Bericht von Markus Weggässe
Ein markanter Gewittertag in Thüringen: Eine Gewitterfront brachte am Freitagabend in den östlichen Landkreisen enorme Regenmengen und verursachte Überschwemmungen in vielen Orten und Städten. Die Entwicklung dieser "Linie" kam recht überraschend, da die eigentliche starke Gewitterlinie aus Bayern nur den äußersten Südosten (Saale - Orla - Kreis) streifen würde und sonst die Kaltfront aus Westen nur Regen gebracht hätte. Der Tag verlief vorerst ruhig. Es kam zur Bildung einiger Einzelzellen nördlich von Erfurt sowie nahe Gera. Auch bei Jena bildeten sich immer wieder kleine Zellen, die weiter nach Nordosten zogen. Mit Annäherung der Gewitterlinie aus Bayern, kam es zur Ausbildung einer Linie über Ostthüringen, die hier schwere Gewitter mit örtlich heftigen Starkregen brachte.
Thüringer Landeszeitung / Gera
Geraer Bahnhofshalle unter Wasser
Gera (-um-). Gewitter mit Starkregen hielten in der Nacht zum Sonnabend die Feuerwehren in Atem. Bereits am Freitagabend wurden sie binnen knapp zwei Stunden zu 22 Einsätzen gerufen.
38,2 Liter Wasser auf dem Quadratmeter wurden in der Wetterstation Leumnitz gemessen. Bachläufe konnten die Wassermassen nicht bewältigen, Straßen und Keller wurden überflutet. In Gera rückten die Berufsfeuerwehr mit der Haupt- und der Südwache aus sowie die freiwilligen Feuerwehren Mitte, Frankenthal, Langenberg, Liebschwitz und Roschütz. Aber auch im Umland mussten die Kameraden Blitz, Donner und heftigen Regenfällen trotzen.
In Gera "erwischte" es auch den Hauptbahnhof. Um 22.43 Uhr wurde die Feuerwehr alarmiert, weil Wasser in der Bahnhofshalle stand. In Lusan musste ein Ast beseitigt werden, der die Werner-Petzold-Straße blockierte. Die Bahnunterführung in der Leibnizstraße ist, wie bei jedem größeren Niederschlag, auch am Freitagabend vollgelaufen, Behinderungen gab es ebenfalls in der Bahnunterführung Straße der Völkerfreundschaft. Hier stand das Wasser 40 Zentimeter hoch.
Schlamm war auf die Fahrbahn der Ortsverbindungsstraße zwischen Groß- und Kleinsaara geschwemmt worden. Die Frankenthaler Straße stand um 22.35 Uhr unter Wasser. Nass wurde es in der Gaststätte "Zum Sommerbad" in Münchenbernsdorf, wohin um 22.04 Uhr die Feuerwehr gerufen wurde.
Schlamm und Steine wurden in Langenberg auf die Zeitzer Straße gespült. Behinderungen durch Wasser gab es im Gewerbegebiet Tinz. In Raitzhain sind Gullys verstopft worden. Überflutete Straßen wurden auch aus Bad Köstritz gemeldet, wo der Regen auch die Festwiese für das Rosenstolz-Konzert zu einem Morast werden ließ.
Ostthüringer Zeitung / Greiz
Land unter im Freibad Langenwetzendorf
Verbindungsstraße zum Daßlitzer Kreuz nach Starkregen am Freitagabend überflutet
Langenwetzendorf (OTZ/St.B.). "Wenn es nicht von Zeulenroda kommt, sondern hinten herum aus der Plauener Richtung - dann wird´s schlimm." Bauhofleiter Horst Tischendorf hatte schon so eine Ahnung, als er am Freitagabend die dunklen Wolken heranziehen sah. Und Tatsache: Kurz nach 19 Uhr sollte sich die Unwetterwarnung von Mitte der Woche doch noch als begründet erweisen. Nach Blitz, Donner und Starkregen hieß es vielerorts schnell "Land unter". So auch wieder am Freibad Langenwetzendorf.
