28.08.2016 I Melsungen - Erfurt I MCS, Böenfronten, Erdblitze

    • 28.08.2016 I Melsungen - Erfurt I MCS, Böenfronten, Erdblitze

      Hallo miteinander!

      Das letzte Chasing im meteorologischen Sommer führte mich und Ronny gestern zunächst nach Melsungen, südlich von Kassel und später wieder nach Erfurt. Wir konnten zweimal einen MCS abfassen, wobei der Erfurter am Abend für uns strukturell interessanter war, der erste MCS bei Melsungen dafür wesentlich entspannter zu jagen war... Dazu gleich mehr.

      Streckenverlauf ziemlich simpel:


      Nachmittags entwickelten sich entkoppelt von der Grenzschicht diverse Zellen im Land. Ich schaute mir dann eines dieser Exemplare bei Buttstädt an:


      Ronny und Marco waren schon in Bereitschaft für ein Chasing ab spätem Nachmittag. Über Hessen und NRW entwickelten sich mehr und mehr Zellen, die im Verlauf verclusterten und kleine Linien bildeten. Die untere Linie bei Marburg/Gießen sollte mit der Zugbahn nach Nordosten ganz gut für Eisenach passen (-> kachelmannwetter.com/de/regenr…essen/20160828-1300z.html). Das sollte unser Ausgangspunkt werden mit weiterer Verlagerung am Abend zurück in die Mitte - so der Plan. In Eisenach angekommen, war die Linie schon Geschichte und der große Restschirm hing in der Luft rum.

      Da die Linie von Kassel bis Marburg intensiver wurde und wir auf Neuentwicklungen an der Südspitze spekulierten, fuhren wir über die B7 Richtung Eschwege und weiter nach Melsungen (-> kachelmannwetter.com/de/regenr…essen/20160828-1500z.html). Aussichtspunkte unterwegs etwas schwierig, daher zur besten Struktur auf der A44 bei Hessisch-Lichtenau ein schnelles Foto:


      Hier waren wir am Rand des MCS und es stürmte ordentlich. Staub wehte durch die Luft, Äste und Blätter flogen.
      Wir bogen westwärts ab und fuhren somit südlich vorbei und gelangten bei Körle auf der (weniger fotogene) Rückseite:


      Wir hatten noch den südlicheren Teil des Clusters und eine weitere Zelle aus Südwesten, die auf uns zuzog. Leider waren beide mit ihren Blitzen und Regen zu nah, als das wir noch länger sicher beobachten konnten. Daher traten wir wieder die Rückfahrt an und nahmen nun die neuen Zellen bei Bad Hersfeld ins Visier (-> kachelmannwetter.com/de/regenr…essen/20160828-1630z.html) - die bei Eisenach (dumdidum...) ankommen sollten.

      Unser Hauptaugenmerk fiel dann auf die neue Linie Rhön-Thüringer Wald, die sich deutlich intensivierte. Bis dahin war unter dem Deckel ordentlich Energie aufgebaut (Meinigen-Sounding von 12Z hatte üebr 1.5000 J/kg), die nun explosionsartig freigesetzt wurde. Dieser Cluster (anfangs noch Linie) zeigte von der Struktur und Farbe (türkis-grüner Schimmer) her bereits, dass sie es ernst meinte. Wir fuhren Eisenach-West wieder auf die A4 und es zählte von nun an jede Sekunde um noch ohne Core punch an die Vorderseite zu gelangen.


      Während der Fahrt immer wieder Erdblitze mit Mehrfachentladung, wie z.B. dieser:


      Zwischen Waltershausen und Gotha-Boxberg fuhren wir knapp am Kern vorbei, waren da aber schon in der Böenfront an der Vorderkante, die ordentlich von der Seite drückte und mehrfach Staub über die Autobahn schleuderte. Geschafft. Vorbei. Jetzt schnell Beobachtungspunkt suchen - wir entschieden uns für Bindersleben. Die Strukturen waren beeindruckend, der Wind weht hier noch zum Cluster hin und die Kontraste taten ihr übriges dazu:






      Den Standortwechsel hatten wir dann doch etwas zu spät in Angriff genommen. Die Bäume waren bereits im Schleudergang und Äste flogen quer über uns. Wir fuhren noch auf die A71 nach Süden und merkten schon, dass wir da nicht mehr weiter kommen. Wir brachen ab und liesen uns am Autobahnparkplatz im Schutz hinter den LKWs überrollen. Der Wind peitschte und drückte sehr stark, das Auto wackelte. Ich gab zu dieser Zeit eine Skywarn-Meldung ab.

