- Offizieller Beitrag
Witterungsrückblick Januar 2011
Kurzcharakteristik des Januar 2011: Winterlich eingerahmte 12tägige Tauwetterperiode, welche die Kammlagen hinsichtlich der Wintersportbedingungen mit einem blauem Auge davon kommen ließ, Dieses wurde dann mit 15 bis 20 cm Neuschnee gekühlt und zum Ferienbeginn wurde dieser dann mit uneingeschränktem Sonnenschein hier oben zum funkeln gebracht – schöner kann es Ende Januar wohl kaum sein.
Dominierend zu Jahresbeginn ein blockierendes Höhenhoch über den Britischen Inseln und dem Atlantik, welches uns noch einige Tage eine nördliche Strömung bescherte (Minimum minus 10,0°C), einige Zentimeter Neuschnee mit dem Monatsmaximum der Schneedecke von 108 cm am 03.Januar. Die Wetterumstellung war aber schon zum Jahreswechsel erkennbar gewesen, das Höhenhoch verlagerte sich Richtung Ostkanada, die Kaltluft wurde somit viel weiter westlich nach Süden transportiert und Europa gelangte dafür ab dem 06.Januar immer mehr in die ausgleichende milde SW/W Strömung. Im Tagesverlauf dieses 06. stieg die Temperatur hier oben auf dem Bornhügel von minus 8°C auf plus 3°C, begleitet von mäßigem Regen und Böen der Windstärke 8. Die Tauwetterperiode erreichte vom 13. bis 15. ihren Höhepunkt, über die Stationen 73cm am 09., 67cm am 12. und 44cm am 15. gab es die Talsohle der Schneehöhe am 18. mit 39cm.
Wir hatten aber etwas Glück – der massive Regen am 12. und 13. Januar mit einer Menge von 26 Litern pro Quadratmeter war nur ein Teil dessen, was bedingt durch die leicht nordwestliche Höhenströmung und somit einer Staukomponente im westlichen Thüringer Wald vom Himmel kam – Kleiner Inselsberg mehr als das Doppelte, Schmücke fast das Dreifache. In der Nacht vom 13. zum 14.Januar bei strömenden Regen in subtropischer Meeresluft das Monatsmaximum der Lufttemperatur mit 6,9°C. Interessant in Bezug auf Hochwasserberechnungen immer der Wassergehalt der Schneedecke: Zu Beginn der Tauwetters waren ca. 250 Liter Wasser pro Quadratmeter in der Schneedecke gespeichert, zum Zeitpunkt des Schneeminimums waren es aber immerhin noch ca. 150 Liter pro Quadratmeter – die Schneedichte hatte sich erheblich erhöht. Dieser feste Altschnee war dann auch die stabile Grundlage für die verbliebenen Loipen in den höheren Lagen, ausgenommen nur die immer gleichen verdächtigen wässrigen Stellen. Vergleicht man die Tagesmittel der Lufttemperatur im Januar der letzten 24 Jahre so fällt auf, dass es vom 06. bis 22. eine durchschnittliche Erhöhung der Temperatur von 1,0 bis 1,5° gibt – und genau in diesen Zeitraum fiel die diesjährige Tauwetterperiode. Ab dem 17. Januar wird die subtropische Meeresluft nachhaltig verdrängt und es entsteht auf dem Atlantik eine beeindruckende Amazone – Hoch Barbara. Bis zum Monatsende wird sie uns vor weiteren milden Bedrohungen beschützen, setzt sich über den Britischen Inseln fest und geleitete die Warmluft an ihrer westlichen Seite weit nach Norden.
Trotzdem ist sie nicht unnachgiebig – am 25. weicht sie ein wenig auf den Atlantik zurück und macht den Weg frei für Tief Henri, welches unserer Region von Nordwest kommend die oben erwähnten 15-20cm Neuschnee bringt und für ideale Langlaufbedingungen mit dem darunter liegendem Altschnee sorgt. Blickt man auf die bisherige Wintersaison sportlich zurück kann man doch eigentlich recht zufrieden sein - denke ich. Nach einem fast makellosem Dezember nun zwar diese sehr milde Periode – aber das ist nun für uns Mitteleuropäer nichts unnormales, man musste es einfach wegstecken und überbrücken. Nach Durchzug dieses Tief bewegte sich Barbara sofort wieder nach Osten, verbrachte den 29. und 30.Januar über Polen und sorgte für diesen wunderbar sonnigen Ferienbeginn. Drei Tage in Folge mit mehr als 8 Stunden Sonnenschein – das bedeutet gleichfalls etwas über 50% der mittleren monatlichen Sonnenscheindauer und die Monatssumme von 47,3 Stunden erfüllte das Soll vollständig. In den Nächten natürlich nochmals teils strenger Frost – je nach Wind- und Höhenlage die Spannbreite von minus 10 bis minus 16°C. Unser absolutes Monatsminimum am 29. mit minus 10,1°C, also fast identisch mit dem Tiefstwert zu Monatsbeginn am 05., welcher zugleich mit einer Durchschnittstemperatur von minus 9,3°C der mit Abstand kälteste des gesamten Monats war.
Wohnt man auf dem Kamm hat das vor allem bei Hochdrucklagen in den kalten Jahreszeit oft einen prima Vorteil - wenn man seine Freizeit draußen verbringen möchte: Je nach Windrichtung kann man sich entscheiden, möchte man den Tag im tristen Grau verbringen oder je nach dem ein Stück nach Süden oder Norden fahren um die Sonne zu genießen. Klassisches Beispiel Sonntag der 16.Januar: Auf dem Bornhügel 16 Minuten Sonne – 15 km weiter nördlich im Großen und Ganzen ungetrübter Sonnenschein, in Sichtweite der Thüringer Wald unter einer weichen Stratocumulusdecke, blauer Himmel, Fernsicht, Vorfrühlingsstimmung, erste Mucken - eben Sonntagswetter. Solche Tage lassen dann manchen Nebeltag vergessen, von denen wir wieder 28 Stück zu verzeichnen hatten, drei über dem Mittelwert für den Monat Januar. Im Mittel der Januar mit einer Durchschnittstemperatur von minus 2,2°C um 1,5°C zu mild (zur Monatsmitte die Abweichung bei 3,3°C), mit einer Niederschlagsmenge von 116 Litern pro Quadratmeter etwas über dem klimatologischen Mittelwert. Davon fielen aber allein 75% in der ersten Monatshälfte. Keinerlei markanten Ausreißer bei den weiteren Klimawerten, 24 Frosttagen steht ein Mittelwert von 27 gegenüber, 17 Eistage im vergangenen Monat sind das ebenfalls das Mittel seit 1987. Sicher nicht dramatisch, aber erwähnenswert: Vergleicht man die Anzahl der Frost- und Eistage seit 1987 ergibt sich folgendes: In den ersten 12 Jahren im Mittel 136 Frosttage pro Jahr, in den folgenden 12 Jahren nur noch 124 Tage. Anders bei den Eistagen: Zuerst im Mittel 60 Eistage im Jahr, in den letzten 12 Jahren aber 63 Tage. Schlussfolgerung könnte sein: Wenn schon Winter dann richtig – oder gar nicht. Vorausblick Februar und soweit wie heute überschaubar – weiter nichts mit Jahrtausendwinter, eher das Gegenteil – aber nicht im Jahrtausendmaßstab.
DWD / Wetterwarte Neuhaus/Rwg. / Rüdiger Manig

































































