12.05.2015 / Westerengel (KYF) / Superzelle mit Wallcloud

    • 12.05.2015 / Westerengel (KYF) / Superzelle mit Wallcloud

      Heute hatte ich nach einem Termin in Sondershausen ein kurzes Treffen mit Ronny 7220 und Stephan in Oberspier. Die beiden wollten die Zelle bei Nordhausen abfassen, und fuhren dann auch Schnell weiter. Ich hingegen fuhr in Richtung Greußen, habe aber nach ca. 1 Km angehalten und die Zelle von der Seite abgelichtet. hier ein Bild davon.



      Diese Zelle Zog dann sehr schnell ab. Ich konnte jedoch in der Ferne schon die nächste Zelle kommen sehen. Nach einem kurzem Anruf von Herrn W. aus W. beschloss ich diese Zelle an der Hainleite abzufassen. Bilder davon gibt's jetzt :grins



























      Eine Nette Absenkung, die war nicht mehr weit weg vom Boden :zwinker





      Nach dem Abzug der Zellen kamen in der Ferne schon wieder die nächsten Zellen







      Es wäre nett wenn jemand diese abgesenkte Zelle Kommentiert bzw. beschreibt.


      LG Andreas
    • Schöne Aufnahmen von einem sehr guten Chasingpunkt, den ich schon oft besuchte. Ich kann mir gut vorstellen, wie genial das alles aussah. Die Zelle warf oben an der Hainleite übrigens 13 l/m² in kürzester Zeit ab, 4 km weiter südlich, in Kirchengel, 'nur' 2 l/m². Dort muss auch Hagel gefallen sein, wie man auf den Böden und an einigen Blättern heute sah.

      Grüße von der Hainleite
    • Hallo Andreas,

      Begeisterung habe ich ja schon am gleichen Abend telefonisch ausgedrückt. Auch wurde von Chris bereits erläutert, was zu sehen ist:

      chris89 schrieb:

      Mesozyklone + Wallcloud + Tailcloud sichtbar


      Dieser dunkle Teller über der abgesenkten Wolke ist die regenfreie Aufwindbasis, also in diesem Falle die untere Kante der Mesozyklone (dem rotierenden Aufwind bei dieser Zelle). Man kann gerade in den ersten Bildern die schöne eingedrehte Form erkennen. Die abgesenkte Wolke unten dran ist eine wahrhaftige Wallcloud (Mauerwolke zu deutsch, die sich unter der regenfreien Basis befindet). Von dieser Wallcloud geht noch ein kleiner Zipfel nach rechts (also Norden/Nordosten) hin zum Niederschlag weg. Das ist die sog. Tailcloud (quasi "Schwanzwolke"). Diese entsteht durch den rechts zu sehenden Niederschlagsbereich, dessen kühlere und feuchte Luft ausfließt und quasi von der Wallcloud "angesaugt" wird.

      Zwecks Standort muss ich jedoch kritisieren: Ich nehme an, du wusstest einfach nicht, was dir da gegenüberstand bzw. auf dich zugezogen kam. Du hast dich nämlich in die fatalste Position begeben, die man nur wählen konnte. Man darf sich nie -nie, nie, nie- in die direkte Zugbahn der Aufwandbasis stellen, erst recht wenn schon eine Wallcloud sichtbar ist. Du kannst dir nicht sicher sein, wann das Ding angefangen hätte zu rüsseln. Hättest du denn deine Escape-Route (also deinen Fluchtweg) so parat gehabt, dass sie außerhalb der Wallcloud liegt? Denn wenn ich mich an die Stelle da oben erinnere, kann man alternativ nur in den Wald.

      Das ist dann aber so wenig hilfreich, wie sich am Windrad festzuhalten. Nach Süden hätte dir der Weg schon abgeschnitten sein können, wäre denn etwas rotierendes auf dem Boden gewesen. Die ideale Person wäre südlich gewesen, dass die Wallcloud an dir vorbeizieht (z.B. am Plattenweg mit dem Kreuz?). Da hättest du sicher auch bessere Fluchtrouten nach Süden/Südosten/Osten gehabt. Vom Rüssel ganz abgesehen, kann es im Bereich zwischen Auf- und Abwind größeren Hagel geben und ebenso oft Blitze (traten welche auf?). Am Ende ist zum Glück alles gut gegangen und du konntest die eindrucksvollen Strukturen für uns festhalten. Das sollte aber zukünftig bei ähnlich nahen Ereignissen eher zweitrangig sein - erst kommst du.

