22.07.2017 - Multizellencluster in Sachsen und mögliche Superzelle im Abendlicht bei Hermsdorf/ Gera

    • 22.07.2017 - Multizellencluster in Sachsen und mögliche Superzelle im Abendlicht bei Hermsdorf/ Gera

      Hallo zusammen!

      Gestern stand ja wieder eine Gewitterlage für Deutschland an, auch wenn Thüringen diesmal nicht das Haupt-Zielgebiet sein sollte. Ronny und ich verfolgten ab dem Vormittag das Radar und warteten auf erste Gewitterzellen. Nach dem Mittagessen brachen wir dann in Richtung Sachsen auf, wo es die ersten Entwicklungen gab. Hinter Chemnitz mussten wir erstmal durch den Niederschlag, vorbei an zwei Unfällen (vermutlich durch Aquaplaning). Wieder im Trockenen suchten wir uns einen Standpunkt an der Abfahrt Marsdorf nördlich von Dresden. Wir beobachteten das Regengebiet eine Weile, ein anderer Chaser kam auch noch vorbei. Sehr interessant sah das Ganze allerdings nicht aus.


      Wir wurden zunehmend vom entstehenden Cluster eingekesselt, nur noch der Weg Richtung Osten war regenfrei und so fuhren wir die A4 weiter. Auf der Autobahn sahen wir plötzlich eine schöne Böenfront. Abfahren war aber durch eine Baustelle nicht möglich.


      Dann sahen wir nördlich von uns den Niederschlagskern einer Neuentwicklung (im Rückspiegel ist auch noch das dunkle Regengebiet hinter uns zu sehen).


      Wir hielten kurz an der Abfahrt Salzenforst.


      Nächster Halt war bei Weißenberg. Strukturell gab´s hier nichts groß zu sehen, aber wären wir hier überraschend in ein Gewitter gekommen, hätten wir schonmal einen Unterschlupf gefunden, sogar mit geistigem Beistand. :grins




      Der Cluster gefiel uns nun strukturell nicht mehr so, und so visierten wir als nächstes den von Süden heraufziehenden Komplex an. Dafür verlagerten wir uns nochmals weiter Richtung Osten und suchten frühzeitig einen Standpunkt bei Reißaus. Von hier aus beobachteten wir die herannahende Zelle, die fotografisch insbesondere schön abgegrenzte Fallstreifen bot.






      Als der Regen einsetzte, traten wir die Heimreise an, waren doch alle sächsischen Zellen verclustert und abgeschwächt. Die Ausbeute war ja garnicht sooo schlecht, und so zuckelten wir allmählich zurück nach Thüringen.

      ABER … das sollte doch noch nicht das Ende für diesen Tag sein.

      Wir hatten inzwischen die Plätze getauscht und so beobachtete Ronny während der Fahrt auf dem Radar zunächst die Saalfelder Zelle, bis sich über Jena erste Regenechos zeigten. Als diese mit Blitzen anfingen, trat ich dann doch etwas beherzter auf´s Gaspedal und wir überlegten uns, wo man sich nochmal schön platzieren könnte. Von weitem sahen wir schon eine ganze Weile die beiden zunächst noch getrennten Niederschlagsbereiche, von hinten durch die tiefstehende Sonne rot eingefärbt. Bei Rüdersdorf befriedigte uns die Sicht nicht und so fuhren wir doch noch bis Hermsdorf-Ost. Kurz darauf gesellte sich auch Marco zu uns und wir bestaunten gemeinsam die sich vor uns aufbauenden Strukturen.


      Kurzzeitig baute sich diese Wallcloud (?) auf.





      (Panorama)

      Gebannt beobachteten wir das Farbenspiel, das sich uns durch den rückwärtig beschienenen Niederschlag bot.





      (Panorama)


      Nach einer Weile überzeugten uns die Strukturen nicht mehr so sehr und wir wollten uns östlich noch einmal vor die Zelle setzen. Wir trennten uns, Ronny und ich platzierten uns am Geraer Kreuz. Nun sollte der schönste Teil des Chasings beginnen…
    • Mit Blick Richtung Westen genossen wir den imposanten Aufzug der Zelle. Die nun folgenden Farbenspiele und Strukturen machten uns sprachlos.

      Zwischenzeitlich lugte die Sonne durch den Niederschlag.











      (Panorama, leider hat Photoshop diesmal den Horizont häufig ziemlich verzerrt)







      Später war der Regen an der untergehenden Sonne vorbeigezogen und so gab es einen schönen Übergang von goldener und blauer Stunde.



      (Panorama)

      Nach Sonnenuntergang versuchte ich dann auch mal, ein paar Blitze einzufangen. Durch Dauerfeuer gelang es mir dann auch, ein paar wenige Exemplare vor den Sensor zu bekommen.




      Wir entschieden uns gegen ein Weiterfahren und beobachteten stattdessen lieber noch den Abzug der Zelle. Zwischenzeitlich kamen noch drei (!!!) andere Autos mit Chasern aus Gera und Zeitz, insgesamt waren es glaub ich 8 oder 9 Leute. Das war dann doch ein bisschen viel, aber irgendwann fuhren sie dann auch wieder und wir konnten den Rest der Zeit noch in Ruhe alleine fotografieren.




