SChaPLe Chasing Season 2013

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    • SChaPLe Chasing Season 2013

      Moin zusammen,

      in diesem Thread will ich wie versprochen mehr oder weniger zeitnah von unseres diesjährigen US-Plains Chasingtour berichten. Als Ergänzung zum lokalen Programm hoffentlich willkommen. Es sei angemerkt, dass sich die Bildberichte der vergangenen Tage aus der Heimat hier im Forum ebenfalls sehen lassen können. Teils mehr Struktur als hier in den Plains an gewissen Tagen.

      Nachdem sich wahrscheinlich schon rumgesprochen hat, dass es in Oklahoma recht ruppig in den vergangenen Tagen zuging, will ich an dieser Stelle einen ersten Zwischenbericht vom 18.Mai liefern, unserem ersten Chasingtag in dieser Saison. Die anderen beiden Tage (19./20.Mai) gibt es in einem folgenden Posting, da ich die Bilder erst bearbeiten und raussortieren muss. Es sei nur schon mal erwähnt, dass wir an den giftigen Zellen die (glücklicherweise) nördlich und südlich unserer Homebase in Norman/Oklahoma (Shawnee am Sonntag und Moore am Montag) vorbeigezogen sind nicht dran waren. Stattdessen waren wir jeweils nördlich bzw. südlich davon unterwegs. Die Schadensbilanz ist natürlich verheerend, was uns selbstredend nicht vom Chasen abhalten wird. Das Risiko ist für uns absolut kalkulierbar, was für die Einhemischen (leider) offenbar nicht der Fall ist. Warum auch immer.

      Anyways, das SChaPLe Team ist heuer wieder in Stammbesatzung unterwegs. Janek, Marcus, Stefan, Torsten und myself. Unterkunft ist wie schon erwähnt in Norman auf dem Uni-Campus. Dennoch ging es bereits zwei Nächte in irgendwelche Motels, da die Strecke sonst zu lang geworden wäre. So auch am vergangenen Freitag, wo wir uns für den darauffolgenden Samstag in Zentral-Kansas positioniert haben (Hays). Zu dieser Zeit war noch nicht ganz absehbar, ob Nebraska evtl. Ziel sein würde. Am Ende ist es Südwest-Kansas geworden, wo uns eine Low-level-moisture bulge mit favorabler Helicity (low level shear) recht aussichtsreich erschien. Dynamik war dank guter Lage im rechten Jet-Exit sowieso vorhanden, sodass nur noch das Problem der frühen Auslösung auf der contra-Liste stand, da dadurch der extra-Kick Scherung durch den einsetzenden abendlichen Low-Level-Jet (LLJ) fehlt. Das kann zwar durch das krasse CAPE kompensiert werden, führt aber leider oft zu schneller HP-isierung. Da bleibt dann nur ein kurzes Zeitfenster nach der Initiierung, währenddessen die klassische Meso hübsch anzuschauen ist. Im besten Fall mit Wallcloud, Funnel und Tornado. In seltenen Fällen kommen dabei dann solche Monster wie gestern in Moore zustande.

      Im Laufe des Nachmittags kam es schnell zur Auslösung. Wir positionierten uns an einer aussichtsreichen Zelle, die es leider kaum zu ernsthafter Rotation gebracht hat. Stattdessen gab es alsbald erste HP-Anzeichen.





      Wir blieben vor der Zelle, die begann von hinten wieder anzubauen. Typisches Zeichen einer Squallline-Bildung und ungefähr das Gegenteil von dem, was man als Strukturchaser gern hätte.



      Irgendwann haben wir das Teil aufgegeben und uns entschieden, noch einen Versuch an einer neuen Zelle weiter südlich zu unternehmen. Zumindest auf dem Radar machte sie einen diskreten Eindruck. Um an die Basis zu kommen, galt es den Amboss zu unterqueren, welcher gern mal mit Hagel um sich wirft. Ging aber gut, und plötzlich sahen wir uns einer wunderbaren Meso gegenüber. Geht doch. Der LLJ hat wohl mal wieder die Musik gemacht.



      Danach dann fast schon klassisches Superzell-Programm. Wallcloud, Funnel, Tornado. Erst Stove-Pipe, dann Abschwächung und Absterben mit faszinierender Rope-Out Phase.





















      Wie so oft haben solche diskret gebliebenen Zellen dann ausreichend Spin, um nach Restrukturierung einen erneuten Tornado zu schmeißen. So auch in diesem Fall, sodass wir am Ende des Tages doch noch das volle Programm geboten bekommen haben. Inklusive dem unvermeidbaren Mammatus-Teppich.












      Lustig auch die allerletzte Phase, in der der kondensierte Rest des Tornados als Ufo, abgetrennt von der Wolkenbasis, bis zur finalen Auflösung durch den Abendhimmel tanzte.



      Sicher ein wenig glücklich, da wir den Tag beinahe bereits abgeschrieben hatten, aber letztlich gehts eben nicht ohne eine Prise Zufall. Weitere Details gibts wie immer auch auf www.SChaPLe.com
    • Sagenhaft, Karsten!

      Das war euer erster Chasingtag? Und dann gleich so ein anmutiger Tornado im Abendlicht? Ich bin begeistert.
      Zugegeben deine Fachtermini sind für mich schwer in ihrem dargelegten Zusammenhang zu entschlüsseln, da bedarf es wohl noch einiger "Lessons" in Sachen Meteorologie.
      Viel Erfolg weiterhin und eine gute, schadensfreie Zeit!

