August 2014 | Blitze bei Lützen und Döbeln | Und täglich grüßt das Murmeltier, Teil 2

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    • August 2014 | Blitze bei Lützen und Döbeln | Und täglich grüßt das Murmeltier, Teil 2

      Hallo Freunde der letzten warmen Sonnenstrahlen,
      (hallo Freunde der dunkelgrauen Wolkenmassen,)

      während mein letzter Bericht vor allem reichlich bemerkenswerte Statistik und entsprechend viel Text enthielt, kann ich im nun folgenden zweiten Teil vermehrt die Bilder sprechen lassen. Dies ist vor allem einem Einzelereignis "geschuldet", welches nach nur drei Tagen Gewitterabstinenz während meines letzten Urlaubswochenendes mit einem gewaltigen nächtlichen Feuerwerk die nächste Phase Murmeltiergewitter einleitete.

      Hinsichtlich der Anzahl der geknipsten, nächtlichen Bilder (jeweils 30 Sekunden Belichtungszeit) konnte ich an jenem 02. August von zwei verschiedenen Standorten aus einen neuerlichen, persönlichen Rekord aufstellen. Insgesamt schoss ich im Zeitraum von 22.30 Uhr bis 0.45 Uhr...

      - 106 Bilder, davon
      - 73, auf denen Blitzkanäle oder helles Flackern zu sehen war, davon
      - 52, die ich im ersten Durchgang für "bearbeitungswürdig" und zeigbar hielt, davon eine Auswahl von
      - 24 besten Bildern, die ich tatsächlich bearbeitete und schließlich davon
      - 19 Bilder, die ihr im Folgenden sehen könnt.

      Die abendlichen Entwicklungen überraschten mich auch diesmal sehr, sodass ich anfangs sogar (vollkommen unbegründete) Bedenken hatte, dass ich den Großteil des Feuerwerks verpassen würde. Ich fuhr auf der A38 gegen 22 Uhr ein Stück nach Westen, wo bereits intensive, helle Blitze aus den in der Dunkelheit sprießenden Cumuli zuckten. So positionierte ich mich gleich in der Nähe der Abfahrt Lützen und sah zu, wie die Entwicklung vor mir unter Abschwächung westlich vorbeizog. Derweil bewegten sich ganz allmählich die für mich interessanten Gewitter aus Süden im Schneckentempo auf mich zu, wodurch ich ungefähr eine halbe Stunde Zeit hatte, mein Stativ aufzubauen... ehe dann die ersten brauchbaren Neuentwicklungen auf ihrer Vorderseite entstanden.

      Die Erdblitzrate beeindruckte mich. Die erste Entladung dieser Entwicklung, die sich auf die Kamera verirrte, wies nette Verästelungen auf. Man beachte vor allem den noch äußerst schmalen Niederschlagsbereich:



      Von nun an zuckten unablässig Erdblitze in sicherer Entfernung herab.



      Die größte Herausforderung zu Beginn: Outflow der alten Zelle im Westen. Diese bildete einen starken Abwind aus, welcher mein Stativ kräftig durchschüttelte. Ich hielt es eine Weile fest. Die durch die Langzeitbelichtung verwischten Bäume zeugen von der Kraft des Windes:





      Zweite Herausforderung: Die Nähe zur Autobahnausfahrt, wodurch für die Tageszeit teils reger Durchgangsverkehr herrschte. Da ich über die Straße hinweg fotografieren musste, machte mir gelegentlich ein Fahrzeug im wahrsten Sinne des Wortes einen Strich durch die Rechnung:



      Auf nahezu jedem meiner Bilder war bis dahin ein Blitzkanal zu erkennen. Ab und zu verirrten sich gleich zwei Exemplare auf die Speicherkarte...



      ... oder vier:



      Bedrohlich wirkten auch die Wolkenuntergrenzen:





      Plötzlich ein kleiner Schreck: Ein Auto biegt in denselben Weg ein, indem ich stand, hält an, eine Person in meinem Alter steigt in unmittelbarer Nähe aus und baut ihr Stativ auf. Aus einer kurzen Unterhaltung erfahre ich, dass es sich um einen Hobby-Astrofotografen aus Lützen handelt, der die Gunst der Stunde genutzt hat, um sich in der Langzeitbelichtung von Gewitterblitzen zu versuchen - einen besseren Zeitpunkt hätte er sich kaum wählen können. Vielleicht liest er, nachdem ich ihm die TSC-Seite empfohlen habe, diesen Text in diesem Moment... von daher: Schöne Grüße! Ich hoffe, Du hast ebenso ein paar nette Eindrücke des Blitzspektakels festhalten können! :winken

      Vereinzelt erreichten Blitzschläge die Erde, die an Pracht kaum zu übertreffen waren. Gelegentlich war die Schönheit der Verästelungen bereits mit bloßem Auge zu erkennen, häufiger jedoch wurde das Ergebnis erst auf der Kamera deutlich.









      Nach einer dreiviertel Stunde Fotografieren bildeten sich nun auch in unmittelbarer Nähe Schauer, vereinzelt kam der Donner recht nahe, sodass wir uns verabschiedeten, beide ins Auto stiegen und wieder unserer Wege fuhren. Ich bewegte mich dabei zunächst etwas nach Osten um dem Regen zu entkommen.

