Beiträge von Chris

    Kurze Verifikation


    Da schon die nächsten Lagen anstehen, möchte ich es kurz & knapp halten: Ja, für große Teile Thüringens hat es mit der Gewitterlage gestern nicht geklappt. Es ist auch insgesamt (zum Glück) nicht so heftig geworden, wie vor zwei Tagen vermutet. Dennoch zeigen die Unwetter in München und im Erzgebirge wie es auch in Thüringen hätte ablaufen können. Die Ausläufer davon haben dann zum Teil noch Schmölln und andere Regionen im Osten Thüringens erreicht.


    Entscheidend wird dann - neben einigen anderen Faktoren - sein, wie schnell sich die Restbewölkung am Montag auflösen wird. Für die Auslöse dürfte die Einstrahlung eine wichtige Rolle spielen. Von Bayern her sollte sich ab dem Mittag der Himmel über Sachsen und Ostthüringen lichten. Dann können nach aktuellen Schätzungen am Abend bis zu 2.500 J/kg ML-CAPE aufgebaut werden mit den höchsten Werten in Ostsachsen. Im Detail sollte die Qualität der Luftmasse aber dann noch einmal im Nowcast (Temperatur- und Feuchteverhältnisse, Lapse Rates) bestimmt werden. Hilfreich dürften die Soundings aus München und Kümmersbrück werden, bedingt auch Prag, Meiningen weniger.

    Man kann nicht oft genug betonen, wie wichtig es ist, bei solchen Lagen die tatsächlichen Verhältnisse nochmal kurz vorher genau zu beobachten und mit der Modellsimulation abzugleichen. Die kurzfristigen Änderungen im Rapid Update HD, wie es kachelmannwetter.com anbietet und die Mesoscale Discussion bei estofex.org bieten manchmal schon gute Hinweise.


    Mich erinnerten die Parameter etwas an den 01.08.2017, wenn auch mit Unterschieden im Detail. Schon bei dieser Lage spielte sich das Geschehen letztlich weiter in der Warmluft ab. Nur sehr selten führt in Mitteleuropa etwas zur bodennahen Auslöse, wenn sich [definition=59,0]Labilität[/definition] und [definition=95,0]Scherung[/definition] so gut überlappen. Am 01.08.2017 wurde Auslöse verhindert, da ein [definition=25,0]Cold Pool[/definition] aus morgendlichen Clustern das Erreichen der Auslösetemperaturen verhinderte. Am 10.06.2019 war es hingegen die zu trockene Luftmasse über weiten Teilen Ost- und Mitteldeutschlands im Vergleich zu den Modellen.


    Das Zünglein an der Waage - also was die Sache besonders spannend macht - dürfte das Leetief sein, welches tagsüber nördlich der Alpen entsteht und zum Abend mit der südlichen Höhenströmung nach Norden wandern soll. Es sorgt an seiner Nordflanke bodennah für Ostströmung, wodurch recht großflächig ein sehr interessantes Windprofil ensteht ([definition=89,1]Veering[/definition]). DLS könnte auf weit über 20m/s steigen, die SRH-Werte überschlagen sich fast und schießen in hierzulande kaum gekannte Höhen von 400 oder gar 500 m²/s² (laut modellzentrale.de).

    Der Föhn im Süden Deutschlands konnte die Auslöse wiederum nicht verhindern. Dadurch hat sich auch das Bodentief etwas anders entwickelt, war weiter östlich positioniert und hat die feuchtwarme Luft kaum bis Thüringen herangeführt. Hingegen wurde Sachsen mit dieser Luftmasse aus Osten noch weitgehend geflutet.
    Doch auch in Sachsen reichte es nicht mehr für diskrete Zellen. Die starke Hebung + Orographie am Erzgebirge hat die Zellen recht schnell in die Clusterform geführt. Die Auswirkungen waren entsprechend großflächiger, aber nicht ganz so extrem, wie es bei einer einzelnen [definition=101,0]Superzelle[/definition] (vgl. München) passiert wäre.


