13.06.2020 I Starkregen, Blitze & ein Hauch von Struktur I Triptis, Erfurt, Arnstadt…

  • Am Samstag bahnte sich eine wohl doch interessante Lage aus östlicher Richtung an. Fest stand auf jeden Fall, dass die Auslöse orographisch entlang der Gebirge stattfinden würde. Die meisten Modelle sahen am Morgen die Auslöse gegen 13 / 14 Uhr im Vogtland.

    So fuhren Christopher und ich erst einmal von Bucha startend nach Triptis (bzw. Raum Triptis). Dort warteten wir zunächst die ersten Entwicklungen ab. Der Himmel, mit zunächst zahlreichen Cumulus humilis verschönert, geriet allmählich in Unruhe, als erste höhere Quellungen auftraten. Dabei sahen wir auch Pileus-Kappen:



    Wir verlagerten uns ein Stück wieder in Richtung A9, als eine Zelle aus Plauen kommend fahrt aufnahm. So positionierten wir uns an einer alten Mühle. Ronny K. und Luise waren auch kurzerhand anwesend. Die Zelle zunächst aus weiterer Entfernung als Panorama:



    Die Donner wurden lauter, erste Blitze waren zu sehen. Eine gewisse Euphorie breitete sich aus und so standen wir vor der Zelle und ließen die Zelle immer näher kommen, bis schlussendlich etwa 1km vor uns ein Blitz einschlug. Unter anderem diesen 4-Schlag bekamen wir zu Gesicht:



    Bevor wir wieder ins Auto stiegen, machte die Zelle bereits Ansätze, eine Böenwalze auszubilden:



    Wir gerieten in den Niederschlagskern, Erdblitze schlugen nah ein und wir fuhren auf der A9 aus der Zelle heraus, die nun mehr und mehr um sich herum neue Zellen triggerte. Zwischenzeitlich trat kurz Aquaplaning auf. Ronny und Luise hatten wir verloren und wir fuhren zunächst nach Leipzig, um eine einzelne Zelle, an der Andy dran war, abzufangen. Sie zerfiel jedoch, nur noch einzelne Mammaten waren zu sehen. Richtung Nord sahen wir den ausladenden Eisschirm des Zellkomplexes bei Wittenberg / Magdeburg. Nach kurzem Versuch, bis nach Magdeburg zu kommen, kehrten wir auf der A14 um und fuhren entlang der A9 bis kurz vor Dessau, nur um resigniert zu sehen, dass strukturell nicht viel zu holen war. Man konnte aber sehen, wie immer mehr Zellen linienartig nach Süden hin anbauten, was dann am Abend noch für Action sorgen sollte.


    Zunächst ging es zurück zum Kreuz Rippachtal, um dort zu rasten. Die Ruhe währte jedoch nicht lange, denn schon auf dem Weg sahen wir eine freistehende Congestus, die immer weiter wuchs und kurz darauf auch schon rumpelte. Wir positionierten uns irgendwo zwischen Merseburg und Halle an der A38 und beobachteten die Zelle:



    Mit längerem Beobachten organisierte sich die Zelle mehr und mehr, bis schlussendlich wir einen rotierenden Aufwindturm beobachteten. Das hatte echt ein USA Feeling:



    Währenddessen baute sich die Linie immer weiter auf. Wir fuhren unter der sich nun abschwächenden Zelle hindurch zur A71 und dann zum Kreuz Erfurt, um eigentlich den Zellen bei Jena entgegenzufahren. Dabei sahen wir diese aufstrebende Quellung und Mammaten:



    Doch schon unterwegs zeichnete sich eine Neuentwicklung bei Arnstadt ab, so dass wir zunächst diese in Augenschein nahmen. Hier beobachteten wir eine überraschende Entwicklung. Sehr kräftiger Rückenwind ließ eine gewisse Anspannung entstehen und Tatsache: Neben zahlreichen Erdblitzen entstand eine Böenwalze:



    Dabei feuerte sie unerbittlich weiter Erdblitze:



    Dazu noch 3 Composits:





    Und zum Abschluss noch ein Panorama der Böenwalze, während nun die Zellen aus Jena kommend langsam näher zu uns vordrangen:



    Wir ließen uns überrollen und fuhren dann nach Bucha. Dort angekommen gab es dann noch eine kleine Privatvorstellung direkt vor der Haustür.

    685km… das ist die Bilanz des Tages. Als Chasing-Neuling mit einer ersten großen Tour ist das Feeling einfach unbeschreiblich. Gerne wieder, es macht mega Spaß.


    Mit diesen Worten und bis zur nächsten Lage,

    Florian

  • Hallo Florian,


    danke für den Bericht und Glückwunsch zum gelungenen, ersten größeren Chasing! Die erste große Runde ging bei mir ähnlich weit. Lange her...

    Downburst

    Beim Downburst (Fallböe) sollte man mit der Zuordnung vielleicht etwas aufpassen. Mehr oder weniger große Fallstreifen oder ein Niederschlagsbereich sind per Definition kein Downburst. Und ob es tatsächlich dort wo sie auf dem Boden trafen, einen gegeben hat, ist fraglich solange es keine Schadensmeldungen oder vielversprechende Bilder/Videos gibt.


    Der Downburst ist ein größerer Bereich der ausfließenden Kaltluft, die sich qausi wie in Form eines Rings zu allen Seiten ausbreitet. Soweit ich weiß wird sich weiter an der Definition von Fujita orientiert, wonach eine Ausdehnung von 1-15 km bei 5-60min Lebensdauer vorliegen sollte. Kleinräumige oder kurzlebigere Fallböen wären dann Micro- oder Macrobursts. Wenn dir aus dem Bereich Schäden bekannt sind oder Infos darüber, lass mich gern davon wissen.


    Weitere Infos:

    Wetter und Klima - Deutscher Wetterdienst - Glossar - D - Downburst und

    FAQ A7 - Tornadoliste Deutschland


    vG
    Markus

    1. Vorsitzender Thüringer Storm Chaser e.V.
    ESSL Voluntary Observer Person (Qualitätslevel QC1) (European Severe Storms Laboratory)
    Premium Advanced Spotter & Regionaler Ansprechpartner Thüringen (Skywarn Deutschland e.V.)
    Weitere Mitgliedschaften: Arbeitskreis Meteore e.V. • Cloud Appreciation Society

  • Wenn dir aus dem Bereich Schäden bekannt sind oder Infos darüber, lass mich gern davon wissen.

    Danke für die Erklärung, danach sind wir nicht direkt gegangen, hatten es nur aus der Ferne beobachtet und so angenommen, da teilweise deutlich ein "Fuß" zu erkennen war.


    Da das jetzt so unsicher ist, nehme ich es mal wieder aus dem Bericht raus.


    VG

    Florian

  • Super Bericht Flo!

    Wir sind Happy das dir der Chase so gut gefallen hat. Du warst aber auch klasse. Als Navigator sowie Beobachter. Immer wieder gern, war zudem sehr lustig 😃