      Es klarte dann relativ fix wieder auf und die Sonne kam im Westen nochmal hervor - dazu Wolkenblitze und Crawler - geile Stimmung. Wir fotografierten nochmal Blitze am Gewerbegebiet Erfurter Kreuz und später bei Waltersleben:




      Danach beendeten wir die Jagd.

      Reflektion:
      - Der Ausflug nach Melsungen war rückwirkend nicht unbedingt nötig, wenn auch bei der Entscheidung vor Ort von uns beiden für ok befunden. Ich meinte noch, wir sollten in ESA abwarten (saßen ja eh im Mc Eiskaffee und WLAN) anstatt wieder am Ende hinterher zu hetzen. Jaja. Da muss ich mir nach ähnlichen Ereignissen aus dem Vorjahr einfach mal wieder die Grundzutat "Geduld" verinnerlichen. Von der Vorhersage inkl. Timing her hat es gepasst.
      - Erfurt-West bzw. Waltersleben (wo wir zuletzt standen), wäre für die weitere Jagd ein besserer Ausgangspunkt bei der Flucht vor dem Cluster gewesen. So hätten wir noch länger hinterher fahren können
      - immer nochmal beim Autowechsel schauen, dass auch wirklich nichts vergessen ist ;)
      - Modelle: Janeks WRF hatte in mehreren Läufen die Entwicklungen in TH unterschätzt (größtenteils nicht drin), das SuperHD von kachelmann war da zB besser dabei

      VG
      Markus
      Gründer und Organisator Thüringer Storm Chaser
      ESSL Voluntary Observer Person (European Severe Storms Laboratory)
      Premium Advanced Spotter & Regionaler Ansprechpartner Thüringen (Skywarn Deutschland e.V.)
    • Auch von mir noch ein paar Bilder vom Ausflug. Markus hat eigentlich schon alles schön geschrieben. Da ich Fahrer war, konnte ich leider nicht so viel Bilder während der spannenden Phase machen (nämlich gar keine, wäre ja verrückt)

      Cluster bei Erfurt Bindersleben:










      Danach Rückseite bei Thorey



      ..und danach Rückseite bei Waltersleben Blickrichtung Erfurt







      Reflektion:

      - ein Sonntagschasing mit Markus alá 2010/2011 war längst überfällig
      - die Frozen Café Sachen bei MC´s sind der Knüller
      - das nächste mal, lieber warten bei MC´s bis der unfotogene Hessenkram in Thüringen Interessanter wird
      - ne Gopro zulegen, um unsere tiefgründigen und genialen Gespräche (wird der Knaller bei YouTube) festzuhalten
      - bei 210 km/h fährt es sich mit Rückenwind schneller ;-) (mit einer vollen Blase auch ;-) )
      - zu guter Letzt, rechtzeitig einen geeigneten Standpunkt mit Fluchtmöglichkeiten (Das Biest war echt giftig) ohne viele Bäume suchen

      Im Großen und ganzen war es ein Chasing, wie man es sich wünscht: Auto heile, Seele rein, wieder Spaß am Fotografieren gehabt, Freunde sehen, Blutdruck im reinen...

      Bis dahin.

      Mfg Ronny
    • Ronny(Erfurt) schrieb:


      - ein Sonntagschasing mit Markus alá 2010/2011 war längst überfällig

      Dito. Dark sunday adventures reloaded :ironie

      Ronny(Erfurt) schrieb:


      - die Frozen Café Sachen bei MC´s sind der Knüller

      Sagte ich doch!

      Ronny(Erfurt) schrieb:

      - das nächste mal, lieber warten bei MC´s bis der unfotogene Hessenkram in Thüringen Interessanter wird

      Dazu sage ich nichts mehr ;)

      Ronny(Erfurt) schrieb:

      - ne Gopro zulegen, um unsere tiefgründigen und genialen Gespräche (wird der Knaller bei YouTube) festzuhalten

      Das willst du nicht :)

      Ronny(Erfurt) schrieb:

      - bei 210 km/h fährt es sich mit Rückenwind schneller ;-) (mit einer vollen Blase auch ;-) )

      Der Rückwind machte es ja erst möglich...

      Ronny(Erfurt) schrieb:

      - zu guter Letzt, rechtzeitig einen geeigneten Standpunkt mit Fluchtmöglichkeiten (Das Biest war echt giftig) ohne viele Bäume suchen

      Wären wir einfach mal stehen geblieben...

      Danke für die Bilder und Ergänzungen!
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