02.06. - 04.06.2013 I Hochwasser in Greiz

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    • 02.06. - 04.06.2013 I Hochwasser in Greiz

      Hallo Community. Auch wenn nun bereits über 9 Monate vergangen sind, möchte ich euch noch teilhaben lassen an einigen Eindrücken der Flut 2013 in meiner Heimatstadt Greiz. Die Fotos hat mir mein Vater zur Verfügung gestellt.

      Nachdem durch langanhaltende Regenfälle im Mai die Pegel vieler Flüsse bereits erhöht waren und der Boden kaum noch fähig war mehr Wassermengen aufzunehmen, kam es vielerorts zu teils starken Überschwemmungen und auch neuen Rekordmarken aufgrund von über die Jahre vermehrt gebauten Flussbegradigungen und Befestigungen, die die natürlichen Überschwemmungsgebiete immer weiter zurückgetrieben haben. Die Altstadt von Greiz liegt ziemlich eng im Tal der Weißen Elster, welche im unmittelbaren Stadtgebiet kaum noch Überschwemmungsflächen aufweist (blau markiert). In diesem Teil sollen recht hohe Uferbefestigungen schützen (schwarze Linien), die in diesem Jahr aber nicht ausreichten. Vor der Altstadt passiert die Elster noch das Neustadt-Gebiet, welches auch recht flach liegt und hauptsächlich durch Dämme geschützt ist. Diese Dämme haben zwar gehalten, aber das Wasser fiel dennoch in die Neustadt ein durch die Übertretungen der Elster im Engpass zwischen Alt- & Neustadt (an dieser Stelle befindet sich im übrigen auch der Pegelmesser).



      Nach dem Stadtgebiet geht der Lauf der Weißen Elster um den klassizistischen Stadtpark herum, welcher großflächig überflutet wurde und starke Beschädigungen erlitten hat. Vor allem das frisch restaurierte rund 250 Jahre alte Sommerpalais aus der Zeit der Reußenherrschaft mit einer bekannten Kupferstichsammlung und wertvollen Nachlässen der englischen Prinzessin Elisabeth (1770-1840) erlitt Schäden, dass gar darüber nachgedacht werden musste, ob es eingerissen werden müsse. Die Schäden allein an Sommerpalais und Park werden auf 2,6 Millionen Euro geschätzt.

      Doch kommen wir nun zu den eigentlichen Ereignissen. Am 31.05.2013 wurde der Pegel von 3,40m überschritten, was an dieser Station der Alarmstufe 1 entspricht. In der Nacht zum 01.06. durchlief dann ein Scheitel von knapp 4,00m das Gebiet, war aber trotz Überschreitung der Alarmstufe 2 nicht bedrohlich. Nach kurzer Entspannung begannen dann am Morgen des 02.06. die Pegel erneut rasant zu steigen, da die Talsperre Pirk südlich von Plauen Wasser ablassen musste und es zusätzlich weiter regnete.

      Am Morgen war die Hauptstraße (B 94) nebem dem Flussbett noch befahrbar:






      Die Pegel aber schon sichtbar an der Grenze der Befestigungen des Stadtniveaus:






      Der Parkplatz neben der Weißen Elster, der das letzte verbleibende Überschwemmungsgebiet darstellt bereits vollständig ausgereizt - heißt, Alarmstufe 3 erreicht = 4,20 m Pegel. Der Katastrophenalarm wurde ausgelöst:








      Am Nachmittag wurde dann versucht die Neustadt von allen Seiten mit Container-, Sandsack-Barrieren und Verstärkungen der Dämme zu schützen:










      Gegen 17:00 gab dann der Pegelmesser bei rund 5,00 m seinen Dienst auf. Da der Scheitel der Flut für die Nacht erwartet wurde und nicht vorhersehbar war wie weit das Wasser noch steigen würde, begannen Einsatzkräfte damit das betroffene Gebiet der Neustadt für die Nacht zu evakuieren (darunter auch meinen Vater ...) und sicherheitshalber den Strom abzuschalten. Der Höhepunkt war dann etwa zwischen 1:00 und 2:00 nachts erreicht. Ich habe keine verlässlichen Quellen über den Höchststand finden können, es ist aber an einigen Stellen von bis zu 5,50m die Rede wie im Jahre 1954.

      Am Mittag des 03.06. sah es dann so aus, nachdem der Pegel wieder begonnen hatte zu sinken:










      Da der Pegelmesser ja für eine gewisse Zeit keine Informationen lieferte, habe ich mal versucht das fehlende Stück der Kurve zu ergänzen - ohne Gewähr:




      Nachdem am Morgen des 04.06. der Pegel wieder unterhalb des Stadtniveaus abgesunken war, konnten die Aufräumarbeiten beginnen:














      Wie bereits einleitend erwähnt gab es große Schäden am Stadtpark (umgestürzte und unterspülte Bäume, ausgespülte Wege, zerstörte kurz zuvor erst aufwändig gestaltete Stauden- und Blumen-Arrangements). Das Uhrwerk der Blumenuhr konnte rechtzeitig gerettet werden:






      Am Nachmittag besuchte Bundeskanzlerin Merkel die Stadt um sich selbst ein Bild vom Ausmaß der Schäden zu machen:




      Zum Abschluss noch ein Bild vom 25.08. von der wieder hergestellten Blumenuhr: