13.06.2015 / Gera - Halle / Superzellen, Blitze, Starkregen (groß)

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    • 13.06.2015 / Gera - Halle / Superzellen, Blitze, Starkregen (groß)

      Ein Katz-und-Maus-Spiel

      Am 13.06.2015 deutete sich wieder eine schöne Gewitterlage an. Die Modelle sagten eine Auslöse für die Mittagszeit voraus. Daher stand ich recht früh für einen Samstag auf, um gemütlich mit meiner Freundin und ihrem Patenkind zu frühstücken. Immer wieder schaute ich dabei auf das Regenradar. Es bildete sich erst eine Zelle im Norden von Jena, die ich links liegen lies. Nach Rücksprache mit Stephan, der langsam aus dem Bett und nicht so richtig aus dem Tritt kam , entschloss ich mich, alleine Richtung Hermsdorfer Kreuz aufzubrechen. Der erste Stopp war bei der Abfahrt Hermsdorf Ost. Dort stand ich genau hinter einem Starkregengewitterkomplex, der ein paar Blitze hervorbrachte. Da nichts weiter Spektakuläres passierte, ging es weiter bis zur Abfahrt Rüdersdorf. Dort stand mittlerweile auch eine schöne Gewitterzelle, die den einen oder anderen Blitz hervorbrachte. Leider konnte ich keinen davon triggern. Es dauerte nicht mehr lange und ich musste meinen Platz mit Markus aus Weimar teilen. Wir tauschten während des Fotografierens noch ein paar Erlebnisse der letzten Wochen aus. In dieser Zeit wanderte die Gewitterzelle weiter Richtung Nordwesten und schwächte sich ab. Markus entschloss sich weiter Richtung Osten zu verlagern und ich blieb am besagten Standort.



      Hinter mir, auf der Gera zugewandten Seite, bildeten sich schon die nächsten Zellentürme auf. Diese zogen von Saalfeld und Schleiz direkt in meine Richtung. Ich wechselte also die Autobahnseite und baute dort wieder meine Fotoequipment auf. Nichts ahnend kam jetzt Marco aus Jena vorbei und wir bestaunten die neu angekommene Zelle. Diese wurde vom Niederschlag immer stärker und brachte einen Blitz nach dem nächsten hervor.




      (Gopro Videostandbild)

      So langsam wurde es ungemütlich. Marco entschloss sich, Richtung Eisenberg aufzubrechen und ich hielt noch ein paar Minuten die Stellung. Dann kam Kay aus Jena vorbei und wir begrüßten uns schnell. Dann ging auch vom Süden her die Zelle wie verrückt ab. Es bildete sich eine schöne Böenfront.



      Jetzt hieß es schnell sein. Auf ging es auf die Autobahn Richtung Gera und dann bei Gera Langenberg auf die B2. Dort, kurz vor Giebelroth, machte ich den nächsten Fotostopp. Dort baute sich eine schöne Böenfront mit Fallstreifen auf. Immer wieder blitze es.



      Die Böenfront kam näher und ich musste mich weiter nach Norden verlagern. Also ging es weiter auf die B2 Richtung Zeitz. Hinter Giebelsroth musste ich die Chance nochmal ergreifen um die Böenfront abzulichten. Jetzt gelang es mir auch einen Blitz einzufangen.




      Nach kurzem Stopp ging es weiter. Kaum auf die Straße aufgefahren, fuhr vor mir ein bekanntes Auto. Es war Chris Pi aus Bayern. Wir begrüßten uns kurz mit Lichthupe, dann trennten sich unsere Wege schon wieder da ich merkte, dass die Böenfront nun langsam nach Osten abzog. Ich beschloss, kurz bei Nedissen anzuhalten um die tiefhängenden Fraktis und die Böenfront mit ihrem schönen Hell- und Dunkel-Kontrast fotografisch festzuhalten.




      Weiter ging es bis kurz vor Zeitz. Schnell aus dem Auto raus und ein paar Fotos machen. Mittlerweile hatte mich der Starkregen schon eingeholt und ich musste mich schnell ins Auto flüchten. In der Eile vergaß ich, die Tür hinten richtig zu schließen. Zum Glück bemerkte ich dies noch bevor ich den 1 km weiter gefahren bin. Warnblinker an und schnell die Tür gesichert. War das ein Schreck. Nun ging es durch Zeitz und weiter Richtung Norden. "Was nun?", stellte ich mir jetzt die Frage. Bei Naumburg bildeten sich neue Zellen und ich wollte eigentlich an der Superzelle mit der Böenfront dran bleiben.



