Am Mittwochabend verabredeten Andy Eichner und ich uns für den kommenden Tag, den 24.06. zu einer Tour ins Oberbayerische. Der Zufall wollte, dass wir beide frei hatten und so fuhr ich Donnerstagfrüh mit dem Zug nach Altenburg, wo wir dann gemeinsam starteten.
Nach Rücksprache mit Chasern aus Süddeutschland war unser Zielgebiet die Gegend um den Münchner Flughafen, da man von dort relativ schnell per Autobahn in alle Richtungen fahren kann.
Die Bedingungen für organisierte Gewitter waren im Alpenvorland gut. Östlich davon, vom Inn bis nach Tschechien, hatte Estofex sogar ein Level 3 herausgegeben. Aus verschiedenen Gründen entschieden wir uns jedoch gegen diese Region. Also ging es erst einmal Richtung Bayern.
Nach nur einer halben Stunde erhielten wir auf der A 4 einen kleinen Dämpfer durch eine Sperrung mit Stau, der uns eine gute halbe Stunde kostete. Also wurde das Essen auf Bayern verschoben.

Quelle: openstreetmap.org
Auf der A 9 war verhältnismäßig wenig los und so entschieden wir draufzubleiben und nicht den kleinen Umweg über die A 93 zu nehmen. Bei der Fahrt durch Franken lichtete sich der regengraue Himmel mehr und mehr und die Temperatur stieg. Eine kleine Zelle, die wir nicht für voll nahmen, entwickelte sich nördlich von Nürnberg. Sie sollte sich später zu einer Superzelle mit ausgedehntem Hagelkern entwickeln, die jedoch in die eher unchasebare nördliche Oberpfalz zog.
Wir hatten es mehr auf eine Lechtalerin ( Wetter und Klima - Deutscher Wetterdienst - Thema des Tages - Die "Lechtalerin" - Ein Gewittermonster im Alpenvorland ) abgesehen, die bereits am späten Mittag das Alpenvorland mit Reflektivitäten jenseits 60 dBZ durchquerte. Wir hätten sie am liebsten südlich angefahren, aber je näher wir dem Raum München kamen, desto größer wurden die Zweifel, dass wir es rechtzeitig bis zur A 8 durchschaffen, ohne ihre Zugbahn zu kreuzen. Also wurde der Plan mit dem Flughafen München verworfen und wir sind vom Münchener Ring direkt nach Westen Richtung Grafing abgebogen. Die Zelle besaß einen massiven Inflow, der sich durch dichte Begleitbewölkung bemerkbar machte und nur ab und zu den Blick auf den Eisschirm freigab.

Auf der Bundesstraße ging es nur langsam voran und es gab auch keinen gescheiten Spottingpoint. Die Zelle kam unterdessen näher und zeigte uns durch die Bäume einen bedrohlich dunklen Aufwind mit massiver Wallcloud und grünem Leuchten.
In Grafing bei München ging es runter von der B 304 und durch kleine Ortschaften auf der Suche nach einem Standort. Die Zelle war derweil so nahegekommen, dass wir irgendwann den nächstbesten Platz nahmen, um wenigstens ein Foto zu schießen.

Doch wir blieben nur wenige Sekunden, da im Hintergrund die Landschaft bereits im Niederschlag verschwand. Wir verlagerten uns noch etwas nach Süden und ließen die Zelle nördlich vorbeiziehen, wo sie uns noch ihre freistehende Rückseite zeigte.

Wir fuhren dann erstmal nach Grafing, um uns in einem Supermarkt Stärkung zu holen. Währenddessen entwickelte sich südöstlich von uns aus den Alpen heraus eine mächtige Wand aus Cumulonimben. Wir suchten uns am Rande Grafings einen Ort, wo wir in Ruhe aufs Radar gucken konnten und stießen dabei auf einen sehr guten Spottingpoint mit Blick in alle Westrichtungen. Der kam uns gerade Recht, denn zwischen Zugspitze und Allgäu hatten sich neue Zellen entwickelt, deren östlichste Kurs in unsere Richtung nahm. Also blieben wir dort, ließen uns in der schwülen Luft von den Bremsen beißen und warteten. Schließlich kam aus der dunklen Masse im Westen eine Struktur heraus, die immer schöner wurde und unsere Laune nach dem ersten Flop des Tages hob.



Die Zelle wurde schnell abwinddominant, vermutlich weil durch die Lechtalerin bereits ein Großteil der Energie verbraucht war, zeigte aber noch ein paar ansehnliche Strukturen.

Da wir für die Oberpfalz am Abend noch die Entwicklung einer Linie erwarteten, machten wir uns auf in Richtung Nordosten. Da fiel uns zum ersten Mal auf, dass im Raum Grafing die gesamte Getreideernte dieses Jahr ausfallen wird. Der Hagel der Superzelle vom 22.06. hatte sämtliche Maispflanzen auf den Feldern zerschlagen, vereinzelt standen die Ackerflächen noch unter Wasser und die meisten Bäume waren teilentlaubt.
Durch Dörfer und Weiler ging es mühsam erst einmal Richtung Landshut in Niederbayern, während wir von anderen Chasern auf eine weitere Superzelle hingewiesen wurden, die einen ähnlichen Weg nahm, wie die vorherigen, jedoch mit noch stärkerem rechten Ausscheren. Also ging es Richtung Südosten, um noch irgendwie davor zu kommen. Bei Neumarkt-St. Veit beschlossen wir, einen Spottingpoint zu suchen. Lieber ein Bild von der Zelle auch ohne Aufwindbereich als gar kein Bild.

Diese dritte Zelle des Tages war sehr blitzreich und wir ließen uns überrollen. Danach war klar, dass an dem Abend, zumindest in Deutschland, nicht mehr viel passieren würde, was sich lohnte zu jagen. Und so machten wir uns über Landshut zurück auf den Heimweg durch jede Menge stratiformen Regens. Diesmal nahmen wir die A 93. Bei Regensburg brach die Sonne durch und sorgte für einen schönen Regenbogen. In Schwandorf verließen wir die Autobahn um den Regenbogen im Abendrot abzulichten.

Wir hatten auf dem Heimweg noch auf ein nettes NLC-Display gehofft, aber in der Oberpfalz, Franken und Südthüringen kamen dichter Nebel und Bewölkung auf, die jegliche Sicht auf den Nachthimmel versperrten.
FAZIT:
Die Tour zeigte uns sehr gut, welche Dynamik im Alpenvorland herrscht und dass vorhergesagte Gewitterlagen dort offenbar seltener floppen. Allein wegen Zelle Nr. 2 und der schönen Stimmungen haben sich die 985 Kilometer auf jeden Fall gelohnt. Entsprechend der Strecken, die in den USA zurückgelegt werden, sollte man als kleine Gruppe mit Zeit im Gepäck ruhig mal ein Chasing im Alpenvorland erwägen. Abschreckend sind lediglich die Ortsunkenntnis, die es erschwert geeignete Standorte zu finden sowie das hohe Verkehrsaufkommen im Großraum München. Mit guter Vorbereitung kann man das aber verschmerzen, sodass wir sicher sind, dass das nicht unsere letzte Jagd in fremden Gefilden war.
Ich denke, Andy wird hier noch das ein oder andere ergänzen ![]()