      Lg Marco
    • Schön anzusehen

      Quasi fast bei der ersten Zelle solch ein Fang gemacht. Nicht schlecht.
      Da sieht man mal die vielen Unterschiede im bezug auf das Chasen. Bei uns hier in Deutschland versuchen wir das beste an Bildmaterial aus der gesamten Zelle rauszuholen. Also sprich, die Fronten zu erwischen, den Core, hier und da mal ein Auf-/Abwindbereich, paar Blitze und gegebenfalls wenn es mal dazu kommt ne Meso und ne Wall. Das wäre für uns schon ein Traumchasing.

      Ihr in den USA dagegen, fahrt ja gleich meist ausschließlich direkt das Südliche Ende der Zelle an, speziell auf Tornadojagt. Wenn sie keinen wirft ist euch das fast egal "Sch... drauf, warten wir halt die nächste ab". Ist irgendwie krass.

      Aber naja, so ist das. Würd das auch gern mal "live" erleben.

      Weiterhin viel Erfolg...
    • Wunderschöne Bilder und ein toller Bericht. Da hattet ihr aber richtig Glück, gleich bei der 1. Superzelle einen bildschönen Tornado abzulichten. Ich wünsche euch auch weiterhin viel Erfolg. Sowas würde ich auch gerne mal erleben.

      Gruß, Brina
    • Hey Karsten,

      vielen Dank dass du die extra Zeit findest, auch hier noch etwas zu posten. Ich war schon auf Schaple unterwegs und war begeistert von eurem frühen Glück, gratuliere!
      Gibt es von den Momenten, wo der Rest-Rüssel am Himmel rumtanzte einen Zeitraffer oder so was? Würde mich ja brennend interessieren.

      Soweit erstmal weiterhin viel Glück und grüße den Rest des Teams, wenn auch zur Hälfte unbekannterweise!

      Markus
    • Das war in der Tat unser erster Chasingtag. Allerdings wäre er ziemlich enttäuschend verlaufen, wenn wir nicht rechtzeitig entschieden hätten an diese Zelle noch ranzufahren. Eigentlich hatten wir den Tag schon mehr oder weniger abgeschrieben. Während man sich bei der Auslösung der Zellen meist noch recht gut positionieren kann, ist das treffen der richtigen Zelle für jeden Chaser ein gewisses Glücksspiel (für den häufigen Fall mehrerer Zellen). Die erste Zelle ist keinesfalls immer die beste. Selbst wenn man es an die beste Zelle geschafft hat, ist ein Spektakel wie an unserem ersten Tag eher selten. Zumal man oft beim Heranfahren nicht schnell genug in die richtige Position kommt. Insofern erlebt man auch dort zahllose Enttäuschungen, wie dieses Posting durchaus illustriert ;-)

      Vorher kurz noch ne Korrektur zum vorangegangenen Text: Statt rechter Jet-exit muss es natürlich left-exit heißen.

      @Markus: Videos gibts erst später, da uns das notwendige Kabel zum Überspielen auf den Rechner fehlt. Wird demnach ne Weile dauern, bis es bewegtes Material zu sehen gibt.

      @Marco: Yepp, der wars. Recht nah dran die Freunde :-)


      Juuut, fange ich mit dem 19.Mai an. Von West-Kansas ging es nach Osten Richtung Wichita und weiter nach Süden bis Oklahoma. Wir entschieden uns dafür, die Basis einer recht lebhaften Zelle auf uns zukommen zu lassen. Das Ganze nahm recht vielversprechende Formen an, allerdings war bald eine Repositionierung erforderlich.






      Da das Straßennetz nicht immer perfekt auf die Chasingroute abgestimmt ist, verliert man die Basis gelegentlich aus dem Auge. Um wieder einen besseren Überblick zu bekommen, wollten wir einen Radarcheck machen. Allerdings hat weder 3G Internet noch lokales WiFi uns weiterhelfen können, sodass wir notgedrungen auf Sicht weiterfahren mussten. Witzigerweise war der Aufwind der Zelle recht gut unterwegs und nicht mehr allzu weit von uns entfernt, sodass sich der vermeintliche Fraktus plötzlich als Tornado entpuppte. Allerdings war es ein sehr kurzer Spaß, da das Teil alsbald im Regen verschwand.






      Ironischerweise war es das dann auch schon für den Tag, da die Zelle sich nie wieder reorganisierte und nur noch am Südende anbaute. Selbst das Anbauen unterblieb irgendwann, da durch die mittlerweile entstandenen Zellen in Zentral-Oklahoma der "Saft" aus der Grundschicht genommen wurde.






      Damit hieß es am frühen Abend Abbruch. Diesmal allerdings endgültig für diesen Tag. Hätte man von vornherein auf Risiko gesetzt, wären die südlicheren Zellen über Oklahoma wohl drin gewesen. Allerdings waren wir sowieso in Kansas und das Capping (CIN) dort unten sehr stark. Nicht stark genug, wie sich am Ende herausgestellt hat. Eine der Zellen hat einen langlebigen Tornado produziert, der knapp nördlich an unserer Unterkunft in Norman vorbeizog.


      Der nächste Tag (20.Mai) bot ähnliche Bedingungen, diesmal allerdings weiter im Süden. Auslösung fand erneut am frühen Nachmittag statt. Wir entschieden uns für die mittlere von drei diskreten Zellen, da die nördliche zu schnell davonzuziehen schien. Wie üblich gabs dabei auch hübschen Mammatus am wegziehenden Schirm zu bestaunen.






