Angepinnt Trockenheit/Dürre/Hitze Frühjahr/Sommer 2018

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    • Trockenheit/Dürre/Hitze Frühjahr/Sommer 2018

      Sammelthread zur Trockenperiode/Dürre im Frühjahr/Sommer 2018


      Da offenbar momentan die einzigen Sorgen der Deutschen das Ausscheiden von der WM und das zurückliegende, unterkühlte Wochenende betreffen, bin ich sehr motiviert, diesen Thread zu eröffnen.



      Man vergegenwärtige sich einmal die aktuelle Situation:

      - Wir hatten in diesem Jahr einen rekordwarmen und sonnenscheinreichen April UND Mai.
      - In Ost- und Norddeutschland fiel im Mai und Juni im Schnitt maximal die Hälfte des sonst üblichen Niederschlags, zusätzlich war die Verdunstungsrate ungleich höher.
      - Der Juni wird viel zu trocken und zu warm enden (Erfurt mit 7% der üblichen Niederschlagsmenge).
      - Bei der Trockenheit bestehen Unterschiede zwischen Bergland und Flachland, was den konvektiven und weitgehend ortsfesten Niederschlägen im Mai und Juni geschuldet ist, sowie zwischen Nord- und Süddeutschland.
      - In Sachsen-Anhalt und Brandenburg ist die Situation besonders angespannt, da die Region vom Zusammenspiel mehrerer trockenheitsfördernder Effekte "profitiert" hat. Auch in Leipzig beträgt die Abweichung vom üblichen Niederschlagssoll mittlerweile um die 100 mm.
      - Von der zugrundeliegenden Großwetterlage ist im Grunde ganz Europa betroffen. In vielen Regionen herrscht eine ausgeprägte Trockenheit.

      In diesem Thread kann daher alles gepostet werden, was mit der Trockenheit in Deutschland und den Folgen in Zusammenhang steht.
      Meilensteine:
      - wetterinteressiert und unwetterbegeistert seit Beginn der 2000er Jahre
      - TSC-Mitglied seit 2007, aktiver Chaser seit 2010
      - eigenes Portal seit 2017: faszination-sturmjagd.de
    • Dazu noch ein paar Hintergrundinformationen von mir:

      Was sind die Ursachen für die zum Teil extremen Abweichungen in Temperatur, Sonnenschein und Niederschlag?


      1. Die Frontalzone, an der die für unsere Breitengrade übliche Westwinddrift in Gang kommt, liegt außergewöhnlich weit nördlich. Eine ähnliche Konstellation hatten wir vor dem "Jahrhundertsommer" 2003 ebenfalls. Atlantische Tiefs erreichen den europäischen Kontinent praktisch nicht mehr, sodass in Europa viele Regionen von Trockenheit betroffen sind, mit großen regionalen Unterschieden.

      2. Während anfangs eher ein Hochdruckgebiet über Skandinavien für eine Blockadesituation sorgte, etabliert sich nun häufiger ein blockierendes Hoch über Großbritannien. An dessen Flanke kann zwar hin und wieder kühlere Luft aus Norden in unsere Region einströmen. Diese ist jedoch knochentrocken und Kaltfronten aus dieser Richtung wenig wetteraktiv (wie letzten Donnerstag gut zu sehen).

      3. Die Umstellung hin zu einer zonal ausgerichteten Strömung findet sonst üblicherweise im Laufe des Junis statt. Das blieb aber bislang aus und die blockierenden Hochdruckgebiete regenerieren sich immer wieder neu.

      Diese Punkte hängen natürlich miteinander zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. Spekuliert wird auch, inwieweit der Klimawandel die Persistenz der Großwetterlagen fördert. Auffällig ist indes schon, dass wir im Sommer 2017 immer wieder gewitterträchtige Südwestlagen genießen durften, während mit den blockierenden Hochs in diesem Jahr nun quasi das Gegenteil generiert wird.

      Wie könnte es weitergehen?


