Beiträge von Chris

    Hallo Oliver,


    das ist wirklich sehr schlimm, was dort passiert. Nicht nur der Waldbrand an sich, sondern auch die Fläche der inzwischen abgestorbenen Fichtenmonokulturen dort finde ich erschreckend, um nicht zu sagen apokalyptisch.


    Ich hoffe für euch und die Einsatzkräfte, dass in den nächsten Tagen mal ein heftiger Regenguss niedergeht und das Löschen zumindest etwas erleichtert. Langfristig hoffe ich natürlich, dass der Waldumbau gut voranschreitet und er Stück für Stück widerstandsfähiger gegen die derzeit vorherrschenden Witterungen wird.

    Hallo zusammen,


    nachdem ich vergangene Woche schon die deprimierenden Dürrebilder aus der Hainleite im LIVE-Thread gepostet habe, möchte ich diese Woche zur Abwechslung noch etwas Erbauliches zeigen.


    Seit meiner Rückkehr nach Leipzig letzten Sonntag konnte ich mich hier mit dem Leipziger Sommer 2022 aussöhnen, so als möchte er auf den letzten Metern beweisen, dass er eben doch keiner vom Typus 2018 ist. Dabei war die Erwartungshaltung, in diesem Sommer tatsächlich noch einmal nennenswerte Niederschläge zu erleben, auf nahe Null gesunken. Doch gemäß Murphys Gesetz, regnet es in solchen Fällen dann eben doch...


    Das begann bereits am Donnerstag, dem 18.08., als spätabends ein etwa vierstündiger, konvektiv verstärkter und sehr ergiebiger Regen einsetzte. Dieser brachte dann vielerorts in der Umgebung schon Summen > 20mm. Am Samstag fielen dann in meiner Abwesenheit weitere nennenswerte Niederschläge. Als ich am Sonntag, der bereits wieder Sonnenschein und Hochdruck brachte, schließlich zurückkehrte, standen immer noch Pfützen der Vortage auf den Straßen:



    Der Anblick grünen Grases ist mit der zunehmenden Trockenheit seit 2018 im Sommer hier zu einer Rarität geworden. Das Absterben beginnt dabei nach einem noch relativ grünen Mai in der Regel ab Juni, wenn zur Dürre noch die Hitze kommt. Lediglich 2021 bildete hier eine radikale Ausnahme...


    ... und die zweite Augusthälfte 2022 ...



    Im Schatten haben also nur wenige Tage ausgereicht, um das Gras wieder großflächig sprießen zu lassen. Direkt an der Hauswand (weiter hinten im Bild) blieb es zunächst weiter stark verdorrt.

    Zwar regnete es auch im Juli zweimal nennenswert, das reichte aber in Verbindung mit der großen Hitze und der starken Sonneneinstrahlung nicht, um das Pflanzenwachstum wieder nennenswert anzukurbeln.


    Dienstag war das Gras in der Morgensonne schon wieder etwas weiter gewachsen, auch auf sonnenbeschienenen Stellen:



    Vielleicht leide ich unter Grün-Sucht, doch die Faszination der nach der Dürre erwachenden Natur löste in mir das Verlangen aus, tägliche Parkspaziergänge wieder aufzunehmen, die ich im Hochsommer aufgrund von Krankheit, Dürre und ständigen (Schwer-)Hitzewellen einstellte.


    Schließlich gab es am Freitag in der Stadt ein kurzes Gewitter mit weiterer Sickerpfützenbildung und einer Luftfeuchtigkeit, wie es sie in diesem Jahr noch nicht gab. Die Taupunkte kletterten über die 20°C-Marke. Eine kleine Fahrradtour durch den Leipziger Auenwald entwickelte sich zur Fahrt durch einen sumpfig-nebligen Märchenwald. Trotz der Schwüle empfand ich die Luft aber nicht als unangenehm. Zum einen war es nach dem Gewitter leicht abgekühlt, zum anderen trat ich nur sehr langsam in die Pedale, um die vielfältigen Eindrücke aufnehmen zu können.


