18./19.05.2017: Gewitterthread

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Bei mir war es gestern auch mehr ein Action-, als ein Fotografie-Chasing, daher habe ich auch nur wenige Bilder (wird Zeit für eine Action-Cam, die mitläuft).

      Zunächst suchte ich weitgehend vergeblich bei Naumburg nach geeigneten Chasingpoints und konnte währenddessen den Aufzug mehrerer, jedoch teilweise etwas unorganisierter Böenfronten beobachten. Enorme Helligkeitsunterschiede zeigten sich dabei am Himmel. In den Orten, die ich durchfuhr, gingen die Straßenlaternen an, obwohl es erst halb sieben war.

      Nachdem ich kurz in den ersten Starkregen gekommen war, fuhr ich auf der A9 nach Norden einem Zellkonglomerat (von denen zwei Superzellen dabei gewesen sein sollten) davon. Auf dieser Fahrt verstärkte sich der Kontrast nochmals, da im Osten teilweise sogar noch blauer Himmel durchschien, während ich im Westen Richtung Weißenfels eine tiefschwarze Nacht mit bedrohlichen Wolkenfetzen in der Ferne beobachten konnte.

      Die Zelle war schneller, als ich dachte. Die Gelegenheit für einen kurzen Stopp ergab sich erst wieder bei Delitz am Berge (ich fuhr die A38 weiter). Doch auch hier stand ich schon knapp vor dem Hagelkern, der grünlich schimmerte. Da es schon regnete, machte ich zwei kurze Videoaufnahmen - ein Standbild zu dokumentatorischen Zwecken:




      Gut zu sehen ist, wie es im rechten Teil deutlich grünlich schimmerte. Im Hintergrund flackerte es quasi ununterbrochen.



      Wenig später, etwas nördlicher. Bei dieser Wolkenformation, deren Wolkenfetzen ziemlich durcheinander in alle Richtungen wirbelten, wusste ich letztlich auch nicht mehr, wo oben und unten war.

      Ich stand etwas zu nah am Kern und geriet auf dem Rückweg daher kurz in einen Hagelschauer mit kleinen Körnern. Etwas weiter westlich platzierte ich mich noch einmal kurz am Wegesrand, um eine zweite Zelle in Empfang zu nehmen.



      Es hatte in der Zwischenzeit auf 14°C abgekühlt. Die zweite Zelle wirkte auf dem Radar nun auch weit weniger kräftig, wodurch ich zunächst dachte, dass es in Ordnung wäre, mich vom Rand der Zelle streifen zu lassen. Doch gerade die kühle Luft sorgte dafür, dass jeder Niederschlag direkt als Hagel auf der Erde ankam. Als die Körner allmählich auf eine Größe von 1,5 - 2 cm anwuchsen und das Adrenalin, sowie die Lautstärke, mir etwas zu viel wurden, fuhr ich kurzer Hand noch etwas weiter westlich, wo ich zum Glück schnell aus dem Niederschlag herausfand.

      Danach stand ich erstmal 15 Minuten an einem Rastplatz, um mich innerlich und äußerlich zu sammeln. :grins

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von chris89 () aus folgendem Grund: nicht Delitzsch, sondern Delitz am Berge ;)

    • Hamburger Deern schrieb:

      Ronny, wie kommt das bodennahe Wolkenband auf Bild 3 zustande?

      und was ist schief gelaufen?
      Könnte ein Inflowband der der Zelle aus Gera gewesen sein. Sah auf jeden Fall toll aus. Das die Blitze da durch schossen.

      Schief gelaufen ist die Wegeplanung. War erst bei Erfurt und bei Jena sund die Zellen explodiert. Musste über a71 und a38 meinen Weg bahnen. Leider hab ich von der ersten HP Superzelle keine gutes Bild. Hätte wohl weiter von Querfurt an die Zelle ranfahren sollen
    • 18.05.2017 - Chasing bei Nordhausen, Sangerhausen, Eisleben

      Hallo zusammen,

      nun komme ich auch mal noch dazu, kurz ein paar Fotos der letzten beiden Tage zu bearbeiten und zu zeigen.