      Da es überall um Leipzig schon verdächtig nach Outflow "roch", blieben mir zwei Optionen, von denen laut Blitzradar beide nahezu gleiche Ergebnisse gebracht hätten. Zum einen verstärkte sich die aktuelle Entwicklung bei Halle und zog weiter in Richtung Bernburg, was ideal über die A14 nach Norden erreichbar gewesen wäre. Ich entschied mich jedoch für Option Zwei und fuhr die A14 in Richtung Dresden weiter, da über das Erzgebirge weitere Gewitter nach Norden vorankamen und sich nahezu sekündlich auf der Mittelwelle, sowie als Flackern am Horizont bemerkbar machten. Somit hatte ich neben einem blitzintensiven Gewitter im Rücken auch eine tolle Gewitterlinie rechter Hand vor mir. Die Ankunft der Zellen verzögerte sich aufgrund der Höhenströmung deutlich, sodass ich Abfahrt um Abfahrt zu mir selbst sprach: "Eine später fährst du erst ab..."

      Die Entscheidung habe ich nicht bereut, denn am neuen Standort bei Döbeln begann das Spiel gegen 0.30 Uhr von vorn - zunächst entfernte Erdblitze, im Vordergrund schon Cumuli sichtbar:



      Neuentwicklungen ließen nicht lange auf sich warten:





      Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit war die Ausbeute quantitativ nun nicht mehr so hoch, wie bei Lützen, aber immerhin zeigten sich noch auf gut 50% der Aufnahmen Blitzkanäle. Im Niederschlag selbst gingen die Verästelungen ein wenig unter:



      Zum Abschluss, frei nach dem tapferen Schneiderlein, fotografizierte ich sechs auf einen Streich...



      ... sowie zur Abwechslung noch einen, der sich auf halbem Wege entschied, doch wieder umzukehren:



      Nun endlich ließ ich mich vom ersehnten Starkregenguss überrollen. Kräftige Windböen und nach wie vor gefährliche Erdblitze durchzogen die finstere Nacht in der Einöde.

      Als der Regen nach einer Viertelstunde allmählich schwächer wurde, durfte ich zum krönenden Abschluss noch eine positive Entladung in ca. einem Kilometer Entfernung erleben, welche das Auto vibrieren ließ. Doch selbst die sonst eigentlich langweilige Rückfahrt nach Leipzig blieb spannend. Im Abstand von wenigen Minuten ließ das mittlerweile abgeschwächte System seine Restenergie frei und mächtige Wolkenblitze, im Ansatz Anvil Crawler, durchzogen jeweils für mehrere Sekunden den Himmel, so wie ich es sonst nur von perfekt organisierten Squall Lines kannte.

      Am nächsten Tag folgte bereits um die Mittagszeit ein weiteres Gewitter, welches sich diesmal direkt über Leipzig verstärkte und so vor allem dem Norden und Osten der Stadt Starkregen, Erdblitze und einzelne vollgelaufene Keller brachte. Da Gewitter über dem Leipziger Stadtgebiet, die nach Nordosten abziehen, für mich im Allgemeinen schwierig zu chasen sind und das Gewitter zudem wenig Strukturen zeigte, beschränkte ich mich auf eine kostenlose Autowäsche. In Markranstädt konnte ich der Feuerwehr bei der Entfernung teilweise abgebrochener, großer Äste zusehen.

      Am Morgen des 04.08., mein erster Arbeitstag nach dem Urlaub, verdunkelte sich der Himmel trotz hochnebelartiger Bewölkung über mir rapide und ich hörte bereits auf dem Weg ins Büro erste laute Donner eines Privatgewitters, dem zu dieser Zeit einzigen in ganz Deutschland. Die Zelle zog, wie sollte es anders sein, als Volltreffer direkt über das Bürogebäude. Insgesamt vier Einschläge in unmittelbarer Umgebung (< 1 km) erhellten den Morgenhimmel, Starkregen prasselte herab.

      Am Nachmittag hatten wir es endlich mit der Kaltfront zu tun, die schleifend über Mitteldeutschland lag. Während in Sachsen die Zellen bereits Kaltluftcharakter annahmen, zogen in West- und Mittelthüringen am Abend superzellenverdächtige Gebilde durch das Land. Als ich nach Feierabend meinen Beobachtungspunkt am Zwenkauer See erreichte, war die Zeit zu knapp, um mehr als drei Bilder zu schießen. Beeindruckt hat mich jedoch eine dunkle Böenwalze mit sehr tiefhängenden Fracti:



      Selbst am Folgetag, als die Luftmasse sich weitgehend abgekühlt hatte, verirrte sich um die Mittagszeit noch einmal eine Zelle in die Leipziger Gegend, die Erdblitze und kräftige Donnerschläge brachte, sich diesmal jedoch vor dem Erreichen des Bürogebäudes auflöste.

      - - -

      Fazit: Es langt.

      Auf einen annehmbaren Herbst,
      C.S.
      - wetterinteressiert und unwetterbegeistert seit Beginn der 2000er Jahre
      - TSC-Mitglied seit 2007
      - aktiver Chaser seit 2010