23.04.2018 / Braunsbedra & Leipzig / Gewitter mit Starkregen und Hagel

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    • 23.04.2018 / Braunsbedra & Leipzig / Gewitter mit Starkregen und Hagel

      Guten Tag,

      am Montag bildeten sich ab 13:00 Uhr im Bereich der Hainleite und des Kyffhäusers mehrere kleine Zellen aus, die sich auf dem Weg nach Osten gut formieren konnten und ziemlich langlebig waren, v.a. die Zelle die den Leipziger Norden traf zog noch quer durch Sachsen, aber dazu später mehr.

      Zelle Nr. 1 (mglw. Superzelle ?)

      Zunächst geht es um die eben erwähnte erste Zelle, die meine Freundin vom Geiseltalsee aus beobachtete. Das Gewitter zog knapp nördlich vom See vorbei.
      Nachfolgend ein paar Eindrücke - Handyaufnahmen - aber darauf kommt's ja nicht an:


      Aufgrund der Konvergenz schossen immer mehr Quellungen nach oben, hier ein netter Cu con hinter Schkopau.



      Die Zelle wird sichtbar...



      Während dieser Zeit donnerte es sehr häufig und die Zelle zog mit hohen Reflektivitäten weiter nach Leipzig. Ich machte mich daraufhin mit meinem Fahrrad vom Leipziger Süden auf zum Auensee, weil sich herauskristallisierte, dass die Zelle dort langziehen sollte. Auf dem Weg zum Auensee wurde es merklich dunkler und auch ich konnte Dauergegrummel vernehmen.

      Nachfolgend ein paar Eindrücke vom Damm auf die Zelle. Man erkennt bereits gut, dass Auf- und Abwind eindeutig voneinander getrennt sind.







      Dann stellte ich mich an's Auenseeufer und genoss die Stimmungen. Man konnte zu der Zeit leichte Rotationen erkennen.






      (Pano)



      Die Zelle war bereits sehr nah, Wind kam auf und kräftige Donnerschläge hallten durchs Land. Ich suchte mir derweil einen Unterschlupf und ließ mich daraufhin überrollen.



      Da der Wind den Regen und kleinen Hagel (Körner um 1cm) ziemlich unter die Brücke gedrückt hat, konnte ich dann keine Bilder mehr machen und packte die Kamera schnell weg. In diesem Zusammenhang will ich nur mal klarstellen, dass die Fallböen noch sehr weit von denen eines 'Wet-Downburst' (>119 km/h) entfernt waren. Schäden gab es bis auf kleine abgerissene Zweige nirgends zu beobachten.

      Die Rückseite der Zelle sah dann abschließend auch noch nett aus.



      Diese Zelle zog weiter über Dresden und ging erst bei Zittau gegen 19:00 Uhr in der Linie unter. Somit lebte dieses Exemplar immerhin gut 5 Stunden.

      Zelle Nr. 2

      Dieses Gewitter zog gegen 15:00 Uhr über Braunsbedra und brachte ähnliche Begleiterscheinungen (Starkregen, kleiner Hagel und Windböen) wie die erste Zelle mit. Meine Freundin beobachtete den Aufzug vom Geiseltalsee und ließ sich anschließend im Auto überrollen. Die Strukturen dieser Zelle sind ebenfalls 'verdächtig'.







      Der dichte Niederschlagskern verschleiert die Landschaft.



      Diese Zelle lebte nur 2 Stunden und schwächte sich südlich von Leipzig schnell ab.

      Warum waren die Zellen an jenem Tag so langlebig? Das Sounding aus Meiningen zeigt eine ordentliche Geschwindigkeitsscherung und eine Rechtsdrehung des Windes mit der Höhe + moderat CAPE . Die Konvergenz und die Orografie trugen letztlich zur Auslöse der Zellen im Bereich Südharz / Kyffhäuser bei.

      Viele Grüße, Maurice
    • Lag es vielleicht an den Gegebenheiten am Südharzrand?

      Ich habe ja in Mackenrode gestanden, ein paar Kilometer westlich liegt das Pöhlder Becken. Bei ausreichender Einstrahlung heizt es sich dort gut auf, genügend feucht-warme Luft (hier die Ruhme) kann dann aufsteigen und "lädt" die von S/W ankommenden Zellen weiter auf.

      Besonders, wenn sie derart langsam ziehen, wie es an dem Tag der Fall war.
      In Mackenrode konnte ich auf einem 1Km langen Wirtschaftsweg eine halbe Stunde lang die Böenfront gemächlich vorbeiziehen sehen.
      Liebe Grüße von der Deern

      honeysuckle-honeysuniversum.blogspot.de/
    • Ja, es lag u.a. mit an den Gegebenheiten am Südharzrand. An diesem Tag (Montag) hatte dein erwähntes Becken um Pöhlde aber nichts mit der Auslöse der Zellen zutun. Du meinst sicher den Sonntag, da kann deine Vermutung durchaus stimmen. Die Zellen in diesem Bericht sind primär durch lokale Konvergenzen am Südharzrand und im Bereich der Hainleite und des Kyffhäusergebirges entstanden. Der Wind wird durch das Umströmen des Harzes Richtung Osten mehr auf SSW umgelenkt, dadurch ist die Richtungsscherung in dem Bereich der Zellen besser gewesen.

      Noch ein anderes Beispiel:
      Bei gradientschwachen Lagen sammelt sich warme Luft oft im Esperstedter Ried an, da dieses vom Kyffhäuser, Hainleite, Schmücke und Hohe Schrecke umgeben ist. Deswegen entstehen dort öfter stationäre Zellen, die für Überflutungen sorgen. Von daher denke ich, dass das auch auf das Pöhlder Becken zutreffen kann.

      Grüße, Maurice