12.05.2015 „Thüringen-Rundfahrt“ / Erdblitze bei Hermsdorf / Ein paar Worte…

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    • 12.05.2015 „Thüringen-Rundfahrt“ / Erdblitze bei Hermsdorf / Ein paar Worte…

      Die besagte Lage war schon lange angekündigt und sollte sich
      im Nowcast bestätigen.

      Es baute sich eine gewisse Vorfreude für diesen viel versprechenden
      Tag auf, man nimmt sich frei von allen weiteren Verpflichtungen.
      Man fährt los… Die Gedanken schweifen umher…

      Gegen 15:00Uhr bin ich von SLF aus gestartet, mein Weg
      führte mich zur A71 weiter die A4 in Richtung Eisennach, wobei ich zu
      Marco & Markus Kontakt aufgenommen hatte.

      Markus schickte mir seine Koordinaten per What's App, zu diesem Standort schaffte ich es jedoch nicht mehr, die Situation hatte sich geändert.
      Wir verabredeten uns neu und traffen uns an einer Tankstelle bei Eisenach.

      Begrüßung, kurze Besprechung der Lage und fortan ging es mit 2 Autos die A4 zurück, im Gepäck hatte ich extra 2 Funkgeräte mitgenommen.
      Diese sind, wie finde bei solchen Unternehmungen sehr nützlich, so konnten wir auf direktem Wege kommunizieren.

      Unser nächstes Ziel war das Erfurter-Kreuz, hier wurde der Sachverhalt neu bewertet, somit blieben uns noch alle 4 Himmelsrichtungen als Option offen.

      Wir entschieden uns die A71 in Richtung Sömmerda zufahren.

      Am ersten Standort, ist jenes Bild entstanden.



      Markus meinte "wir könnten es hier mit etwas zutun haben, was man nicht alle Tage zu Gesicht bekommt"

      Ich hätte in diese Wolkenformation alles hinein
      interpretieren können, jedoch nicht, dass es sich hier scheinbar um die sterbenden
      Überreste von Andreas seiner sehr gut erfasster SZ handeln könnte (Das hat sich ja erst im Nachgang herauskristallisiert).

      So ganz unbefleckt bin ich mit der gesamten Materie ja nun
      auch nicht mehr, jedoch gibt es noch sehr viel zu verstehen und zu lernen.

      Wir fuhren die A71 weiter in Richtung Sangerhausen, dort stellte sich heraus, dass im Moment nichts nennenswertes mehr passieren wird.
      Markus beschloss für sich den Rückweg nach Weimar anzutreten.

      Was mache ich...?
      Der Tag war noch relativ jung, ich hatte Zeit und entschied mich für eine Weiterfahrt.

      Wir verabschiedeten uns, mit den Worten von Markus "noch viel Glück".

      So fuhr ich auf die A 38 in Richtung Halle, im Vorlauf von mir nur der graue Einheitsbrei der vorangegangen Zellen zu beobachten.

      Das Radar-Bild ärgerte mich, ich befand mich in Sachsen-Anhalt, vor mir nur die farblosen Gewitterreste und in Südthüringen bildeten sich Neuentwicklungen.

      Wäre ich zu Hause geblieben, hätte ich weniger Stress gehabt, weniger Geld ausgegeben und vielleicht ein paar Fotos bekommen.

      So bewegte ich mein Gefährt, am Kreuz-Rippachtal zurück nach Thüringen.

      In der Nähe von Weißenfels, gönnte ich mir dann langsam eine Pause. (Standort identisch Bericht 13.06.15).
      Hier machte ich mir ernsthafte Gedanken über diese Tagesunternehmung.

      Es nützt alles nichts: ein erneuter Blick auf das Radar lies gleichwohl eine kleine Hoffnung keimen.



      Ich fand aber nicht wirklich einen geeigneten Standort, welcher meinen Anforderungen genügsam gewesen wäre.


      Quelle: Maps.ME

      So langsam lief mir die Zeit davon, die letzte Möglichkeit des Tages zu nutzen.



      Die Zelle war schon sehr nah gekommen und brachte ein surreales Licht mit sich.



      Folgendes Bild wird wahrlich nicht das Motiv des Jahres, aber trotzdem möchte ich es zeigen.

      Es war der erste Blitz welcher nach 8 langen Monaten den Weg auf meinen Chip fand. (Er hatte es sich verdient;-))



      Ab jetzt pflanzten sich die Erdblitze in schöner Regelmäßigkeit fort.



