- Offizieller Beitrag
Thread Gewitterlage 18.08./19.08.2011
Nowcasting, aktuelle Meldungen, Bilder und erste Berichte.
Thread Gewitterlage 18.08./19.08.2011
Nowcasting, aktuelle Meldungen, Bilder und erste Berichte.
Vorgreifend auf Maurice' Einschätzung der aktuelle, gerade erstellte TAF von Erfurt (Landeplatzwettervorhersage)
EDDE Erfurt/Bindersleben TAF COR EDDE 171700Z 1718/1818 17004KT 9999 SCT025 PROB40 TEMPO 1811/1818 TSRA SCT030CB=
Die Dame oder die Herren meinen, das mit 40%iger Wahrscheinlichkeit (PROB40) von 11 bis 18 UTC Gewitter (TS) mit mäßigem Regen (RA) auftreten können.
EDIT Markus: Aus der Shoutbox:
Zitat[Heute, 18:34] Mathias: auf der Nordseite
[Heute, 18:34] Mathias: Dann bitte im Outlook auf die Winde hinweisen. Möglicherweise morgen (a) Konvergenz und (b) Leetief im ThW
Vorhersage zum Donnerstag:
Das Vorhersagegebiet gelangt zunehmend in den Einfluss eines intensiven Troges, der mit seiner Amplitude bis zu den Kanarischen Inseln reicht. Somit gelangt heißere und feuchtere Luft zu uns. In der Höhe stellt sich allmählich eine diffluente Jetströmung ein, die neben der tageszeitlichen Erwärmung für Hebungsantrieb sorgen sollte. Die Scherungsverhältnisse sehen ebenfalls gut aus: Am Boden weht der Wind zunächst aus östlichen (später südlichen) Richtungen. Mit zunehmender Höhe dreht der Wind auf WSW und gewinnt deutlich an Stärke. Die hochreichende Scherung (0-6km) liegt bei rund 20 m/s, mit rund 100° Richtungsscherung und einer möglichen SRH (o-3km) von ~200 m²/s². Dies begünstigt die Entstehung von langlebigen Zellen. MLCAPE sollte aufgrund einer EML zunächst nicht freigesetzt werden. Eine EML ist morgen als wahrscheinlich anzusehen, da weite Teile Frankreichs schon darunter liegen (in den Soundings deutlich zu erkennen, siehe unten). Durch zunehmende Einstrahlung, höhere Taupunkte, sowie den Hebungsantrieb an einer Konvergenzlinie am Boden, sollte aber dieser Deckel überwunden werden. Dann wäre genügend CAPE für hochreichende Konvektion gegeben (~1000 J/kg MLCAPE).Desweiteren könnte sich ein Leetief nördlich des Thüringer Waldes entwickeln. Dadurch würde der Deckel noch schneller gebrochen werden, da es zu zusätzlichem Hebungsantrieb, vor allem am nördlichen Kamm, kommen würde.
Hier das Sounding aus Nimes, 14 Uhr von heute. Die EML ist gut zu sehen:
http://weather.uwyo.edu/upperair/sounding.html
Die konvektive Hemmung (blaue Fläche) ist in diesem Fall zu groß, Gewitterentstehung wird dadurch unterdrückt. Die gehobene Grenzschicht (EML - rot) ist sehr gut an den trockenadiabatischen Temperaturabnahmen zu erkennen.
Grober Ablauf und Gefahren:
Ab dem Mittag vermutlich nördlich des Thüringer Waldes erste Quellwolken, die aus den oben genannten Gründen zunächst immer wieder zerfallen. Ab den Nachmittagsstunden sollten die Konvektionen jedoch schon hochreichender werden. Sollte der Deckel zu stark sein, wird erstmal noch nicht so viel passieren. Sollten aber Zellen entstehen, haben diese eine energiereiche und gut gescherte Luftmasse um sich. Deswegen sehe ich nahezu alle Begleiterscheinungen für möglich an. Aufgrund der Luftmasse können die Zellen bis weit in die Nacht bestehen und möglicherweise eine Blitzshow auslösen. Abwarten... :zwinker
