenheit ist,
      kündigt sich in den Wetterkarten für die nächsten Tage schon wieder
      sehr windiges oder stürmisches Wetter an, möglicherweise droht ein
      neuer Orkan und das wieder in Norddeutschland.

      Ab dem morgigen Samstag überquert eine Kette von gleich drei
      Tiefdruckgebieten hintereinander im 24-stündigen Rhythmus unseren
      Raum.

      Den Anfang macht Tief Nr. 1 namens "Erol", das vom Atlantik kommend
      am Samstag Deutschland erreicht
      . Schon mit diesem Tief frischt der
      Wind wieder deutlich auf. Allerdings sind sich die Wettermodelle
      bezüglich der Tiefdruckentwicklung und damit bei den Windvorhersagen
      noch ziemlich uneinig. Während vor allem die deutsche Modellkette
      (GME, COSMO EU) beim Wind mächtig Gas gibt, treten andere Modelle wie
      etwa das europäische ECMWF oder das amerikanische GFS deutlich auf
      die Bremse (siehe dazu auch die Vorhersage der Spitzenböen für
      Samstag, den 2. November 2013, 12 UTC, zu finden auf www.dwd.de
      rechts in der Rubrik "Thema des Tages" unter [mehr]).

      Im schwächsten Fall (GFS) drohen uns in Deutschland am Samstag "nur"
      stürmische Böen bis 70 km/h (Bft 8). Nach dem deutschen Modell (GME)
      gibt es dagegen in vielen Teilen Deutschlands Sturmböen bis 75 km/h
      (Bft 9), im Norden auch schwere Sturmböen bis rund 100 km/h (Bft 10).
      In höheren Berglagen sind demnach schon wieder orkanartige Böen über
      103 km/h (Bft 11) zu erwarten. Allerdings offenbart eine Betrachtung
      von Wahrscheinlichkeitsvorhersagen auch, dass es voraussichtlich
      nicht ganz so schlimm kommt, wie vom deutschen Modell angenommen
      wird. Die Vorhersagen von GFS erscheinen aber ebenso wenig
      wahrscheinlich, sodass die Wahrheit wie so oft wohl in der Mitte
      liegen wird. Mit dem Abzug von "Erol" ab den Nachmittagsstunden des
      Samstags flaut der Wind von Westen her vorübergehend ab.

      Am Sonntag zieht Tief Nr. 2 namens "Friedrich" auf uns zu. Es scheint
      von dem Dreier-Tief-Konglomerat die kräftigste Entwicklung zu nehmen.
      Allerdings sind sich die Modelle bei den Vorhersagen schon wieder
      ziemlich uneinig. So berechnet die deutsche Modellkette auch an
      diesem Tag wieder die stärksten Böen, während die anderen Modelle
      zurückhaltender sind. Nach dem schwächsten Szenario (GFS) kommt es im
      Flachland nur zu stärkeren Windböen bis 60 km/h (Bft 7), an der
      Nordsee zu stürmischen Böen bis 70 km/h (Bft 8). Nach GME erwarten
      uns dann in ganz Deutschland am Sonntag sogar bis ins Flachland
      Sturmböen bis 85 km/h (Bft 9), im Norden auch wieder schwere
      Sturmböen bis 100 km/h (Bft 10). An der Nordsee würden demzufolge
      erneut orkanartige Böen oder Orkanböen bis über 120 km/h (Bft 12) zu
      erwarten sein. An diesem Tag ist die Wahrscheinlichkeit für eine
      stärkere Windentwicklung höher, sodass die Lösung der deutschen
      Modelle eher möglich erscheint. Die Stärke des Orkans "Christian"
      wird dieses zweite Tief voraussichtlich aber nicht erreichen.

      Am Montag bildet Tief Nr. 3 (das zur Zeit noch keinen Namen hat,
      vermutlich aber auf "Godehard" getauft wird) den Abschluss der
      Dreierkette. Und erneut zeigen die Berechnungen der Modelle für die
      Spitzenböen Unterschiede wie an den Vortagen. GFS tendiert wieder nur
      zu stürmischen Böen bis 70 km/h (Bft 8), während GME Sturmböen oder
      schwere Sturmböen bis nahe 100 km/h (Bft 10) und im Bergland erneut
      orkanartige Böen über 103 km/h (Bft 11) berechnet. Die
      Wahrscheinlichkeiten für Sturmböen bis ins Flachland sind recht hoch,
      während sich schwere Sturmböen oder mehr auf das höhere Bergland
      begrenzen.