      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Ronny7220|Jena| ()

    • Diese lag mittlerweile bei Altenburg und ich versuchte, mich weiter über die Bundestraße Richtung Leipzig durchzuschlagen. Einen kurzen Stopp gab es noch irgendwo zwischen Zeitz und Leipzig. Der Blick auf das Radar verhieß nichts Gutes. Die Superzelle war am Ende ihres Lebens angekommen. Sie schwächte sich immer mehr ab. Also ging es nun weiter auf der B2, bis es eine Umleitung kurz vor Leipzig gab. Die Straße war wegen Bauarbeiten komplett gesperrt und nun musste ich einen riesen Umwege über irgendwelche unbekannten Dörfer nehmen. Irgendwo an einen Kreisverkehr traf ich dann wieder auf Chris Pi. Wir checkten kurz die Lage. Sie schien für Chris aussichtslos. Für mich war mein Plan klar. Es sollte weiter auf die A38 gehen und dann auf die A9 runter bis Naumburg, um dort die Superzelle von Erfurt abzufangen. Ich platzierte mich bei Unterkaka und nahm Kontakt zu Marina Schneider auf. Sie war zusammen mit Stomchaser Stefan Schwitzer schon auf der gleichen Route unterwegs und ich wollte mich eigentlich mit ihnen an meinem Haltepunkt treffen. Leider hatte die Superzelle bei Erfurt etwas dagegen und zog nicht in die Richtung, wo ich stand. Jetzt hieß es wieder handeln und ich beschloss, auf der A9 wieder Richtung Norden aufzubrechen. Aus heiterem Himmel tauchten jetzt Marina und Stefan hinter mir auf und wir fuhren ein kurzes Stück gemeinsam auf der A9. Dann ging es für mich auf die A38 bis Abfahrt Querfurt. Jetzt sollte ich gefühlt direkt in der Zugrichtung der Erfurter Superzelle sein. Also raus mit Stativ und Kamera. Alles war aufgebaut, da kam ein Auto an meinem Chasingpoint vorbei gefahren und es stieg ein Unwetterfanatiker mit Kamera und kleinem Mädchen ca. 100 Meter von mir entfernt aus. Es dauerte nicht lange, dann war die Neugier der beiden geweckt und sie kamen zu mir gelaufen. Wir unterhielten uns über unser Hobby. Die Kleine war anscheinend auch schon eine richtige Stormchaserin. Sie sagte: "Papa, wann kommt denn endlich ein Blitz".
      Wir beobachteten nun gemeinsam die anrückende Superzelle aus dem Süden. Uns viel dann auf, dass sie uns doch nicht direkt treffen wird. Das Radar verriet uns, dass die Zelle immer mehr einen östlicheren Kurs einschlug. Jetzt wäre Naumburg genau der Richtige Standort gewesen. Wieso bin ich nicht gleich dort stehen geblieben und hätte abgewartet? Aber wie das im Leben eines Stormchasers so ist ... es kommt nie so, wie man es gerne hätte. Mich interessierte aber, wo meine Chaserfreunde abgeblieben waren. Also telefonierte ich mit Marina. Sie war nicht unweit von mir entfernt und ich wartet auf sie bis zum ihrem Eintreffen an meinem Standpunkt. Auch eine kurze Rücksprache mir Stephan aus Jena gab es, er war mittlerweile mit Marco und Alex Richtung Erfurt aufgebrochen.
      Marina, Stefan und mir war es schnell klar. Um noch ein paar Fotos von der Front zu bekommen, mussten wir wieder zurück auf die A38 Richtung Leipzig. Während der Autobahnfahrt wurde die Struktur der Böenfront immer deutlicher und ich musste eine Entscheidung treffen. Einmal durch den Kern oder lieber auf Sicherheit gehen, um über einen Umweg vor die Front zu kommen. Ich entschied mich für die sichere Variante. Also fuhr ich auf die A143 Richtung Halle und suchte mir die nächste Ausfahrt (Holleben). Dort konnte ich hinter Windrädern das ganze Ausmaß der Böenfront erkennen und fotografisch festhalten. Weit entfernte Blitze mit Dauergrollen konnte ich an meinen Standort erkennen.





      Die Front rückte immer näher und ich verließ meinen Standpunkt und fuhr eine Abfahrt weiter. Dort machte ich schnell noch ein Bild, bis ich weiter fuhr.



