Bebilderter Wetterrückblick 2013, Teil 2

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    • Bebilderter Wetterrückblick 2013, Teil 2

      Guten Tag zusammen,

      ich weiß, ich übertreibe mit der immensen Flut an Berichten maßlos. Aber meine Bilder zahlen keine Miete mehr und müssen demzufolge raus.

      Am 19.05.2013, mich dünkt, es war ein Sonntag, unternahm ich eine kleine Tour auf den Frauenberg bei Sondershausen, begutachtete den frisch gemeißelten Weg nach oben und die Informationstafeln an der neu gebauten Hütte - wohl Resultate der Ausgrabungen und entsprechender Gelder, die fließen, wenn es mal wieder etwas Spannendes zu entdecken gibt. Dort oben ereilte mich eine Nachricht aus Kirchengel, die zu einer Gewitterfernbeobachtung von der Hainleite aus aufrief. Ich erwartete zwar nichts, freute mich aber auf ein gemütliches Zusammentreffen mit Maurice und Andreas und fuhr nach meiner Wandertour direkt gen Süden. Den Höhepunkt des Abends bildete aber schließlich, von sämtlichen Beteiligten unerwartet, ein faszinierendes Abendrot.





      Das erste fotogene Gewitter der Saison suchte mich schließlich erst am 31. Mai heim, hatte es dafür aber in sich. Ich nenne diesen Tag den 180°-Tag, da sämtliche sonst so klaren Verhaltensweisen von Gewittern an diesem Tag in ihr Gegenteil verkehrt waren. Das begann schon bei der allgemeinen Windrichtung, bei der die feuchtlabile Luft ausnahmsweise von Nordosten her hereingeweht wurde. Eine gut organisierte Linie zog dabei von Sachsen-Anhalt aus in den Norden von Thüringen. Ich überlegte lange, welches wohl der am besten geeignete Punkt für eine Beobachtung sein könnte und kam schließlich zu dem Ergebnis, dass dieser 50 Meter von meiner Haustür entfernt lag.

      Zunächst war jedoch außer einer grauen Suppe über Sondershausen praktisch nichts von den Gewittern zu sehen. Ein leises Grummeln, welches sich allmählich zu einem dauerhaften Donnern steigerte, war dann das erste Anzeichen, dass es hier wohl nicht mehr ganz mit rechten Dingen zuging. Tatsächlich war nun eine leichte Verdunklung am Nordosthimmel wahrnehmbar. Normalerweise beginnt ein Gewitter in dieser Entfernung vor Sondershausen nun mit dem Zerfall. Nicht so jedoch an jenem Tag im Mai.

      Ich begab mich mit Stativ und Kamera bewaffnet nach draußen und es begann sich eine Böenwalze abzuzeichnen, deren erstes Erscheinungsbild in der Ferne noch wenig spektakulär erschien. Doch der Kern schien sich nicht abzuschwächen, sondern im Gegenteil zu verstärken. Der Niederschlagsvorhang wurde immer wieder von einem Flackern erhellt und immer häufiger von Erdblitzen durchzogen. Von Minute zu Minute wirkte die Wand bedrohlicher und ich erkannte, dass im Gegensatz zu den sonst sehr schwächlichen Systemen über meiner Heimat, dieses eine beachtliche Stärke aufwies, zumal sich die Böenfront nicht wie sonst üblich vom Niederschlag entkoppelt hatte.

      Ein Panorama von Sondershausen vor äußerst schlechtem Wetter...



      Ein weiteres entscheidendes Merkmal bildete die zunehmende, leicht grünliche Färbung des Niederschlagsvorhangs, sodass östlich von Sondershausen eine unwirkliche Szene entstand.



      Ich stellte fest, wie der Vorhang in haarscharfer Abgrenzung, wie ich es dort noch nie erlebt hatte, die Hügel der Windleite verschluckte.



      Nur ca. eine Minute, bevor der Niederschlag auch den Standort erreichen würde, schloss ich noch mit einer letzten Aufnahme von Sondershausen ab. Der Kontrast am Himmel steigerte sich noch einmal zu seinem beängstigenden Höhepunkt, die Stadt dabei zu sehen machte die Szene gleich komplett surreal.



      Erdblitze zuckten, ein Einschlag war schon nah, ich bereits auf dem Weg ins Haus und innerhalb von Sekunden brachen Sturm und Starkregen gleichzeitig herein.



      Krachende Donnerschläge bescherten der Stadt ein verhältnismäßig kurzes, aber mächtiges Gewitter. Erst hinter(!) Sondershausen nahm die Blitzrate allmählich ab und ich filmte noch einige Blitze mitsamt und ohnesamt ihrer Donnerschläge.

      [video]http://www.youtube.com/watch?v=SKMhWPn7Oa8[/video]

      Ein gelungener Frühlingstag!


      Der Gewittercharakter des Jahres 2013 blieb beständig, will heißen: Lange Durststrecken, aber wenn was kam, kam's auch dicke. So auch am 20. Juni - ein Tag über den schon im Voraus fleißig debattiert wurde. Nachlesen lohnt, da dadurch einige interessante Aspekte zur Entwicklung solcher Schwergewitterlagen klar werden.

      Thread Gewitterlage ab 17.06.

      Vor allen in Bezug auf die Rekordtaupunkte und US-like CAPE-Values sollte uns dieser Tag in Erinnerung bleiben.

      An dieser Stelle soll es nun aber um die Bilder und unsere Erlebnisse an diesem Tag gehen. Ohne zu wissen, dass Leipzig den seit Jahren stärksten Flash Flood erleben würde, fuhren Martin und ich in Richtung Thüringen, wo die Cbs viel zu früh schon wie Pilze aus dem Boden schossen. Die Taupunktsuppe, die selbst mir ein außergewöhnliches Schweißperlenerlebnis bescherte, verhinderte besonders fotogene Ansichten bis auf weiteres. Nachdem wir die ersten Eisschirmtropfen überwunden hatten, platzierten wir uns bei Sömmerda und sahen, dass wir nichts sahen. Dauergegrummel blieb zunächst das einzig wahrnehmbare Signal. Zumindest konnte man auch noch einige Türmchen unter dem dichten Schirm entdecken.



      Unser Hauptmotiv bildete für lange Zeit eine bezaubernde, kleine Hütte mit blauem Einstieg. Äußerst spannend!



      Zumindest zeichnete sich am Horizont bald Niederschlag, ein leichter Kontrast und ganz, ganz vage eine Böenfront ab. Die Aufnahme soll lediglich dem Vergleich zu der acht Minuten später folgenden Ansicht dienen. Zur Information: Der Feldweg wird der gleiche bleiben.



      Bereits drei Minuten später waren wir uns über die Strukturen im Klaren. Der Inflow wehte beträchtlich in das System hinein.



      Was dann noch einmal fünf Minuten später folgte, ist an majestätischer Schönheit und Wandlungsfähigkeit kaum zu übertreffen und zeigt eindrucksvoll, welche Luftmasse den Inflow bildet und aus welchen Höhenschichten der Outflow zu uns heruntergestoßen ist. Wir hatten dabei das Glück an einem weitgehend niederschlagsfreien Ort fotografieren zu können. Nur zwei Adebare ziehen im Sturm ihre Kreise. Genial!



      Im nächsten Bild wird die Sachlage noch klarer. Wir sehen hier ganz rechts tatsächlich keinen Niederschlag, sondern einfach bloß die feuchtigkeitsschwangere Tropikluft, die von der Böenfront hinweggefegt wird. In der Mitte und über uns das Whales Mouth, bizarr durch kalte Luft aus der Höhe geformt. Und erst ganz links kann man den eigentlichen Niederschlagsvorhang einer kräftigeren Entwicklung im Norden von uns sehen.



      Im Süden lag ebenfalls eine kräftige Zelle, das Abbild nicht minder spektakulär.



      Wir zogen uns ins Auto zurück und harrten der Dinge, die kommen sollten. Wir fuhren nur wenige Meter, als wir von dem hereinbrechenden Niederschlag überrascht wurden. Da nördlich und südlich von uns akute Hagelgefahr bestand, entschieden wir uns zu warten. Die Lücke über uns hatte sich geschlossen. Es dauerte einige Zeit, bis die immensen Wassermassen über uns abgeladen wurden. Schon jetzt war klar, dass die frühen Entwicklungen über dem Osten Deutschlands das weitere Geschehen durcheinander bringen würden.

      Es folgte das beeindruckendste, rückseitige Erlebnis seit jeher. Alles begann mit diesem einen Satz, den ich zu Martin sprach: "Hagel hat heute noch gefehlt."