      LG

      Markus

      PS: Ein Zeitraffer wäre noch das Ultimo gewesen. Damit das zukünftig gesichert ist, überlasse ich dir zu einem unschlagbaren Freundschaftspreis meinen Camcorder samt Zubehör (nach meinem Urlaub versteht sich).
      Gründer und Organisator Thüringer Storm Chaser
      ESSL Voluntary Observer Person (European Severe Storms Laboratory)
      Premium Advanced Spotter & Regionaler Ansprechpartner Thüringen (Skywarn Deutschland e.V.)
    • Was die Sicherheitsaspekte der Position anbelangt, muss ich Markus rein theoretisch Recht geben, da die Lage, wie wir später erfahren haben, doch einige Tornados hervorgebracht hat.
      Dennoch würde ich etwas relativieren. Im Grunde genommen war die anfängliche Position nicht schlecht, wie sonst hätte Andreas den Aufwind so kontrastreich abbilden können?
      Von dort aus kommt man meiner Ansicht nach recht einfach in Richtung Süden (Feldweg runter + B4) und im Nu wäre Andreas auch schon zu Hause gewesen, womit es ja mehr einem Spotting, als einem US-like Chasing entspricht.

      Allerdings hätte ich das dann spätestens nach dem Panorama mit der ausgeprägten Tailcloud tatsächlich in Angriff genommen und mich nicht vom Rotationszentrum direkt überrollen lassen. (@Andreas: Wie stark war denn die Rotation mit bloßem Auge sichtbar, als du fast unter der Wallcloud standest?)

      Ich verstehe aber das Problem. Es ist leider nicht gerade leicht, für Mitteleuropa vernünftige und sinnvolle Sicherheitstipps beim Chasen zu geben. (Markus ist da aktuell stark USA-geprägt :zwinker )
      Und zwar aus folgenden Gründen:

      1. Statistik. Gefährliche (tornadoträchtige) Wetterlagen treten insgesamt deutlich seltener auf als im Mittleren Westen der USA. So kann das richtige Verhalten in der Praxis im Prinzip nicht geübt werden.
      2. Wetterlage. Tornados entstehen bei uns viel häufiger bei stark gescherten, aber eher energiearmen Wetterlagen, was zügig über das Land rasende Zellen begünstigt. Ein Ausweichen nach dem Sichtkontakt wird schwierig.
      3. Straßennetz. Auf jeder Bundesstraße fährt man erstmal durch zig Dörfer, Baustellen und Geschwindigkeitsbegrenzungen. Auf manchen Bundesstraßen sollen sogar einfach aus dem Nichts plötzlich rote Ampeln auftauchen. (Wie oft passiert das im Mittleren Westen?) Die Flucht vor einem potentiell tornadoträchtigen Aufwind oder dem RFD gilt meines Erachtens nach in Deutschland auch nicht als Ausrede für Verfehlungen im Straßenverkehr. Viel eher muss man noch damit rechnen, dass einen die deutsche Polizei herauswinkt, während hinter einem der Tornado anrollt, während der Sheriff in den USA selbst noch kräftig auf die Tube treten würde, mal ganz abgesehen von der höheren Unfallgefahr. Ich denke, ihr versteht, worauf ich hinaus will: Das Straßennetz ist für Chasings hierzulande ohnehin kaum geeignet, es sei denn, wir beschränken uns auf Chasings an Autobahnen, womit uns aber in Thüringen wohl ein Großteil interessanter Wetterphänomene durch die Lappen gehen würde. Hinzu kommt Punkt 4.
      4. Hügel und Wälder. Was die Amis höchstens aus Arkansas kennen, kommt hier an allen Ecken und Enden vor: Keine Sicht. Ein dichtes Netz aus leicht erreichbaren, ins Navi einprogrammierten Spottingpoints könnte dieses Problem zumindest minimieren.
      5. Kurzlebige Zellen. (Super-)zellen sind im Schnitt deutlich kurzlebiger. Orografische Gegebenheiten und die geringere Energie lassen seltener den Schluss zu, wie sich die aktuell entwickelten Zellen in den nächsten zwanzig, dreißig Minuten entwickelt haben werden. Seien wir mal ehrlich: Bei den hier gewohnten Multizellenclustern lässt sich der gemeine mitteldeutsche Chaser (im Idealfall nach einer schönen Böenwalze) doch lieber von den Zellkernen überrollen. Mit etwas Glück entsteht bei kleinkörnigem Hagel schon so etwas wie ein weihnachtliches Feeling im Auto. :grins Da ist man dann schon mal etwas durcheinander, wenn einem eine waschechte Superzelle begegnet. :panik

      Die Gefahr von größerem Hagel und Blitzen ist übrigens überall gegeben, sowohl unter Auf-/Abwind, als auch viele Kilometer weiter davon entfernt. Jeder Chaser, egal ob hier oder drüben (USA) sollte von den möglichen Gefahren in jedem Fall wissen. Konkrete Handlungsempfehlungen daraus zu schustern, ist jedoch eine andere Sache. Wie oft hatte man vor El Reno den Leuten eingetrichtert: Go South! Wenn man die Hintergründe dann nicht kennt, nützt dieses Wissen bloß leider nicht viel.

