APRIL - Rückblick online!
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Witterungsrückblick April 2012 – im Abgang hochsommerlich
Nach drei Jahren, an denen der April eher sommerlich daherkam und vom typischen Aprilwetter überhaupt nichts zu erleben war in diesem Jahr ein etwas charaktervollerer Monat. Wechselhaft, aber nun auch nicht dramatisch ereignisreich. Natürlich, es war von allem etwas dabei - Schnee- und Graupelschauer, am 21.April Hagelkörner bis sieben Millimeter – aber die richtigen Reißer haben uns hier in Neuhaus nicht heimgesucht. Schneeschauer gab es auch im nördlicheren Flachland, in Görlitz betrug das Schneemaximum immerhin vier statt unseres bescheidenen Zentimeters am Ostersamstag. Kein Gewitter im April, wobei diese gerade oft mit den Graupelschauern verbunden sind, keine Windspitzen der Stärke 8. Allerdings gerade zu den Osterfeiertagen die tiefsten Temperaturen des gesamten Monats. Tagesmittel des Ostersonntags minus 3,1°C, Tiefsttemperatur minus 6,5°C – und direkt auf der Grasfläche gemessen – wenn man will sozusagen in Eierhöhe – beachtliche minus 11,0°C!
Schon am sehr trüben Karfreitag wurde die Nullgrad-Marke nach morgendlichem Raufrost gerade so überschritten, am Ostersamstag für kurze Zeit eine dünne Schneedecke auf dem Bornhügel. Zumindest wurde kein Eistag mehr erreicht, das Maximum an allen Tagen höher als 0°C. Erinnert man sich an Ostern 2008 sah das alles etwas spannender aus. Am Morgen des Karfreitag 20-25cm Neuschnee, dazu ansehnliche Verwehungen – und es ergab sich nochmals ein tolles verlängertes Wintersportwochenende, bereits am Samstag waren alle Loipen tip-top gespurt. Natürlich war 2008 Ostern vom Termin her vierzehn Tage früher als dieses Jahr, aber immerhin.
Die verschiedenen Luftmassen (zu Ostern maritime Arktikluft im Wechsel mit Subpolarluft) brachten natürlich innerhalb kurzer Zeit erhebliche Temperaturkontraste. Nach den 13,0°C am 03.April (Subtropikluft) die minus 6,5°C am 08.April, nur zwei Tage darauf bereits wieder ein Maximum von 13,8°C. Vom Temperaturmittel her der April bis zum 18. deutlich zu kühl, bis zum 26. ergab sich immer noch eine negative Abweichung von minus 0,4°C. Die letzen vier Apriltage brachten jedoch die ganze schöne Statistik noch einmal durcheinander, krasser Sommereinbruch. Fast unwirklich der Samstag, 28.April. Die Temperatur schoss regelrecht von 10°C am Morgen auf ein Rekordmaximum von 26,4°C. Extrem warme Festlandsluft aus dem Inneren der Sahara – in der freien Atmosphäre wurden in 1500m Höhe bis zu 18°C gemessen – welche noch die Fönwirkung der Alpen zusätzlich erwärmt wurde schaffte ein hochsommerliches Feeling. Etwas unwirklich noch, da an den Kammlagen das Grün der Bäume meist noch völlig fehlte – aber das änderte sich innerhalb 48 Stunden schlagartig. Allein der Vergleich der Tagesmaxima vom 24. und 28. April zeigt den krassen Sprung - von 6,4°C auf 26,4°C. Die 26,4°C stellen nun einen neuen und vor allem markant größeren Höchstwert für den Monat April dar. Im Sportbereich würde man titulieren: Der bisherige Höchstwert von 23,3°C wurde buchstäblich pulverisiert. In Steinach am Vogelsberg konnte ich sogar ein Maximum von 29,8°C messen.
Summa summarum der April mit einem Temperaturmittel von 4,9°C um 1,3°C zu warm – und viel zu trocken. Lediglich 40,5 Liter auf den Quadratmeter bedeuten nur 44% vom klimatologischen Mittelwert. Dieser klimatologische Mittelwert ist ja eh eine sehr interessante Größe. Letztlich kann er sich sogar nur aus lauter Extremen bilden - viel zu trocken oder viel zu nass – das Mittel würde so mitnichten überhaupt nichts aussagen wie das eigentliche Klima vor Ort sich zeigt. Der Mensch hat anhand einer bestimmt langen Zeit mehr oder weniger festgelegt, definiert, wie das Klima nach seiner Empfindung im „Normalfall“ sich zeigen sollte um nicht in die Kritik seiner selbst zu geraten. Sehen wir uns aber mal allein den Zeitrahmen unserer erdgeschichtlichen Entwicklung an – was können uns da 30 Jahre als Vergleich klimatologischer Referenz bieten? Vielleicht wäre mitunter die Zuordnung eines Monats zu einer bestimmten Großwetterlage und Häufigkeit auf lange Zeit sinnvoller – aber natürlich viel schwieriger und anspruchsvoller - als der reine prozentuale Vergleich.
Rockendorf bei Saalfeld zeigte sich im April 2012 von allen Messstationen als trockenster Ort Deutschlands – gerade einmal 10 Liter pro Quadratmeter, eine denkbar hohe Waldbrandstufe dürfte manches Walpurgisfeuer weitab der Feuerwehrhydranten verhindert haben. Der seit Jahren allgemeine Trend für den April wurde auch in diesem Jahr wieder bestätigt – von allen Monaten zeigt er bezogen auf die Niederschlagsmenge die größte negative Abweichung. 129 Stunden Sonnenschein im April 2012 entsprechen hingegen fast dem klimatologischen Mittelwert von 141 Stunden, im letzten Jahr waren es fast 100 Stunden mehr und es war auch sehr viel wärmer – leider dann der Kaltlufteinbruch am 3. und 4.Mai, die bis zu minus 5°C in den Tallagen hatten vielen schon weit ausgetriebenen Pflanzen den Geraus gemacht. Einen solchen Frosteinbruch scheint es in dieser Schärfe in diesem Jahr nicht zu geben, das Wochenende 5./6.Mai wird aber sehr kühl und bei Aufklaren kann in ungünstigen Lagen leichter Frost möglich sein. Und sollte sich zum darauffolgenden Wochenende wieder hoher Luftdruck westlich der britischen Inseln etablieren wäre diese Gefahr nochmals gegeben.
Die restlichen Klimawerte, in Klammern die Durchschnittswerte:
Frosttage 10 (11), Relative Luftfeuchte 77% (77), Bedeckungsgrad des Himmels 75% (68), kein Gewitter (2), Nebeltage 15 (15), mittlere Windgeschwindigkeit 15 km/h (13), an 18 Tagen (11) Böen der Windstärke 6. Von den Hauptwindrichtung her dominierte bis zum 8. Nordwest, danach eher West/Südwest mit Ausnahmen vom 14. bis 16. (Nord-Ost), bis zum Monatsende Süd(Südwest.
DWD / Wetterwarte Neuhaus/Rwg. / Rüdiger Manig