      Nur wenige Minuten später polterte irgendwas aufs Autodach. Da wir uns ja bereits in vermeintlich "abgekühlter" Luft befanden, dachten wir uns zunächst nichts dabei und fuhren unbeirrt weiter. Wir wollten ja noch (über Umwege) etwas nach Westen gelangen, wo gegen Abend die zweite Linie erwartet wurde. Doch das Poltern nahm zu und steigerte sich zu einem intensiven Lärm. Es fielen bis maximal 2 cm große Körner aus einer rückseitigen Neubildung auf uns herab. Wir hielten an, das Spektakel zog vorüber, doch der Schreck saß tief.

      An einem weiteren Haltepunkt konnten wir beobachten, wie nunmehr nach oben und nach unten gerichtete Konvektion gegeneinander arbeiteten. Die Gefahr von weiteren unvorhergesehenen Ereignissen schien erst einmal gebannt.



      Der zweite Teil unseres Chasings war im Gesamtzusammenhang betrachtet eher unnötig, aber immerhin lernten wir so einmal völlig neue Gegenden in Hessen kennen. Bezüglich der Gewitteraktivität, die bei der zweiten Linie sowieso etwas hinter den Erwartungen blieb, hatten wir jedoch noch Glück im Unglück, sodass uns noch einmal starkes Wetterleuchten beglückte. Problematisch war lediglich die Tatsache, dass wir so hoch und die mögliche Böenfront so tief lag, dass wir praktisch nur auf eine flackernde Wand starrten, bei der man sich ob der eigentlichen Entfernung des Gewitters sehr unsicher war, was ich schließlich am eigenen Leib erfahren durfte. Mit dem Satzteil: "Ich könnte jetzt mal langsam ins Auto..." packte ich die Kamera noch in den Kofferraum, Stativ und Christoph wurden jedoch bereits vollständig durchnässt. Mit der Ausbeute waren wir ganz zufrieden, lachten uns im Auto noch einen Ast ab und stellten dann leider fest, dass der Heimweg lang und zäh werden könnte. Im Morgengrauen fiel ich zu Bett - oh heilige Studentenzeit, ich vermisse dich.



      Ohne Einwände das größte Problem des folgenden Hitzesommers nach Hochwasser in Leipzig... summ summ, klatsch.



      Trostpreischasing mit Oliver am 28.07. bei Apolda



      Grüße
      Chris
      - wetterinteressiert und unwetterbegeistert seit Beginn der 2000er Jahre
      - TSC-Mitglied seit 2007
      - aktiver Chaser seit 2010
    • Toller Bericht und schöne Bilder, Christoph! :zwinker Das macht Lust auf mehr in der kommenden Saison...

      @Markus: Ich weiß gerade wirklich nicht, ob das ein schlechter Scherz mit dem Bild ist. Wie es wirklich aussah, ist natürlich immer schwer zu beurteilen, aber so bestimmt nicht. Gefällt mir nicht. :flucht

      Grüße, Maurice
    • Maurice schrieb:


      @Markus: Ich weiß gerade wirklich nicht, ob das ein schlechter Scherz mit dem Bild ist. Wie es wirklich aussah, ist natürlich immer schwer zu beurteilen, aber so bestimmt nicht. Gefällt mir nicht. :flucht

      Was soll daran ein schlechter Scherz sein? Wenn es danach geht, dann sehen 90% der digitalen Bilder unecht aus. Es ist doch gerade der Reiz der heute zur Verfügung stehenden digitalen Bildbearbeitung, ein Maximum aus den Rohbildern herauszuholen. Wie die Ziele eines Chasers unterschiedlich sind, so hat jeder einen anderen Anspruch an die Bildbearbeitung.

      Ich frage mich zudem seit über einem Jahr, ob manche deiner Aussagen schlechte Scherze waren :zwinker :flucht

      LG

      Markus
    • Eine Bitte:

      Keine derartigen Grundsatzdiskussionen in diesem Thread!

      Maurice bezieht sich hier tatsächlich nur auf das eine Bild. Und mit Markus hatte ich schon geklärt, dass es in Wirklichkeit nicht so hell war, wie er es bearbeitet hat (aber auch nicht ganz so kontrastarm, wie bei mir bearbeitet).
      Jetzt habt ihr es also geschafft: Ich versuche mich am Wochenende selbst nochmal an dem Bild. :flucht
      - wetterinteressiert und unwetterbegeistert seit Beginn der 2000er Jahre
      - TSC-Mitglied seit 2007
      - aktiver Chaser seit 2010