      Mir fiel es schwer die Kamera entsprechend ausrichten, die Punkte der einschlagenden Blitze waren ständig außerhalb meines Betrachtungswinkels, mal links, mal rechts davon.

      Da ich kurzzeitig ein Problem mit dem Adapter-Aufsatz für das Stativ hatte, musste kurzerhand das Autodach als Stativ fungieren.



      Als ich das Stativ neu bestücken wollte, war es dann soweit...
      An meiner Reaktion zu erkennen, ich war ziemlich erschrocken und verriss dabei die Kamera.



      Das Schöne an diesem Bild; die Verästelungen des Blitze sind Glasklar und scharf, während die Autoscheinwerfer Leuchtspuren ziehen.

      Dennoch brachte das entstandene Bild ziemlich viel Unbehagen mit sich, in 99,9% solcher Fälle sitze ich im Auto und lasse die Kamera im Regenkleid arbeiten.



      Ich vermute dass dieser Blitz, seinen Weg in ein
      Autobahnschild gefunden hat.



      Eine 320% Vergrößerung kann es auch nicht eindeutig aufklären.







      Danach wurde es allmählich ruhiger.



      Die Rückseite der Zelle präsentierte noch ein paar
      Mammaten im Licht der untergehenden Sonne.

      Fazit: Es war nicht der schönste Standort, aber als Saison
      Einstieg und „Wiedergutmachung“ ganz passabel.

      Ich möchte aber von keiner Enttäuschung des Tages sprechen…



      Dieser Tag hat mir einiges zu verstehen gegeben; nach ca. 470km und 7 ½ h auf der Strecke musste ich des Öfteren über den Sinn dieses Erlebten bzw. nicht Erlebten nachdenken.

      Da ich aus zeitlichen Gründen, kaum aus meinen Landkreis-Grenzen hervortreten kann, stellt sich eine gewisse Erwartungshaltung auf.

      6 Stunden passiert fast gar nichts, dann wie aus dem Nichts ein Naheinschlag.

      Was ich loswerden möchte; mir ist an diesem Tag der Stellenwert eurer Berichterstattung in Foto, Text und Video Form bewusst geworden.

      Es ist für viele ein schönes Hobby, für einige von uns wahrscheinlich noch viel mehr.
      Wie jedes Hobby, kann man den Wert nicht ermessen, welcher für diese Chasing-Dokus aufgewendet wird.

      Ob es der Wertverlust des Auto ist, welcher mit jeden gefahren Kilometer stetig abnimmt, die Geldbörse die bei jedem Tankstopp böse Miene macht, die Zeit bei der Erstellung des Berichtes, die Erhaltung der Ausrüstung, die Auflistung könnte man beliebig fortsetzen.

      Nicht zu unterschätzen sind wirklich topografische Kenntnisse, in Bezug mit euren Chasing Erfahrungen.
      Was nützt mir eine sterbende Sz wenn ich diese nicht identifizieren kann.

      Der Synergie-Effekt den Ihr nach außen transportiert ist sehr wertvoll, vor allem in Bezug auf Wissen und Erfahrung.

      Nicht jeder kann aus zeitlichen, familären, gesundheitlichen oder finanziellen Aspekten solche Touren stemmen.

      Umso wertvoller ist die Dokumentation für die Community bzw. für die Öffentlichkeit.

      Mir hat das ein wenig die Augen geöffnet, welcher Aufwand hinter eurer Arbeit steckt. Ein Dankeschön dafür!

      In diesem Sinne. Liebe Grüße.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Carsten ()

    • Hallo Carsten,

      ein weiterer, schöner Bericht, den ich gern gelesen habe. Ich erinnere mich nur zu gut an das letzte Jahr, wo ich oft nach Feierabend hunderte Kilometer runtergespult habe und die Ausbeute am Ende noch geringer war als deine Blitze. Viele Faktoren spielen beim chasen eine Rolle und letztlich bleibt oftmals nur noch Glück und aufgehendes Timing. Jedes Chasing ist aber auch ein Lernprozess auf allen Ebenen, wie ich anhand deines Berichtes sehe - insofern hat ja alles geklappt ;)

      Können wir gerne wiederholen :)

      LG
      Markus
      Gründer und Organisator Thüringer Storm Chaser
      ESSL Voluntary Observer Person (Qualitätslevel QC1) (European Severe Storms Laboratory)
      Premium Advanced Spotter & Regionaler Ansprechpartner Thüringen (Skywarn Deutschland e.V.)
      Weitere Mitgliedschaften: Arbeitskreis Meteore e.V. • Cloud Appreciation Society