Die Rückkehr der Jedi-Chaser, Teil 1

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    • Die Rückkehr der Jedi-Chaser, Teil 1

      Hallo liebe Freunde/Feinde* des Mildwinters,

      es gab einst eine Zeit, da schrieb ein gewisser Forenjüngling begeistert nach jedem seiner Ausflüge in die Weiten der uns umgebenden, einzigartigen mitteldeutschen Natur seine Erlebnisse nieder und stellte sie anschließend der Menschheit zur allgemeinen Bereicherung ihres mehr oder minder trüben Alltags zur Verfügung. Glück, Frieden und Gewitterreichtum herrschten über Thüringen.

      Verlockend, unvergessen und von überwältigender Schönheit gingen die blitzreichen Nächte des 29.07.2005 oder des 10.06.2010 in die Thüringer Wettergeschichte ein. Doch im Laufe der Jahre mischte sich unbemerkt eine im Hintergrund wirkende, unheilvolle Kraft in das Geschehen ein. Der junge Padawan glaubte den Versprechen dieser dunklen Macht, die ihm Jahr für Jahr erneut einen F5-Tornado bei Nordhausen in Aussicht stellte. Doch die Gier mündete in Überdruss. Ausbleibende Gewitterlagen, sich teilende oder auflösende Zellen, fehlende Feldwege, versagende Autobatterien, verunglückte Radfahrer, schlecht asphaltierte Straßen und solche, die ins Nirgendwo führten, zermürbten ihn und er verlor die Wertschätzung gegenüber den kleinen Geschenken, die ihm der Thüringer Wetteralltag bot. Schnell offenbarte sich ihm die dunkle Seite der Macht...

      Seine Begeisterung wich der Frustration und eine schier endlose Zeit der fehlenden Einstrahlung begann sich über Thüringen festzusetzen. Der Imperator selbst war es, der den TSC-Jedi-Chasern ihren Titel entzog, sodass sie sich fortan nur noch Thüringer Storm Chaser nennen durften. Gehaltvolle Berichte blieben aus, sodass die Welt das Interesse an der Schönheit und den Respekt vor der Natur verlor. Viele übrig gebliebene Sturmjäger fielen der Sensationsgeilheit zum Opfer. Auch die Bevölkerung litt unter den weitreichenden Folgen der Herrschaft des Imperiums. Wochenlange Extremwetterlagen, ganztägig bedeckter Himmel, vergessene Regenschirme, fehlerhafte Wettervorhersagen im Radio, sowie plötzlich auftretende Schneefälle mitten im Winter brachten Not und Elend über das Thüringer Land.

      Doch die Rebellen der TSC leisteten erbitterten Widerstand gegen die Herrschaft des Imperiums. Netzwerkartig strukturiert arbeiteten sie unaufhörlich an verschiedenen Stützpunkten im mitteldeutschen Raum an der Verwirklichung des Traums der galaktischen Allianz aller Sturmjäger. Aufklärungsarbeit, spektakuläre Bilderserien und umfangreiche Analysen gewannen an Bedeutung im weltweiten Netz. Schließlich nahm sich der Meister der Rebellion selbst dem jungen Padawan an, unterrichtete ihn in der Kunst der inneren Motivation ("Berichte schreiben schnell, du musst!"), befreite ihn von der Last des studentischen Zeitüberdrusses und schaffte die Rahmenbedingungen für eine großartige Chasingsaison 2014.

      Für den Jedi war nun die Zeit gekommen, sich der dunklen Vergangenheit zu stellen, die schönen Momente der vergangenen zwei Jahre aus dem Archiv zu holen...

      *Nichtzutreffendes streichen

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      Im Gegensatz zum definitiven Mildwintergesellen 2014, herrschte im Februar 2012 noch keine Klarheit darüber, wie der Winter wohl am Ende abschließen würde, da uns das Hoch "Cooper" zu Beginn des Monats eine zweiwöchige Kältewelle bescherte. Eine der schönen Seiten großer Kälte ist das Zusammenspiel mit Nebel, welcher herrliches Raueis an die kahlen Bäume zaubern kann. Mit nur wenig Fantasie könnte folgende Szenerie auch in einer sibirischen Großstadt aufgenommen worden sein.



      Nach weiteren durchaus bemerkenswerten Kaltlufteinbrüchen im Frühjahr, stellte sich Ende April eine hochsommerliche Wetterlage ein, die rekordverdächtige 30°C und Badespaß für die Gäste des Cospudener Sees brachte.







      Doch schon bald sollten Gewitter Abkühlung bringen, die das Herz eines Jedis jeden Stormchasers höher schlagen ließen. Der 02. Mai 2012 brachten Martin und mir bei Weißenfels und am Zwenkauer See nahezu achtstündiges Dauergewitter mit herrlichen Fallstreifen, einem schönen Aufzug, Stroboskopgeflacker und schließlich, als das Spektakel schon zu Ende schien, die besten von uns jemals abgelichteten, stark verästelten, nächtlichen Blitze.













      Am Morgen des 11. Mai beobachteten Maurice und ich bei Magdeburg ebenfalls Elektrizität:



      Weitere Gewitter sollten uns erst wieder am 18. Juni beschert werden, als Martin und ich eine lange und eine (für ihn) beschwerliche Reise auf uns nahmen. Entlohnt wurden wir mit dem Anblick intensiv sprießender, hochreichender Konvektion, einigen netten Böen und einem von der Rückseite beschienenen Hagelvorhang mit Regenbogen.







      Die erhoffte Superzelle blieb zwar an jenem Tag aus, jedoch wurde mir ein solches Exemplar in der Folgezeit gleich zweimal geboten. Beim zweiten Ereignis am 30. Juni war ich sogar chasingbereit und nahm diese gleich westlich von Leipzig in Empfang. Sie war einer der Vorläufer eines gewaltigen MCS, der in der Nacht über große Teile Deutschlands mit teils downburstartigen Winden hinwegzog und über Thüringen einen interessanten "Cold Pool" ausbildete. Die Superzelle deutete sich bereits durch Mammati am Abendhimmel an.



      Schließlich tauchte im Westen eine waschechte Mesozyklone auf. Nördlich davon zuckten immer wieder Blitze aus dem Amboss herab, meist handelte es sich jedoch um äußerst ansprechende Crawler.







      Der Zelle fehlte bald die nötige Energie, sodass sie langsam zerfiel. In ihrem allerletzten Atemzug, ausdauernd donnernd und um Energienachschub hechelnd, eröffnete mir sie den Satz, der mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist:

      "Ich bin Dein Vater!"

      Die halbe Nacht zuckten Blitze über mir.

      Fortsetzung folgt...
      - wetterinteressiert und unwetterbegeistert seit Beginn der 2000er Jahre
      - TSC-Mitglied seit 2007
      - aktiver Chaser seit 2010