    Zum späten Abend rechnet GFS dann auch zunehmend mit einer Verstärkung des Low Level Jets. Wolkenuntergrenzen würden nach meiner ersten Einschätzung auch passen, sodass die Gefahr von (starken) Tornados erhöht wäre.

    Die Tornadoentstehung ist noch komplizierter. Hier steht und fällt alles mit winzigen Details. Mehr als vage Wahrscheinlichkeiten können hier nicht prognostiziert werden (auch in 100 Jahren noch nicht).


    Im weiteren Verlauf würden sich die diskreten Superzellen dann zu mesoskalig-konvektiven Systemen ([definition=74,1]MCS[/definition]) zusammenschließen, die äußerst blitzaktiv sein dürften. Die Gefahren dürften sich dann in Richtung schwere Sturmböen, Starkregen mit Überflutungsgefahr und zu Beginn auch noch Hagel verlagern.

    Das hat gepasst, zumindest für Ostthüringen und Sachsen. Je mehr Energie, desto blitzaktiver.


    Zumindest nach aktuellem Stand dürfte estofex.org hier Lila (Level 3) zücken.

    Das wäre das einzige, was ich nach heutigem Stand anders schreiben würde. Die Kriterien waren im Prinzip schon in der Vorbetrachtung nicht ganz erfüllt. Was generell fehlte, war ein großflächiges Forcing mit starken Höhenwinden, die beispielsweise flächige Orkanböen an Gewittersystemen verursachen könnten.

    Zusammenfassend geht Estofex davon aus, dass sich alles weiter östlich abspielen wird (kenne ich irgendwo her...)


    Das Dilemma ist aber kein [definition=25,0]Cold Pool[/definition] oder fehlende Einstrahlung, da haben wir trotz Cirrusbewölkung noch ganz gute Karten, sondern die fehlende Bodenfeuchte im westlichen Teil des Level 2.


    Das würde aber nicht bedeuten, dass in Thüringen gar nichts passiert. Entkoppelte Konvektion ist weiterhin möglich, besonders am Abend, wenn der Randtrog nordwärts steuert. Von der [definition=95,2]Windscherung[/definition] profitiert TH ebenfalls. Einzelne Zellen können auch ordentlich rotieren. Hagel, Sturmböen und vor allem hohe Regenmengen in Verbindung mit gewittrigem Starkregen sollten weiterhin möglich sein.


    Je weiter nach Osten, desto höher dann das Schadenspotential. Hier ist entscheidend, wie stark sich das Leetief im Süden entwickelt und inwieweit die sehr feuchte Luft aus dem Osten herumgeholt werden kann. Ganz im Osten (Richtung Polen) ist wiederum der [definition=28,0]Deckel[/definition] und fehlende Dynamik das Problem. Aber auch das könnte sich am Abend ändern.


    Bleibt also nur, in den nächsten Stunden die Entwicklung des Windprofils und der Taupunkte am Boden zu beobachten.

    Kurzes Update:
    - Grobe Parameter bleiben bestehen, nur marginale Änderungen
    - vorlaufend viel Bewölkung und auch mal leichter Regen / Schauer, was die Einstrahlung zumindest bis zum Nachmittag mindert
    - das Gute am Juni: auch am späten Nachmittag / Abend kann es noch einstrahlen, dadurch Energie für evtl. nachfolgende Systeme
    - wo genau (Thüringen, Sachsen, Bayern) ist weiterhin Nowcast (vgl. Modellunterschiede)
    - Dienstag gleich nochmal interessante Lage möglich

    Hallo zusammen,


    da unsere Jungs & Mädels aus den USA sich allmählich auf dem Rückweg befinden, bringen sie neben guten Bildern offenbar auch entsprechendes Wetter mit. Nicht umsonst gibt es ja die Theorie, dass jeder Trend aus den USA irgendwann zu uns nach Europa herüberschwappt - auch beim Wetter!



    Großwetterlage


    Die Ausgangslage hatte sich ja irgendwie bereits mit der Umstellung der Großwetterlage pünktlich zum meteorologischen Sommerbeginn (01. Juni) angedeutet. Nur war es eben in der vergangenen Woche vorwiegend der Westen Deutschlands, der mitunter in den Genuss mehrerer blitzreicher Gewittersysteme kam, während der Osten vielfach in großer Hitze ohne besondere Abkühlung brütete. Die Ausläufer der Gewitter erreichten uns zwar - jedoch meist nur in abgeschwächter Form (letzten Montag), übergingen weite Teile des Bundesgebiets (Donnerstag) oder beglückten dann in vereinzelter Form doch einige (Freitag).


    In jedem Fall fällt auf, dass das Wetter so gleich völlig andere Züge aufweist, als noch im Mai. Das liegt in erster Linie an einer geänderten Lage des Jetstreams, die im Mai vorwiegend über Mitteleuropa eine Ausbuchtung nach Süden aufwies und damit häufiger eine Troglage induzierte, die polare Kaltluft mit sich brachte. Nun hat sich diese charakteristische Ausbuchtung im Juni jedoch vor die Atlantikküste verlagert und somit weist der [definition=53,0]Jetstream[/definition] über Mitteleuropa nach Norden: Wir haben die klassische Vorderseite, die im Sommer für warme bis heiße Temperaturen bei uns sorgt.


    Im Gegensatz zu letzter Woche rückt der [definition=61,0]Langwellentrog[/definition], der zunehmend zum "Cut Off" wird, noch etwas nach Westeuropa, sodass sich die Dynamik auch nach Osten zu prinzipiell etwas verstärken dürfte. In der Höhenwetterkarte wird zunehmend ein Omega erkennbar, d.h. die Großwetterlage kann als recht stabil bezeichnet werden. Bis zum Montag dreht die Höhenströmung dann voll auf Süd zurück.




    Luftmassen, Scherungsparamter und Bodenwetterkarte


    Im Detail zeigen sich nun die Unterschiede zur letzten Woche. Nach einer angenehm kühlen Nacht beginnt bereits morgen am Sonntag die Rückdrehung auf südwestliche Höhenwinde und es wird wieder eine sommerlich warme Luftmasse herangeführt. Vor allem in der ersten Tageshälfte verbleiben wir dabei unter dem Einfluss eines Zwischenhochs und es bleibt freundlich. Zum Abend nimmt die Bewölkung zu - es zieht eine klassische Warmfront auf, die die am Montag wetterbestimmende Luftmasse heranführt. Inwieweit diese am Sonntagabend und in der Nacht zum Montag (kräftigen) Regen bringt, ist noch nicht abschließend geklärt. Das hochauflösende Super HD zeigt in einem schmalen Streifen von BaWü bis MV / BRB markante Regenmengen, teils über 30mm! Einzelne Warmlufteinschubgewitter sind auch nicht vollkommen auszuschließen.


    Entscheidend wird dann - neben einigen anderen Faktoren - sein, wie schnell sich die Restbewölkung am Montag auflösen wird. Für die Auslöse dürfte die Einstrahlung eine wichtige Rolle spielen. Von Bayern her sollte sich ab dem Mittag der Himmel über Sachsen und Ostthüringen lichten. Dann können nach aktuellen Schätzungen am Abend bis zu 2.500 J/kg ML-CAPE aufgebaut werden mit den höchsten Werten in Ostsachsen. Im Detail sollte die Qualität der Luftmasse aber dann noch einmal im Nowcast (Temperatur- und Feuchteverhältnisse, Lapse Rates) bestimmt werden. Hilfreich dürften die Soundings aus München und Kümmersbrück werden, bedingt auch Prag, Meiningen weniger.


    Das Zünglein an der Waage - also was die Sache besonders spannend macht - dürfte das Leetief sein, welches tagsüber nördlich der Alpen entsteht und zum Abend mit der südlichen Höhenströmung nach Norden wandern soll. Es sorgt an seiner Nordflanke bodennah für Ostströmung, wodurch recht großflächig ein sehr interessantes Windprofil ensteht ([definition=89,1]Veering[/definition]). DLS könnte auf weit über 20m/s steigen, die SRH-Werte überschlagen sich fast und schießen in hierzulande kaum gekannte Höhen von 400 oder gar 500 m²/s² (laut modellzentrale.de).




    Das Bodentief mit der energiereichen Luftmasse.



    Derbe Scherungsparameter.


    Zum späten Abend rechnet GFS dann auch zunehmend mit einer Verstärkung des Low Level Jets. Wolkenuntergrenzen würden nach meiner ersten Einschätzung auch passen, sodass die Gefahr von (starken) Tornados erhöht wäre.



    Zellmodus und Gefahren


    Der direkte Output simulierter Zellen hängt natürlich stark von den zugrundeliegenden Parametern ab. Da ist es zwei Tage im Voraus recht schwierig, eine genaue Prognose abzugeben. Einige Karten sind jedoch von äußerster Brisanz, wie beispielsweise die Tornadoparameter...


    https://kachelmannwetter.com/d…param/20190610-1700z.html


    ... oder SZ-Composite-Parameter...


    https://kachelmannwetter.com/d…param/20190610-1700z.html


    Janeks WRF lässt, zunächst nur beispielhaft zu sehen, äußerst rotationsfreudige Superzellen zu:



    Zum letzten mal sah ich so etwas vor dem 01.08.2017. Der Rest der Geschichte war (unverständlicher Weise) für einige Storm Chaser offenbar wenig befriedigend.


    Wie dem auch sei - natürlich wäre hier das gesamte Spektrum der Unwetterpalette möglich: Starkregen, schwere Sturmböen, großer Hagel / Riesenhagel und eben auch Tornados.


    Im weiteren Verlauf würden sich die diskreten Superzellen dann zu mesoskalig-konvektiven Systemen ([definition=74,1]MCS[/definition]) zusammenschließen, die äußerst blitzaktiv sein dürften. Die Gefahren dürften sich dann in Richtung schwere Sturmböen, Starkregen mit Überflutungsgefahr und zu Beginn auch noch Hagel verlagern.


    Zumindest nach aktuellem Stand dürfte estofex.org hier Lila (Level 3) zücken.



    Timing, Lokalität, Unsicherheiten


    Wie bereits angesprochen ist es zwei Tage vor dem Ereignis noch viel zu früh, um die Regionen und das Timing genauer einzugrenzen. Wie die Erfahrung lehrt, ist bei diesen Hochrisiko-Lagen auch die Flopp-Gefahr am größten. Ändert sich ein Parameter, kann die ganze Lage hinfällig werden / sich hinsichtlich Storm Mode, Region, etc. verschieben.


    https://twitter.com/JZ_Lpz/status/1137386079974281217


    Aktuell lässt sich nur sagen, dass irgendwo zwischen Mitteldeutschland und Westpolen, aber auch beispielsweise in Bayern, die Wahrscheinlichkeit für extreme Unwetter stark erhöht ist. Zeitlich ist dabei der Zeitraum vom späten Nachmittag bis in die Nacht zum Dienstag relevant, mit dem Schwerpunkt am späten Abend. Tendenziell hatten die hochauflösenden Modelle heute eine leichte Westverschiebung drin inkl. Ausdehnung nach Norden


    Morgen Abend bleibt zu klären:
    - ob nach wie vor Auslöse berechnet wird
    - welche Rolle die Restbewölkung (und Restfeuchte) der Warmfront übernehmen wird
    - ob die Modelle die Regionalisierung einheitlich sehen


    Eine Vorabwarnung finde ich allerdings bei der möglichen Brisanz der Lage angebracht, im Sinne von: "Montag im Auge behalten, könnte irgendwo heftig werden".



    Fazit


    Da ist es also wieder - dieses gute alte Gefühl von 2017 - wenn es vor einer Lage so in der Magengrube kribbelte. Näheres später - genug geschrieben.


    Viele Grüße
    Chris

    Nur ganz kurz: Thüringen heute wieder verstärkt im Fokus. Linienartig organisierte Konvektion vor allem im Nordwesten möglich. Auch sonst einzelne, heftige Gewitter. Hauptgefahren sind größerer Hagel (vor allem bei den ersten Zellen), Starkregen und an Outflow Boundaries zum Teil heftige Sturmböen.