    Allein der Geruch des feuchten, morastigen Erdbodens unterschied sich von den Eindrücken der Wochen zuvor ungemein. Mit einer gewissen Sensibilität für die Natur konnte man "fühlen", dass der Boden wieder vermehrt arbeitet. Dazu war es unheimlich ruhig für eine vielbefahrene Fahrradstrecke. Kaum eine Menschenseele traute sich nach dem Regen wieder ins Freie, vielleicht aufgrund der Sumpfmonster, die jederzeit aus den Büschen hätten springen können...



    Selbst der Clara-Zetkin-Park war kaum von Homo sapiens bevölkert. Stattdessen wuchsen die ersten Pilze aus dem Boden:



    Am heutigen Samstag begab ich mich dann zu "KlimaFair" auf dem Leipziger Marktplatz und traf dort Christoph, Karsten und Janek - wobei Karsten selbst zur Podiumsdiskussion auf der Bühne eingeladen war. Außerdem sprach ich nach einem ergiebigen Mittagessen in der Pizzeria nebenan mit einigen Gruppen, die dort Stände aufgebaut hatten. Hier zeigte sich an einigen Besuchern wieder, wie sehr man der Schwurbelei um einige Klimathemen als wissenschaftlich interessierter Mensch entgegen treten muss.


    Am Greenpeace-Stand verweilte ich etwas länger, da passenderweise der nächste, etwa eine Stunde anhaltende wolkenbruchartige Regen einsetzte und mein Schuhwerk komplett durchnässte. Die Feuerwehr rückte bereits aus. Es fielen noch einmal etwa 15 mm an einem überwiegend bewölkten, immer noch recht schwülen Tag.


    Der Johannapark war nun kaum wiederzuerkennen mit frischem Grün und Pfützen - die hellgrünen Bäume scheinen wohl Neophyten zu sein, die die Dürre fast unbeschadet wegstecken. Allerdings bin ich da auch noch am Lernen, was es für Arten gibt und wie diese bei zukünftig immer längeren Dürreperioden als Bepflanzungsalternative Sinn machen.



    Am Ende lugte noch einmal die Sonne hervor und zauberte eine schöne Stimmung:



    Da sich der meteorologische Sommer dem Ende zuneigt, ist mit den Regenfällen (Gewitter sind in diesen Zeiten zur Nebensache geworden) nochmal ein versöhnlicher Abschluss gelungen.


    Letztlich darf diese oberflächliche Befeuchtung jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, wie sehr die Natur (v.a. Bäume) immer mehr unter den Zuständen leiden. Mit den zunehmend ausbleibenden Ernten weltweit sind wir in eine neue kritische Phase unseres Verhältnisses mit der Natur eingetreten. Wie dieser Umstand von der Gesellschaft immer noch zu großen Teilen ignoriert werden kann, ist meines Erachtens nur mit einer Transformation der meisten Menschen in seelenlose Zombies (z.B. durch das Coronavirus) zu erklären. Somit werden vielleicht auch andere Entwicklungen in der Welt wieder verständlich.


    Nun freue ich mich jedoch erstmal auf den September, der hoffentlich einige Wanderungen bei wieder angenehmeren Temperaturen zulässt und nicht zuletzt mit der großen TSC-Jubiläums-Convention aufwartet.


    Viele Grüße

    Chris

    In der Hainleite hat die Dürre inzwischen auch wieder ein erschreckendes Ausmaß angenommen. Ich war heute mal auf einer kleinen Wanderung ums Eck bei meinen Eltern.


    Im Kiefernwald am Südwesthang nähern wir uns Jahr für Jahr immer mehr dem kompletten Kahlschlag:




    Aber auch die Buchen leiden und regelmäßig bricht was Großes ab:



    Jungbäume ließen fast durchweg die Blätter hängen bzw. waren diese zum Teil schon gelb, nur bei den jungen Ahörnern schien es etwas besser zu laufen. An schattigen Plätzchen am Nordhang sah zumindest der Unterwuchs der Sträucher und Gräser noch halbwegs vital aus.


    Unverständlich für mich auch, warum man rund um das Rondell zahlreiche Bäume entfernt hat. Die Buchen, die vor der eigentlichen Aussicht mittlerweile wachsen, lässt man aber stehen.



