21.08.2016 | Sondershausen | Fotogene Kaltluftgewitter

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    • 21.08.2016 | Sondershausen | Fotogene Kaltluftgewitter

      Hallo zusammen,

      mein letzter Bericht aus dem (zumindest um Leipzig) relativ sensationsarmen Jahr 2016 soll nun folgen. Dabei musste ich zuletzt doch wieder feststellen, dass bereits die kleinen Dinge im Leben große Wirkung haben können. Ende August stand für mich zu Beginn meiner Urlaubswoche ein Heimatbesuch an. An diesem Tag stand eine typische Kaltluftschauerlage an, auch einzelne Gewitter konnten dabei sein. Ich erwartete jedoch nichts Großes. Das war wohl mein Glück - denn so kam es, dass ich eine kleine Überraschung genießen durfte.

      Ich fuhr am Vormittag des 21.08. über die A38 Richtung Westen. Auf der Autobahn geriet ich dabei in einen extrem kurzen, schwachen Schauer von wenigen Sekunden. Dieser neue "Rekord" ließ meine Erwartungen entsprechend weiter auf 0 sinken und ich freute mich auf Grillfleisch und Nudelsalat bei meinen Eltern im Garten. Der Himmel klarte zunehmend wieder auf, die Sonne lugte hervor(!) und die Temperaturen stiegen auf angenehme Werte um 23°C. Das blieb für den Labilitätsaufbau natürlich nicht ohne Folgen. Bei meiner Abfahrt im Bereich Berga/Roßla konnte ich am fernen Horizont bereits eine weitere Staffel Cb-Eisschirme mitsamt vorgelagerter Quellungen erkennen, die sich linienartig formierte. Das Himmelsschauspiel setzte sich gut vom sonst blauen Himmel ab. Der Garten meiner Eltern befindet sich etwas außerhalb Sondershausens in Richtung des kleinen Ortes Berka. Dort angelangt, gab es endlich Mittag, die Sicht nach Südwesten war von nun an jedoch eingeschränkt.

      Ich analysierte daher ab und zu das Radar, das gegen 15 Uhr einige Blitze an einer Zelle südwestlich von Mühlhausen zeigte. Es sollte jedoch noch eine weitere Stunde vergehen, bis die kleine Linie Sondershausen erreichen würde. Ich begnügte mich daher mit der Ansicht auf eine schwächelnde Schauerzelle im Süden:



      Danach beachtete ich das Wetter eine zeitlang überhaupt nicht, was ungewöhnlich für mich ist... bis ich 45 Minuten später plötzlich ein Donnergrollen vernahm. Am Berghang im Garten konnte ich jedoch außer harmlosen, fluffigen Cumuli humilis nichts erkennen. Erst als ich etwas den Hang herunterlief, konnte man die Ursache langsam erahnen. Da tauchten sowohl ein Quellungetüm, sowie offenbar etwas dahinter angesiedelt, ein Eisschirm auf.



      Für einen besseren Blick auf das Geschehen, entschloss ich mich spontan zu einem 2-minütigen, schnellen Fußmarsch vor zum Feld und klärte meine Eltern über die aktuelle Wettersituation und meine Vermutungen auf. Während des Marsches hatte das Quellungetüm bereits seine Form im oberen Bereich verändert und war nun der Gattung Cumulonimbus calvus anzurechnen. Das gesamte Ausmaß zeigte sich dann mit besserem Blick vom Feld:





      An der Straße erkannte man dann die nördliche, gewittrige Zelle, die vorbeiziehen würde, sowie die südliche Neuentwicklung, die durch eine gemeinsame Böenlinie miteinander verbunden waren:





      Nun begann mich das Licht- und Schattenspiel in seinen Bann zu ziehen, da die Sonne praktisch bis zum Aufzug der Böenlinie Chancen hatte, hervorzukommen.







      In der Gegenrichtung traten ebenfalls interessante Farben durch Cumulus-Bewölkung in Erscheinung.



      Mit dem Aufzug der Niederschlagsvorhänge wurde es noch kontrastreicher.



      Meilensteine:
      - wetterinteressiert und unwetterbegeistert seit Beginn der 2000er Jahre
      - TSC-Mitglied seit 2007, aktiver Chaser seit 2010
      - eigenes Portal seit 2017: faszination-sturmjagd.de
    • Ein Whales Mouth zeigte sich im Süden.



      Nochmal mit 18mm Brennweite nach Westen.



      So ging es weiter. An Rückkehr in den Garten noch nicht zu denken.





      Die Fallstreifen gut zu erkennen.





      Langsam wird der hintere Teil der Hainleite vom Niederschlag eingehüllt.



      Als die Böenfront über mich zog, sorgte insbesondere das Whales Mouth nochmal für imposante Strukturen.







      Da es aus der nördlichen Zelle immer noch ab und zu grollte, entschloss ich mich sicherheitshalber zur Rückkehr in den Garten, bevor es aus der südlichen auch noch anfing.

      Selbst hinter der Böenfront gab es noch kleine, vollkommen wolkenfreie Lücken, wie der Blick 90° nach oben offenbarte...



      Nun dauerte es noch eine Weile, bis schließlich starker Regen den Garten meiner Eltern wässerte:



      Wir blieben noch eine Weile und traten bald den Rückweg an. Die Temperatur war nun auf 16°C gefallen. Bei bedecktem Himmel war es nun kein angenehmes Draußen-Sitzen mehr.

      Fazit: Unverhofft kommt oft - ein schöner Tag mit nettem Lichtspiel. Wer hätte gedacht, dass eine einfache Kaltluftschauerlage dem Jahr 2016 einen etwas angenehmeren Wetter-Stempel aufdrücken konnte.

      Grüße,
      Chris
      Meilensteine:
      - wetterinteressiert und unwetterbegeistert seit Beginn der 2000er Jahre
      - TSC-Mitglied seit 2007, aktiver Chaser seit 2010
      - eigenes Portal seit 2017: faszination-sturmjagd.de