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2011 I Witterungsrückblicke I Neuhaus/Rwg.

  • Markus
  • 2. Februar 2011 um 16:18
  • Geschlossen
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  • Markus
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    • 2. Februar 2011 um 16:18
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    • #1

    Witterungsrückblick Januar 2011

    Kurzcharakteristik des Januar 2011: Winterlich eingerahmte 12tägige Tauwetterperiode, welche die Kammlagen hinsichtlich der Wintersportbedingungen mit einem blauem Auge davon kommen ließ, Dieses wurde dann mit 15 bis 20 cm Neuschnee gekühlt und zum Ferienbeginn wurde dieser dann mit uneingeschränktem Sonnenschein hier oben zum funkeln gebracht – schöner kann es Ende Januar wohl kaum sein.

    Dominierend zu Jahresbeginn ein blockierendes Höhenhoch über den Britischen Inseln und dem Atlantik, welches uns noch einige Tage eine nördliche Strömung bescherte (Minimum minus 10,0°C), einige Zentimeter Neuschnee mit dem Monatsmaximum der Schneedecke von 108 cm am 03.Januar. Die Wetterumstellung war aber schon zum Jahreswechsel erkennbar gewesen, das Höhenhoch verlagerte sich Richtung Ostkanada, die Kaltluft wurde somit viel weiter westlich nach Süden transportiert und Europa gelangte dafür ab dem 06.Januar immer mehr in die ausgleichende milde SW/W Strömung. Im Tagesverlauf dieses 06. stieg die Temperatur hier oben auf dem Bornhügel von minus 8°C auf plus 3°C, begleitet von mäßigem Regen und Böen der Windstärke 8. Die Tauwetterperiode erreichte vom 13. bis 15. ihren Höhepunkt, über die Stationen 73cm am 09., 67cm am 12. und 44cm am 15. gab es die Talsohle der Schneehöhe am 18. mit 39cm.

    Wir hatten aber etwas Glück – der massive Regen am 12. und 13. Januar mit einer Menge von 26 Litern pro Quadratmeter war nur ein Teil dessen, was bedingt durch die leicht nordwestliche Höhenströmung und somit einer Staukomponente im westlichen Thüringer Wald vom Himmel kam – Kleiner Inselsberg mehr als das Doppelte, Schmücke fast das Dreifache. In der Nacht vom 13. zum 14.Januar bei strömenden Regen in subtropischer Meeresluft das Monatsmaximum der Lufttemperatur mit 6,9°C. Interessant in Bezug auf Hochwasserberechnungen immer der Wassergehalt der Schneedecke: Zu Beginn der Tauwetters waren ca. 250 Liter Wasser pro Quadratmeter in der Schneedecke gespeichert, zum Zeitpunkt des Schneeminimums waren es aber immerhin noch ca. 150 Liter pro Quadratmeter – die Schneedichte hatte sich erheblich erhöht. Dieser feste Altschnee war dann auch die stabile Grundlage für die verbliebenen Loipen in den höheren Lagen, ausgenommen nur die immer gleichen verdächtigen wässrigen Stellen. Vergleicht man die Tagesmittel der Lufttemperatur im Januar der letzten 24 Jahre so fällt auf, dass es vom 06. bis 22. eine durchschnittliche Erhöhung der Temperatur von 1,0 bis 1,5° gibt – und genau in diesen Zeitraum fiel die diesjährige Tauwetterperiode. Ab dem 17. Januar wird die subtropische Meeresluft nachhaltig verdrängt und es entsteht auf dem Atlantik eine beeindruckende Amazone – Hoch Barbara. Bis zum Monatsende wird sie uns vor weiteren milden Bedrohungen beschützen, setzt sich über den Britischen Inseln fest und geleitete die Warmluft an ihrer westlichen Seite weit nach Norden.

    Trotzdem ist sie nicht unnachgiebig – am 25. weicht sie ein wenig auf den Atlantik zurück und macht den Weg frei für Tief Henri, welches unserer Region von Nordwest kommend die oben erwähnten 15-20cm Neuschnee bringt und für ideale Langlaufbedingungen mit dem darunter liegendem Altschnee sorgt. Blickt man auf die bisherige Wintersaison sportlich zurück kann man doch eigentlich recht zufrieden sein - denke ich. Nach einem fast makellosem Dezember nun zwar diese sehr milde Periode – aber das ist nun für uns Mitteleuropäer nichts unnormales, man musste es einfach wegstecken und überbrücken. Nach Durchzug dieses Tief bewegte sich Barbara sofort wieder nach Osten, verbrachte den 29. und 30.Januar über Polen und sorgte für diesen wunderbar sonnigen Ferienbeginn. Drei Tage in Folge mit mehr als 8 Stunden Sonnenschein – das bedeutet gleichfalls etwas über 50% der mittleren monatlichen Sonnenscheindauer und die Monatssumme von 47,3 Stunden erfüllte das Soll vollständig. In den Nächten natürlich nochmals teils strenger Frost – je nach Wind- und Höhenlage die Spannbreite von minus 10 bis minus 16°C. Unser absolutes Monatsminimum am 29. mit minus 10,1°C, also fast identisch mit dem Tiefstwert zu Monatsbeginn am 05., welcher zugleich mit einer Durchschnittstemperatur von minus 9,3°C der mit Abstand kälteste des gesamten Monats war.

    Wohnt man auf dem Kamm hat das vor allem bei Hochdrucklagen in den kalten Jahreszeit oft einen prima Vorteil - wenn man seine Freizeit draußen verbringen möchte: Je nach Windrichtung kann man sich entscheiden, möchte man den Tag im tristen Grau verbringen oder je nach dem ein Stück nach Süden oder Norden fahren um die Sonne zu genießen. Klassisches Beispiel Sonntag der 16.Januar: Auf dem Bornhügel 16 Minuten Sonne – 15 km weiter nördlich im Großen und Ganzen ungetrübter Sonnenschein, in Sichtweite der Thüringer Wald unter einer weichen Stratocumulusdecke, blauer Himmel, Fernsicht, Vorfrühlingsstimmung, erste Mucken - eben Sonntagswetter. Solche Tage lassen dann manchen Nebeltag vergessen, von denen wir wieder 28 Stück zu verzeichnen hatten, drei über dem Mittelwert für den Monat Januar. Im Mittel der Januar mit einer Durchschnittstemperatur von minus 2,2°C um 1,5°C zu mild (zur Monatsmitte die Abweichung bei 3,3°C), mit einer Niederschlagsmenge von 116 Litern pro Quadratmeter etwas über dem klimatologischen Mittelwert. Davon fielen aber allein 75% in der ersten Monatshälfte. Keinerlei markanten Ausreißer bei den weiteren Klimawerten, 24 Frosttagen steht ein Mittelwert von 27 gegenüber, 17 Eistage im vergangenen Monat sind das ebenfalls das Mittel seit 1987. Sicher nicht dramatisch, aber erwähnenswert: Vergleicht man die Anzahl der Frost- und Eistage seit 1987 ergibt sich folgendes: In den ersten 12 Jahren im Mittel 136 Frosttage pro Jahr, in den folgenden 12 Jahren nur noch 124 Tage. Anders bei den Eistagen: Zuerst im Mittel 60 Eistage im Jahr, in den letzten 12 Jahren aber 63 Tage. Schlussfolgerung könnte sein: Wenn schon Winter dann richtig – oder gar nicht. Vorausblick Februar und soweit wie heute überschaubar – weiter nichts mit Jahrtausendwinter, eher das Gegenteil – aber nicht im Jahrtausendmaßstab.