      Ein Ende der Trockenheit ist weder kurz- noch mittelfristig in Sicht. Diese wird sich im Gegenteil noch weiter verschärfen. Eine Langfristprognose über 10 Tage im Voraus im Detail abzugeben, ist unseriös, jedoch besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass sich die Großwetterlage, die sich Anfang Juli einstellt, zumindest den gesamten Juli und eventuell die erste Augusthälfte fortsetzen wird (in Anlehnung an die frühere Siebenschläferregel, die von all den eher unseriösen Bauernregeln immer noch eine mit der höchsten Treffsicherheit ist).

      Zu beachten ist, dass die heißesten Tage des Jahres noch bevorstehen könnten. Auch die im vorigen Abschnitt genannten Punkte sprechen nicht unbedingt für eine gravierende und schnelle Änderung der Großwetterlage. Mein Bauchgefühl sagt auch, dass wir in diesem Jahr noch öfter den Begriff "Jahrhundertdürre", etc. hören dürfen. Ich hoffe aber, es behält nicht Recht.

      Was können die Folgen andauernder Trockenheit sein?



      Feldbrand bei Pfiffelbach (AP) am 30.06.2018

      Der Wassermangel hat in mehrerer Hinsicht negative Auswirkungen auf uns alle. Das sind teilweise Dinge, die den meisten zum jetzigen Zeitpunkt vermutlich noch nicht bewusst sind:

      1. Braune Wiesen und leere Regentonnen. Das ist wohl noch die harmloseste Stufe der Trockenheit, die zunächst dafür sorgt, dass Ottonormalgärtner das Gießen aufgibt und nur noch das Notwendigste bewässert. Vielfach bereits eingetreten.

      2. Noternten in der Landwirtschaft (z.B. bei Raps, Wintergerste, etc.) mit geringen Erträgen, die bis zum wirtschaftlichen Totalschaden für Bauern und Landwirte reichen. Im Norden der Republik bereits eingetreten.

      3. Wald- und Flurbrände. Besonders in Sachsen-Anhalt und Brandenburg wurde zum Großteil bereits die höchste Waldbrandwarnstufe ausgegeben. Diese reicht auch nach Nordsachsen rein. Fast täglich treten in der Region bereits kleinere und mittelgroße Brände auf, die die Feuerwehr löschen musste, wie heute bei Halle. Das steht auch in Zusammenhang mit den Noternten, da heißgelaufene Maschinen schnell einen Acker in Brand setzen können.

      4. Einschränkungen in der Schifffahrt mit Auswirkungen auf den Güterverkehr. Je weiter die Trockenheit anhält, desto weiter werden die Pegelstände der Flüsse und Seen sinken. Das mag solange noch nicht das große Problem sein, wie von den Bergen genügend Wasser nachströmt. Nach und nach wird man aber auch hier an Grenzen stoßen.

      5. Verfrühter Blattfall. Betrifft dann eher den Zeitraum ab August, sollte sich die Trockenheit bis dahin fortsetzen.

      6. Trinkwasserrationierung. Die wohl schlimmste Folge der Trockenheit kann eine Wasserknappheit für alle werden. In einigen Regionen in Sachsen-Anhalt wurde bereits zum Wassersparen aufgerufen. Das betrifft zunächst vor allem "unnötige" Aktivitäten, wie privates Autowaschen, Schwimmbäder befüllen, usw.. Viele Bürger halten sich an solche Anordnungen aber leider nicht und verschlimmern die Situation zusätzlich.

      Was muss passieren, damit sich doch noch alles zum Guten wendet?


      Das wohl optimistische Zukunftsszenario wäre wohl, dass sich im Laufe des Sommers doch noch die Großwetterlage umstellt. Das könnte über folgende Wege geschehen:

      1. Das Hoch über Großbritannien verlagert sich im Sinne einer retrograden Entwicklung noch weiter auf den Atlantik und macht Platz für einen Trogvorstoß aus nördlicher Richtung. Das würde den gesamten Kontinent mit Kaltluft fluten und bei uns würde sich eine Lage mit vielen Kaltluftschauern und -gewittern einstellen. Im Idealfall würde der Kaltluftvorstoß bis zum Mittelmeer reichen und eine Vb-Wetterlage initiieren. Dann würde es auch den langersehnten Landregen im Osten geben.