      Wir hätten nie und nimmer damit gerechnet, dass just aus dieser Zelle der Monster-Tornado von Moore entstehen. Die Zugrichtung exakt entlang der Kaltfront scheint wohl hier den Turbo gespielt zu haben. Da jagt man dann 100km südlich der Homebase einen alsbald outflow-dominant gewordenen Sturm, und hört wie ein Tornado erneut(!) wenige Kilometer des Startorts (=Homebase) die Vororte zerlegt. Der Laie fragt sich, warum seid ihr nicht einfach zuhause geblieben? Tja, weil es eben doch nicht so einfach ist, wie man sich das am heimischen Sofa so vorstellt. Aber das brauche ich euch nicht zu erzählen ;-). Wie gesagt, aufgrund der Schäden war es vielleicht sogar besser nicht an diesem Teil dran gewesen zu sein.

      Die Basis unsere Zelle musste auch an diesem Tag nach zwischenzeitlichem Sichtverlust durch Repositionierung gesucht werden. Der reichliche Niederschlag war dabei keine Hilfe. Zwischenzeitlich war die Zelle komplett Outflow-dominiert, sodass wir uns mit anderen Beschäftigungen unterhalten mussten, u.a. mit der Fotografie bunter toter Vögel. Lag da einfach so neben uns rum. Genauso tot wie die Struktur der Zelle.









      Immerhin gab es einen kurzen Restrukturierungsversuch, der dieses beeindruckende Radarecho zustande brachte:



      Was wir darunter zu sehen bekamen war weit weniger spektakulär, sodass sich seitdem unsere Hook-Versessenheit etwas normalisiert hat. Was nicht heißt, dass man nicht trotzdem bei jedem Hook Neidzustände bekommt.






      Der Aufwind kollabierte daraufhin vollständig, sodass wir nach kurzer Bedenkzeit entschieden, einen letzten Chaseversuch an der Grenze zu Texas zu unternehmen. Die dortigen Zellen zeigten gute Rotationssignale, stellten sich aber allesamt als weitere HP-Stürme heraus. Nichts worüber man weitere Worte verlieren müsste, da nicht einmal die vorhandene HP-Struktur begeistern konnte.



      Fazit: Zwei Tage mit krassem Tornadopotenzial, dass uns kaum mehr als allmählich langweilig werdenden HP-Kram beschert hat. Es sollte nicht wirklich besser werden ...
    • Gleich noch den 23.Mai hinterher, welcher Texas Panhandle als Ziel vorsah. Zwar nun ohne großartige Unterstützung des Jetstreams, aber das Feuchte- und Scherungspotenzial war gut, sodass diskrete Zellen durchaus zu erwarten waren. Einzig das fehlende CIN brachte uns wieder in Schwierigkeiten, da wir trotz sehr früher Abfahrt in Norman nicht mehr rechtzeitig in günstige Position vor die Zelle kamen. Wäre sie nicht outflow-dominant geworden, hätte das anders ausgesehen, aber leider blieb das nur unser Wunsch. So gab es statt Struktur nur jede Menge Staub, da Texas noch mitten in der Dürre steckt. Vielmehr als die folgenden zwei Bilder gab es tatsächlich nicht zu sehen ... und das nach knapp 400km Anfahrt.





      Eine zweite Zelle die wenig später etwas südlich entstand machte ebenfalls wenig Hoffnung auf Struktur, sodass wir zum Strohhalm Amarillo griffen, wo am Abend evtl. noch ein paar LP-Superzellen entstehen könnten. Das taten sie auch vorübergehend, allerdings kamen wir nicht mehr rechtzeitig vor ihrem frühen Energiemangeltod heran. Aus der Ferne sah das kurz vorm Kollaps so aus:




      Alles in allem mit der Rückfahrt knapp 1000km Fahrstrecke. Bei Licht betrachtet für gar nichts. Ein echter Bust und in gewisser Weise ein ziemlicher steiler Performance-Rückgang, wenn man die erste Woche seit dem 18.Mai Revue passieren lässt. Die vergangenen beiden Tage haben wir in Norman zugebracht und uns unter anderem mit ein paar Kollegen getroffen. Am morgigen Sonntag soll es nach Kansas gehen, wo sich u.U. wieder severe storm Potenzial ergeben könnte. Ich werde berichten ...
    • Die absoluten Freaks! Am Freitag ist es mit dem Glück nun erstmals vorbei gewesen (siehe anderen Thread zu Tim Samaras). Ist wohl an der Zeit, dass sich im Stormchasing-Business etwas ändert. Wir waren Freitag selbst an der El Reno-Zelle dran (und für unsere Verhältnisse verhältnismäßig nah), aber ne Straße hätte auf unserem Weg besser nicht gesperrt sein sollen. Ganz am Ende wurde es dann doch noch kritisch, als wir in Norman nicht mehr schnell genug gen Süden kamen. Zum Glück hatten wir die ganze Zeit Internet und konnten auf diese Art sicherstellen, dass das Rotationszentrum ein paar Meilen nordwestlich an uns vorbeizog. Ich denke, beim nächsten Mal werden wir eher das Weite suchen.