Maurice
Vielen Dank für diesen Überblick, sehr gut!
Für den heutigen Abend und die Nacht stehen vielleicht im äußersten Westen/Nordwesten noch ein paar Tropfen auf den Plan. Morgen werden uns von diesem Niederschlagsgebiet bestimmt noch einige hohe + mittelhohe Wolkenfelder beschäftigen, die die spätere Konvektion aber nicht behindern sollte.
Was den zeitlichen Ablauf angeht, bin ich persönlich recht unsicher. Auch mal schauen, was genau aus etwaigem Leetief wird. Also insgesamt viel Potential, mit der Bereitschaft zum unwetterartigen Ausmaß. Auch in der Nacht bleibt die Luftmasse bestehen, die Oberwinde sind kräftig, also einmal entstandene Gewitterherde bestehen auch die Nacht mit hoher Wahrscheinlichkeit durch.
Wir werden sehen, was Morgen so auf uns zu kommt. Ich denke aber, für eine nächtliche Lightshow stehen die Chancen wohl ein mehr oder weniger letztes Mal (September brachte aber auch schon Überraschungen) sehr gut.
Mehr dann Morgen im Nowcast!
Markus
Thema des Tages
XAVER - ein Wolf im Schafspelz
Schaut man sich am heutigen Donnerstagmorgen die Wetterkarten an, so fallen einem über Mitteleuropa keine besonderen Strukturen im Bodendruckfeld auf. Wenig Isobaren (also Linien gleichen Luftdrucks) - so etwas nennt man in der Meteorologie eine flache Druckverteilung - könnten den Schluss zulassen, dass auch beim Wetter wenig passiert, dass sozusagen keine Dynamik in der Atmosphäre vorhanden ist, um ordentlich Tam-Tam zu machen.
Doch Vorsicht, was oberflächlich relativ beschaulich anmutet, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Wetterlage mit reichlich Entwicklungspotenzial, quasi als "loaded gun", wenn man so will. Fakt ist, dass besonders in Frankreich, teils aber auch in Deutschland sehr warme und feuchte Subtropikluft vorliegt, die per se schon eine latente Schauer- und Gewitterbereitschaft aufweist. Kommen nun atmosphärische Mechanismen ins Spiel, die es schaffen, das Latente in Fühlbares umzuwandeln, sprich, die Schauer und Gewitter auch wirklich auszulösen, dann wird für den Meteorologen aus einer anfänglich ruhigen Kiste ein erfüllter, mitunter auch hektischer Arbeitstag. Es gibt in der Natur mehrere Möglichkeiten, eine Luftmasse zu aktivieren, also Hebung zu erzeugen, die erforderlich ist, um Wolken und letztlich Regen und Gewitter entstehen zu lassen.
Im vorliegenden Fall übernimmt die Hauptrolle ein Tief, das am Donnerstagmorgen über Westfrankreich geboren wurde, zunächst aber nur mit der sprichwörtlichen Lupe analysiert werden konnte. Immerhin, die Vorhersagewetterkarten der vergangenen Tage hatten dieses Tief schon auf dem Schirm, so dass die FU Berlin ihm den Namen XAVER gegeben haben. Dieser XAVER wird sich nun - gesteuert durch südwestliche Höhenwinde - langsam auf den Weg in Richtung Nordosten machen, begleitet von ständigem Luftdruckfall, so dass er sich weiter vertieft und immer deutlichere Konturen annimmt. Via Benelux erreicht XAVER in der Nacht zum Freitag Norddeutschland bzw. die Deutsche Bucht, um bis Freitagmittag die Südspitze Schwedens zu erreichen. Bis dahin hat sich das Tief von anfänglich rund 1010 Hektopascal wahrscheinlich auf etwas unter 1000 Hektopascal vertieft - gemessen z.B. an winterlichen Sturmtiefentwicklungen zwar nur ein Klacks, in der Sache aber dicke ausreichend, um den hiesigen Geschehen einen mehr als deutlichen Stempel aufzudrücken.