      2. Die Westwindzirkulation kommt doch noch allmählich in Gang. Das könnte wohl nur in mehreren Etappen passieren, wobei die ersten Tiefausläufer eher schwach daher kommen würden. Sollte sich eine Südwestlage mit Konvektion einstellen, könnte die Gewitteraktivität trotzdem gedämpft bleiben, da in der unteren Troposphäre die Feuchtigkeit fehlt.

      Um die Trockenheit nachhaltig zu lindern, müsste eines der beiden Szenarien eintreten, wobei ich das erste Szenario für etwas wahrscheinlicher halte.
      Meilensteine:
      - wetterinteressiert und unwetterbegeistert seit Beginn der 2000er Jahre
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    • Selbst hier im EIC wird bereits geerntet.

      Hier hat es zwar vereinzelt mal etwas (lange nicht ausreichend) geregnet, aber wenn es jetzt noch eins-zwei Wochen so trocken bleibt, dann sind wir wieder mit Sachsen-Anhalt gleichgestellt. Die Rasenflächen gleichen eher einer Steppe. Viele Wiesen zeigen nur noch einen grünen Schimmer. Besonders schlimm ist es im Stadtgebiet, da trotzdem fleißig gemäht wird. Das gibt den Grünflächen den Rest. Das dauert wohl zwei-drei Jahre bis das Grün sich von sowas wieder erholt. Klar, Grünflächen sind Ernteeinbußen eher zweitrangig einzuordnen.
      Der "Rattenschwanz" geht ja dann noch viel weiter: -> Insektensterben -> Vogelsterben -> Viehfutter wird teurer/knapp und schon knabbert die Trockenheit an unserer Nahrungskette. Nun dann hoffen wir auch mal das Beste.
    • 30.06.2018 - Brände und Trockenheit im nördlichen Weimarer Land

      Rauchwolken heute Nachmittag wohin das Auge reicht:






      Blauer Himmel, trockene Luft, trockener Boden:




      Alle Bilder aufgenommen im nördlichen Weimarer Land.
      Gründer und Organisator Thüringer Storm Chaser
      ESSL Voluntary Observer Person (Qualitätslevel QC1) (European Severe Storms Laboratory)
      Premium Advanced Spotter & Regionaler Ansprechpartner Thüringen (Skywarn Deutschland e.V.)
      Weitere Mitgliedschaften: Arbeitskreis Meteore e.V. • Cloud Appreciation Society
    • Schon von ein paar Wochen wurde im Radio für Sachsen Anhalt gemeldet:

      Kinder und gesundheitlich geschwächte Menschen sollten kein Trinkwasser mehr aus der Leitung nehmen.

      Man solle abgefülltes Wasser zum Kochen und zur Nahrungszubereitung verwenden.
      Den Kaufpreis konnte man unter Vorlage des Belegs beim Ortsamt erstattet bekommen.

      Grund :
      durch das Sinken des Grundwasserspiegels war das noch vorhandene Volumen stark konzentriert mit Nitrit belastet.

      Ein Hoch auf die Gülleverordnung...es wird nicht besser werden.
      Liebe Grüße von der Deern

      honeysuckle-honeysuniversum.blogspot.de/
    • Endlich mal ein fundierter und kritisch recherchierter Beitrag zum Thema:

      mdr.de/mediathek/mdr-videos/b/video-210430.html
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    • DWD Graslandfeuerindex:

      dwd.de/DE/leistungen/graslandfi/graslandfi.html






      .......................................