      Anyway, aufgrund der ganzen Chases der vergangenen Tage bin ich noch nicht wieder zum Posten gekommen. Allerdings habt ihr mit dem Hochwasser im Moment selbst genug Spannung, sodass ich sicher erst danach den Thread ergänzen werde.

      Grüße KarSteN
    • Moinsen,
      nach einiger Zeit nun die Updates von der zweiten Hälfte unseres 2013er-Trips. Nach unserem Staub-Bust am 23.05. haben wir uns 2 Tage wetterbedingte Auszeit genommen, da erst am 26.5. wieder was in Kansas bzw. Nebraska gehen sollte. Die Chance auf Kansas wollten wir uns nach unseren Erfolgen dort nicht entgehen lassen, allerdings brauchte es dazu etwas Glück, da der Deckel doch recht stark war. Wir fuhren Richtung Dodge City und hofften, dass sich westlich von uns was tun würde. Fehlanzeige. Der Deckel hielt. Erst spät am Abend hat es im entfernten Nebraska eine Zelle durch den Deckel geschafft, welche es dafür jedoch zu bester LP-Herrlichkeit schaffen sollte. Die MM-Leute (Markus Pfister und Gregory Käser) waren dran und haben wahrlich gigantische Bilder produziert: westwind.ch/usa13/20130526/20130526.html

      Respekt! Obwohl Nebraska an diesem Tag schlicht nicht drin war (da hätten wir nen Tag eher los gemusst), zwickt man sich am Ende doch etwas ins Knie. Unser Tagesziel war letztlich nur Stellung beziehen wir das Setup in Zentral- bzw. Südkansas am Folgetag. Und damit bin ich beim Thema.

      Der 27.5. ging los wie der vorangegangene Tag, mit dem Unterschied, dass es irgendwann dank Bodentief-Unterstützung definitiv auslösen würde. Wann und wo war wie so oft Nowcast. Da Dryline, Tief-Okklusion bzw. Konvergenz und/oder Outflow-Boundaries nicht immer den gewünschten diskreten Triple-Point produzieren an dem man nur auf Auslösung warten muss, ist Geduld gefragt um nicht den falschen Zellen einen vorschnellen Besuch abzustatten. Schließlich entwickeln sich die ersten Zellen meist abseits des besten Scherungs-Setups, was in unschöner Strukturlosigkeit endet, während man an die "guten" Zellen im "richtigen" Saft nicht mehr rankommt. Das Spiel heißt: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren ;-). Andererseits besteht immer die Gefahr eines Busts, da in einigen Fällen die erhoffte Auslösung eben ausfällt. An diesem Tag sollte es jedoch klappen. Rechts und Links bildeten sich an der durch das Bodentief entstandenen Konvergenz einige Mediocris-Türme, sodass nur noch zw. Nord und Süd entschieden werden musste:






      Aufgrund des gesunden Aufwinds, ging es an die nördliche Zelle. Dort angekommen, erwartete uns der folgende Anblick. Schöne Meso, aber noch unspektakulär:



      Das Ganze wurde im Laufe der nächsten 30 Minuten dynamischer, sowohl was die Struktur anging, als auch was die Zuggeschwindigkeit anging:






      Den letzten längeren Stopp gabs neben diesem Bullen, der uns als dekorativer Vordergrund diente bis die Meso fast über uns hing:



      Nun hieß es aufs Gas treten, um auf den Gravel-Roads vor der Zelle zu bleiben. Außerdem macht sich das Fotografieren aus der Ferne bekanntlich leichter. Der Ritt endete auf dem Highway, wo wir erfreulich schnell wieder gute Sicht hatten. Erfreulich außerdem, dass dies mit der strukturell besten Phase der Zelle korrespondierte. Auf dem ersten Bild hat sie es immerhin zu nem Funnel gebracht. Später waren allerdings nur noch Frakti im Einsatz, auch wenn der ein oder andere hier mehr vermutet. Tornado ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auszuschließen:









      Nach einem solchen Status gibt es immer zwei Optionen. Restrukturierung der Zelle mit neuer Meso, oder Kollaps und Übergang ins HP-Stadium. Letzteres ist weitaus häufiger der Fall, so auch an diesem Tag. Das Ganze geht oft so abrupt zu Ende, dass nur noch die Hoffnung auf eine ansehnliche Rückseite bleibt. Selbst das war an diesem Tag nicht drin, was auch daran lag, dass südlich neue Zellen aufpoppten, die ihrerseits ein paar recht nette Ansichten boten:






      Der Tag endete bei Pizza Hut, wo es zum Abschluss noch wunderbar beleuchteten Mammatus zu bewundern gab:






      Kein schlechter Abschluss für einen insgesamt gelungenen Tag. In anderen Jahren wäre das wahrscheinlich schon ein Highlight gewesen. Heuer hat es uns nur durchschnittlich beeindruckt ;-). Dass es ein besonderes Jahr werden würde, hat uns spätestens der nächste Tag eindrucksvoll demonstriert.
    • Also gleich weiter mit dem 28.5. Wir brauchten uns gar nicht groß verlagern, da die Atmosphäre über Kansas unverändert sturmtauglich war. Genau genommen war das Superzellen-Setup sogar noch besser. Das Bodentief würde die Scherung in der CAPE-geschwängerten Luft bodennah soweit optimieren, dass eigentlich nur eine unschöne HP-isierung dem möglichen Spektakel einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Und natürlich Ungeduld. Denn ebenfalls in Analogie zum Vortag hieß es Ruhe bewahren, da Auslösung andernorts durchaus denkbar war. Wir harrten der Dinge die da kommen mögen in Salina. Unter anderem kam das Tornado Interception Vehicle vorbei. Zwar schon öfter gesehen, haben wir uns diesmal in die peinliche Reihe der Gaffer eingereiht und von unserem Chasing-Spot neben einem Hotel in Salina (wegen des WiFis) ein paar Fotos gemacht. Ja mei, watt mutt datt mutt:



      Weiter im Wartetext. Das mit der Ruhe begann insbesondere in Anbetracht des bereits am frühen Nachmittag entstandenen Sturmes östlich von uns wichtig zu werden. Statt dieser Zelle nachzufahren (welche in scherungsarmes Terrain zu hovern drohte), hofften wir auf die Feuchtekonvergenz genau im Zentrum des Gebiets mit optimalen Superzellenparametern. Dort also, wo wir nach wie vor rumlungerten. Tatsächlich ging es zur besten Zeit mit ersten Quellversuchen los, welchen wir ein paar Meilen hinterherfuhren. In authentischer Umgebung sah das wie folgt aus:



      Alles noch nicht so der Knaller. Erst der intensive Schirm etwas weiter im Westen hat es uns dann angetan. Diesem fuhren wir ein paar Meilen entgegen, bevor wir uns in folgendem Szenario wiederfanden. Eine Zelle zu unserer rechten, welche durchaus ebenfalls Superzellencharakter hatte, der Schirm unseres "Wunschkandidaten", sowie die kurz darauf hereinschwenkende Meso der zum Schirm gehörenden Superzelle:









      Nice! Es konnte losgehen. Und es sollte losgehen. Ein südlicher Ableger machte den "move" in "unsere" Zelle und das Teil begab sich sofort in erhöhte Rotationsbereitschaft:



      Innerhalb kurzer Zeit gabs einen Mesoteller der Extraklasse. Wallcloud, abartige Inflow-Bänder, sowie einen krassen Inflow-Sturm, den man grundsätzlich als sicheres Zeichen eines bevorstehenden Schmeißversuches werten darf. War die Struktur bis hierhin schon der Knaller, sollte es dank des persisten Inflows nicht lange dauern, bis die ersten Vortices zu tanzen begannen:






      Das war der Auftakt zu einem Spektakel, das uns bislang noch auf unserer Wunschliste fehlte, dem Wegde-Tornado. Here it goes:





















      Nach einer halben Stunde stationärer Rundendreherei, haben wir uns zwei Meilen nach Osten bewegt, um die Struktur noch etwas besser im Blick zu haben. Während der Wedge teils rainwrapped wurde, ist dessen Ausmaß auf den letzten beiden Bildern dennoch unzweifelhaft zu erkennen:






      Was für ein Monster! Nach ca. 45 Minuten wurde der Tornado endgültig rainwrapped und wir entschieden uns der Struktur noch ein wenig Aufmerksamkeit zu schenken. Sonderlich aufregend war das nicht mehr, da der einsetzende Niederschlag (nun auch um die Meso) die Sicht nicht gerade verbesserte. Die visuellen und fühlbaren Eindrücke waren eindrücklich genug. Als Abschlusstag für einen unserer Mitreisenden (Torsten) jedenfalls perfekt! Um den Kollegen am kommenden Tag in OKC abliefern zu können und unsere Homebase zu räumen, machten wir uns hochzufrieden zurück auf den Weg nach Norman.
    • Der nächste Morgen (29.5.) versprach neuerliche Hektik, da im Oklahoma Panhandle schon wieder was gehen könnte. Auslösung war allerdings verdammt zeitig, sodass es nach Auschecken und Airport-Stippvisite straight Richtung West-Oklahoma ging. Die ersten Zellen standen kurz nach Mittag am Himmel, allerdings machten sie nach kurzer Zeit einen jämmerlichen Eindruck. Bester mitteleuropäischer HP-Müll, der sich linienförmig durch die scherungsfreie CAPE-gesättigte Luft fraß. Einzig die eingesaugten Staubanteile zwischen den unteren Shelf-Stockwerken war notierenswert:









      Wir hofften auf einen Tail-End-Charlie, der aus der leicht verbrauchten Luftmasse doch noch was machen könnte. Er müsste sich halt nur die Feuchte von etwas weiter her holen, da der Outflow der vorangegangenen Linie doch einigen Schaden angerichtet hat. Zu recht später Stunde machte sich etwas Hoffnung in Form eines Meso-Ansatzes breit:



      Und tatsächlich. Nachdem ein zweiter Turm sich der Zirkulation des lebhafteren Aufwinds angeschlossen hatte, ging es plötzlich mit Wallcloud und starker visueller Rotation zur Sache:



      Nicht schlecht für einen mehr oder weniger abgeschriebenen Tag. Problem war nun allerdings, dass wir aufgrund fehlender Straße (ein schmaler Canyon zerschnitt die Landschaft über mehr als 20 Meilen in zwei Teile) kurzfristig das Risiko eines Meso-Punches eingehen mussten, wenn wir noch die einzig mögliche Farmroad erreichen wollten. Gesagt, getan. Blöderweise war das eine der Farmroads, die man nicht mal bei schönem Wetter guten Gewissens mit nem Familienvan fahren würde. Prompt fielen die ersten Hagelkörner, was uns zur spontanen Umkehr zwang. Allerdings etwas zu spät, da uns tatsächlich ein großer Stein mitten auf dem Dach traf. Da war sie wohl, unsere erste (unabsichtliche) Hageltrophäe. Es blieb bei diesem einen Stein, der uns genug über die Aktivität der Zelle verriet. Leider bedeutete es gleichzeitig den Abschied von der Meso, da es nun in frustrierend weitem Bogen von der Zelle weg ging. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit ist das eine der Chase-Situationen, bei der man einfach nur Kotzen möchte. Das wäre der Moment, wo sich ein Tornado Interception Vehicle bezahlt machen würde. Nun ja, nach über 30 Minuten Fahrt kamen die Reste der Basis wieder in unseren Blick. Mittlerweile allerdings mit Outflow-dominanten Erscheinungen:






      Immerhin war das Licht ganz nett, was uns zu einem letzten Stopp kurz vor Elk City bewegte, bevor es erstmals mit vollem Gepäck ins Motel ging:



      Der Hagelschaden war schnell in Form einen formvollendeten Delle im Dach des Vans ausgemacht. Würde somit zu unserem ersten Versicherungstest werden. Es sei vorweggenommen, dass es dank Rundum-Sorglos-Paket von STA keinerlei Probleme gab. Alles abgedeckt. Allerdings möchte man trotzdem auf diese Art lieber doch keinen Verlust der Heck- oder Seitenscheiben riskieren.

      Anyway, am Ende nur aufgrund der unglücklichen Straßensituation ein wenig Frustration, trotz letztlich erfolgreichen Chasetags. In Anbetracht des potenten Atmosphären-Setups allerdings auch das Mindestmaß ;-). Der nächste Tag sollte uns zeigen, dass trotz ähnlich gutem Setup bei komplett fehlendem Deckel sogar das Mindestmaß noch deutlich unterschritten werden kann. Auslösung am 30.5. noch einmal eine Stunde früher. Derselbe Crap wie am Vortag, wenn auch für wenige Momente mit Struktur. Allerdings zu einer Zeit, zu der keiner von uns überhaupt an die Aufnahme der Verfolgung denken würde. Stattdessen die Hoffnung auf neuerliche Auslösung an einer schwachen Outflow-Boundary am späten Nachmittag Der Plan ging in gewisser Weise auf, auch wenn die entstandene Zelle dem Tail-End-Charlie vom Vortag nicht das Wasser reichen konnte. Da wir außerdem am bescheidenen Straßennetzwerk nördlich von OKC scheiterten, fuhren wir nur hinterher, als mittendrin zu sein. Als wir wieder Sicht hatten, befanden wir uns in komplett bodenwindfreier Umgebung. Ein sicheres Zeichen für den plötzlichen Zelltod. Es sollte sich als zuverlässig herausstellen. Somit zwischendurch mal wieder ein kleiner Bust, den wir mit ein paar Flaschen Cider aus dem lokalen Liquor-Store "gefeiert" haben. Dabei haben wir im Motel in Stillwater doch tatsächlich die beiden MM-Chaser (Markus Pfister und Gregory Käser) zufällig direkt im Nebenzimmer gehabt. Das müssen die Leutz an der Motellobby gerochen haben :-). Somit hatte auch dieser Tag definitiv sein Happy End.

      Es sollte der Vorabend unseres denkwürdigsten Chases überhaupt werden. Und das gilt wohl noch mehr für die beiden MM-Chaser. Aber dazu dann in den kommenden Tagen mehr, quasi als Nachbetrachtung der bereits bekannten Berichte auf karstenhaustein.de/SChaPLe/2013/0531.html und westwind.ch/usa13/20130531/20130531.html
    • Nun also zum Höhepunkt der 2013er Saison. Wie bereits angedeutet, sollte diesmal das Setup fast perfekt sein. Auch das SPC stand kurz vorm High Risk, hat es letztlich aber doch beim Moderate Risk belassen (wie uns Helge Tuschy berichtet hat, der zu jener Zeit beim SPC in Norman Dienst geschoben hat). Unfassbar brutale CAPE-Werte (bis 5500 J/kg), bulk shear dank Jetanwesenheit, Capping dank höherer 850er Werte als am Vortag, und last but not least ein Bodentief mit optimalem Timing, was Low-Level-Moisture und Helizität bereitstellen würde. Letztere ist eine Art Low-Level-Vorticity, die durch das Drehen des Südwindes auf SE bei Annäherung des Bodentiefs zustande kommt. Mit diesen Zutaten war die Loaded Gun mit perfektem Scherungs-Sounding (d.h. sowohl Richtungs- als auch Geschwindigkeitsscherung waren optimal).