    DWD / Wetterwarte Neuhaus/Rwg. / Rüdiger Manig

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    • 1. März 2011 um 13:37
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    • #2

    Witterungsrückblick Februar 2011

    Die drei kältesten Tage des Februar fielen exakt in den Zeitraum 21.-23., welche nach einer Bauernregel mit einer Wahrscheinlichkeit von 65% auf den Temperatur- und Niederschlagstrend der nächsten 40 Tage schließen lassen sollen. An diesen drei Tagen hier oben im Schiefergebirge Sonne pur, Tagesmitteltemperaturen jedoch von minus 9 bis minus 12°C und das absolute Monatsminimum am Morgen des 22. mit minus 15,2°C, in windgeschützten Tallagen sicher noch bis zu 5°C kälter. Was aber nun nicht heißt, dass es nach dieser Regel nun bis Anfang April so extrem kalt bleiben würde – interpretiert man die Regel richtig sagt sie einfach, dass in 2 von 3 Fällen die nächsten 40 Tage eher zu kalt ausfallen, verbunden mit einer unterdurchschnittlichen Anzahl von Niederschlagstagen. Kurz – es kann mit dieser genannten Wahrscheinlichkeit eher Hochdruckeinfluss mit vorwiegend trockener Festlandsluft erwartet werden.

    Die ersten beiden Februartage noch sehr frostig, richtige Eistage, Tiefsttemperatur minus 12°C. Danach folgte aber eine Wetterumstellung, bis zum 15.Februar waren anfangs südwestliche bis westliche, später süd- bis südwestliche Winde vorherrschend. Orkantief MARC brachte am 04./05.Februar endlich wieder einmal etwas Wind in das Wettergeschehen, in Böen Windgeschwindigkeiten bis zu 23,3 m/s – volle Windstärke 9. Das waren dann allerdings schon die bewegtesten Tage des Monats, in der dann vorherrschenden milden nordatlantischen Meeresluft stiegen die Temperaturen vom 06. bis 09. auf Werte zwischen 4 und 5°C, begleitet von 25 Stunden Sonnenschein. In diesen Tagen wurde in den Waldlagen die Schneedecke von mittleren 56 auf 36 cm reduziert, Freiflächen waren zu diesem Zeitpunkt hingegen schon verbreitet schneefrei. Langlauf war nur noch eingeschränkt möglich, in vereisten und knochenharten Loipen hielt sich da der Spaß sehr in Grenzen – die feste Grundlage blieb dennoch in den höheren Lagen bis zum Monatsende erhalten. Kleine Verbesserung der Schneeverhältnisse am 12.Februar, zwei Tage zuvor hatte sich vorübergehend maritime Polarluft bei uns durchgesetzt und bescherte uns die niederschlagreichste Periode des gesamten Monats – vom 10. bis 13. fielen 19 Liter pro Quadratmeter, die Hälfte leider als reiner Regen.

    In der zweiten Monatshälfte stellte sich die Wetterlage noch einmal entscheidend um. Von Osten her wurde der Hochdruckeinfluss immer stärker, nach einer Übergangsphase vom 13. bis 16. mit überwiegend südlichen Winden drehte die Strömung auf Nordost/Ost, diagonal über Deutschland von Niedersachsen nach Bayern bildete sich eine markante Luftmassengrenze. Bis einschließlich des 16.Februar lag die Monatsmitteltemperatur bei nur minus 1°C – gegenüber dem klimatologischen Mittelwert 2°C zu warm. Die Luftmassengrenze trennte nun milde Meeresluft im Südwesten von Subpolar- bzw. sogar reiner Arktikluft je weiter man nach Osten schaute. Wir im Übergangsbereich, aber noch auf der kalten Seite und so endete der Februar mit einem Monatsmittel von minus 2,9°C – nur ein Zehntel unter dem klimatologischen Mittelwert. Bis zum Monatsende dominierte das eindrucksvolle, kalte Hoch Heike die Witterung im östlichen Teil Deutschlands. Entstanden am 16. über der Barentsee zog es zuerst nach Skandinavien, dehnte sich immer weiter aus und verlagerte dann seinen Kern zum Ural und sich dabei bis auf 1057 Hektopascal verstärkend. Selbst in westlichen Teilen Russlands brachte dieses Hoch örtlich neue Rekordtiefsttemperaturen. Neben einigen wahrlich frostigen Tagen schickte uns Heike ab dem 21. viel, viel Sonnenschein, alle von Westen heranziehenden Tiefausläufer ließ sie mehr oder weniger kalt auflaufen und bis auf ein paar Flocken regelrecht verhungern. Mitteltemperatur vom 17. bis 24. minus 7,5°C, am 24. stieg die Temperatur wieder einmal über den Gefrierpunkt, der Wind drehte wieder auf südwestliche Richtungen und bis auf den letzten Sonntag war es einfach ein wunderbarer Monatsabschluss.

    Im vergangenen Februar in der Summe knapp 100 Stunden Sonnenschein, gegenüber dem Mittelwert der Referenzperiode 1961-90 ist dies ein Plus von immerhin 32% - und dabei war sie an 13 Tagen überhaupt nicht zu sehen. Ein sehr niederschlagsarmer Monat, achttrockenster seit 1940, nur 25,3 Liter pro Quadratmeter bedeuten 33% vom Durchschnittswert der Referenzperiode, an nur 6 Tagen die Menge größer als ein Liter pro Quadratmeter. Demzufolge gab es auch nicht viel zu schaufeln, nur 22cm Neuschnee im gesamten Monat, an nur einem Tag mehr als 5cm – gut fürs Kreuz und so reichte meist schon der Besen um seiner Bürgerpflicht nachzukommen. Seit 1987 gab es nur im Februar 1998 weniger Neuschnee – damals gerade einmal 9cm.
    Trotz Schneedecke drang der Frost am 22.Februar bis 5cm in den Erdboden ein, zwei Tage später bis 10cm. Dies mag jetzt nicht sehr aufregend klingen – bei einer noch in dieser Höhe liegenden und schützenden Schneedecke hat dies aber seit unseren Beobachtungen hier oben Seltenheitswert.

