Wir versuchen es heute in Kansas und bekommen endlich mehr Struktur mit einer isolierten Superzelle bei Johnson City. Der Weg dahin war allerdings herausfordernd.

Unsere Strecke am 25.05.2019: 512 km

Heute schreibt: Felix. Nach unseren wasserreichen Erlebnissen der letzten Tage haben wir genug von dem ganzen High Precipitation-Gedöns und fahren einen neuen Ansatz. Nach mehreren Tagen Texas geht es nun nach Norden gen Oklahoma und Kansas in trockeneres Gebiet, wo wir entlang der weiterhin quasistationär liegenden Dryline isolierte Zellen fangen wollen.

Wir positionieren uns in Dumas, TX und warten auf die initiale Zündung einer für uns geeigneten Zelle. Im Gegensatz der letzten Tage gibt es heute endlich mal Sicht auf das Geschehen, und schon bald setzen wir uns Richtung Nordosten in Bewegung, wo sich eine prächtige, alleinstehende Superzelle heraus zu kristallisieren scheint.

Auf dem Highway 56 sausen wir geschwind durch das Oklahoma Panhandle gen Nordosten und positionieren uns in der Nähe von Elkhart, KS, wo wir einen ersten guten Blick auf die Zelle erhaschen können. Mittlerweile hat sich eine formidable Wallcloud gebildet, und wir beschließen, weiter nach Norden zu fahren

Wir folgen einer Gravel Road, da die Straße 51 an der Grenze zu Colorado mehr oder weniger endet, und landen an einer Kreuzung, an der die Straße nicht mehr ganz so schön gravelig ist, sondern mehr oder weniger durchgeweicht. Um mal berühmte Filmzitate zu bringen: „This is where the fun begins“. Denn der kurze und schmerzlose Beschluss lautet: „Ach, wird schon gehen.“ Die nächsten Minuten werden das komplette Fahrkunstrepertoire aller Fahrer auf das äußerste herausfordern. Die Mud Road wird ihrem Namen diesmal mehr als gerecht und wir haben höllisch zu tun, nicht stecken zu bleiben oder abzuschmieren. Während Felix innerlich den 4-wheel-drive des Tahoe anbetet, hat Roy schon mehr zu tun, sein Gefährt heil da durch zu bringen. Am schlimmsten steht es aber um Ronny und Luise, die mit dem kleinsten Fahrzeug von allen entsprechend die größte Mühe haben. Zumal uns jetzt der Kern der Zelle bedrohlich auf die Pelle rückt.

Der Tahoe mit Felix, Markus, und Jörg schafft es nach diversen Drift- und Kickdown-Manövern als erstes auf den rettenden Highway und wird anschließend mit über 90 Sachen nach Osten gejagt, um dem Kern zu entkommen. Auch Roy und Co. haben es bald darauf geschafft und folgen rasch. Von Luise und Ronny war zu diesem Zeitpunkt dagegen nichts mehr zu sehen oder hören...

Später erfahren wir, dass sich die beiden mehrmals festgefahren hatten und nur durch schieben weiter vowärts kamen. Und weil das noch nicht genug war, auch noch den vollen Corepunch mitnehmen mussten, inkl. Hagel von mehreren Zentimetern Größe – zur Freude von Ronny: Endlich schöne Hagelfotos. Irgendwann hatten es die beiden tatsächlich ebenfalls auf den Highway geschafft und setzten die Fahrt nach Osten fort.

Wir machen erstmal Boden nach Osten gut und stellen uns in eine der nicht blockierten Einfahrten entlang des Highways. Nur kurz Zeit zum durchatmen,  Schlamm von den Türgriffen entfernen, schnell ein paar Fotos der Zelle:

Unterdessen steht das restliche Team am Highway 27 südlich von Johnson City, KS mit bestem Blick auf die Zelle. Wir haben freie Sicht auf die rotierende Basis und erspähen auf einmal tatsächlich auch einen Staubfuß am Boden. Tornado! Tornado? Außer des Staubfußes ist leider keinerlei Kondensation erkennbar, aber wir beschließen rasch, dass da was gewesen sein muss, und wir das wohl als Sichtung gelten lassen. Kurz darauf bildet sich etwas versetzt ein deutlich zu erkennender Funnel, der aber ebenfalls nur für die Größenordnung von Sekunden hält.

Wir brechen wieder auf, bevor uns die nächsten Zellen aus Süden erreichen, und treffen Ronny und Luise in Johnson City wieder. Es erreichten uns dann auch Gerüchte, dass manche Fahrer ziemlich unverzüglich nach Verlassen der Mud Road nach Alkohol am Abend verlangt haben sollen…

Die Zelle verliert nun an Struktur und verclustert zusehends, so dass wir nur noch ein bisschen Corepunching am Südende mitnehmen, inkl. mal wieder überfluteter Straßen in Ulysses, KS und landen am Ende des Tages in Garden City, KS.

In Garden City gibt es am Abend noch eine kleine Überraschung: Wir treffen Jane und Clyve, ein Paar aus Australien im Ruhestand, und ebenfalls zum Chasen in den Staaten. Nach herzlichen Begrüßungen und nettem Talk genehmigen wir uns dann abends im Motel noch ein paar Stormchaser-Biere. Morgen geht es schließlich schon wieder weiter. Dann ohne Mud Roads.

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