      Grüße Chris
    • Nichts desto trotz, sollte ein Core-Punch, auch in Deutschland vermieden werden, da man die Refelektivität im Kopf einfach nicht messen kann :-)
      Aber im Groben und Ganzen stimme ich dir da schon zu, wäre da nicht der Aspekt, dass dieser Bereich wirklich gefährlich werden kann...
      Wenn Fluchtwege vorhanden sind, ist alles ok... Sobald man aber nur die Option Wald hat oder in den Bereich des Hagels kommt, wird es schon lästiger.
      Hier in Deutschland ist man ja vielleicht gegen Hagel geschützt im Auto (bis zu einer gewissen Größe), aber dennoch kann es dem Material (Auto) auch
      wehtuen und das tut dann meist im Geldbeutel weh :-)

      Lg Jonas
      "Sein wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche" Che Guevara

      Alles so geschriebene bin ich als Moderator, und alles so geschriebene ist meine freie Meinung...
    • Hallo Jonas,

      ja, das kam jetzt bei Punkt 5 vielleicht missverständlich rüber. Bei so einer Lage, wie wir sie aktuell hatten (starke Scherung, mäßig Labilität), plädiere ich keinesfalls für einen Core Punch! (Es sei denn, man hat ein sicheres Dach über dem Dach. :zwinker Aber auch dann bestehen immer noch Gefahren durch mögliche downburstartige Winde, im schlimmsten, wenn auch weniger wahrscheinlichen Fall, sogar durch regenumhüllte Tornados auf der Rückseite.)

      Ich meinte in Punkt 5 eher die typischen 0815-Standard-Lagen mit mäßig Labilität und wenig Scherung oder wenig Labilität mit mäßig Scherung, bei denen das Schadenspotential gering ist.
      Als Sicherheits-Faustregeln können gelten:
      - Multizellen bei 0815-Lage: im Auto wenig gefährlich, aber fahren im Core möglichst vermeiden und generell nicht draußen stehen (versteht sich bei Gewitter ohnehin von selbst, hoffe ich...)
      - Multizellen in gut gescherter oder hochlabiler Umgebung: Abwindbereich meiden (Je nach Lage Flash Floods, großer Hagel, Downbursts möglich)
      - Superzellen: generell jeglichen rotierenden Auf- und Abwindbereich meiden und in sicherer Entfernung (je nach Hauptströmungsrichtung meist am besten südöstlich) positionieren
      - Squall Lines / MCS: aufpassen bei eingebetteten Hakenechos / Bow-Echos, ansonsten einigermaßen sicheren Punkt suchen und beten :grins

      Könnte man beizeiten sicher noch genauer ausführen.
    • Nun werde ich dazu auch mal was schreiben.
      Erst einmal Danke für eure Tipps sowie das Feedback und die Glückwünsche die ich von euch bekommen habe.

      Ich war mir der Gefahr nicht bewusst, in der ich mich befand, denn ich hatte keine Ahnung was da vor meiner Linse war bzw. was da passierte.

      Um mal ein paar Fragen zu beantworten: Ja es hat ordentlich geblitzt, nein es hat nicht gehagelt, ja es hat mit bloßem Auge ordentlich sichtbar rotiert.

      Was meinen Standpunkt angeht ich konnte weder vorher abschätzen, noch konnte ich als ich die Strukturen erkannte meinen Standpunkt wechseln. Ein Blick aufs Radar wäre hilfreich gewesen. Ohne Empfang ziemlich schwierig.

      Zum Thema Fluchtweg, ja es wurde mir zu spät bewusst das es genau über mich ziehen wird bzw. über mich gezogen ist. Ich ging in der Annahme es würde südlicher an mir vorbeiziehen. Jedoch bekam ich nur sehr wenig Regen ab, konnte aber den Niederschlagsvorhang ca. 200 m von mir vorbeiziehen sehen.
      Aber ein paar mächtige Windböen habe ich abbekommen.

      Hätte diese Superzelle gerüsselt wäre ich wohl ziemlich am ... gewesen, denn ein Fluchtweg hätte es wohl nur noch in den Wald gegeben. Die Straße runter und dann B4 wäre wohl aufgrund der Zugbahn abgeschnitten gewesen.

      Mir bleibt nur abschließend zu sagen war absolut der Hammer, bei vollkommen unterschätzter Lage.

      LG Andreas