    Der überwiegende Teil der anderen Klimaelemente im normalen Schwankungsbereich, in Klammern die langjährigen Mittelwerte: Frosttage 26 (23), Eistage 12 (13), Tage mit Nebel 22 (20), relative Luftfeuchte 89% (89%), mittlere Windgeschwindigkeit 16 km/h (16), Himmelsbedeckung 75 % (78). Nur stürmische Tage waren rar, wie oben erwähnt an nur zwei Tagen Böen mit mindestens Windstärke 8, das Mittel liegt bei 5 Tagen.

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    • 1. April 2011 um 08:24
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    • #3

    Sieben Hochdruckgebiete – der Witterungsrückblick März 2011

    Die im letzten Witterungsbericht erwähnte Bauernregel kann man im überwiegenden Teil als eingetroffen betrachten. Zur Erinnerung: Der 21.-23. Februar fielen zu kalt, aber sonnig und trocken aus – und so sollte sich mit 65%iger Wahrscheinlichkeit die Witterung der nächsten 40 Tage zeigen. Resümee – Regel passte. Sieben Hochdruckgebiete in der Reihenfolge HEIKE, ISABELLA, JANINA, KARLA, LINDA, MARIELUISE und NICOLA teilten sich mehr oder weniger den März auf. Und es wurde der sonnigste März seit 1953, damals wurden in Sonneberg-Neufang 231 Stunden Sonnenschein registriert. Hier in Neuhaus leider zu diesem Zeitpunkt noch keine Aufzeichnung der Sonnenscheindauer, aber die in diesem Jahr von uns registrierten 202 Stunden dürften in der Rangliste ebenfalls den 2.Platz seit 1930 einnehmen.

    Nachdem Hoch HEIKE die zweite Hälfte des Februars dominiert hatte schwächte es sich zu Märzbeginn deutlich ab. Über den Britischen Inseln entstand ISABELLA, zog nach Südskandinavien, suchte Kontakt zu HEIKE und nahm sie mit auf. In dieser Art könnte man zu einem großen Teil den Witterungsablauf des März beschreiben. Ein Hoch folgte dem anderen. Je nach Lage dieser wurden wir meist von trockener, kälterer Festlandsluft beeinflusst, seltener von milden, maritimen Luftmassen. Die zu Monatsbeginn vorhandenen 42cm Schneedecke lagen auf Grund der sehr trockenen Luft wie Beton, erst zu Beginn der zweiten Dekade begann sie sich merklich zurück zu ziehen. Ab dem 20.März waren dann nur noch Schneeflecken zu beobachten. Die kältesten Tage des Monats am 06. und 07. in kontinentaler Subpolarluft, Tagesmittelwerte von minus 3,7°C sowie das absolute Monatsminimum von minus 7,7°C in dieser Zeit. Erwähnenswert: In der sehr klaren und trockenen Luft am 07.März Fernsicht soweit das Auge reichte, aber weiter als bis zum Harz (140km) können wir leider nicht sehen, es ist unsere am weitesten entfernte Sichtmarke. Diese war jedenfalls ungetrübt zu sehen.

    Bereits zur Monatsmitte war das Sonnenscheinsoll von 99,5 Stunden erreicht, am 17. folgte dann mit 11 Litern pro Quadratmeter das einzige erwähnenswerte Niederschlagsereignis des gesamten Monats. Am letzten Monatstag nochmals eine Summe von 6 Litern pro Quadratmetern, welche die Monatssumme auf sehr bescheidene 23 Litern pro Quadratmeter anschwellen ließ. Diese entsprechen 25% des klimatologischen Mittelwertes, zugleich fünfttrockenster März seit 1940. Ebenfalls für einen März in den Kammlagen ungewöhnlich – über 90% des Niederschlages als Regen, der geringe feste Anteil blieb meist nicht liegen. Kurze weiße Überraschung lediglich am Abend des 26.März: Nachdem es ab den Mittagsstunden durchweg leicht geschneit hatte folgte zum Abschluss ein sehr kleinräumiger, aber
    intensiver Graupel- und Schneeschauer, welcher den Bornhügel bis zum nächste Morgen noch einmal weiß einhüllte. Neuschneehöhe (die einzigste des März!) aber kleiner 0,5cm – so geringfügig Neuschnee hatten wir im März bisher nicht in Neuhaus. An der polnischen Ostseeküste in Leba an diesem Tag dagegen 5cm Neuschnee.

    Die letzte Dekade dann deutlich milder, Mitteltemperatur 5,1°C, an sechs Tagen das Maximum über 10°C, am wärmsten am 30. mit 12,5°C. Dabei aber immer noch Nachtfröste, auf dem Bornhügel bis minus 3,6°C, in Tallagen minus 7 bis 8°C. Mit einer Durchschnittstemperatur von 2,5°C weißt der vergangene Monat eine Abweichung von plus 2,8°C gegenüber dem klimatologischen Mittelwert auf. Da dies aber vor allem der milden letzten Dekade anzulasten ist kann man bis auf einige Abstriche die oben erwähnte Bauernregel auch hinsichtlich der Temperatur als bestätigt gelten lassen.

    Im Jahr 2003 traf diese Regel schon einmal ein, ein kleiner Vergleich: 21.-23.3.2003 jeweils über 10 Stunden Sonne, kalt und trocken. Im März 2003 nur 26 Liter pro Quadratmeter Niederschlag, Schneeflecken ab dem 21., Monatsmitteltemperatur 2,5°C, letzte Dekade 5,3°C. „Nur““ 147 Stunden Sonnenschein – aber bis zum diesjährigen März der Spitzenreiter seit Aufzeichnungsbeginn hier auf dem Bornhügel. 2003 folgte ein sonniger, trockener aber nicht allzu warmer April. Und natürlich ein Sommer…

    Die meisten restlichen Klimaelemente zeigen ebenfalls recht deutlich, durch welchen Witterungscharakter der März 2011 geprägt wurde, in Klammern die klimatologischen Mittelwerte:

    Frosttage 17 (20), Eistage 2 (8), relative Luftfeuchte 75% (86%) – Minimumrekord seit 1987, Nebeltage 14 (21), Himmelsbedeckung 51% (76%), ein Tag (4) mit Windstärke 8. Kein Gewitter – seit dem 27.August 2010(!) gab es in Neuhaus keine Entladung mehr.
    An 17 Tagen der Wind vorherrschend aus Nord bis Ost (vor allem 01.- 07., 15.- 24.), an nur 9 Tagen aus Süd bis West.