      Am Donnerstag trafen sich Eric, Ronny und ich nach der Arbeit bei Mellingen und brachen gemeinsam in Richtung Norden auf. Der erste Standpunkt war östlich von Nordhausen, wo wir eine der an diesem Tag meist eher kurzlebigen Gewitterzellen abpassten.



      Kurz darauf ging diese Zelle aber auch kaputt. Die von Süden her nördlich ziehende Zelle verstärkte sich aber zu dem Zeitpunkt zunehmend, so dass wir uns wieder in Richtung Osten verlagerten und nahe Sangerhausen nach einem geeigneten Standpunkt suchten. Man erkannte die zunächst noch getrennten zwei Niederschlagsbereiche, die sich kurz darauf vereinten. Insgesamt neigte die Lage an diesem Tag ja zur raschen Verclusterung und die Zellen waren auch eher kurzlebig.



      Als uns der Regen langsam einholte, fuhren wir noch weiter in Richtung Osten und hielten zunächst zwischen Querfurt und Eisleben. Die sich nun westlich von uns befindenden Zellen waren inzwischen zu grauem Einheitsbrei verclustert. Etwas interessanter sah da noch das Gewitter in Richtung Eisleben aus.



      Wir wollten dieses noch aus der Nähe festhalten, doch auf der Fahrt in Richtung Eisleben fand sich absolut keine Möglichkeit, die Umgehungsstraße zu verlassen. Am erst besten Standpunkt waren wir dann schon viel zu nahe am Niederschlagsbereich. Die interessantesten Strukturen (zumindest für diesen insgesamt recht strukturarmen Tag) sahen wir südlich von Eisleben, aber eben leider nur aus dem Auto heraus.

      Wir traten die Heimreise an. Zum Abschluss konnten wir dann bei Erfurt aber noch den CB der Neuentwicklung in Ostthüringen im Abendlicht bestaunen. Insgesamt die schönste strukturelle Entwicklung dieses Tages.



      Nachdem wir Eric in Mellingen wieder abgesetzt hatten, hielten Ronny und ich nochmal spontan bei Bucha, da wir im Rückspiegel einen schönen Sonnenuntergang gesehen hatten. Der rote Ring um die Sonne kommt nicht durch zu starke Nachbearbeitung zustande, sondern war auch visuell sichtbar.



      Insgesamt war es kein besonders spannender Chasingtag. Trotzdem hatten wir zu dritt aber eine schöne Fahrt und nach langer Durststrecke war das bloße Unterwegssein auch mal ganz schön.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Luise ()

    • 19.05.2017 - Strukturell enttäuschendes Level 2 mit Schäden

      Auf der Fahrt von Apolda nach Weimar sah ich gestern Nachmittag gegen 15:45 in der Ferne schon den Eisschirm der sich formierenden Zelle zwischen Saalfeld und Ilmenau, inklusive leichter Mammati. Ich hielt kurz für ein Foto, nichtahnend, dass das die einzige "Struktur" bleiben sollte, die ich an dem Tag zu sehen bekam.



      Eigentlich hatte ich mich sowieso mit dem Gedanken abgefunden, von der Level 2 Lage nichts mitzubekommen, da die Zellen für Thüringen laut Janeks WRF für später berechnet wurden. Als es dann aber doch schon in der Ferne grummelte, legte ich noch einen kurzen Zwischenstopp an der "Schanze" bei Weimar-Schöndorf ein. Ich stand dort über eine halbe Stunde und hörte das Dauergrummeln, strukturell war es aber nur graue Matschepampe!
      Also fuhr ich etwas enttäuscht doch weiter zu meiner Mutter. Wir verfolgten dann zusammen vom Balkon aus den Aufzug der Zelle, aber Struktur war immer noch Fehlanzeige.



      Also genossen wir halt das Blitzspektakel über uns sowie ein paar ziemlich laute Donner.

