Woran erkennt man, ob ein Chasingtag ein guter Chasingtag wird? Man geht bei Cracker Barrel Frühstücken. Für Andre, Felix und mich war es das erste Mal, Markus hat die Lokalität bereits bei der letzten Reise 2024 für sich entdeckt und auch wir drei werden nicht das letzte Mal zu Gast gewesen sein.


Ausgangspunkt für heute war Abilene, von wo wir erst einmal Richtung Sterling City gefahren sind. Dort sollten heute an einer Outflowboundary vom Vortag Gewitter zünden. In Sterling City angekommen gab es erst einmal guten Kaffee von der Tankstelle und dann ging es auch schon los. Etwas südöstlich über San Angelo zündete eine erste Zelle, welche sich schnell verstärkte. Wir sind unmittelbar aufgebrochen und haben uns vor die Zelle gesetzt. Das Straßennetz war an der Stelle allerdings weniger wohlwollend, weshalb wir nur einen kurzen Blick vom Süden erhaschen konnten.


Dann hieß es erst einmal Strecke machen, damit wir uns wieder gut positionieren können. Doch das mit dem Positionieren ist westlich von Menard gar nicht so einfach. Die Landschaft ist leicht hügelig und überzogen mit kleinen Bäumen und Sträuchern, sodass wir mehrere Anläufe brauchten, bis wir schließlich an einem Flugplatz freie Sicht bekommen haben. Wir konnten von dort aus den Aufzug beobachten und erhielten einen direkten Blick in das Hook Echo.


Da es der einzige Platz mit freier Sicht ist, sind auch wieder viele Chaser vor Ort, allerdings bei weitem weniger schlimm als am Vortag. Plötzlich zeigt sich enge Rotation unter der Wall Cloud, ca. 1km entfernt von unserem Standort. Wir halten alle drauf und warten ab, was passiert. Und da ist er, der zweite Tornado unserer Reise. Er ist zwar nicht auskondensiert, aber am Boden gibt es deutlichen Debris (aufgewirbelten Staub und Trümmer).

Nach wenigen Sekunden ist alles schon wieder vorbei. Wir warten noch kurz, ob nochmal was passiert. Es lohnt sich, weiter südlich zeigt sich erneut Debris am Boden, abermals ohne auskondensierten Tornado. Auch wenn auf dem Bild keine Verbindung zur Wolkenbasis sichtbar ist, konnte der Tornado durch das laufende Zeitraffer und Beobachtungen anderer Chaser als solcher bestätigt werden.

Dann mussten wir los, damit uns der Weg nicht abgeschnitten wird. Wir fahren durch Menard, wo zurecht die Tornadosirenen heulen, schließlich gab es 1km vor der Stadt einen Tornado. Nun standen wir vor einer schwierigen Entscheidung: Südlich unserer Superzelle gibt es zwei Neuentwicklungen, welche Richtung Norden ziehen. Wir müssen uns entscheiden, ob wir nach Süden durch die Neuentwicklungen durchstoßen und daraufsetzen, dass sie sich verstärken, oder ob wir weiter auf unsere Superzelle setzen, welche weiter Kurs nach Ostsüdost hat. Wir entscheiden uns wieder für die Südoption, wie bereits am Vortag. Wir fahren noch rechtzeitig direkt unter der Basis der neuen Entwicklung durch, bekommen kleinkörnigen Hagel ab und schaffen es pünktlich davor. Wie vermutet verstärkt sich das Südende und wir stehen vor einer antizyklonal rotierenden Wallcloud. Wir können einige Minuten beobachten, bevor es weiter nach Süden geht.

Als die neue Superzelle unseren letzten Standort überquerte, zeigte sich auf dem Doppler Radar ein starker Di-Pol. Die südliche Zelle ist nun endgültig in den HP-Status übergegangen.

Die Straßenoptionen südöstlich von Menard sind wieder sehr überschaubar, weshalb wir von Yates nach Harper weiter nach Doss fahren, ins gesamt 50 Meilen, um wieder einen Blick zu erhalten. Am Standort angekommen spielt sich nördlich von uns mit ausreichend Abstand eine wahre Blitzshow ab. In der Ferne gibt es Minuten lang 10-15 heftige Blitzeinschläge pro Minute zu beobachten, während sich aus Nordwesten ein grün leuchtender Hagelkern auf uns zubewegt. Wir können das Spektakel eine ganze Zeit lang beobachten, bis der Hagel immer näherkommt.


Schließlich fliehen wir in Richtung Fredericksburg, wo wir einen letzten Halt machen. Mittlerweile gibt es keine Blitze mehr zu sehen und auch strukturell ist nichts mehr zu holen, weshalb wir das Chasing an dieser Stelle beenden.

Auf dem Weg zu unserer Unterkunft fahren wir noch einmal durch einen recht starken Kern mit 2-3cm Hagel. Einzelne Körner könnten der Akustik zu Urteilen auch größer gewesen sein. Am Motel angekommen zeigte sich noch ein Roll Cloud, ein Regenbogen im besten Abendlicht und zu allem Überfluss noch einige Crawler im Abendlicht über den ganzen Himmel - was für ein Finale.



Wir verabschieden uns für heute aus Junction und melden uns morgen wieder aus – wo auch sonst – Fort Stockton.