    Die [definition=95,0]Scherung[/definition] ist nur nach Nordwesten hin leicht erhöht, kann aber durch zum Teil exorbitant hohe ML-CAPE-Werte "ausgeglichen" werden. Könnte mir vorstellen, dass die Zellen heute daher eine gewisse Eigendynamik entwickeln.

    Hallo zusammen,


    zwar hat sich die Mehrheit der Hiergebliebenen wahrscheinlich schon ein anderes Hobby gesucht, dennoch möchte ich darauf hinweisen, dass ab Montag mit Umstellung der Höhenströmung auf tendenziell südliche Richtungen ein neuer Witterungscharakter eingeleitet wird. Dieser wird geprägt sein von mehreren Wellen, die aus einem [definition=61,0]Langwellentrog[/definition] über Westeuropa nordwärts laufen. Das bedeutet, es wird immer mal wieder eine "leistungsstarke" Luftmasse herangeführt, die sich am Boden durch heiße und zum Teil auch recht feuchte Verhältnisse bemerkbar macht.



    Die Großwetterlage über Europa mit dem markanten Trog über Großbritannien am Montag.
    Auf seiner Vorderseite wird feuchtheiße und labile Luft aus Südwesten herangeführt.


    Über dem Osten Deutschlands wird sich vor allem zu Beginn jedoch auch die Deckelung eines Höhenrückens knapp östlich von uns zeigen. Trotz hoher Energiewerte würde dann zunächst nicht viel passieren. Das dürfte auch am Montag der Fall sein. Dann steuert zwar über den Westen Deutschlands ein Randtrog, der dort für Unwetter sorgen kann, hochauflösende Modelle wie das Super HD rechnen jedoch eine sehr markante [definition=81,0]Outflow Boundary[/definition] daraus, die eine Auslöse im Osten höchstwahrscheinlich erstmal überlaufen dürfte. Sowieso wird hier tagsüber eine recht trockene Luftmasse mit in die Zirkulation einbezogen. Gewitter sind so über dem Osten zwar nicht auszuschließen, sollten jedoch etwas vereinzelter auftreten. Aufgrund der Schichtung wären im Auslösefall aber durchaus Fallböen möglich.


    Spannend dürfte dann vor allem die weitere Entwicklung in der kommenden Woche werden. Mehrere ablaufende Wellen dürften wiederholt zu Gewitterlagen über Mitteleuropa führen, möglicherweise auch mit zwischenzeitlicher Abkühlung. Bezüglich des genauen Ablaufs kann zum aktuellen Zeitpunkt aber noch keine Aussage getroffen werden. Noch schwanken die Modelle von Lauf zu Lauf sehr. Klarheit sollte sich dann im Verlauf der nächsten Woche allmählich ergeben.


    Viele Grüße
    Chris

    Mit zunehmender dynamischer Unterstützung (Tief Mitteleuropa) erhält die Lage morgen neue Brisanz. Dabei wird feuchtwarme Mittelmeerluft von Osten her verstärkt in die Zirkulation eines Randtiefs über Böhmen einbezogen. Die Hebungsvorgänge lassen sowohl skaligen Regen, als auch Gewitter zu. Besonders nach Süden zu kann dann auch gewittrig verstärkter Regen fallen. Markante Dauerregenmengen sind auch in Thüringen möglich, obwohl der Großteil sicher viel weiter südlich vonstatten gehen wird.


    Für genauere Infos fehlt mir momentan die Zeit, aber wenn jemand ergänzen möchte, darf er das gern tun.

    Habe gerade auch nur mal kurz reingeschaut. Sollte man morgen mal im Auge behalten, wir liegen vorderseitig, das Bodentief im Süden, damit rückdrehende Winde und gut [definition=95,0]Scherung[/definition]. Für Ost-TH/Westsachsen war sowas in der Konstellation immer recht förderlich. ML-CAPE geht, ganz vereinzelt, mal bis 800 hoch, sonst eher gering. Scheint also nicht ganz trivial zu sein, was die [definition=59,0]Labilität[/definition] anbelangt.