      Heute früh fuhr ich dann wieder zum Dienst nach Apolda. Unterwegs hielt ich nochmal kurz, als ich zwischen Pfiffelbach und Wersdorf ein stark niedergedrücktes Feld sah.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Luise ()

    • Hilfreich!
      An jenem Tag konnte ich aufgrund anderer Verpflichtungen nicht chasen. Da sich die "großen" Entwicklungen aber in einiger Entfernung von Leipzig bildeten und dort auch verharrten, finde ich das gar nicht mal so schlimm. Die Saison beginnt ja gerade erstmal. Das Sounding wollte ich eigentlich am Freitag schon kurz erklären, aber da konnte man auf jene nicht zugreifen. Die folgenden kurzen Erläuterungen können so als kleiner Rückblick gesehen werden.


      Quelle: weather.uwyo.edu/upperair/sounding.html

      Im 12Z Sounding aus Meiningen soll nun von "unten" begonnen werden. Die Wolkenuntergrenze war recht niedrig (LCL) und lag bei rund 1,5 km Höhe. Danach folgt eine keine Inversion bis zum LFC, dazwischen befindet sich die konvektive Hemmung (CIN). Dies ist auch bekannt als "Deckel" oder "loaded gun". Die feuchte, energiereiche Luft kann sich darunter sammeln. Durch die Konvergenz und auch durch orografische Effekte, konnte es im betroffenen Gebiet (Bad Lobenstein - Jena - Bad Bibra - Könnern) diese kräftigen Konvektionen geben. Oberhalb vom LFC begünstigte die lehrbuchhafte EML kräftige Aufwinde, aufgrund trockenadiabatischer Temperaturabnahmen. Durch die starken Aufwinde im Bereich um 3 km und dem nachfolgenden großen Trockenlufteinschub bis weit nach oben war die Hagelgefahr erhöht (Größe + Menge). Wegen der trockenen Schichtung konnten die Körner beim Fallen langsamer tauen und durch die Zugrichtung von Süd nach Nord gab es auch immer wieder Zellen über dem gleichen Gebiet, womit natürlich lokal große Hagel- und Regenmengen runterkommen können (siehe z.B. um Bad Bibra, Regenmengen um 50 mm in kurzer Zeit). Die gute Windscherung, v.a. im Beispiel die Geschwindigkeitsscherung (von 10 auf 50 Knoten in den ersten 6 km) erlaubte eine gewisse Langlebigkeit der Zellen. Die Richtung des Windes zeigt hier auch nochmal eindrucksvoll, dass die Zellen keine große Chance hatten, weit nach Osten voranzukommen...

      Alles in allem eine interessante Lage, die sich leider auf ein kleines Gebiet beschränkte und dort zu viel des guten brachte...
      Vielleicht gibt es morgen Abend eine kleine Überraschung. Es könnte durchaus sein, dass sich gute Scherung mit etwas Labilität überlappt -> d.h. schnell ziehende, möglicherweise auch linienhafte Entwicklungen. Hauptgefahr wären dann Sturmböen und lokal Hagel (1-2 cm).

      Viele Grüße,
      Maurice

      Dieser Beitrag wurde von chris89 positiv markiert ()
      Begründung: Lehrreich und der Aufklärung dienend

    • Eine kleine Ergänzung hätte ich meinerseits noch dazu: Wenn man sich anschaut, aus welcher Richtung der Wind bodennah vor der Konvergenz wehte, wird klar, dass man in den unteren Schichten einen 1A-Korkenzieher (Veering) hinbekommt: Windrichtung kachelmannwetter.com

      Der Wind dreht somit unten von Nord/Nordost auf Südost und weiter oben auf Süd. Damit bleibt der Inflow für lange Zeit unangetastet und kann sich schön in die Zelle eindrehen. In Verbindung mit der von Maurice angesprochenen Geschwindigkeitsscherung, der EML und dem Trockenlufteinschub macht das ein schönes Superzellensetup mit der Gefahr von größerem Hagel.

      Eine Wetter-Webcam aus Jena zeigt übrigens sehr gut die notwendigen Zutaten am praktischen Beispiel: Cumulusentwicklung am Vormittag (bodennahe Feuchte), gegenläufige Winde darüber (Scherung, Cumulus vs. Altocumulus), Ac cas am frühen Nachmittag (Labilität in der mittleren Atmosphäre) und schließlich das hereinbrechende Resultat:

      Link zu YouTube

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von chris89 ()