27.04.2015 Ausscherendes Gewitter mit Mesozyklone über Ostthüringen / Sachsen

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    • 27.04.2015 Ausscherendes Gewitter mit Mesozyklone über Ostthüringen / Sachsen

      Hallo ans Forum,

      Als Saisonauftakt möchte ich hier noch einmal gebündelt und chronologisch die Bilder von der gestrigen potenziellen Superzelle, die im Saale-Orla-Kreis entstand und bis nach Sachsen hinein "driftete", zusammenführen.

      Hier die Route (schwarz);
      Roter Pfeil (betreffende Zelle), blaue Pfeile (Zugrichtung anderer Zellen)

      Quelle: Google.com

      Man konnte die Zelle mittags bereits im Jenaer Süden am Horizont sehen. Ich fuhr über die A4 und A9 nach Triptis, um auf die südöstliche Seite des Gewitters zu gelangen. Zunächst sah ich nur einen leichten Niederschlagsvorhang mit Wolke-Wolke-Blitzen. Die Basis konnte ich zunächst nicht direkt ausmachen / zuordnen und dachte die Zelle stirbt. Dahinter gab es auch Neuentwicklungen.

      Um 12:45 Uhr an der B281 bei Triptis folgendes Bild:


      Es sah aus, als wäre eine frische Basis entstanden. Scheinbar gehört diese aber zu eben der Zelle, die sich bei Pößneck gebildet hat.
      Die Struktur wurde nun schlagartig besser. Es enstand eine formschöne Mesozyklone. Als mich dann der Niederschlag in Triptis erreichte, fuhr ich grob erst einmal weiter nach Südost Richtung Auma, um dem Hagel zu entgehen.

      Um 13:00 Uhr dann neuerliche Bilder der Meso südlich von Braunsdorf













      In Auma verging wertvolle Zeit an einer Baustellenampel. Es wäre günstiger gewesen über Braunsdorf nach Nordosten zu fahren. Ich bog dann in Auma wieder Richtung Osten / Nordosten ab. Etwa bei Staitz entstanden diese Aufnahmen um 13:20 Uhr. Inzwischen hatte mich der Aufwindbereich fast überholt:



      Ich befinde mich also im Süden der Zelle noch unterhalb der Meso und blick gen Norden / Nordosten. Vor dem Niederschlag fällt eine Absenkung unter der Meso auf.
      Ich hab das mal im nachfolgenden Bild eingezeichnet:


      Der Aufwindturm ist bei der Illustration jetzt leider etwas windschief (er neigt sich nicht nach Osten, sondern soll lediglich die Aufwärtsbewegung zeigen).
      Der dunkle Bereich (Mesozyklone -> Aufwindbasis) zeigt eine klar abgegrenzte Unterseite. Dahinter (blau markiert) liegt der Niederschlag im Norden / Nordosten.
      Auffällig ist nun der abgesenkte Bereich (grün markiert). Ich vermute hier eine kurzzeitig ausgebildete Wallcloud (von der Position her dürfte es auch stimmen).

      Leider fuhr ich nun weiter Richtung Triebes (hatte den Abzweig bei Staitz verpasst) und verlor den Kontakt / günstige Position zur Zelle zunehmend. 5min später am nördlichen Ortsausgang von Dörtendorf:


      Links: Niederschlagsbereich / Rechts: Aufwindbasis. Dazwischen konnte man einige Turbulenzen beobachten. Die eben noch beobachtete vermeintliche Wallcloud ist nicht mehr wiederzuentdecken od. liegt evtl. hinter dem eingeschnürten Niederschlag in der Bildmitte.

      Weiter östlich bei Mehla wieder Blick nach Nord/Nordost (13:30 Uhr).
      Der Niederschlagskern wird jetzt von der Meso bogenförmig ummantelt. Ich blicke also nur noch auf einen Teil im Südosten.
      Hier würde mich brennend ein Foto von der Landsgrenze im (Nord-)Osten interessieren, wo ein Beobachter jetzt einen Blick auf die Zelle wie kurz zuvor noch bei Auma um 13 Uhr gehabt haben müsste.





      Ich fuhr weiter gen Osten und fand mich in Hainsberg nördlich von Langenwetzendorf wieder. Um 13:40 bekam ich so einen kompakten Blick auf die ganze Zelle, die sich mit ihrer Zugbahn Richtung Nordost / Ost weiter von mir entfernte:













      Ordentliche Strukturen für April!
      Hier noch die Aufzeichnungen der GoPro in Echtzeit und als Zeitraffer:




      Anschließend fuhr ich noch weiter über Greiz in Richtung Werdau / Zwickau. Durch den Berufsverkehr gelang das aber nur sehr zäh.
      Als die Umgebung bei Werdau dann zunehmend in Stratus gehüllt wurde, brach ich meine Verfolgung ab und entschied mich gegen einen sonst nötigen Corepunch auf der A4.

      In Crimmitschau sah ich dann zwischen 14:45 und 15:00 den flächenweise gefallenen Hagel bis mehrere Zentimeter hoch. Die größten Körner hatten einen Durchmesser von etwa 2cm.
      Vereinzelt gab es Überschwemmungen und Laub auf den Straßen.





      Für (m)einen Saisonauftakt allerhand!
      Bitte um kritische Beurteilung in Sachen Strukturbeschreibung / SZ-Diskussion.

      LG Marco

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Marco|Jena ()

    • Einen wunderschönen guten Abend,

      an dieser Stelle auf jeden Fall schon mal vielen Dank für die interessanten Bilder von einer doch von mir sehr unterschätzten Lage.
      Eine kritische Beurteilung Deiner Strukturbeschreibung möchte ich hier nicht abgeben, aber etwas zur SZ-Diskussion:

      Man sieht ja in Deinem Video doch recht beeindruckend die Rotation, wodurch doch der Begriff Mesozyklone nicht von der Hand zu weisen ist. Allerdings kann sich ihre Ausdehnung natürlich auch nur auf den unteren Bereich der Wolke beschränken. Von einer Superzelle spricht man ja deshalb auch nur dann, wenn die Mesozyklone mindestens 2/3 der Gewitterzelle ausmacht. Schauen wir doch mal einen Blick auf den Temp aus Prag von 12Z.



      Was einem doch hier auffallen sollte, ist die vorhandene CIN von etwa -45J/kg und ein CAPE von 580J/kg. Dies sorgte für die erst isoliert und später verbreitet stattfindende Zellbildung. Weiterhin liegt die Lapse Rate im Höhenbereich von 2 bis 4km bei etwa -1k/100m, wodurch natürlich stärkere Vertikalwinde vorhanden sind und auch die Hagelbildung begünstigt wird. Allerdings sehen wir auch anhand den Windfiedern, dass gerade in diesem Bereich durch die Rechtsdrehung Warmluftadvektion stattfindet, wodurch die Lapse Rate natürlich noch etwas zurückgeht. Der Wert der sturmrelativen Helizität, die die Bildung von Mesozyklonen begünstigt, wird dadurch aber gleichzeitig beeinflusst. Der für mich entscheidende Punkt, für eine nicht hochreichende Meso, ist der geringe Wert der DLS von etwa 15-20kn, was 7.5-10m/s entspricht. Dies deutet auch die spätere Entwicklung der Multizellen an.


      Ich hoffe, ich konnte mit meinem geistigen Erguss etwas zur Wissenserhellung beitragen und verschwinde nun wieder als Poltergeist zurück in die Shoutbox!

      Martin