      Für Sachsen hat der MDR jetzt einen Ticker zur Dürre aufgeschaltet:

      mdr.de/sachsen/ticker-sachsen-trockenheit-100.html


      Und ein Spezial:

      mdr.de/sachsen/hitze-trockenhe…-braende-sachsen-100.html
    • Besonders dramatische Brände aus den letzten Tagen aus dem Nordosten Deutschlands und bei unseren Nachbarn:

      ndr.de/nachrichten/mecklenburg…Einsatz,waldbrand388.html
      rbb24.de/studiocottbus/panoram…andenburg-200-Hektar.html
      rbb24.de/panorama/beitrag/2018…aldbrand-trockenheit.html

      Kurios, aber auch etwas traurig:

      augsburger-allgemeine.de/panor…-in-Brand-id51553591.html

      Und unsere Regierung ist wie immer erstmal "in Sorge" (Eine der Hauptaufgaben von Politikern: "In-Sorge-Sein"!):

      welt.de/newsticker/news1/artic…h-Hilfen-fuer-Bauern.html

      Wohl den Regionen, vor allem in Thüringen, die gestern etwas mehr Regen abbekommen haben. Dort temporär Entspannung. Je weniger Regen gefallen ist, desto eher geht es aber demnächst wieder los mit den Feld- und Waldbränden bzw. in Sachsen-Anhalt und Teilen Sachsens ohnehin ununterbrochen.

      Mit etwas Glück könnte der Nordosten in der nächsten Woche ein kleines Trostpflaster in Form eines Höhentiefs bekommen. Aber mal abgesehen von der Unsicherheit, die mit solchen "Eiern" einhergeht, wäre es noch immer keine nachhaltige Umstellung der GWL, denn nur die könnte wirklich für Entspannung sorgen. Und da ist mittelfristig nichts in Sicht, was man nicht auch mit normalem "Modellrauschen" erklären könnte. Sobald sich etwas Grundlegendes in dieser Hinsicht tut, gebe ich aber Bescheid.
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    • Fortdauer der Dürre!

      Während in den nächsten Tagen dank des angesprochenen Höhentiefs in einigen Teilen Nordostdeutschlands zumindest eine leichte Entspannung durch Regenfälle eintreten kann, bleibt ein großer Teil von Thüringen, das südliche Sachsen-Anhalt und die Leipziger Region vom Niederschlag ausgespart.

      Dienstag können im Südosten Thüringens und in Sachsen mal mehr als 10 mm fallen, Mittwoch sind dann MV, BRB, Berlin, das nördliche SA und NDS dran. Es ergibt sich ein witziges Bild im akkumulierten Niederschlag, wenn es nicht so traurig wäre:

      kachelmannwetter.com/de/modell…chlag/20180711-1900z.html

      Damit dürfte sich diese Region zum Haupt-Dürre-Gebiet entwickeln, während in MV und BRB zumindest eine leichte Entspannung zu erwarten ist. Da auch Donnerstag nach aktuellem Stand nur wenig Getröpfel und danach erneut Hochdruck zu erwarten ist, geht das Absterben der Pflanzenwelt in großem Stil weiter.

      In Leipzig hat bei vielen Bäumen bereits die Blattverfärbung eingesetzt (Anfang Juli!). Wiesen, die den Namen verdienen, gibt es im Prinzip nicht mehr.
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    • Bei uns im Südharz hat die Blattfärbung auch begonnen.
      Hauptsächlich betroffen sind die Birken, die ja auch relativ viel Wasser brauchen. Die meisten sind bereits über die Hälfte gelb verfärbt. Eichen und Buchen halten noch durch.

      Noternte ist hier fast abgeschlossen, dummerweise wird sofort untergepflügt, was enorm staubt, da wir seit Tagen beständigen Wind haben.
      Es wird wohl gepflügt, damit die Stoppeln sich nicht auch noch entzünden können.

      Der Raps sollte jetzt ungefähr einen Meter hoch stehen, ist aber nur knapp 50cm hoch, wird wohl auch bald geschreddert werden.