      Auf einmal war die Autobahn zu Ende und ich dachte, das war es jetzt mit dem Chasen. Mitten im viel befahrenen Großstadtdschungel musste ich nun durch Halle durch. Das kostete mich sehr viel Zeit und Nerven. Während dessen ist die Superzelle auch schon mit ihren Ausläufern über Halle und mich drüber weg gezogen. Auf der A14 angekommen, kam ich in Starkregen und heftiges Aquaplaning. Ein schnelles Vorankommen war deshalb nicht mehr gegeben und ich beschloss, die Superzelle ziehen zu lassen. Leicht enttäuscht fuhr ich auf die A9 bei Leipzig und trat die Heimreise an. Am Hermsdorfer Kreuz angekommen, registrierte ich auf meinen Regenradar eine verdächtige Zelle bei unserem bekannten Chasingpoint Mörsdorf. Dort platzierte ich mich erst mal um abzuwarten, was mit dieser Zelle weiter passiert. Telefonisch sprach ich mich mit Marco und Stephan aus Jena ab. Diese harrten noch in Jena aus. Als ich ihnen berichtete, dass die Zelle immer stärker wurde, brachen sie zielstrebig nach Osten auf. Ich wiederum wartete noch ein bisschen in der Hoffnung, ein paar Blitze auf der Rückseite triggern zu können. Die Zelle verstärkete sich immer mehr zu einem Cluster und ich musste mich auch weiter Richtung Osten verlagern, um an ihr dran zu bleiben. Mein neuer Standpunkt war nun bei Abfahrt Gera Langenberg. Leider war durch den dort einsetzenden extremen Starkregen und die hohen Blitzraten kein Aussteigen aus dem Auto möglich. Also verweilte ich weiter im sicheren Auto. Langsam lies der Starkregen nach und ich konnte aus dem Auto aussteigen und von hinten auf den Cluster schauen. Ein paar Blitze konnte ich sehen, aber keine mit dem Blitztrigger festhalten. Mein Blick ging nun verdächtig Richtung Süden. Dort baute sich direkt über Gera eine Wallcloud mit eigenem Aufwindbereich auf. Die Zelle stand förmlich die ersten Minuten still an ihrem Platz. Sie zog mehr und mehr die Feuchte in sich hinein und wuchs stetig an. Man konnte auch schön das Eindrehen beobachten. Jetzt war die Meso komplett ausgebildet und die Zelle gewann an Zuggeschwindigkeit.











      Sie zog nun Richtung Osten über Gera Leumnitz hinweg. Jetzt kam auch die Sonne wieder zum Vorschein. Diese sorgte für einen schönen Kontrast zu der dunklen Wolkenbasis.



      Ich lies die Superzelle ziehen und teilte meine Erlebnisse mit den Wetterverrückten im Internet. Auch ein Anruf mit Stephan und Markus fand noch statt bis ich alles zusammen packte. Glücklich und auch kaputt machte ich mich auf den Heimweg. Gerade als ich auf die Autobahn auffuhr, wer war da vor mir? Wie es der Zufall so will, meine Chaserfreunde Marco, Stephan und Alex. Nach kurzem Lichtspiel und Beweisfoto von Alex, vereinbarten wir telefonisch ein Treffen bei Mc Donalds in Jena. Dort trafen wir uns dann zur gemeinsamen Nahrungsaufnahme und berichteten von unseren Erlebnissen.

      Ende

      Hier noch einen kleinen Zeitraffer vom Starkregen bei Rüdersdorf (Gera)

      http://www.youtube.com/watch?v=AWMsY0yqBeQ

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Ronny7220|Jena| ()

    • Ein (überraschend) guter und gelungener Bericht mit tollen Bildern von dir, auch wenn mir das Wort Superzelle etwas inflationär gebraucht darin vorkam.
      (Gerade bei Erfurt und Halle wäre ich mir da nicht so sicher, sieht mir mehr nach chaotischem Multizell-Konglomerat aus...)

      Strukturtechnisch besonders eindrucksvoll war natürlich die spätere Zelle bei Gera, die du zum Glück dort abpassen und ablichten konntest. Ich denke, die Feuchte der vorangegangenen Gewitter konnte einiges dazu beitragen, dass sich die Wallcloud so gut ausformte.

      Apropos Halle: Ich denke, über kurz oder lang muss jeder Chaser irgendwann diese schöne Stadt kennenlernen, denn die A143 ist ja eben auch so ein schönes Projekt wie BER oder Stuttgart 21.
      mz-web.de/mitteldeutschland/fe…te,20641266,30423128.html

      Und da Magdeburg und die A14 auch noch so schön ausgeschildert sind, ahnt man dort wirklich nichts Böses, wenn man nach Norden will. Hatte das letztes Jahr auch schon durch. :grins
      Also für die Zukunft merken: Von der A38 aus geht's nur um Leipzig schnell nach Norden (A9 oder A14).