      Gegen dreiviertel Zehn traten wir dann nun doch endgültig den Heimweg an, erfüllt von den Eindrücken des Tages und glücklich über den Glückstreffer zum Schluss.

      Die Frage ist nun noch, ob es sich bei dem Schmankerl zum Schluss um eine Superzelle gehandelt hat. Für mich sieht es auf dem Dopplerradar nach Rotation aus, bin mir da ja aber immer sehr unsicher. Von den Strukturen her hat es mich ein bisschen an die Straubing-/ Deggendorf-Zelle letztes Jahr erinnert, das war damals ja zweifelsohne eine Superzelle. Was meint ihr?

      Fazit:

      • Man hätte auch bis zum Abend zu Hause bleiben können… Aber das war nicht abzusehen, dass sowas Schönes noch quasi vor der Haustür vorbei kommt. Wir haben es jedenfalls auch nicht bereut, vorher in Sachsen gewesen zu sein.
      • Mit zuvielen Leuten am gleichen Standort macht es nicht so viel Spaß (zumal bei der großen Gruppe nur einer fotografiert hat und alle anderen drumrum standen und ihm dabei zugeschaut haben…)
      • Zellen im Abendlicht sind doch immer wieder schön! ;) Im Übrigen haben wir genau vor zwei Jahren, am 22.07.2015, auch eine Superzelle im Abendlicht erwischt, damals zusammen mit Stephan bei Dittersdorf (Link zum Thread).
    • Luise schrieb:

      Die Frage ist nun noch, ob es sich bei dem Schmankerl zum Schluss um eine Superzelle gehandelt hat. Für mich sieht es auf dem Dopplerradar nach Rotation aus, bin mir da ja aber immer sehr unsicher. Von den Strukturen her hat es mich ein bisschen an die Straubing-/ Deggendorf-Zelle letztes Jahr erinnert, das war damals ja zweifelsohne eine Superzelle. Was meint ihr?
      Nach der groben Übersicht Bilder + Radar kann das schon mal in Rotation versetzt worden sein. Die Wolkenstrukturen (geriffelte Aufwindbasis und die veremintliche Mauerwolke) geben Anhaltspunkte, aber sind mir persönlich zu wenig. Entscheidend wäre wieder der Zeitraffer gewesen (hat den vielleicht @Marco|Jena?). Im Doppler-Sweep erkennt man durchaus zw. 0,5° und 2,5° Abstrahlwinkel "Drehmomente". Mein Tipp: Bilder sichern (hier kein Archiv und privat dürfen sie gespeichert werden) und wir werten dass nochmal an anderer Stelle aus.

      Luise schrieb:

      [*]Mit zuvielen Leuten am gleichen Standort macht es nicht so viel Spaß (zumal bei der großen Gruppe nur einer fotografiert hat und alle anderen drumrum standen und ihm dabei zugeschaut haben…)

      Korrekt. Und noch schlimmer, dass gerade wegen der Superzellen-Frage wohl keiner einen Zeitraffer gemacht hat. Aber se waren ja an der Superzelle dran :I

      LG
      Markus
      Gründer und Organisator Thüringer Storm Chaser
      ESSL Voluntary Observer Person (European Severe Storms Laboratory)
      Premium Advanced Spotter & Regionaler Ansprechpartner Thüringen (Skywarn Deutschland e.V.)
    • Ein schönes Chasing, ihr zwei! Besonders der zweite Teil war ja dann nochmal ein spannender Krimi.

      Luise schrieb:

      Zwischenzeitlich kamen noch drei (!!!) andere Autos mit Chasern aus Gera und Zeitz, insgesamt waren es glaub ich 8 oder 9 Leute. Das war dann doch ein bisschen viel, aber irgendwann fuhren sie dann auch wieder und wir konnten den Rest der Zeit noch in Ruhe alleine fotografieren.

      Kanntet ihr diese Chaser? Oder frei nach Loriot: Waren Ihnen die unbekannten Verkehrsteilnehmer bekannt? :grins
      Meilensteine:
      - wetterinteressiert und unwetterbegeistert seit Beginn der 2000er Jahre
      - TSC-Mitglied seit 2007, aktiver Chaser seit 2010
      - eigenes Portal seit 2017: faszination-sturmjagd.de
    • Markus schrieb:

      Entscheidend wäre wieder der Zeitraffer gewesen
      Zum Thema Zeitraffer tun sich bei mir leider zwei Probleme auf. Zum einen habe ich eben nur eine Kamera zur Verfügung, so dass ich dann keine Fotos aus unterschiedlichen Perspektiven machen könnte sondern mich "nur" auf den Zeitraffer beschränken müsste. Das zweite Problem besteht in der Ausgabe der Fotos aus der Kamera. Dazu stell ich zeitnah eh nochmal eine Frage im Fotografie-Bereich des Forums.

      chris89 schrieb:

      Kanntet ihr diese Chaser? Oder frei nach Loriot: Waren Ihnen die unbekannten Verkehrsteilnehmer bekannt?
      Ronny kannte glaub ich ein paar davon, waren wohl von der Facebook-Gruppe "Extremwetter Ostthüringen".