Dabei entpuppt sich XAVER quasi als Multitalent, behände und bewandert in verschiedenen Facetten atmosphärischer Prozesse. Zunächst treten spätestens am Donnerstagabend in den westlichen Landesteilen teils kräftige schauerartige Regenfälle und Gewitter auf, die mit allen bekannten Schikanen wie Starkregen, Hagel und Sturmböen versehen sein und für lokale Unwetter sorgen können. Regen und Gewitter breiten sich am Abend und in der Nacht über die Mitte und den Norden ost-nordostwärts aus, wobei es weiterhin ordentlich zur Sache geht. Hinzu kommt im äußersten Norden gebietsweise länger andauernder und ergiebiger Regen. Nach Süden hin soll - so zumindest die Lesart der Computervorhersagen - nicht so viel passieren, was einfach mit dem größeren Abstand zu XAVER erklärt werden kann.
Doch Vorsicht, auch in Baden-Württemberg und Bayern sollte man nicht überrascht sein, wenn es in der Nacht mal ordentlich blitzt, kracht und gießt. Kleine Fußnote (selbst kreiert, nicht kopiert) am Rande: Bevorzugt im Südwesten und dort vor allem in einigen Innenstädten geht die Temperatur in der Nacht nicht auf unter 20°C zurück, was per definitionem eine Tropennacht bedeutet. Sage noch einer, der deutsche Sommer 2011 hätte nichts drauf.
Doch zurück zu XAVER. Zwar verlässt unser Freund am Freitag deutsches Hoheitsgebiet, sein Wirken geht damit aber noch längst nicht zu Ende. Zunächst mal lässt er den auf westliche Richtungen drehenden Wind vor allem im Norden und Osten merklich auffrischen. An der Ostsee sind dabei sogar einzelne Sturmböen möglich. Zudem kommt es zu einem merklichen Luftmassenwechsel, denn auf der sogenannten Rückseite des Tiefs wird mit dem flotten Wind kühlere Meeresluft herangepustet, die sich hauptsächlich im Norden und Westen ausbreitet. Dort liegt die Höchsttemperatur nur noch zwischen 18 und 23°C. In den übrigen Regionen halten sich noch Reste der Subtropikluft, in der es bei großer Schwüle zu schauerartigen Regenfällen und teils kräftigen Gewittern kommt, die sich erst im Tagesverlauf mehr und mehr nach Süden zurückziehen. Also, wie man leicht sieht, sorgt XAVER für einige Schlagzeilen und recht komplexes Wetter, von dem wir uns am Samstag definitiv erholen können. Dann nämlich erreicht er die baltischen Staaten, während bei uns MORVEN zur persona grata wird - ein Hoch, das sich auf die Fahnen geschrieben hat, für ein schönes und sommerliches Wochenende zu sorgen.
Dipl.-Met. Jens Hoffmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.08.2011 Copyright
(c) Deutscher Wetterdienst
Aktueller TEMP Meiningen 12 UTC (klick für groß):
Aktuell, Weimar-Schöndorf, 15:05 Uhr:
Blick Richtung ENE:
Blick Richtung WNW:
Hier auch mal schnell von mir ein Bild, mit Blick auf die beiden Zellen:
Da muss doch was los sein:

Ich muss leider noch arbeiten und kann nicht weg!!!! WEr fährt hin? Weimarer los!
Andreas
Andreas, das sind kurze, pulsierende Zellen die zudem schnell ziehen. Ich konnte in aller Ruhe die Zellen vom Fenster aus beobachten, da war nichts was man hätte verpassen können!
Alexa, dein Einsatz:

Andreas
Andreas, das sind kurze, pulsierende Zellen die zudem schnell ziehen. Ich konnte in aller Ruhe die Zellen vom Fenster aus beobachten, da war nichts was man hätte verpassen können!
Na gut - glaube ich dir mal. Ich fand halt interessant wie die Zelle sich ruck-zuck aufgeblasen hat (ebenso die über Gera). Genauso schnell ist es aber vielleicht auch schon erledigt.
Andreas
Mit diesem Bild wird das Abendmahl eingeleitet (Blickrichtung ESE):

Aktuell eine kleine Zelle nördlich Gera, die gleich mit UWZ-Rot bewarnt wird...
Bilderupdate 20:15 Uhr:
einfach nur wunderschön (ist auch nichts daran bearbeitet):


Hallo zusammen,
ich war auch etwas auf Gewittersuche in Gera, u.a. bei unser Trefflokalität - dem Strandbad Aga.
Nach dem kurzen Regen mit Donner habe ich Wolken gesehen, die so schön waren, wie ich es lange nicht gesehen habe. Leider kommt es auf den Fotos nicht halb so toll rüber, wie es wirklich war. :müde
Alexa :winken
Hallo hier ein -Bild von einer Gewitterzelle über Gera um 19 Uhr

Lageupdate 20:45 Uhr:
Was für ein wunderschöner Komplex (und wie er am Ende weiter versorgt wird):
Bereits jetzt sind in Teilen des Westens/Nordwestens Thüringens die Wolken am Rande des Komplexes angekommen. In Ostthüringen zieht gerade ein kleiner Zellcluster nach Sachsen ab, der sich nochmal recht gut entwickelt hat.
Die Temperaturen lagen um 20 Uhr teilweise noch bei 25 Grad, Taupunkte generell zw. 18 und 14 Grad. Die Luftmasse ist und bleibt energiereich.
Bleibt abzuwarten was unser Komplex macht, denn in der letzten Stunde war ein Bewegung nach Osten im südlichen Teil zu sehen!
EDIT 22:00 Uhr
Mehr gibts nun wirklich nicht mehr zu sagen:
ZitatAlles anzeigenAktuell ... schwenkt in der Nacht ein im Norden kräftiger Trog von den Britischen Inseln
bis Benelux. Bereits vorlaufend konnte mit einem sekundärem Höhentrog ein heftiges
Gewittergebiet ausbilden, das auf den Westen und Nordwesten übergegriffen hat. Ein
zunächst nur flaches Tief über Nordfrankreich hat unter Vertiefung den Nordwesten
erreicht. Es schaukelt sich weiter auf, da die rückseitig einbezogene kühle Meeresluft
eine Trogverschärfung bewirkt und damit in Rückkopplung den dynamischen Antrieb verstärkt.
Dies spricht dafür, dass das hereingezogene Gewittergebiet trotz der nächtlichen
bodennahen Abkühlung über die Nacht hinweg erhalten bleibt, somit mit kräftigen Gewittern
über den Norden hinweg nord- bis ostwärts ausgreifen wird. Somit voraussichtliche
Fortdauer einer Unwettersituation im Norden mit heftigem Starkregen, Gefahr von lokalem
Hagelschlag und teils schweren Sturmböen (Unwetter).
Lokale Gewitter im Süden und Osten klingen eingangs der Nacht voraussichtlich noch ab.
Nach COSMO-DE- EPS ist jedoch wahrscheinlich, dass
in der zweiten Nachthälfte von Südwesten ein neues Gebiet mit teils gewittrigen
Niederschlägen in den Süden und die Mitte zieht, voraussichtlich aber weniger heftig als
im Norden.
So schonmal ein kleiner Vorgeschmack von dem folgendem Bericht

Gute Nacht :winken
Sachsen-Anhalt lag bestens in der Laufbahn der Zellen. Zwei Gewitter mit ca. 40 Blitzaufnahmen kann ich verzeichnen. Wahnsinn!
Lg Marco

Auch von mir ein kleines, schnelles Bildchen. War 4 1/2 Stunden mit Ronny auf Tour.

Lageupdate 19.08.2011 / 09:45
Die Kaltfront des nach Skandinavien ziehenden Tiefs zieht im Tagesverlauf durch Thüringen von Nordwest nach Südost. Aktuell ist sie bereits auf einer Linie Magdeburg - Saarland gut mit linienhaft organisierten Zellen zu sehen:

Die Kaltfront zieht in den kommenden Stunden über Thüringen hinweg und wird sich noch verstärken. Dabei sind die üblichen Begleiterscheinungen (Starkregen, Hagel, Sturmböen, teils auch höhere Böen) möglich. Hinter der Kaltfront fließt kühlere Meeresluft ein, in der es noch zu einigen Windböen kommt, die besonders im Bergland auch stürmisch sein können. Die Ausgangsbedingungen was die Luftmasse angeht sind ähnlich wie gestern, wenngleich noch etwas Einstrahlung nicht schaden könnte. Die Scherung ist insgesamt gut.
Estofex mit Level 1:
