09.07./10.07.2017 Gewitterthread

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    • 09.07./10.07.2017 Gewitterthread

      Gewitter mit Starkregen, örtlichem Hagel und stürmischen Böen sind in der Nacht zum Montag und tagsüber in Thüringen möglich. Der erste Schwung Gewitter ist in der Nacht zum Montag aus Süden/Südwesten her zu erwarten, der zweite Schwung konzentriert sich auf den Montag selbst.



      Blick auf auf die kombinierte Boden-/Höhenanalyse von heute, 08:00 Uhr MESZ: Deutschland liegt im Einfluss ein schwaches Hochdruckgebietes, während weiterhin eine schwache Luftmassengrenze etwa von Sachsen quer zum Harz liegt. Diese taucht als Warmfront in der DWD-Bodenanalyse auf und macht sich über Thüringen mit mittelhoher Bewölkung bemerkbar.

      Der Blick richtet sich mehr nach Südwesten, wo ein Kurzwellentrog in500 hPa über dem Süden Frankreichs zu erkennen ist (die rot-gestrichelte Ausbuchtung), wo sich ebenfalls ein Bodentief befindet. Dieser rückt nach Nordosten vor und sorgt im Vorfeld für entsprechende Hebung im Vorfeld. Das schwache Hoch wird somit auch nach Nordosten abgedrängt und die labile Luftmasse aus dem Süden Deutschlands beginnt wieder nach Norden zu wandern.


      Bitte beachten: Diese Bodenanalyse ist von 05 Uhr MESZ. Sie gibt es nicht stündlich in diesem Format.

      Ablauf: Tagsüber bewölkt, eventuell einzelne Schauer im Verlauf möglich. Ab dem Nachmittag/Abend in Frankreich, Südwest- und Süddeutschland Auslösung von Gewittern. Diese dürften sich dank mäßiger 0-6 km Scherung und wenig Deckel bald zu Clustern/Linien formen, die nach Osten bzw. Nordosten ziehen. Es ist anzunehmen, dass sich die Gewitter zwar nordostwärts verlagern, aber die aktiven und stärksten Zellen am Südrand mehr ostwärts abwandern (beste Luftmasse) und das südliche Thüringen gar nicht, abgeschwächt oder erst spät erreichen.

      Hauptgefahren würden bei Starkregen liegen (hohe Werte an niederschlagbarem Wasser), eher kleinem bis mäßigen Hagel (1-3 cm) und stürmischen Böen bis 75 km/h, bei Böenfronten durch coldpool-getriebene Cluster auch noch höhere Böen. Das muss man allerdings noch in der finalen Entwicklung betrachten.


      Nacht zu Montag/Montag:

      Mit Vorrücken des Kurzwellentroges sollen nach Modellmeinung (auch bereits gestern/vorgestern angedeutet) nach Mitternacht neue Gewitter ausgelöst werden, die von Süden/Südwesten übergreifen und dann auch größere Teile Thüringens beeinflussen. Hauptgefahren wie bereits oben beschrieben. Der Kurzwellentrog wird dann mehr in den großen Haupttrog aufgenommen und verliert an Kontur.

      Diese Gewitter ziehen dann am Vormittag weiter/schwächen sich ab. Im weiteren Verlauf des Tages rückt von Nordwesten langsam eine Kaltfront vor. Wir verbleiben noch in einer labilen und feuchten Luftmasse. Die Scherung ist anfangs schwächer ausgeprägt, nimmt dann aber nicht zuletzt wegen kräftigerem Höhenwind in 850 hPa wieder zu.


      Zusammenfassung: Ob Gewitter aus dem Süden bereits vor Sonnenuntergang übergreifen ist noch ungewiss und muss live beobachtet werden. Spannender wird die Entwicklung in der Nacht (2. Nachthälfte) wenn neue Gewitter von SW/S übergreifen und nord-/nordostwärts schwenken. Nach kurzer Pause am Vormittag nachmittags erneut Bildung von Gewittern. Starkregen bleibt die Hauptgefahr, Sturmböen bei Böenfronten, Hagel eher klein/mittel bis 3cm.