      So standen wir in der Mittagshitze bei El Reno und begannen das bereits bekannte Spiel der Vortage zu wiederholen. Wer sich zuerst bewegt, hat verloren. Das war diesmal insofern lustig, als das wir tatsächlich von etlichen anderen Chasern umgeben waren, inklusive DOW (Doppler on Wheel) und neuerlich dem Tornado Interception Vehicle. Am Nachmittag versuchten die ersten Quellungen es durch den Deckel, was mangels Bodenkonvergenz noch scheiterte. Die Turkey Towers waren allerdings insofern spektakulär, als dass man nun bereits die Scherung am Himmel ablesen konnte. Der sterbende Schirm zog straight und rapide gen Osten und darunter blies der südöstliche Low-Level-Wind die Kumulanten Richtung WNW. Mehr als 270° directional sheer, garniert mit krassen Geschwindigkeitsgegensätzen. Man fühlte, dass heute was gehen muss. Der nächste Quellversuch brachte die folgenden beiden Türme hervor:



      Diese Teile galt es auszusitzen, da an der Feuchtekonvergenz weiter im Westen das eigentliche Spektakel losgehen sollte. Das sahen auch alle anderen Chaser so, sodass weiter Chaser-Mikado in voller Besetzung gespielt werden konnte. Wir standen wohlgemerkt seit ca. 13:30Uhr an dieser Stelle. Nun war es ca. 15:30Uhr, die erwartete Zeit der Auslösung. Es sollte weitere 30 Minuten dauern, bis sich etwas weiter entfernt die ersten ernstzunehmenden Schirme zeigen. Noch bevor die ersten Pixel auf dem Radar auftauchten, machten sich die ersten Chaser auf den Weg. Durchaus in unterschiedliche Richtungen, was uns in unserer Entscheidung noch ein wenig zu warten nur bestätigte. Am Ende waren wir tatsächlich die letzten, die sich auf den Weg machten. Mikado gewonnen :-)

      Nun hieß es noch ein wenig Ranfahren, und schon nach wenigen Metern mit freier Sicht zeigte sich unser Tagesziel:



      In diesem Augenblick hoch aus drei Aufwindtürmen bestehend, war klar dass wir die südlichste Zelle ins Visier nehmen würden, da deren Chancen sich zu entwickeln zweifelsohne am besten sein würden. Südlich von ihr war zwar noch ein kleiner Turm hochgegangen, aber der Plan war, dass er von der Hauptzelle gefressen wird, nur um mit Hilfe deren Spin gleich in full rotation überzugehen. Hat am 28.Mai geklappt. Es klappte heute wieder. Und wie! Am ersten richtigen Chase-Spot angekommen, war die Meso bereits mit einer willigen Wallcloud ausgestattet:



      Keine 10 Minuten später der erste Schmeißversuch:





      Inflow-Bänder und alle sonstigen Zutaten sowieso vorhanden, vom noch einmal getoppten Inflow-Sturm abgesehen. Dazu wie schon am 28.Mai ein Donnerspektakel, wie wir es bis dahin noch nicht erlebt hatten. Dumpfes Dauergrollen, welches diesmal noch von recht ungemütlichen "doch-recht-nah"-Einschlägen begleitet wurde. Machte die Sache noch etwas spannender als sowieso schon, insbesondere wenn man mit Stativ unterwegs ist.

      Die Wallcloud wurde so schnell rain-wrapped, wie sie sich zuvor abgesenkt hatte. Wir nutzen die Phase zur Neupositionierung, was in diesem Fall aufgrund der eingeschränkten Sicht eine geringe Annäherung an die Meso bedeutete. Das war auch der Zeitpunkt, wo sich das Erscheinungsbild für uns von "klassisch" zu "krass" gewandelt hat:





      Wir standen nun beinahe unter dem gigantischen Mesoteller, dessen Aufwindbereich zwar rainwrapped (was sonst nicht immer das beste Zeichen ist), dessen Rotation um den selben dafür umso krasser war. Inklusive dem Inflow-Orkan. Wie gesagt, der komplette Teller in sichtbarer Rotation, mit grünlich-blauem Hagelschimmer im Abwindbereich, wie wir ihn nie zuvor gesehen haben. Ich habe die Bilder zwar leicht geGIMPt, aber die Farben waren tatsächlich so krass:









      Das was im nächsten Bild (nach kurzer Repositionierung) fast auf dem Boden schleift, ist die wild gewordene Wallcloud:



      Und was macht so ne Wallcloud nur zu gern (zumindest dieses Jahr)? Sie schmeißt Tornados. In diesem Fall waren dass wild tänzelnde Funnel, die aufgrund der Nähe zum Erdboden natürlich sofort zum Tornado wurden. Multivortex-Tornado nennt sich sowas. In loser Folge ein paar Eindrücke von diesem einzigartigen Schauspiel. War allerdings ne recht riskante Aktion, da die Blitzeinschläge nun tatsächlich zu ernsthaften Naheinschlägen mutierten. Mir war nicht wohl bei diesen Aufnahmen:











      Nun nahm die Meso Fahrt auf, und wir mussten stur Richtung Osten pacen, um in sicherem Abstand davor bleiben zu können. Zwischendrin gelang uns nur noch ein kurzer Stopp, bei dem man den nun recht eindrucksvollen Tornado gerade noch so im Regen erkennt. Rechts davon der etwas breit gezogene Rest der Meso. Im Verlauf sollte sich dieser Abstand (zwischen Tornado-Aufwind und Mutterzelle) deutlich verringern. Die Geschwindigkeit mit der dieser Richtungswechsel vonstatten gegangen ist, ist einigen Chaser wohl letztlich zum Verhängnis geworden (siehe Schlussbemerkung):





      Nach diesem Stopp ging es knapp 15 Minuten so schnell es auf der Gravelroad ging nach Osten. Obwohl die Situation eigentlich immer noch leicht angespannt war (aufgrund der nunmehr persistent zackigen Zuggeschwindigkeit der Zelle), musste das was ich aus dem Augenwinkel direkt über mir erspähte unbedingt festgehalten werden. Was für ein unfassbar freakiges Mutterschiff. Da hatten wir es also endlich:







      Dass sich darin ein übler Wedge Tornado austobte, war uns zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht bewusst, obwohl es sich im Nachhinein anhand der Bilder sehr leicht erahnen lässt.