    Auslöser wäre das Tief bzw. die nördlich angebundene [definition=57,0]Konvergenz[/definition], die sich am Nachmittag ungefähr in Nord-/Südrichtung über das Land legt. Ich könnte mir ein paar wenige Zellen (Multi-/Einzelzelle) vorstellen, die ab Nachmittag entstehen. Ein oder zwei davon könnten dann auch mal etwas langlebiger sein. Aber da lasse ich mich erstmal überraschen, ob überhaupt was passiert.

    Ich bin beeindruckt!

    Interessant finde ich ja, dass die Wetterlage nun in eine niederschlagsreiche Trog-/Nordwestlage zur Winterzeit übergegangen ist. Genauso prognostizieren es ja die Klimamodelle: Die Sommerniederschläge nehmen ab, dafür nehmen die Winterniederschläge zu. So ähnlich funktionierte das ja sonst im Mittelmeerraum, wo auch die Winterniederschläge die Speicher für den kommenden Sommer wieder füllen. Wie es dort dann allerdings zukünftig aussehen wird, mag man sich gar nicht ausmalen.

    Interessant finde ich ja, dass die Wetterlage nun in eine niederschlagsreiche Trog-/Nordwestlage zur Winterzeit übergegangen ist. Genauso prognostizieren es ja die Klimamodelle: Die Sommerniederschläge nehmen ab, dafür nehmen die Winterniederschläge zu. So ähnlich funktionierte das ja sonst im Mittelmeerraum, wo auch die Winterniederschläge die Speicher für den kommenden Sommer wieder füllen. Wie es dort dann allerdings zukünftig aussehen wird, mag man sich gar nicht ausmalen.

    UPDATE: Die genaue Lage der Fronten am Abend ist noch nicht ganz klar. Fest steht, dass ab dem Mittag von Westen her verstärkt Regen aufzieht. Später könnte dann eine regenfreie Zone von Süden her eine "Delle" im Regengebiet hinterlassen - das wäre dann der Bereich, in dem der Warmsektor entsteht und sich etwas nach Norden vorarbeitet, bevor die Kaltfront hinter dem Tiefzentrum die Zone eilig wieder nach Süden zurückdrückt.


    Nach aktuellem Stand (Rapid Update HD 06z) würde der Scheitelpunkt etwa bis mindestens zur Mitte oder sogar bis in den Norden Thüringens reichen, wobei etwa 16 - 17 Uhr die Warmluft ihren nördlichsten Punkt über Thüringen gefunden hat. Die Kaltfront sollte sich ebenfalls bereits ab dem Mittag mit starken Schauern / Gewittern über Belgien bemerkbar machen. Die Lage der Konvektion im Nowcast könnte bereits Indizien dafür liefern, wieweit die [definition=59,0]Labilität[/definition] vor der Kaltfront wirklich nach Norden ausgreift. Die Gewitter ziehen dabei zunächst von West nach Ost und sollten dann sowohl in Richtung Okklusionspunkt, als auch nach Südwesten hin anbauen, sodass irgendwann am Abend eine nahezu geschlossene Linie von Frankreich bis zum Tiefzentrum entstanden sein sollte.


    Wer beobachtet, sollte sich der Gefahr durch Wind bewusst sein. Vereinzelt sind schwere Sturmböen oder sogar orkanartige Böen an der Kaltfront möglich, die Bäume sind durch die Trockenheit geschwächt, aber zum Teil noch belaubt. Fototechnisch könnte es vor der Linie kurzzeitig interessant werden, wenn eine sehr tiefhängende [definition=17,0]Böenwalze[/definition] über das Land zieht. Andererseits könnten aber Nieselregen und tiefe Wolken jegliches Fotomotiv versauen. Entsprechend muss jeder selbst wissen, ob es sich lohnt, sich ein erhöhtes Plätzchen zu suchen. In jedem Fall wird die [definition=16,2]Böenlinie[/definition] ein sehr kurzes Vergnügen. Der schmale Schauer-/Gewitterstreifen mit Starkregen wäre in etwa 5 - 10 Minuten durch, bevor dann hinter der Kaltfront / im Trogbereich neuer Regen aufzieht.