      Vom Mais will ich gar nicht erst reden/schreiben.
      Bei Blankenburg haben wir gestern ein Zuckerrübenfeld gesehen, das Grün war schon vertrocknet, Zucker wird teuerer im Herbst. ;)
      Die erste Heumaht dieses Jahr war gerade so ausreichend, für eine zweite Maht reicht es nicht mehr.
      Liebe Grüße von der Deern

      honeysuckle-honeysuniversum.blogspot.de/
    • Heute gefallene Niederschläge:

      kachelmannwetter.com/de/messwe…summe/20180710-0600z.html

      Prognostizierte Niederschläge bis Freitag früh:

      kachelmannwetter.com/de/modell…chlag/20180713-0200z.html

      Am morgigen Mittwoch würden die Hoffnungen zur Linderung der Trockenheit auf den örtlich auftretenden Schauern und Gewittern in Höhenkaltluft liegen, wobei nur punktuell mal die 10mm überschritten werden. Lediglich im Westen Thüringens kann es in den nächsten Stunden noch etwas mehr regnen.

      Am Donnerstag besteht für Teile Mitteldeutschlands nochmal die Chance auf ein Regengebiet rückseitig des Höhentiefs, Positionierung und Menge aber noch unsicher.

      Danach müssen wir durch die nächste Durststrecke. Zum Ende der Mittelfrist nehmen die Modellunsicherheiten zu und die Atmosphäre wirkt im Vergleich zu den letzten Monaten regelrecht experimentierfreudig. Etwas Nachhaltiges kristallisiert sich aber bislang noch nicht aus der Glaskugel heraus.
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    • Bilanz des Höhentiefs

      Abgesehen von letzten Schauern in Südthüringen morgen geht der Einfluss des Höhentiefs zu Ende. Da sich zum Wochenende wieder Hochdruck durchsetzt, ist es Zeit Bilanz zu ziehen (zunächst Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, danach der Rest):

      Am Dienstag regnete es zunächst vor allem in der Südhälfte Thüringens und Sachsen, jedoch meist nur einstellige Summen. Zum Abend wurde Südwestthüringen nochmal von einem Regengebiet gestreift. Am Mittwoch regnete es zunächst im äußersten Norden Sachsen-Anhalt und im Süden Thüringens. Danach traten örtliche Schauer und Gewitter im Zentrum des Höhentiefs auf - auch mal zweistellige Summen. Kräftiger Regen mit zum Teil zweistelligen Summen zog dann nochmal heute Vormittag über den Osten Sachsen-Anhalts und Sachsen. Von den anderen Bundesländern wurde in den letzten Tagen vor allem das trockenheitsgeplagte Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern reichlich gewässert, aber auch im Westen gab es zum Teil nennenswerte Niederschläge.

      Wer jetzt eins und eins zusammenzählen kann, dem wird aufgefallen sein, dass es Regionen gab, die teilweise oder komplett ausgespart wurden, wie in der Vorhersage bereits angedeutet. Im Detail haben die Leipziger Region und Teile Thüringens geringfügig mehr und Teile Sachsen-Anhalts noch etwas weniger Niederschlag abbekommen als berechnet. Die trockenste Region Deutschlands, die auch zuvor bereits von Dürre geprägt war, erstreckt sich nun von Nordthüringen über große Teile von Sachsen-Anhalt. In den Radarsummen des DWD der letzten 30 Tage wird das Dilemma gut deutlich:

      kachelmannwetter.com/de/regens…20std/20180712-1050z.html

      In den blauen Regionen darf man aufgrund der ausgebliebenen Niederschläge und der weiteren Aussichten weiterhin von extremer Dürre sprechen. In den Randregionen (grün) darf man von einer oberflächlichen und temporären Entspannung ausgehen. Von einer nachhaltigen Linderung der Trockenheit könnte man in den Regionen sprechen, in denen mehr als 40 mm gefallen sind (gelb, rot), jedoch muss man hier bedenken, dass die Böden den Regen nicht überall gleich aufnehmen konnten, zuviel fiel in sehr kurzer Zeit.