    Wenn man die Gegend wie seine Westentasche kennt, wirken die Veränderungen gleich nochmal dramatischer. Man sehnt sich einfach nach kräftigem Dauerregen über Monate und Jahre hinweg...


    Viele Grüße

    Chris

    16,2h Belichtungszeit, die über 7 Nächte verteilt gesammelt wurden.

    inklusive Augenringe, Schlafentzug, genervt vom Wetter sein usw. usw. 😅🤣

    Das verdient abseits eines einfachen "Herzchen"-Likes nochmal Anerkennung in Form eines Kommentars! ;)

    Schöner Einblick in unseren Kosmos, wie man ihn sonst nur selten zu sehen bekommt! Stunning Image!

    Vielen Dank für diesen ansprechenden und ausführlichen Bericht! Die Ablichtung der Blitze und der nächtlichen Shelfcloud ist dir gelungen!


    Mit diesen Systemen ist es wirklich so eine Sache... kleine Unwägbarkeiten können die ganze Lage zu Fall bringen und in der Tat sah es zwischenzeitlich ganz danach aus (vorlaufende Bewölkung / Regen, ein schwacher Push durch das ausgebliebene Bow Echo im Süden), aber letztlich hat sich das System oder viel mehr Komplex (vermutlich reicht es für die Kriterien eines MCC) im Laufe der Nacht immer besser durchorganisiert - mit einigen Auf und Abs, bis es letztlich so gekommen ist, wie es vor allem das ICON D2 im Detail schon prima erfasst hat. Solche präzisen Vorhersagen wären vor Jahren für uns noch undenkbar gewesen!


    Entscheidend schien mir hier das Rückdrehen des Windes auf Nordosten auf breiter Fläche vor dem sich ausprägenden Mesotief und (für die fotogene, tiefe Shelfcloud) auch die hohen Taupunkte. Ich denke, hier hat es der Komplex auch aufgrund seiner unfassbaren Größe (in dieser Ausdehnung in Deutschland extrem selten) fertig gebracht, noch sehr viel Restenergie aus Osten anzusaugen.

    Ja, das war wirklich ein Biest. So etwas hatte man 2020 in dieser Gegend komplett vermisst.


    Ich weiß, es ist in der Hektik immer nicht ganz einfach und man weiß auch eigentlich gar nicht, wo man hinschauen soll... aber du solltest versuchen, beim nächsten mal die Kamera noch etwas ruhiger zu halten. So haben die Zuschauer dann gleich noch einen besseren Eindruck vom Gesamtgeschehen. Am besten tief einatmen dabei. ;)

    Damit es nicht untergeht: Gerade kam bei uns im Discord / Shoutbox die Frage auf, wie sich der diesjährige April eigentlich in die anderen Jahre mit sehr warmen Aprilmonaten einreiht. Dabei stellten wir u.a. fest, dass die Natur längst noch nicht so weit ist. Während in den anderen Jahren die allermeisten Bäume bereits ihr grünes Blätterdach Ende April entfaltet hatten, sieht man jetzt gerade die Anfänge davon (Kastanie, usw.) und auch der Raps beginnt gerade erst zu blühen.


    Das war man aus den vergangenen Jahren nicht mehr gewohnt, die immer weit positive Abweichungen der Temperatur brachten. Karsten brachte daher die Jahre 1977 und 1973 ins Spiel, als die Aprilmonate ähnlich kalt waren. Klimawandelbereinigt würde sich so ein "Einmal in 100 Jahren" oder sogar "Einmal in 200 Jahren" Ereignis ergeben.


    Auch mit Hinblick auf die Extreme im Februar waren wir dann bei meiner Frage stehen geblieben, ob dabei schon die Zunahme der Extreme berücksichtigt ist, d.h. ob wir nicht solche (anhaltenden) Kaltlufteinbrüche in den Frühjahrsmonaten (besonders Feb-Apr) auch in Zukunft immer noch recht häufig erleben werden, kompensiert allerdings durch dann noch häufigere und viel wärmere Frühlingsmonate.