    Pünktlich zum Herbstanfang steht - überspitzt formuliert - die erste wirklich interessante Lage seit April an. Die Kernsaison war ja in diesem Jahr, von wenigen, lokalen Ausnahmen abgesehen, für Storm Chaser und Wetterbegeisterte wie ein zweiter Winterschlaf, nur mit Hitze und beispielloser Dürre. :n8:I


    Nun denn: Es wirkt so, als möchte Petrus ein Trostpflästerchen für Hitzegeplagte, Herbst- und Regenliebhaber servieren. Gewitter für alle sind damit gar nicht mal gemeint, vielmehr handelt es sich um die Kombination eines interessanten synoptischen Gebildes über Deutschland, welches man in dieser Form hier seit Ewigkeiten vermisst hat, mit den zugehörigen Auswirkungen, die sich je nach Region in flächendeckendem(!) Regen, Sturm und / oder Gewitter äußern können. Das zeitliche Fenster umfasst ungefähr den Sonntag und die Nacht zum Montag, wobei hier noch große Unterschiede zwischen den Modellen im genauen Ablauf bestehen.


    Spannend wirkt bereits die synoptische Ausgangslage: Mitten auf dem Atlantik liegt eine sehr markante Luftmassengrenze (LMG), wie sie jahreszeitlich begünstigt wohl häufiger auftritt, in diesem Jahr aber wohl durch die großen Temperaturunterschiede zwischen Arktis und südlichem Atlantik noch verstärkt wird. Diese konnte sich durch wochen- und monatelange ähnliche Witterungsverhältnisse in diesen Regionen entsprechend gut ausprägen, sodass es mich nicht wundern würde, wenn der ein oder andere Herbststurm später noch nachlegt.


    Darüber hinaus ist die Ausdauer der LMG über dem Atlantik beeindruckend, ist man es doch sonst eher gewohnt, dass so "weit draußen" schon Zyklogenese (Intensivierung der Tiefs) stattfindet. Doch die Zone mit dem markanten Kontrast in der äquivalentpotentiellen Temperatur liegt weitgehend strömungsparallel in einer strammen Westströmung, die nun hinter der heute Abend durchziehenden Trogachse (endlich) bis nach Mitteleuropa reicht. Das bedeutet, dass subtropische Luftmassen, die ursprünglich wohl in der Golf-Gegend gelegen haben müssen, fast unbeeinflusst bis nach Mitteleuropa vordringen können. Entsprechend energiereich und feucht sind diese Luftmassen auch noch.



    Luftmassengrenze und Wellentief, Samstag 2 Uhr auf dem Atlantik vs. Sonntag 14 Uhr über Deutschland


    Doch zurück zum eigentlichen Geschehen:


    Am Samstag werden wir zunächst einmal die am Freitag mit der Kaltfront eingeflossene, kühle Polarluftmasse genießen können. Dabei sind durchaus auch mal ein paar freundliche Abschnitte möglich. Schauer bleiben die Ausnahme. Zum Abend kommt dann [definition=116,1]WLA[/definition] aus Westen in Gang, d.h. die typischen (leichten) Aufgleitniederschläge an einer Warmfront beginnen und halten die Nacht zum Sonntag über an.


    Am Sonntag beginnt der interessante Teil. Auflockern würde es nach aktuellem Stand dabei in unserer Region nur wenig bis gar nicht, die Warmluft kann sich zumindest am Boden kaum bei uns durchsetzen. Im Süden Deutschlands dürfte sie aber Fuß fassen können und bei Temperaturen bis 25°C, Warmsektor-Sturm und Taupunkten bis an die 17°C ist karibisch anmutendes Hurrikan-Feeling light angesagt. Weiter nördlich (also voraussichtlich unsere Region) kommen durch die Zyklogenese und den sich in seiner Amplitude ausweitenden Trog immer mehr Hebungsprozesse in Gang, sodass sich der Regen am Nachmittag und Abend erneut verstärkt und später auch in waschechten Starkregen übergehen kann (30-40 mm wären denkbar!).