      Bestehende Gefahren

      Außer in der erwähnten blauen Region sollte die Wald- und Feldbrandgefahr in den nächsten Tagen nicht mehr so hoch sein. Die Pegel der großen Flüsse könnten wieder geringfügig steigen. Auch die Trinkwasserversorgung ist sichergestellt, wenn es gebietsweise immer mal regnet.

      Für die Natur kommt der Regen jedoch, so er denn gefallen ist, zu spät. Die Blätter verfärben sich oder fallen ab. Auch in der Landwirtschaft ist das Kind bereits vielerorts in den Brunnen gefallen, denn die Noternten sind noch im Gange oder bereits abgeschlossen. Die weiteren Auswirkungen der regional äußerst geringen Bodenfeuchte werden wir dann in einigen Wochen in vollem Ausmaß sehen.

      Blick nach vorn

      "Aus Westen nichts Neues" fasst die Lage wohl ganz gut zusammen. Der polare Jetstream hat seine neue Heimat offenbar irgendwo zwischen Island und dem Nordpolarmeer gefunden - eine Westwinddrift mag sich über Mitteleuropa nicht mehr einstellen, stattdessen stellen sich weiterhin Großwetterlagen ein, die dem mediterranen Frühjahr ähneln. Und welches Schweinderl darf es diesmal sein? Dauerhochdruck, Höhentief oder Sumpf? Probieren wir es doch einfach nochmal mit letzterem, wenn die Atmosphäre gerade sonst nichts zu bieten hat. Storm Chaser, Landwirte, Feuerwehrleute und Gartenbesitzer dürfen jetzt wahlweise den Kopf schütteln oder mit den Augen rollen...


      EDIT Markus (zur Vollständigkeit):


      DWD Thema des Tages schrieb:

      Erst Dürre, dann Gislinde als Regenbringer - Trockenheit nun beendet?

      Datum 14.07.2018

      In den letzten Wochen nahm die Dürre in Nord- und Ostdeutschland regional katastrophale Ausmaße an. (Höhen-)Tief Gislinde brachte nun in den letzten Tagen vielen Regionen endlich den langersehnten Regen. Doch hat sich die Trockenheit überall entspannt?

      Gislinde ließ viele Hobbygärtner, Förster und Landwirte aufatmen. Doch bevor wir zu diesem (Höhen-)Tief kommen, blicken wir auf die Vorgeschichte zurück. April, Mai und Juni waren nicht nur ungewöhnlich warm und sonnenscheinreich, sondern auch die Niederschlagsmengen und deren Verteilung waren bemerkenswert. Einerseits verursachten schwere Unwetter lokale Sturzfluten, Überschwemmungen und Hagelansammlungen. Andererseits rückte in den letzten Wochen eine regional katastrophale Trockenheit zunehmend in den Fokus.

      Betrachtet man die aus Radardaten abgeleiteten Niederschlagsmengen zwischen 8. Juni und 8. Juli (Abb. 1), erkennt man eine deutliche Ungleichheit. Große Teile Süddeutschlands bekamen ausreichend Niederschlag ab, wobei auch hier einige Gebiete zu finden sind, in denen weniger als 30mm zusammen kamen. Außergewöhnlich regenarm war es hingegen in weiten Teilen Ost- und Nordostdeutschlands. Nur lokal öffnete der Himmel in Schauern und Gewittern seine Schleusen. In den meisten Regionen fielen allerdings nur zwischen 10 und 30mm und damit deutlich weniger als üblich. Ganz besonders trocken war es im Großteil Sachsen-Anhalts und in Teilen von Brandenburg, wo lediglich zwischen 1 und 10mm Regen registriert wurden.