      Nach diesem Halt ging es unverändert weiter nach Osten. Es sollte tatsächlich unser einziger brauchbarer Fotostopp wähend dieses Stadiums gewesen sein. Wir sahen nach kurzer Zeit nicht einmal mehr ansatzweise brauchbare Strukturen. Der herumgeholte RFD hat ganze Arbeit geleistet und auch die Sicht auf den Aufwindturm genommen. In Anbetracht des später im Radar zu sehenden Nordschwenks der Zelle, keine Überraschung.

      Unsere Idee war daher, uns auf die nunmehr nachfolgenden Zellen entlang der Konvergenz zu konzentrieren. Dazu hieß es ein wenig nach Süden voranzukommen, was auch geklappt hätte, wenn wir uns an bei der ersten Option richtig entschieden hätten. Haben wir aber nicht. Stattdessen sind wir noch etwas nach Osten, um erst etwas später auf dem Interstate Richtung Süden zu fahren. Wir ahnten zu der Zeit allerdings noch nicht, wie groß das Chaos auf den Straßen sein würde. Fluchtbewegungen Richtung Süden hatten wir erwartet. Das Ausmaß haben wir unterschätzt. So war es durchaus etwas scary ausgerechnet auf der Tornadoschneise vom 20.Mai durch Moore im Stau zu zuckeln, während im Rücken die Mesoparade lauert. Hier ein vergleichsweise unspektakulärer Eindruck der Schäden. Die richtigen Schadensbilder von mir sind verwackelt:



      Nun half nur Geduld und der Blick aufs Radar, um sicher zu gehen, dass uns die deutlich sichtbaren Rotationszentren vom Hals bleiben würden. Im Notfall hätten wir so immer gen Hagel ausweichen können. Kurz vor Norman war der Notfall nicht mehr weit, aber glücklicherweise ist das Rotationszentrum ne Meile nördlich an uns vorbei. So war nur noch eine gewisse Hagelgefahr vorhanden, welche sich als unbegründet herausstellte. Für einen ordentlichen Flash-Flood-Event (Regen-Punch) hat es dennoch gereicht, was definitiv nicht unser Plan war. Immerhin befanden wir uns zu diesem Zeitpunkt bereits just auf dem Nadelöhr Interstate und kamen so nach kurzer Starkregeneinlage doch noch vor die Linie. Es war allerdings mittlerweile zu dunkel, um weitere Chasevesuche zu unternehmen. Ein Motel musste ja auch noch gefunden werden, was uns in Purcell glücklicherweise gleich gelungen ist.

      Nun galt es zu schauen, was diese üblen Zellen über OKC so angerichtet haben. Auf den ersten Blick erstaunlich wenig. Die Flash Floods mit mehr als 150mm Regen in OKC waren wohl mit am gefährlichsten. Es sollte sich erst am nächsten Tag herausstellen, dass auch der Tornado auf dem Interstate im Westen von OKC ein paar Opfer forderte. Allerdings sollte es bis zum 2.Juni dauern, ehe die Nachricht vom Tod Tim Samaras uns erreichte. Nicht irgendwer, sondern der Tim Samaras plus Sohn und Kollege, der im Dienste der Wissenschaft selbstredend immer ein höheres Risiko gegangen ist. Der Bears Cage war quasi sein Haupteinsatzgebiet. Absolute Tabu-Zone für uns. Die Kombination aus schneller Richtungsänderung und Multivortex-Verhalten der Meso, scheint den Dreien wohl zum Verhängnis geworden zu sein. Während viele andere Chaser ebenfalls in größter Not waren und nur mit großen Schäden aus dem Debris-Schlachtfeld um den Vortex herausgekommen sind, ist das Tim leider nicht mehr gelungen. Ob es daran lag, dass zuviele Chaser unterwegs waren, wird sich wohl nicht klären lassen.Tatsache ist allerdings, dass nahe der Metropolitan-Areas das Chasing im Prinzip unmöglich ist. Ironischerweise war die Zelle im besten Stadium allerdings noch in bestem Chase-Terrain und auch der reine Chaser-Verkehr ist auf den dort reichlich vorhandenen Gravelroads bisher erträglich. Er hat uns jedenfalls keine Zeit gekostet, während das andernorts durchaus schon einmal vorgekommen ist. Insofern ist für Strukturchaser noch alles im grünen Bereich. Ob das für die Thrill-Community auch gilt, entzieht sich unserem Wissen. Es ist dennoch wahrscheinlich, dass dies nicht der letzte Vorfall dieser Art war. Es sei angemerkt, dass ein Medienchaser ebenfalls sein Leben verloren hat und ein weiteres Auto von der Straße geweht wurde.

      Fazit für uns lautet: Meide die Metropolitan-Area noch konsequenter als bisher. Eine Erfahrung, die uns zum Glück keinerlei Schaden beschert hat. Der erstmalige direkte Verlust von Chasern durch einen Tornado ist eine eindringliche Warnung. Diesem historischen Event beigewohnt zu haben, lässt einen am Ende des Tages verständlicherweise mit gemischten Gefühlen zurück. Hält einen jedoch nicht davon ab, sich weiter auf die Jagd zu begeben ;-)

      Dazu mehr im letzten noch ausstehenden Teil.