      Alles in allem sind also ab Samstag trotz der genannten
      Unsicherheiten jeden Tag gebietsweise orkanartige Böen oder Orkanböen
      möglich. Damit könnten alle 3 Tiefdruckgebiete sich zu Orkantiefs
      entwickeln. Am Dienstag beruhigt sich das Wetter dann aber. Wer
      jedoch denkt, dass dann alles ausgestanden ist, dem sei gesagt, dass
      die Windvorhersagen des GME in der Nacht zum Mittwoch und am Mittwoch
      schon wieder sehr starke Signale für Sturm zeigen. Wenn das mal nicht
      der nächste Orkan wird!

      Dipl.-Met. Simon Trippler
      Deutscher Wetterdienst
      Vorhersage- und Beratungszentrale
      Offenbach, den 01.11.2013

      Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
    • Update 02.11.2013 / 20:00 Uhr

      Die heutigen Spitzenböen bis 19:00 Uhr bzw. 19:15 Uhr:

      Schmücke 86 km/h
      Erfurt/Bindersleben 68 km/h
      Neuhaus 59 km/h
      Schleiz 56 km/h
      Gera/Leumnitz 54 km/h
      Eisenach 47 km/h
      Meiningen 43 km/h
      Leinefelde 40 km/h
      Artern 36 km/h

      Quelle: DWD

      Bei den privaten Stationen sah es so aus:



      Das nächste Sturmtief "Friedrich" beschäftigt uns in der kommenden Nacht und am Sonntag. Die Kaltfront greift in der Nacht auf Deutschland über und überquert Thüringen bis zum Vormittag. Danach folgt die typische Rückseite im Trogbereich mit höhenkalter Luft bis -31°C. Das bildet die Grundlage für konvekive Umlagerung im Sinne von kräftigen Kaltluftschauern, teils auch Gewitter und Graupel. Weiterhin ist nicht auszuschließen, dass es Schneeregen und Schnee in den Schauern auch mal unter 1000 m gibt. Was die WIndentwicklung angeht, stehen die stärksten Böen aus Südwest einerseits im Bergland an: 75 bis 90, teils 95 km/h sind möglich, selbige in Schauer- und Gewitternähe auch im Tiefland nie auszuschließen, ansonsten hier Böen 65 und 85 km/h.

      Wie Ronny schon richtig schrieb, kristallisiert sich Montag als neuerlicher Höhepunkt des "flotten Dreiers" aus. Das letzte Sturm- bzw. Orkantief, welches auf den Namen "Godehard" hören wird, zieht auf ähnlicher Zugbahn wie "Christian" vergangene Woche über den Ärmelkanal, die Nordsee weiter nach Skandinavien. Sein Windfeld beeinflusst den Freistaat am Tage mit noch etwas höheren Böen als am Vortag. Im Bergland sind dann schwere Sturmböen aus Südwest, später Nordwest bis hin zu einzelnen orkanartigen Böen zw. 90 und 100, teils über 100 km/h zu erwarten. Im Tiefland treten verstärkt stürmische bzw. Sturmböen auf. Einzelne noch höhere Böen auch hier nicht ausgeschlossen, gerade im Vorland des Thüringer Waldes. Die Warmfront wird in der 1. Tageshälfte, die Kaltfront in der 2. Tageshälfte von Nordwest nach Südost durchziehen.

      Am Dienstag wird sich das Geschehen kurz beruhigen.
    • Montag, 04.11.2013 bis 17uhr

      Spitzenböen des Tages (km/h)

      Neuhaus (851m) 86 km/h
      Schmücke (948m) 83 km/h
      Gera/Leumnitz (311m) 72 km/h
      Erfurt/Bindersleben (322m) 70 km/h
      Eisenach (312m) 70 km/h
      Leinefelde (356m) 69 km/h
      Schleiz (502m) 68 km/h
      Altenburg/Nobitz (195m) 59 km/h
      Artern (166m) 58 km/h
      Meiningen (453m) 50 km/h

      Anzahl Wetterstationen: 10


      Quelle: wetteronline.de

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Ronny K. ()


    • Quelle Radarbild: WetterOnline Mitgliederbereich

      Die auf die schnelle gemachte Grafik zeigt, dass die Kaltfront des heutigen Sturmtiefs gerade über Thüringen ostsüdostwärts zieht. An ihr kann es nochmal kurzzeitig recht kräftig regnen und der Wind frischt insbesondere noch einmal auf. Bis Mitternacht sollte die Front Thüringen verlassen haben. Dahinter fließt recht kalte Meeresluft ein, sodass die Tiefstwerte bei Aufklaren in den leichten Frostbereich gehen können. D.h. in den Bergländern oberhalb etwa 700 m ist mit Reifglätte zu rechnen. Sollte noch Niederschlag auftreten, kann dieser auch als Schnee niedergehen. Mit Wintereinbruch hat das aber nichts zu Tun!

      Morgen wird es mal kurz etwas ruhiger, der Wind beschäftigt uns weiter.