    Spätabends würde dann das Finale ins Haus stehen. Durch den Einbezug labiler Luftmassen (ein paar wenige hundert J/kg ML-CAPE genügen bei dieser Dynamik) im unmittelbaren Vorfeld der Kaltfront könnte es im Süden bis etwa in die Südhälfte Thüringens zur Ausbildung einer Gewitterlinie (Squall line) kommen, wie es auch vom hochaufgelösten Super HD (kachelmannwetter.com) gezeigt wird. Es bedarf dazu auch keiner zusätzlichen Einstrahlung. Für einige könnte sich der Ablauf also auch so gestalten: Regen > mehr Regen > kurzzeitig weniger Regen mit Warmlufteinschub > starkes Gewitter. Ich denke, ich brauche kaum zu erwähnen, dass mit einer solch wetteraktiven Kaltfront auch Sturm oder vereinzelt schwerer Sturm einhergehen kann.


    Auch dahinter bleibt es noch eine Weile stürmisch, im Trogbereich fällt auch noch etwas Regen in der Nacht zum Montag. Dort, wo es bereits aufklart, wird es empfindlich frisch.


    Ergänzende Karten zu Temperatur, Spitzenwind und Gesamtniederschlag (GFS):




    (Quelle aller Karten: www.wetterzentrale.de)


    Grüße
    Chris

    Wieder eine Phase zum Durchlüften, da kann ich auch mal wieder ein paar Links aussortieren, die sich zwischendrin so angesammelt hatten.


    Auf dem Höhepunkt der Dürre in Sachsen-Anhalt:


    https://www.mz-web.de/wirtscha…pielloser-duerre-30981520


    Nach englischsprachigen Seiten hatte ich auch mal gestöbert (Achtung: Es müsste "drought" statt "heatwave" heißen!):


    https://www.agweb.com/article/…ining-this-years-harvest/
    https://www.dw.com/en/the-glob…een-killing-us/a-44699601


    Den letzten Artikel gibt es natürlich auch in Deutsch:


    https://www.dw.com/de/die-hitz…-bringt-uns-um/a-44724369



    Alles schon dagewesen... ein Artikel von 2014 über die Jahrtausenddürre 1540:


    https://www.welt.de/geschichte…s-Europa-verdurstete.html


    Vier Jahre nach dem Artikel drängt sich also wieder eine Dürre auf. Dabei muss man bedenken, dass wir heute viel bessere Möglichkeiten haben, Nahrung anzubauen und Waldbrände zu bekämpfen. Zudem existieren heute andere Messmethoden. Insofern kann man die Situation mit 1540 sicher nur bedingt vergleichen.


    Dürfte bekannt sein, war aber noch kein Thema im Thread:


    https://www.tagesspiegel.de/we…r-kontrolle/22819856.html

    Wieder eine Phase zum Durchlüften, da kann ich auch mal wieder ein paar Links aussortieren, die sich zwischendrin so angesammelt hatten.


    Auf dem Höhepunkt der Dürre in Sachsen-Anhalt:


    https://www.mz-web.de/wirtscha…pielloser-duerre-30981520


    Nach englischsprachigen Seiten hatte ich auch mal gestöbert (Achtung: Es müsste "drought" statt "heatwave" heißen!):


    https://www.agweb.com/article/…ining-this-years-harvest/
    https://www.dw.com/en/the-glob…een-killing-us/a-44699601


    Den letzten Artikel gibt es natürlich auch in Deutsch:


    https://www.dw.com/de/die-hitz…-bringt-uns-um/a-44724369



    Alles schon dagewesen... ein Artikel von 2014 über die Jahrtausenddürre 1540:


    https://www.welt.de/geschichte…s-Europa-verdurstete.html


    Vier Jahre nach dem Artikel drängt sich also wieder eine Dürre auf. Dabei muss man bedenken, dass wir heute viel bessere Möglichkeiten haben, Nahrung anzubauen und Waldbrände zu bekämpfen. Zudem existieren heute andere Messmethoden. Insofern kann man die Situation mit 1540 sicher nur bedingt vergleichen.


    Dürfte bekannt sein, war aber noch kein Thema im Thread:


    https://www.tagesspiegel.de/we…r-kontrolle/22819856.html