    Neues von Mike Olbinski:

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    Erfrischend andere - auch musikalische - Darbietung ohne gleich den "super epischen Katastrophenfilm-Effekt" zu erzwingen.

    Hallo zusammen,


    ich habe heute vor allem die Aufgabe des Botschafters, denn meine Eltern in Sondershausen hatten die Nase vorn bei den Schneehöhen, sind doch dort nochmal (im Schnitt) gut 10 cm mehr gefallen als in Leipzig, was in Summe irgendwas zwischen 30 und 40 cm sein dürften. Aufgrund der Verwehungen ist das etwas schwer zu schätzen.


    Trotzdem war es natürlich auch hier in Leipzig ein besonderes Event, Leute sind mit Skiern die Straße entlang gelaufen und der Winterdienst war seit Samstagabend unermüdlich im Einsatz - am ehesten vergleichbar mit dem Schneefallevent 2010 in Leipzig (Sturmtief "Daisy").


    In Sondershausen jedoch wäre es wohl, wäre ich dort gewesen, das wohl heftigste Schnee-Event zu meinen Lebzeiten geworden. Anbei ein paar Eindrücke von meinen Eltern, die so etwas auch nur noch aus fernen Kindheitstagen in Erinnerung haben:





    Nebenstraßen blieben bis in den Nachmittag unberäumt. Hier fuhr heute zum Montag auch niemand weg. Zitat von meinem Vater: "Einer hat es versucht und der steht jetzt auf der Kreuzung."



    Die Hauptstraße war beräumt, aber gleicht einem Bild wie man es aus fernen Weltregionen, dem Hochharz oder von hier vor 100 Jahren kennt. Leute laufen auf den Straßen, da die Gehwege dicht sind und nur ab und zu mal ein Auto:



    Da der Parkplatz vom Supermarkt komplett vom Schnee bedeckt war, war meine Mutter, die gelaufen ist, auch die einzige Kundin im Laden. Warenangebot war bis auf ganz frische Sachen aber da.


    Die Treppe, die ich gestern postete, war dann heute gar nicht mehr zu erkennen:



    Von meinem Vater vor der Garage gemessen:



    Etwas Licht zum Abschluss - so ähnlich hatten wir es in Leipzig später auch und noch feine Eisnadeln dazu:



    Ich selbst wäre gern in der Heimat gewesen, nicht nur wegen der Schneemengen, sondern auch aufgrund der tollen Stimmung in ländlichen Regionen, die dann noch einmal viel stiller und ruhiger wirkt als unsere hektische Großstadt.


    Viele Grüße

    Chris

    Es gibt neuen Lesestoff. Das Grünbuch 2020 zur Öffentlichen Sicherheit ist im Dezember erschienen. In dem vom gleichnamigen, überparteilichen Verein erschienenen Dokument, werden grob gesagt drei wesentliche Themen behandelt, die aktualitätsbezogener kaum sein könnten: Klimawandel, Pandemien und Cybersicherheit:


    201130_Gruenbuch_2020_digital-BF.pdf


    Insbesondere der Abschnitt zum Klimawandel und das gezeigte Beispielszenario einer mehrjährigen Dürre in Deutschland (S.10 ff.) sollten für diesen Thread relevant sein. Hier wird erstmals anschaulich beschrieben, welche individuellen und gesellschaftlichen Folgen ein solches Szenario nach sich ziehen kann. Es tauchen bereits bekannte Fakten und aus den vergangenen Jahren bekannte Geschehnisse und ebenso Parallelen zu aktuellen Pandemie-Maßnahmen auf.


    Höchst interessant sind solche Fallbeispiele auch deshalb, da leicht Rückschlüsse auf mögliches staatliches und gesellschaftliches Handeln gezogen werden kann. So ist man im Falle des Falles auf ähnliche Vorkommnisse in der Zukunft zumindest gedanklich schon vorbereitet. Ich empfehle, sich das Szenario einmal in Ruhe durchzulesen. Ich weiß, viele haben derzeit genug von schlechten Nachrichten, aber lieber auf diese Art und Weise sachlich vorab informieren, als am Ende unangenehm überrascht werden.