Von Amarillo bis Canadian jagen wir mehrere HP-Superzellen. Die Sicht ist schlecht, Tornados im Regen und die Chaserkonvergenz groß. Am Abend wurde es besser.

Unsere Strecke am 23.05.2019: 685 km

Heute schreibt: Felix. Weiter geht's, ohne Pause. Wir brechen verhältnismäßig zeitig von Vernon, TX auf, um rechtzeitig im nördlichen Texas Panhandle zu sein, wo wir heute länger andauernde Auslöse entlang einer Dryline erwarten. Zusätzlich liegt bei Amarillo, TX noch eine Outflow Boundary vom Vortag, die anfangs die Hauptrolle in diesem Schauspiel übernehmen wird.

Nach etwa 3 Stunden Fahrt erreichen wir zunächst Wheeler, TX und beratschlagen das weitere Vorgehen. Wir bevorzugen den Angriff von Süden, und verlagern uns in diese Richtung nach Pampa, TX bzw. an die I-40.

In Pampa machen wir noch kurz Mittagspause und finden eine Burger Station, die von außen den Eindruck eines seit über 30 Jahren verwahrlosten Werkstattschuppens macht, aber drinnen steht Grandpa John und brät dort seit 36 Jahren superleckere Burger. Wir smalltalken eine Viertelstunde über diesen und jenen Storm und Tornado, und natürlich hat auch John irgendwelche deutschen Vorfahren. Muss ja, nicht? ;)

An der I-40 stehen wir längere Zeit und warten auf eine für uns aussichtsreich erscheinende Entwicklung. Diesbezüglich hat uns der Vortag auch etwas "geheilt". Dort treffen wir außerdem auf Patrick Wagner und Erik Christmann von Skywarn Deutschland. Nachdem wir die ersten Zellen, die entlang der Outflow Boundary auslösten, ziehen lassen, zündet es nun langsam gut entlang der Dryline und wir beschließen, eine Entwicklung nach Norden zu verfolgen, die im Radarbild anfangs recht unauffällig macht. Es geht zurück nach Pampa und anschließend auf Highway 70 geradewegs gen Norden. Während der Fahrt entwickelt sich unsere Zielzelle prächtig und fängt schön an zu drehen.

Wir postieren uns irgendwo im nirgendwo am Highway und warten auf den Durchzug der Superzelle. Das Problem hierbei ist wieder das selbe der Vortage: Viel zu hohe Grenzschichtfeuchtigkeit verhindert jeglichen Blick auf vorhandene Struktur, und wir beschließen, dass wir auf Teufel komm raus näher heran müssen. Wir verlagern also weiter nach Norden und postieren uns an Straße 281 ein kleines Stück weiter westlich. Von dieser Position aus ist nun tatsächlich sehr gut die Basis mit Wallcloud zu erkennen. Etwas tornadoähnliches ist allerdings nicht auszumachen. Die Zelle rückt uns dafür nun gut auf den Pelz. Niederschlag setzt ein, und wir werden gar ordentlich mit Blitzen befeuert. Zeit zu flüchten. Zumal wir natürlich nicht alleine sind, und schon in den Strudel der einsetzenden Chaser-Konvergenz geraten.

Wir fahren nach Osten, und da im Nachgang erstmal nichts weiter zu erkennen ist, geht es weiter, wieder Richtung Canadian. Dort platzieren wir uns an einer Tankstelle an der Junction zu Highway 83. Dort stehen wir keine Viertelstunde, als wir einen Wedge Tornado aus eben unserer Zelle reportet kriegen. Also wieder aufsitzen und die ganze Strecke zurück. Wir kriegen die Rückseite der Zelle zu Gesicht, inklusive voll ausgebildetem Böenkragen. Einen Tornado können wir allerdings nicht ausmachen. Dafür aber durchaus verdächtige Aktivitäten an der Basis. Mehrere Absenkungen mit heftiger zu beobachtender Dynamik bekommen unsere Aufmerksamkeit, aber etwas handfestes ist nicht zu sehen.

Wir brechen ab und beschließen, auf eine zweite, inzwischen ebenfalls tornadobewarnte Zelle zu warten, die der ersten folgen soll. Wir verlagern nochmals nach Osten, und stellen uns auf eine Farm Road nördlich von Canadian. Die Zelle ist gut blitzaktiv und erzeugt im letzten Abendlicht nochmal eine sehr schöne Stimmung. Als sie auf unserer Höhe ist, gewinnt sie nochmals massiv an Fahrt und es ist nun Rotation an der Basis auszumachen, die immer schneller wird, und für jeden mit bloßem Auge zu erkennen ist. Die Videos davon müssen wir nachreichen, wenn etwas mehr Zeit zur Verfügung steht.

Wir erwarten nun jeden Moment einen Tornado, aber der letzte Push scheint wohl auszubleiben. Wir dokumentieren alles, um im Nachgang auszuwerten, ob die Rotation bis zum Boden ausreicht. Mittlerweile ist es fast vollständig dunkel, und wir machen Schluss für heute. Wir fahren 60 Meilen zurück nach Pampa um dort Quartier zu beziehen. Bei Ankunft kommen wir noch in den Genuss einer weiteren durchziehenden Gewitterlinie mit Starkregen, heftigen Sturmböen und pittoreskem Nachtfeuerwerk. Aber genau so schnell, wie diese Linie kam, verschwand sie auch wieder, und es kehrt endgültig Ruhe ein.

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