    Der April beginnt mit Hoch PEGGY und einem sommerlichen Wochenende – nach Temperaturrückgang zu Wochenbeginn anschließend wieder deutlich wärmer, Hochdruckeinfluss könnte weiter bestehen bleiben. Gefahr kälterer Luftmassen aus Nordwest/Nord, wenn der Hochdruckeinfluss sich ab dem 09.April nach Westen zurückziehen könnte. So die Prognosen vom 31.März, 12 Uhr.

    DWD / Wetterwarte Neuhaus/Rwg. / Rüdiger Manig

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    • 2. Mai 2011 um 21:39
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    • #4

    Witterungsrückblick April 2011

    Der April 2011 bestätigte eindrucksvoll einen Trend, welcher vor etwa 20 Jahren begann und sich gerade in den letzten 5 Jahren immer deutlicher heraus kristallisierte – der April wird im Mittel immer wärmer und trockener. Natürlich gibt es diesen Trend auch bei anderen Monaten (Mai, August,…) – der April weißt jedoch mit Abstand die größte Temperaturzunahme auf (+1,7°C) und parallel dazu eine mittlere Niederschlagsabnahme von 23%, negativer Spitzenwert aller 12 Monate.

    Nach 2009 und 2007 belegt der April 2011 mit einer Durchschnittstemperatur von 8,8°C (Abweichung +5,2°C!) Platz 3 in der Rangliste seit 1940, der 03.April stellt mit einem Maximum von 19,2°C einen neuen Rekordwert für die erste Aprildekade auf. Diese erste frühsommerliche Episode wurde mit Durchzug einer nicht sehr eindrucksvollen Kaltfront am Morgen des 04.April beendet, die Temperatur sank von 11°C um Mitternacht auf 3°C am Vormittag, begleitet von mäßigem Regen. Markante Wettererscheinungen waren wiederum rar im vergangenen Monat – mit zwei Ausnahmen.

    Am Tag des Radarabbaus, dem 12.April, zog eine Kaltfront mit Windstärke 7 über unsere Region, kritisch zum herunterheben des windanfälligen Radoms (der Kugel). Unter Ausnutzung der kurzen Wetterberuhigung nach Durchzug der Front und den ersten stärkeren von Nordwesten heranziehenden Schauern gelang dies dann aber fast problemlos. Durchatmen bei allen Beteiligten. Denn kurz darauf prasselte und rauschte ein Hagelschauer über den Bornhügel, Böen an der Grenze zur Windstärke 9, der Hagel ging in schöne große weiße Flocken über und für kurze Zeit war der Bornhügel noch einmal in eine hauchdünne Schneedecke eingehüllt. Der letzte, nicht im Dauerschatten liegende Schneerest verschwand hier oben übrigens am Vormittag des 22.April.

    Zweite Ausnahme – die vier Gewittertage zum Monatsende. Die ersten seit acht Monaten. Von Ost/Südost heranziehend erinnerten sie mehr in die klassischen Sommergewitterlagen als an typisches Aprilwetter. Unsere Wetterwarte wurde von den Gewitterzellen immer nur gestreift, kein Starkniederschlag, die 8,6 Liter pro Quadratmeter in der Nacht vom 27. zum 28.April waren schon „das“ Starkniederschlagsereignis des Monats überhaupt. Hingegen im Schwarzatal örtlich bis über 20 Liter in dieser Nacht. Es war jedenfalls einfach wieder einmal schön Gewittergrollen zu hören – wenn man es denn mag…

    Im gesamten Monat nur 26,5 Liter pro Quadratmeter Niederschlag, vierttrockenster April seit 1940. Somit in den letzten drei Monaten gerade einmal 75 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, so wenig wie bisher noch nie seit Bestehen der Wetterwarte. Allerdings waren in den oberen Lagen bis in die erste Märzdekade noch ca. 150 Liter pro Quadratmeter in der Schneedecke gespeichert, Nachschub für Bäche und Flüsse.

    Geprägt wurde der April natürlich vom Sonnenschein, es gab keinen Tag wo die Sonne nicht zu sehen gewesen wäre, an 12 Tagen allein mehr als 10 Stunden. Summa summarum am Monatsende 224 Stunden Sonnenschein – bedeutet ein Plus von knapp 60% gegenüber dem klimatologischen Mittelwert. Dennoch kein Rekord und schon gar kein Vergleich zu 2007 – in jenem Jahr 279 Stunden in Neuhaus und gar 285 Stunden in Sonneberg-Neufang. Und es waren heuer wunderbare Ostern, welche jene vom Jahre 2000 noch in den Schatten stellten, zumindest was den Ostermontag betrifft. 2000 zwar die ersten drei Ostertage wärmer und genauso sonnig, aber der Ostermontag dann im Mittel nur noch 7°C plus Nebel. Dieses Jahr komplett sonnige Ostern, auch der Montag wurde noch gerettet, Monatsmaximum am Ostersamstag mit 20,0°C – dem ersten Bergsommertag der Saison.

    Kältester Tag im April mit einer Mitteltemperatur von nur 2,0°C der 13., absolutes Monatsminimum am Morgen des 14. mit minus 1,0°C, 5cm über dem Erdboden minus 2,6°C. Für April sehr humane Werte – als Vergleich im letzten Jahr am 22. April minus 3,5°C.
    Nur drei Frosttage im gesamten Monat - im Mittel kann man im April etwa 11 erwarten.

    Nach dem milden Südwind zu Monatsbeginn dominierten westliche bis nördliche Winde das Geschehen bis zum 13., ab hier übernahm Hoch STEPHANIE die Regie und bis zum Monatsende waren nörd- bis südöstliche Windrichtungen bestimmend – wie schon so oft in den letzten Monaten. An 17 Tagen in Böen Windstärke 6, der Mittelwert liegt bei 10 Tagen. 10 Tage mit Nebel (16), 4 mit Gewitter (2), an zwei Tagen kleiner Hagel, 10 Tage mit Bodenfrost, relative Luftfeuchte im Mittel bei 69% (77) – Minimum mit 26% am Ostersamstag.