Die Wassermassen schossen von Zoghaus herunter, überfluteten die Landesstraße Richtung Daßlitzer Kreuz, die deshalb von 21.25 Uhr bis Samstagmittag von der Polizei gesperrt wurde. Auch die B 92 an der Wachholderschänke war Freitagabend kurzzeitig nicht befahrbar. In Langenwetzendorf rückte unterdessen die Feuerwehr mit 20 Kameraden und zwei Fahrzeugen aus. Im Gepäck: 50 Sandsäcke. Sie wurden im Freibad gefüllt und erhöhten in Kombination mit Pflastersteinen die Bordsteinkante, konnten aber nicht verhindern, dass sich Schlammmassen in das große Becken ergossen. Bei Schwimmmeister Stefan Bley wurden schnell Erinnerungen an die letzte derartige Katastrophe im Mai 2002 wach. Jetzt ist das Hauptbecken erneut unbrauchbar geworden, muss aufwändig gereinigt werden. "Und dabei hat das Bad heute vor genau 60 Jahren eröffnet", sagt Bley über diesen Tag, der nun in doppelter Hinsicht im Gedächtnis bleiben wird.
Ein großes Lob zollten er und Horst Tischendorf dem während des Gewitters noch anwesenden Publikum. Die rund 20 Badegäste hätten sofort alle mit angepackt, Schrubber und Besen geschnappt und bei den Reinigungsarbeiten geholfen. Vor fünf Jahren musste man das Bad nach dem Unwetter für drei Wochen schließen. Diesmal nur ein Wochenende. Schwimmmeister Bley war sich gestern sicher, dass der Badebetrieb am heutigen Montag weitergeht.
Ostthüringer Zeitung / Stadtroda
Hermsdorf ist Unwetter nur knapp entkommen
Siegwart Gradl: Gefahrenpotenzial war hoch
Hermsdorf (OTZ/C.F.). "Hermsdorf und das Holzland sind am Wochenende mit einem blauen Auge davon gekommen. Das Gefahrenpotenzial war enorm hoch". Dieses Fazit zieht der Hermsdorfer Wetterspezialist Siegwart Gradl nach den Gewittern vom letzten Freitag.
Nach einem zunächst leichten Gewitter am Freitag, dem 15. Juni gegen 14 Uhr, habe das zwischen 20 und 21 Uhr folgende starke Gewitter, die Entladung einer Wettersituation gebracht, die durchaus mit gravierenden Schäden durch Graupel oder Hagel und starken Sturm hätte einher können. Auch mögliche Tornados seien in den Unwetterwarnungen genannt worden, beschreibt der erfahrene Wetterfrosch, was da von Nordfranken über Ostthüringen hinweggezogen ist.
Es habe sich um sehr schwüle, labil gestaltete, subtropische Luft gehandelt. An der Luftmassengrenze habe sich ein starkes Niederschlagsgebiet gebildet. Dessen Boten seien am Himmel, ebenso faszinierend wie furchterregend zu beobachten gewesen, war Siegwart Gradl im gestrigen OTZ-Gespräch immer noch tief bewegt.
Er beschrieb "Böenwalzen", schwere Wolkenformationen, die im tiefgrauen Himmel als schwarze Markierungen zu sehen waren und Rückschlüsse auf die Turbulenzen in der Atmosphäre zuließen.
"Wir haben Glück gehabt", wiederholte Siegwart Gradl mehrfach und verwies auf den Gedankenaustausch mit Herrn Petzold, einem ebenfalls kundigen Wetterbeobachter in der Hermsdorfer Lerchenstraße.
Lediglich Starkregen ging über der Region nieder, der in der Nacht in anhaltenden Landregen überging. Was bis Sonnabend früh, also in einem kurzen Zeitraum gefallen ist, entspreche einer knappen Monatmenge: 60 Liter pro Quadratmeter.