      Da dort auch die Vormonate äußerst niederschlagsarm ausfielen, mündete dies in ein extremes Niederschlagsdefizit. Beim Blick auf den Jahresniederschlag (Abb. 2) springt einem sofort ins Auge, dass in einem Gebiet von der Leipziger Tieflandsbucht über Sachsen-Anhalt und dem Westen Brandenburgs, aber auch in Teilen Vorpommerns bis letzten Sonntag (8. Juli) lediglich schlappe 120 bis 200mm Niederschlag vom Himmel kamen. Damit sind teilweise weniger als die Hälfte des bis dahin zu erwarteten Niederschlags gemessen worden.

      Die Folgen der Dürre sind unübersehbar. Auf Wiesen und Rasenflächen ist vielerorts kaum mehr ein grüner Grashalm zu finden. Selbst an einigen Bäumen verfärben sich bereits die Blätter und werden abgeworfen. In der Landwirtschaft kam es zu Getreide-Noternten und auch dem Mais macht der fehlende Niederschlag zu schaffen. Wald- und Flächenbrände kamen auch noch hinzu. Eine detailliertere Analyse der landwirtschaftlichen Auswirkungen sowie eine kurze klimatologische Einordnung können Sie im unten verlinkten Bericht der Abteilung für Agrarmeteorologie nachlesen.

      Doch in den letzten Tagen fungierte (Höhen-)Tief Gislinde als Heilsbringerin. Von Dienstag bis Donnerstag bestimmte sie das Wettergeschehen in weiten Teilen Deutschlands. Spiralförmig umkreisten mehrere Starkregenbänder das Tiefdruckzentrum. Diese und einige Gewitter brachten vielerorts den langersehnten Regen. Er war regional sogar mehr als üppig, beispielsweise prasselten in Angermünde (Uckermark) 103mm/72h vom Himmel. Im Osten Berlins lösten heftige Niederschläge am Donnerstagvormittag (z.B. zwischen 4 und 10 Uhr in Berlin-Marzahn 51,3mm [insg. 82mm/72h] und 46,0mm in Berlin-Buch [insg. 94mm/72h]) sogar Überschwemmungen aus.

      Ist damit die Trockenheit beendet? Antwort: jein. Abbildung 3 zeigt, dass Gislinde von der Niederlausitz bis nach Vorpommern verbreitet zwischen 30 und 50mm, von der Uckermark bis nach Berlin sogar 70 bis 100mm brachte. Auch von Mecklenburg-Vorpommern über Teile Niedersachsens und Ostwestfalens bis nach Mittelhessen wurden zwischen 20 und 60mm registriert. Weitgehend außen vor blieb der Südwesten und erneut die Dürre-geplagten Gegenden in Sachsen-Anhalt und Nordthüringen, wo nur der "Tropfen auf dem heißen Stein" oder nicht einmal dieser gefallen ist. Von Entspannung bezüglich der verheerenden Trockenheit kann hier keine Rede sein (Abb. 4). Schließlich hat es bisher in diesem Jahr in Artern (Thüringen) lediglich 128mm und in Wittenberg (Sachsen-Anhalt) 136mm geregnet. Das entspricht nur 45,7% (Artern) bzw. 42,5% (Wittenberg) der durchschnittlich dort bis zum 13. Juli gefallenen Jahresregenmenge. Quedlinburg, Jeßnitz, Holzdorf (jeweils Sachsen-Anhalt) und Baruth (Brandenburg) zählen ebenso zu den Niederschlagsstationen, an denen weniger als 150mm Niederschlag gemessen wurde.

      Auch in den nächsten Tagen ist in diesen Regionen kaum mit Regen zu rechnen. Schwacher Hochdruckeinfluss sorgt vielerorts für Sonnenschein und sommerliche Temperaturen. Lediglich im Bergland und in Süddeutschland bilden sich einzelne kräftige Gewitter. Land- und Forstwirte in den Dürreregionen werden weiterhin tiefe Sorgenfalten auf der Stirn haben.

      Dipl.-Met. Dr. Markus Übel

      Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 14.07.2018

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