    DWD / Wetterwarte Neuhaus/Rwg. / Rüdiger Manig

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    • 13. Juni 2011 um 18:43
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    • #5

    Witterungsrückblick Mai 2011

    Es gibt Schlimmeres als schönes Wetter – sicher. Oder anders: „Was dem einen sin Uhl is dem andern sin Nachtigall“. Die anhaltende Trockenheit bei wunderbarem Sonnenschein für die Ausflugsgastronomie sicher ein Segen, für Land- und Forstwirtschaft über das gesamte Frühjahr betrachtet ein Gräuel. Südthüringen und die angrenzenden Regionen in Bayern gehörten im Mai zu den trockensten Gebieten in Deutschland, Coburg-Oberlauter und Meiningen mit gerade einmal 6 Litern pro Quadratmeter waren die negativen Spitzenreiter bundesweit.

    Hier in Neuhaus auf dem Bornhügel betrug die Monatssumme immerhin 37 Liter pro Quadratmeter (39% vom klimatologischen Mittelwert). Aber allein am Tag des Rennsteiglaufs kamen davon in einer reichlichen Stunde 23 Liter vom Himmel, in Ernstthal sogar 38 Liter. Die Monatssumme in Steinach am Vogelsberg hingegen nur 14 Liter pro Quadratmeter, am Ortseingang Richtung Steinach sah dies schon wieder ganz anders aus. Diese örtlich ergiebigeren Niederschläge brachten aber bis auf volle Regenfässer diesen keine entscheidenden Vorteile, der meiste Niederschlag ging ja bedingt durch die Orographie und dem Harten Boden buchstäblich den Bach hinunter. Dabei hatte der Mai nicht gerade sehr wüstig begonnen. Nach einem sehr sonnigen 1.Mai, welcher verbunden mit einem Luftmassenwechsel, überraschte uns der Morgen des 3.Mai mit einer dünnen Schneedecke, mäßigem Schneefall, Temperatur minus 1°C. Kurzer Baustop bei unserem Radarumbau – Gerüst vereist und zugeschneit. Schneefall aber nicht nur in den Kammlagen, selbst in Erfurt Schneeflecken, in Görlitz 5cm Neuschnee.
    Ursache eine Luftmassengrenze, welche etwa von Frankreich über den Alpennordrand nach Ungarn verlief, dabei die Kaltluft sehr flach von Norden her unter der Warmluft liegend.

    Für die meisten Pflanzen war dieser Schneefall noch kein Problem – nicht aber die Nächte zum 04. und 05.Mai. Auf dem Bornhügel ein Minimum von nur minus 1,2°C, in Steinach in unserem Garten in beiden Nächten ein Minimum von minus 5°C, am Boden noch einige Grad darunter. Frisches Maigrün wurde zu einem hässlichen, verbrannt aussehendem Braun. Ganze Buchen wurden umgefärbt.

    Der 3.Mai wurde mit einer Mitteltemperatur von 0,9°C der drittkälteste Maitag der letzten 25 Jahre. Obendrein scheinen die klassischen Eisheiligen wohl nicht mehr das zu sein sie einmal waren. In den letzten 25 Jahren traten sie nur zu 36% im Klassikerzeitraum Mitte Mai auf, in der ersten Maidekade hingegen zu 60%, ganz ausgefallen sind sie nur in drei Jahren. Die mittlere Temperaturkurve in den vergangenen 25 Jahren zeigt aus dem April kommend einen Anstieg bis zum 3.Mai, danach einen deutlichen Temperaturrückgang bis zum 07., bis zum 23. geht es in leichten Sinuskurven weiter, der Zeitraum der Klassiker kaum noch feststellbar.

    Nach diesem etwas unterkühlten Monatsbeginn verlief der Rest des Monats mehr oder weniger sommerlich, sieht man von dem leichten Bodenfrost von minus 0,5°C zur Monatsmitte einmal ab. Über die Stationen 21,1°C am 11., 22,1°C am 19., 23,3°C am 26. wurde am 30.Mai mit 24,9°C das absolute Monatsmaximum erreicht. In der Summe 11 Bergsommertage (Maximum >=20°C) auf dem Bornhügel, im Mittel kann man 4 erwarten, der bisherige Höchstwert lag bei 9 Tagen. Er wurde zusammen mit 1992 der viertwärmste Mai seit 1940, Durchschnittstemperatur 11,3°C – eine Abweichung von plus 2,8°C.

    Kein Tag ohne Sonnenschein, an 15 Tagen schien sie länger als 10 Stunden, an 25 länger als 5 Stunden, am 25. und 30. optimale 15,4 Stunden. 279 Stunden Sonnenschein im Mai bedeuten ein Plus von 51%, 1992 waren es hier in Neuhaus ebenso viele. Die Rekordjahre waren aber 1989 und 1990, da wurden in Sonneberg-Neufang 334 bzw. 327 Stunden registriert, von unserem Bornhügel liegen aus diesen beiden Jahren leider keine vergleichbaren Werte vor.

    Im Großen und Ganzen ein ruhiger Monat, die Namen aller Hochs in ihrer Abfolge aufzuzählen hat auch an Spaß verloren, die einsetzende Gewittertätigkeit am letzten Monatstag welche sich weiter in den Juni hinein fortsetzen wird bringt endlich etwas Abwechslung.
    Im vergangenen Mai gab es 5 Gewittertage, der Mittelwert liegt bei 5 Tagen. Gleichfalls 5 Tage mit Nebel (14Tage), an 17 Tagen Böen der Windstärke 6 (11), der Mittelwind entsprach aber dem Durchschnittswert der letzten 25 Jahre. Vorherrschende Windrichtung Süd bis West an 20 Tagen, gegenüber den Vormonaten an nur 5 Tagen Hauptwindrichtung Nord bis Ost, hier vor allem am Monatsbeginn.

    Der letzte Frost trat dieses Jahr am 04.Mai auf, der mittlere Termin liegt beim 28.April. Tag mit der stärksten Temperaturschwankung der 26. > Minimum 8,2°C, Maximum 23,3°C.