![]() | Ich entschloss mich, am Abend Richtung Dreiländereck aufzubrechen, um die Gewitterlinie aus Bayern nahe Hof anzutreffen. Auf der Autobahn Richtung Süden war zwischen den Anschlussstellen Dittersdorf und Schleiz Richtung Nordosten eine neue Zelle zu sehen. Die Quellwolken dieser Zelle sahen wir bereits bei Pößneck (linkes Bild). Ich konnte aber nicht mehr drehen und war zu dieser Zeit der Meinung, ich hätte es auch nicht mehr geschafft, diese Zelle zu erreichen. Daher ging die Fahrt weiter auf der A9 an Schleiz und Bad Lobenstein vorbei Richtung Landesgrenze. In Berg/Bad Steben verließ ich die Autobahn, da hier 2 Zellen zu sehen waren, die ich unbedingt näher ansehen wollte. Eine Zelle lag mit einer Böenwalze Richtung Nordosten, eine andere zog aus Südwesten auf. Die südwestliche war deutlich blitzintensiver und ich drehte wieder um einen geeigneten Beobachtungspunkt zu finden. Dieser befand sich an der AS Naila/Selbitz. In diesem Bereich war ich schon mal bei einem Chasing mehrerer Hagelgewitter am 10.07.2005. Nahe Brunn sah man perfekt die aufziehende Zelle aus Südwest, die eine tolle Böenwalze vor sich her schob. Leider waren die häufigen Blitze nur noch durch Flackern zu erkennen. Die Zelle kam rasch näher und Regen setzte ein. Ich verließ den Standort und fuhr wieder auf die Autobahn auf. Bilder der Zelle mit Böenwalze: |
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![]() | Ich telefonierte kurz mit Andre, der mir begeistert von der Zelle berichtete. Auf der A9 in Fahrtrichtung Berlin kam ich an der Landesgrenze in Starkregen. Kurz nach der AS Schleiz bildete sich durch einen Unfall bedingt Stau, in dem ich einige Minuten stand. Nach Passage des Einsatzortes ging die Fahrt weiter durch wieder einsetzenden Starkregen. Die Sicht war stark herabgesetzt. Dennoch überholten Fahrzeuge auf der linken Spur mit enormen Tempo... Nahe Dittersdorf kam ich aus dem Starkregen raus und fand eine gespenstige Stimmung hervor. Der Regen hielt kurz inne und man konnte beeindruckend tiefe Wolken und -fetzen beobachten. Dazu Richtung Nordost immer wieder Aufleuchten durch Blitze. In der Ferne war keinerlei Landschaft mehr durch den Regen zu erkennen. Nach der AS Dittersdorf kam ich bis zur AS Triptis in Starkregen, es stand ständig Wasser auf der Straße, die Sicht war stark herabgesetzt und man war förmlich im Blindflug unterwegs. |
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Die Fahrt ging weiter über teilweise überschwemmte Teilstücke der B281 zwischen der AS Triptis und Porstendorf. Immer wieder häufige Blitze und Wasser auf der Straße. In Gera hatte der Regen mittlerweile etwas nachgelassen, doch kamen mir ständig Feuerwehren entgegen. In der Stadt gab es einige Schäden zu verzeichnen (siehe Artikel am Anfang).
Nach einem kurzen Imbiss trat ich die Heimfahrt an. Geprägt von andauernden Starkregen und einigen Feuerwehreinsätzen unterwegs, war die Jagd gegen 22:45 Uhr beendet. Für viele Einsatzkräfte ging die Nacht noch lange weiter, da erst in den frühen Morgenstunden des Sonntags das große Niederschlagsgebiet abzog. Die Flusspegel, besonders die kleiner Bäche und Flüsse, stiegen rasant an, kehrten aber im Laufe des Sonntags zu ihrem Normalwert zurück.
Radarbild und Niederschlagssummen
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Niederschlagsmengen 15.06., 06:00 UTC - 16.06., 06:00 UTC in l/m²: 64.3 Harth-Poellnitz Neundorf (GRZ) Quelle: Wetterzentrale Forum |
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