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      Markus
      Gründer und Organisator Thüringer Storm Chaser
      ESSL Voluntary Observer Person (Qualitätslevel QC1) (European Severe Storms Laboratory)
      Premium Advanced Spotter & Regionaler Ansprechpartner Thüringen (Skywarn Deutschland e.V.)
      Weitere Mitgliedschaften: Arbeitskreis Meteore e.V. • Cloud Appreciation Society
    • Halli-hallo-hallöchen!
      Heute früh hab ich endlich mal daran gedacht, vorsichtshalber mein Kameraequipment ins Auto zu legen, falls nach Feierabend noch was vorbei kommt. Als ich dann in der Weimarer Innenstadt noch Wege erledigte, überraschte mich eine "Husche". Ich wollte eh den Heimweg antreten und fuhr auf die Autobahn in Richtung Jena. Hier sah ich schon den Niederschlagskern über Weimar und entschied mich spontan, bei Mellingen nochmal zum Fotografieren abzufahren. Ich fand sogar schnell einen Standpunkt, den ich bisher noch nicht kannte. Von dort hatte man einen schönen Blick Richtung Nord-West, direkt auf Mellingen. Strukturell war´s zwar nicht so der Burner, aber die Fallstreifen waren ganz ansehnlich.


      (Panorama, leider nicht ganz sauber verrechnet)



      Kurz bevor der Regen auch hier einsetzte, fuhr ich wieder weiter Richtung Osten. Bei Bucha hielt ich nochmal und beobachtete den näher kommenden Niederschlag.


      (Panorama)






      Ich blieb noch eine Weile stehen und ließ mich vom Outflow durchwedeln. Irgendwann sah´s aber nicht mehr so schick aus, also trat ich endgültig den Heimweg an.

      Insgesamt war es eine schöne kleine Abwechslung auf dem Heimweg, ohne zusätzliche Kilometer. ;)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Luise ()

    • Hallo zusammen,

      gestern Abend war ich auch nochmal kurz in Richtung Naunhof unterwegs, wo ich das vierte Gewitter des Tages abpasste. Zuvor zogen bereits drei Gewitter (1 am frühen Morgen, 1 am späten Morgen, 1 am frühen Nachmittag) mit Starkregen und netten Donnerschlägen über Leipzig hinweg und brachten der Messestadt eine Gesamtregenmenge von etwa 50 mm! Den entsprechenden LVZ-Bericht findet ihr schon weiter oben.

      Nachdem es unheimlich schwül war (direkt nach den Gewitterzellen stieg der Taupunkt erst auf 21°C, dann auf 22°C am Leipziger Institut für Meteorologie), sollte nach kurzer Einstrahlung am späten Nachmittag zum "finalen Schlag" ausgeholt werden. Von Westen zog neuerlich eine kleine Schauerlinie auf, die am Nord- und Südrand jeweils eine Gewitterzelle aufwies. Im Vergleich zu den Vorgängern war diese Linie eher schwach und sehr outflowdominant, was aber bei Naunhof immerhin zu einer netten Shelfcloud mit Böenfront führte:



      Hier blickt man auf die nördlichere Entwicklung, aus der es hin und wieder donnerte. Anschließend hatte ich vor, mich noch einmal vor die Linie an die südliche Zelle zu setzen. Ein "frischer" Unfall auf der A14 sorgte dann aber dafür, dass ich die Böenlinie im Stau abpassen musste. Als ich dann meinen Standort erreichte, hatte es bereits neue Entwicklungen viel weiter östlich gegeben, sodass das outflowdominante Kram über mir immer langweiliger daher kam und ich mich mit ein paar netten Fallstreifen im Abzug abfinden musste. Insgesamt aber dennoch ein sehr ereignisreicher Tag für Leipzig und Umgebung!

      Viele Grüße
      Chris
      - wetterinteressiert und unwetterbegeistert seit Beginn der 2000er Jahre
      - TSC-Mitglied seit 2007
      - aktiver Chaser seit 2010