    DWD / Wetterwarte Neuhaus/Rwg. / Rüdiger Manig

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    • 19. August 2011 um 18:18
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    • #6

    Witterungsrückblick Juli 2011


    Die Hundstage begannen herbstlich. Bis zum 23.Juli war die Durchschnittstemperatur des Juli gegenüber dem klimatologischen Mittel vollkommen ausgeglichen - 13,3°C.Vor allem die beiden letzten Juliwochenenden ließen dann eher trübe Melancholie als Sommernachtsballstimmung aufkommen, Temperaturmittel dieser vier Tage 9,2°C, am 30./31. überdies kein Sonnenstrahl. Tiefpunkt der 30.Juli. Bei 9°C, frischem Nordwestwind und dazu am Abend ein Nebel des Grauens mit Sichtweiten unter 50 Meter plus Sprühregen– das kann man wohl nicht mehr mit der gängigen Parole: „ Da trinken wir was Schönes und dann wird uns schon warm..“ schön schwätzen, zumindest nicht außerhalb des Festzeltes. Soviel kann und sollte man aus diesem Grund nicht trinken.

    Der 30.Juli stellte dazu zwei Rekorde auf: Noch nie wurde in den Jahren seit 1955 in der letzten Julidekade ein Tagesmaximum unter 10°C gemessen und zumindest in den letzten 25 Jahren gab es keinen Tag im Juli, welcher nur eine Temperaturschwankung von exakt einem Grad Celsius vorzuweisen hat. Diese beiden Wochenenden werden wohl bei vielen das Bild dieses Sommermonates geprägt haben. Dabei war der Juli 2011 mit einer Mitteltemperatur von 12,8°C gerade einmal um 0,5°C zu kalt, könnte man noch als normalen Schwankungsbereich bezeichnen. In der Rangliste seit 1940 trotzdem nur Platz 51, in den letzten 25 Jahren war der Juli nur fünfmal kälter, zuletzt 2000. Vergleicht man die einzelnen Monatstage und stellt die sommerlichen den eher herbstlichen gegenüber – im vergangenen Juli geht dieser Vergleich 21 zu 10 aus. Vielleicht noch akzeptabel, man muss immer unsere Höhenlage berücksichtigen.

    Mochte man im und bezogen auf den Siebenschläferzeitraum Ende Juni / Anfang Juli eine Prognose für den weiteren Sommerverlauf abgeben und man tippte auf einen eher wechselhaften Verlauf – da kann diese wohl als eingetroffen bezeichnen. Nach einem nasskaltem Monatsbeginn ab dem 4.Juli 10 Tage Sommerwetter, Monatsmaximum am 7. mit 23,3°C. Danach etwas verhaltener, Maxima 14-20°C, anschließend Beginn der Hundstage und in der letzten Juliwoche wieder sommerlich – werktags.
    Monatliche Tiefsttemperatur am Morgen des 23. mit 5,5°C, in Tallagen abhängig von der Bewölkung natürlich etwas kälter, in Steinach am Vogelsberg z.Bsp. 3,2°C.

    Verschont wurden wir glücklicherweise am 20.Juli vom Tief OTTO, welches erst in Bayern, dann in Sachsen und später in Mecklenburg-Vorpommern für erhebliche Niederschlagsmengen sorgte. Sah es noch am Morgen des 19. bei fast allen Vorhersagemodellen danach aus das wir den folgenden Tag sicher in die Regentonne drücken können und entsprechend informierte man sein Umfeld. Nach nur einigen Tropfen am folgenden Nachmittag erwies sich das alles für unsere Region als klare Fehlprognose, keine offenen Schleusen über dem Schiefergebirge. Kleine Ursache – OTTO zog mit seinem für uns vorgesehenen Niederschlagsfeld etwas weiter östlicher über Polen nach Norden. Die Handwerker an unserer Wetterwarte verziehen uns diese Fehlprognose.

    Ansonsten ausreichend Niederschlag im Juli, 118 Liter pro Quadratmeter, ein Plus von 15% gegenüber dem Mittelwert, harmonisch über den Monat verteilt. Hier auf dem Bornhügel größte Niederschlagssumme mit 31 Liter pro Quadratmeter innerhalb eines Gewitters am Abend des 13.Juli. Im gesamten Juli hier oben eher „zahme“ Gewitter, keine Sturmböen, kein Hagel. An sieben Tagen konnten wir Gewitter beobachten, was auch dem Mittel der letzten 25 Jahre entspricht, nichts Aufregendes. An keinem Tag konnten wir in Böen Windstärke 8 messen, erwarten könnte man ein bis zwei.

    Leider ein erhebliches Sonnenscheindefizit, 156 Stunden im Juli bedeuten nur 77% des Mittelwertes. Drei Tage ohne jeglichen Strahl, an 15 Tagen jedoch fünf Stunden oder mehr, 13,2 Stunden allein am 16.Juli – und dieser war wenigstens ein Samstag.
    Nachfolgend noch einige Klimawerte, in Klammern die jeweiligen Mittel der letzten 25 Jahre: Bergsommertage/Tage mit Maximum gleich oder größer 20°C 7 (13), Relative Luftfeuchte 82% (77), Bedeckungsgrad 74% (66), Tage mit Nebel 17 (15), Windgeschwindigkeit 3,8 m/s (3,5), Tage mit Windstärke 6 in Böen 14 (11).

    Der letzte Sommermonat wird sich allen Anschein nach ebenfalls schwer tun. Nach tollem Monatsbeginn und vor allem einem windschwachen 1.August für die Montage unseres neuen Radars ist die nächste kühle Episode am heutigen 2.August schon in Sicht. Aus jetziger Sicht im Laufe des Sonntages (Zeitpunkt noch unsicher) von Westen her wieder deutliche Abkühlung, windig, nach einigen Tagen wieder milder aus Südwest. In der ersten Monatshälfte kein stabileres Hoch in Sicht, hoffen auf die zweite Augusthälfte mit einem Hoch Mitteleuropa.

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    • 5. September 2011 um 11:09
    • Offizieller Beitrag
    • #7

    Witterungsrückblick August 2011

    Es war nicht viel los in unserer Region im letzten Sommermonat. Dramatische Wetterkapriolen krasse Fehlanzeige - einzelne auffallende Ereignisse gab es dennoch. Als Erstes zu erwähnen sicherlich der drastische Temperaturrückgang vom 26. zum 27.August. Maximum am 26. August beachtliche 28,4°C, am frühen Nachmittag des 27. gerade einmal noch 8,7°C. Dabei fiel innerhalb 12 Stunden die Temperatur um 15,7°C – das ist seit Bestehen der Wetterwarte der fünftstärkste Temperaturrückgang in solch einem 12stündigem Zeitraum. Der stärkste stammt ebenfalls aus einem August – 1993 fiel die Temperatur vom 22. zum 23. innerhalb 12 Stunden um 18,1°C. Die diesjährige letzte Augustdekade brachte noch einzelne Tagesmaximumrekorde – so am 23. mit 28,5°C, zugleich Höchsttemperatur des letzten Sommermonates und für die letzte Augustdekade seit 1964.

    Zweites markantes Ereignis die Gewitterböe am späten Nachmittag des 14.August – verbunden mit einem Windsprung von Süd auf West konnten wir 27,3 m/s messen – Windstärke 10. Die diese Böenlinie anzeigende Wolkenformation zog so schnell über uns hinweg das kaum Zeit für ein Foto war. Schön und nicht verheerend war das blitzreiche Gewitter am frühen Morgen des 24.August – viel Lärm, aber kaum Niederschlag, keine Böen. Fototechnisch gesehen indessen sehr schön. Unwetterartige Regenmengen wurden hier oben auf dem Bornhügel nicht gemessen – 11 Liter pro Quadratmeter innerhalb einer Stunde am 14.August waren schon das Highlight in dieser Hinsicht. Letztlich setzte sich im August auf einem etwas höheren Temperaturniveau das wechselhafte Wetter des Juli fort – und die Siebenschläferregel wurde für dieses Jahr klassisch bestätigt.

    Nach sommerlichem Beginn – Mitteltemperatur bis zum 07. August 16,0°C – erfolgte am 07. ein vollendeter Luftmassenwechsel. Die subtropische Luftmasse wurde am Morgen durch subpolare Meeresluft ersetzt, das Maximum 8°C tiefer als am Vortag. Es folgte für einige Tage eine lehrbuchmäßige Westlage – Maximum am 09. und 10. jeweils nur 12°C - aber spätestens ab dem 14.August folgte bis zum schon erwähnten 26. August eine eindrucksvolle sommerliche Periode. Durchschnittstemperatur dieser 13 Tage 18,0°C – etwa 6°C (!) über dem klimatologischen Mittel. 16 Bergsommertage (Maximum > 20°C) konnten wir im letzten Monat registrieren, im Mittel sind etwa 12 zu erwarten. Der Abgang des Augustes dann zwar trocken und ein wenig sonnig – aber um 2-3°C zu kühl. Tiefsttemperatur des August am letzten Monatstag mit 5,5°C (in Steinach Vogelsberg 3,3°C), auf der Wiese neben unserem Messfeld gefror bei minus 2,0°C der Tau.

    Im Resümee der August 2011 aber um 1,8°C zu warm, 15,0°C bedeuten in der Rangliste der letzten 70 Jahre Platz 17. Eine Bauernregel besagt, wenn im Zeitraum um den 24.August eine überdurchschnittlich warme Witterung herrscht fällt der Herbst in 2 von 3 Fällen zu warm aus. Wobei dies sich eher auf den Oktober und November und nicht auf den September beziehen soll. Für unsere Region lässt sich diese Regel anhand der letzten 25 Jahre leider nicht bestätigen, in den meisten Fällen war es durchschnittlich warm oder eher zu kühl.
    Etwas zu wenig Sonnenschein im August, 167 Stunden bedeuten nur 93% des Referenzwertes der Jahre 1961-90. An 14 Tagen schien sie mindestens 5 Stunden, an 5 Tagen weniger als 2. Gleichfalls etwas zu wenig Niederschlag, der Großteil der 86 Liter pro Quadratmeter kam in der ersten Monatshälfte vom Himmel, der Referenzwert beträgt 94 Liter pro Quadratmeter.

    An sieben Tagen konnten wir Gewitter beobachten, der Mittelwert seit 1987 liegt bei fünf. 16 Tage mit Nebel (12), 14 mit in Böen Windstärke 6 (9), zu 63% war der Himmel mit Wolken bedeckt (61%), die relative Luftfeuchte betrug 82% (77%). Bemerkenswert im vergangenen Monat weiterhin das durch Vulkanaerosole hervorgerufene Purpurlicht am Abend des 20.Augustes sowie einige Tage mit außergewöhnlich guter Fernsicht. Am Sonntag dem 28.August war die Sichtweite gewissermaßen am Anschlag – klare Sicht bis 150 km, alles was zu sehen möglich ist konnte man erblicken. Mehr geht nur durch Luftspiegelungen.
    Nach einem wunderschön sommerlichen Septemberauftakt erfolgt zwar ein mit ergiebigem Regen einhergehender deutlicher Temperaturrückgang – jedoch besteht für das folgende Wochenende bereits wieder Hoffnung auf sommerliche Temperaturen – zumindest nach den Prognosekarten vom heutigen 04.September. Anschließend noch kein eindeutiger Trend – in der Mehrzahl aber eher zu warm oder normal als zu kühl. Das europäische Modell sogar mit dem Ansatz einer sogenannten OMEGA-Lage – ein Hoch über Mitteleuropa mit flankierenden Tiefs im Westen und Osten. Aber es ist nur ein Ansatz.

    DWD / Wetterwarte Neuhaus/Rwg. / Rüdiger Manig

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    • 11. Oktober 2011 um 09:34
    • Offizieller Beitrag
    • #8

    Witterungsrückblick September 2011

    Beim Verfassen des letzten Witterungsrückblicks am 4.September erwähnte ich so nebenbei am Ende, dass es für den weiteren Verlauf des Septembers so etwas wie den Ansatz eines OMEGA-Hochs gäbe. OMEGA-Hoch über Mitteleuropa im September das hieße – einfach herrlicher Altweibersommer! Auf Grund der Güte der Vorhersagemodelle gelten Vorhersagen über einen 10-Tage-Zeitraum hinaus als zu unsicher und nicht sehr seriös. Diese Prognosekarten lassen sich jedoch ebenso als Zeitrafferfilm abspielen, bis zu 16 Tage im Voraus. Mitunter lassen sich dann, wenn man dies über mehrere Tage beobachtet, gewisse Tendenzen erkennen, wohin die sich Hoch- und Tiefdruckgebiete bewegen könnten. Oder bildlich gesehen wie sich das Chaos in der Atmosphäre in den nächsten 16 Tagen einquirlen könnte – als wenn man einen Schuss Kondensmilch in einen Kaffee gießt, langsam umrührt, den Löffel raus nimmt und beobachtet, wie und wohin sich schwarz und weiß bewegen. Man probiert sich in die Dynamik der Atmosphäre hinzudenken, wo landet was zu welcher Zeit, und – ist das sicher?

