2020-07-01/02 GEWITTER

  • Am Mittwoch steht eine Gewitterlage mit Potenzial für kräftige Entwicklungen in der 2. Tageshälfte an. Zum ersten Mal wird die Gewitterlage mit deutlich mehr Dynamik als bisher verbunden sein, was organisierte Zellen erlaubt. Auslösend wird eine Welle in entlang dieses Frontensystems sein:



    Zeitpunkt: 2. Tageshälfte, ab Nachmittag (grob ab 14-15:00 Uhr im Nordwesten/Westen zuerst)

    Verlagerung: West > Ost


    Was ist dabei?

    Starkregen

    Hagel zw. 2-4cm

    Windböen (mit den Zellen/Clustern zw. 60-90 km/h, örtlich mehr denkbar)

    Tornadogefahr ist etwas erhöht bei idealem Zusammenspiel aller Paramter und Orographie (aber längst keine "Tornadolage" nach heutigem Stand)


    Ausgangslage/Parameter:

    Einzel-/Multizellen mit Potenzial zur Superzelle (Zellteilungen dann möglich), später kleinere Cluster/Linien

    Frontalwelle/kleinere Verwellungen entlang der Front
    (West-)Südwestliche Höhenströmung mit Zufuhr feucht-warmer, instabiler Luftmasse
    CAPE eher niedrig zw. 200 und 600, lokal etwas mehr J/kg
    Scherung ausgeprägt (0-6km= 20-30 m/s, 0-1km= 10-15 m/s) -> schnelle Verlagerung der Gewitter

    Achtung: Hohe Scherung/wenig CAPE-Lagen sorgen gern für starke Gewitter und rotierende Aufwinde (auch gern zusammen mit lokalen Bergländen)

    Hebung mit den genannten Wellen, abends/nachts vor der Kaltfront


    Ablauf/Unsicherheiten:

    Entlang der Warmfront nachts/tagsüber Regen und Bewölkung

    Nachmittags von Westen heranziehend/oder neu entstehende Gewitter (Superzellen möglich)

    -> aber: mit der Südwestströmung ist im Lee (also nordöstlich) des Thüringer Waldes mit Abtrocknung zu rechnen, was die Entstehung dort hemmen könnte

    -> aber2: es ist ganz entscheidend, in welchen Gebieten am längsten Einstrahlung erfolgt -> ist Orographie (Bergländer) mit im Spiel, sind die Chancen für Gewitterbildung in diesem Bereich noch besser


    Es sind 2 Höhepunkte möglich (nachmittags mehr nach Norden, also Nordthüringen, Sachsen-Anhalt -> dieser Höhepunkt ist recht einheitlich in den Modellen, aber auch mit regionalen Unterschieden in der Verteilung)

    Der zweite Höhepunkt könnte im Vorfeld der Kaltfront abends/nachts auftreten


    Worauf morgen unbedingt geachtet werden sollte:

    - genaue Lage des Frontenzugs und damit wo Wolken/Niederschläge die Einstrahlung vermindern

    - Soundings

    - Abtrocknung im Lee des Thüringer Waldes

    - später: Outflow


    Der Ablauf der Lage ist im Detail noch unsicher. Die kleinen Details können morgen auch entscheidend sein, dass es ggf. nicht zu solch einer Lage kommt, wie sie im passendsten Fall möglich wäre.


    Chasing-Tipps gibts gleich noch im Kalendertermin und Updates morgen.


    Anton/Christoph/Markus

    1. Vorsitzender Thüringer Storm Chaser e.V.
    ESSL Voluntary Observer Person (Qualitätslevel QC1) (European Severe Storms Laboratory)
    Premium Advanced Spotter & Regionaler Ansprechpartner Thüringen (Skywarn Deutschland e.V.)
    Weitere Mitgliedschaften: Arbeitskreis Meteore e.V. • Cloud Appreciation Society

  • So unsicher wie der genaue Ablauf sich gestern Abend herausstelle ist er auch quasi heute morgen noch. Die Modelle sehen aktuell bis ca. 22 Uhr ein Feld zwischen Niedersachsen / TH / Sachsen-Anhalt im Fokus, im späteren Verlauf erreicht die Front dann auch Sachsen. Die Ausprägung der konvektiven Aktivität ist dabei weiterhin nicht ganz klar, wobei die Einstrahlung heute bereits ab dem Morgen / Vormittag gegeben ist. Das Feld scheint sich minimal nach Norden verschoben zu haben.


    Dazu noch die Synoptische Übersicht vom DWD:

    Wetter und Klima - Deutscher Wetterdienst - Hobbymeteorologen - Synoptische Übersicht Kurzfrist

  • Update 15:00 Uhr:

    Worauf morgen unbedingt geachtet werden sollte:

    - genaue Lage des Frontenzugs und damit wo Wolken/Niederschläge die Einstrahlung vermindern

    - Soundings

    - Abtrocknung im Lee des Thüringer Waldes

    - später: Outflow

    Die Lage des Frontenzugs hat die Einstrahlung im Großteil Thüringens nicht verhindert (auch südl. Sachsen-Anhalt)

    Die Abtrocknung im Lee des Thüringer Waldes fällt nicht im größeren Stil auf.


    In den Soundings zeigt sich noch eine vom Morgen nach Norden transportierte EML (elevated mixed layer), die nicht schlecht für die Gewitterintensität ist.


    Die Modelle zeigten immer noch unterschiedliche Szenarien. Anhand der aktuellen Lage und Entwicklung ist am wahtscheinlichsten, dass durch das konvergente Windfeld im Harzumfeld entweder am Südharz eine Auslösung stattfindet oder (nord)westlich vom Harz mit Verlagerung nach Ost. Auch kann sich mit einem Leetief am östlichen Harzrand Auslöse ergeben.


    Das wäre sozusagen die erste konvektive Phase. Verglichen mit Druckänderung und Windfeld scheint sich ggf. mit der Welle von Westen (ca. Köln) kommend bald Verstärkung an der dortigen Linie bemerkbar zu machen. SuperHD passt übrigens zu dieser Entwicklung recht gut, Rapid aktuell nicht so sehr.


    Die zweite Phase sollte dann später am Abend im Vorfeld der Kaltfront von West nach Ost durchziehen.


    Anton/Chrstoph/Markus

    1. Vorsitzender Thüringer Storm Chaser e.V.
    ESSL Voluntary Observer Person (Qualitätslevel QC1) (European Severe Storms Laboratory)
    Premium Advanced Spotter & Regionaler Ansprechpartner Thüringen (Skywarn Deutschland e.V.)
    Weitere Mitgliedschaften: Arbeitskreis Meteore e.V. • Cloud Appreciation Society