    Und an diesem 4.September gab es für die 2.Septemberhälfte einen Ansatz, dass die Atmosphäre über Mitteleuropa ein stabiles Hoch zusammen schaufeln könnte – ein sogenanntes und berühmtes OMEGA-Hoch. Und es hat sich bestätigt. Natürlich hat in diesem Fall für eine persönliche Prognose zusätzlich die Statistik geholfen. Denn statistisch gesehen ist der Altweibersommer in diesem Zeitraum eine ziemlich gute Nummer – zusammen mit den Prognosekarten zu diesem Zeitpunkt war also das Eintreffen dieser phantastischen Wetterlage in der letzten Septemberdekade sehr gut vorstellbar.

    Mit einer Mitteltemperatur von 12,7°C wurde der vergangene September der sechstwärmste seit 1940, die Abweichung gegenüber dem klimatologischen Mittel 2,5°C. Durchschnittlich wärmster Tag war der 4.September mit 19,1°C, die höchste Temperatur wurde hier oben am 11. mit 24,1°C gemessen. Aber selbst zum Monatsende noch Tagesmitteltemperaturen um die 16°C, bedingt durch sehr milde Nächte mit Minima um die 12°C. Nicht besonders herbstlich. Große Unterschiede natürlich zwischen den Berg- und Tallagen, 5 bis 7 Grad Differenz am Morgen bei einem Höhenunterschied von 300m kein Problem. Kältester Tag mit einem Mittel von 7,6°C der 19.September, Minimum des Monats am darauffolgenden Morgen mit 4,7°C. In Steinach am Vogelsberg das Minimum kurze Zeit nach Sonnenaufgang am 24.September, 1,2°C bei völliger Windstille, verbreitet mäßiger Reif.

    Und schon hört man nach diesem schönen September wieder unkende Stimmen, welche ja nun gleich wieder auf einen strengen Winter schließen (auch wenn immer sehr viele Vogelbeeren an den entsprechenden Bäumen hängen gibt es diese These oft zu hören), nur weil es mal Ende September ein wenig warm und sonnig war. Nach einigen Bauernregeln soll eher das Gegenteil der Fall sein. Und das zu einem recht guten Prozentsatz. Es heißt: Nach einem zu warmen September folgt in 4 von 5 Jahren ein zu milder Winter. Zu mild vor allem der Februar, nicht ganz so sicher der Januar. Vergleicht man es mit unseren Aufzeichnungen hier in Neuhaus – es passt. Nach einem zu warmen September mit einer positiven Abweichung von mindestens einem Grad war der darauffolgende Dezember zu 67% , der Januar zu 73% und der Februar wie der gesamte Winter zu 80% zu mild.

    Nun heißt jedoch zu mild in unserer Höhenlage nicht unbedingt zu wenig Schnee. Eine Beziehung von zu warmem September und der Schneemenge des Folgewinters lässt sich nicht herstellen, am ehesten kann man noch erwarten, dass größere Schneemengen erst ab Mitte Januar bis in den März hinein auftreten. Und den ersten Schnee kann man immer im Oktober oder bis spätestens Mitte November erwarten – mag der September noch so warm gewesen sein. Oder zu kalt. Oder es gab außergewöhnlich viele Vogelbeeren. Oder keine. Der vergangene September war aber nicht nur zu mild, mit einer Niederschlagsmenge von 89 Litern pro Quadratmeter lag er um17% über dem Soll. Diese Menge fiel aber nur bis zum 18., danach gab es bis auf eine kleine Ausnahme keinen messbaren Niederschlag mehr.

    Aber diese Ausnahme war schon etwas Besonderes. Am 27.September, auf Meeresspiegelhöhe berechnet betrug der Luftdruck 1029 (!) hPa, entwickelte sich um die Mittagszeit knapp östlich unserer Wetterwarte ein Gewitter. Anfangs schwer zu erkennen da durch andere Cumuluswolken verdeckt, dann zog es aber mit einigen heftigen Entladungen und sich noch etwas verstärkend Richtung Saaletalsperren. Einerseits ungewöhnlich bzw. selten das Ende September diese Art von Gewittern überhaupt auftritt – hinzu kommt der sehr hohe Luftdruck. Natürlich gab es eine Unterstützung – eine schwache (Höhen)Kaltfront überquerte das stabile Hoch und gab sicher den entscheidenden Impuls. Trotzdem – ein Gewitter in dieser Form um diese Jahreszeit bei solch einem Luftdruck – ein zweite Beispiel fällt mir da im meiner nun fast 25jährigen Beobachtungszeit nicht ein. Es war eben wieder einmal etwas Besonderes. Die 0,4 Liter pro Quadratmeter Niederschlag für diesen Tag brachte dann ein noch nachfolgender Schauer, die Power für ein Gewitter besaß er bei weitem nicht mehr.

    184 Stunden Sonnenscheindauer brachte uns der erste Herbstmonat, einzeln betrachtet mehr als jeder der vergangenen Sommermonate. Ein Plus gegenüber dem Klimamittel von immerhin 33% - was will man mehr. Was will man eigentlich wirklich mehr? März zu warm und überdurchschnittlich Sonne, April extrem zu warm und zu viel Sonne, Mai zu warm mit viel Sonne- dann folgt ein normaler (nicht zu kalter!) mitteleuropäischer Sommer (Extrakt – Sch…sommer), September wieder klasse. Aber sobald etwas „nur“ normal ist geht es ja schon los, das reicht einfach nicht mehr. So gesehen brauchen wir ja psychologisch regelrecht einen Klimawandel, und denn nicht zu knapp.

    Es war ein schöner September, einige Klimawerte noch, in Klammern die langjährigen Mittel: Relative Luftfeuchte 83% (85), Bedeckung 56% (65), Gewittertage 3 (1), Nebeltage 14 (17), mittlere Windgeschwindigkeit 13 km/h (12). In Böen Windstärke 8 an 2 Tagen (2), Windstärke 6 an 11 Tagen (10). Und gießt man nun die Kondensmilch in den Kaffee – was bringt der Oktober? Deutlicher Temperaturrückgang, OMEGA außer Sicht, zum Wochenende 8./9. Oktober nasse Flocken möglich, der Kaltluftvorstoß über uns hinweg nach Süden wird im Mittelmeer die Tiefdrucktätigkeit anregen – sicher deutlich kühler als bisher, Flocken werden aber sicher noch nicht zum beherrschendem Medium hier oben. Durchwachsen, nicht „zu“ kalt, gleichwohl - es ist Oktober.

    DWD / Wetterwarte Neuhaus/Rwg. / Rüdiger Manig / 03.10.2011

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    • 2. November 2011 um 16:53
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    • #9

    Die Rückblicke werden ab sofort in die Monatsthreads gepostet!

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