Beiträge von Chris

    Ich habe mich mittlerweile damit abgefunden, dass sich die Wälder in Sachsen nicht mehr regenerieren werden. Während es in Thüringen im Juni vielleicht noch ausreichend geregnet hat, kam weiter östlich davon kaum etwas an.


    Es ist das dritte Jahr in Folge, in der sich die außergewöhnliche Dürre hier nicht richtig erholen kann:


    Dürremonitor Deutschland - Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ


    Was die Auswirkungen angeht, verweise ich hier nur auf Christophs Bericht aus Halle: Wetterzentrale Forum :: Bilder und Videos :: Dürrefolgen in Halle am Galgenberg - 19.07.2020


    Das ist kein rein lokales Ereignis. Es gibt zahlreiche Gebiete in der Region, die diese schweren sichtbaren (!) Schäden aufweisen. Auch in den Wäldern, in denen es oberflächlich betrachtet noch halbwegs grünes Blätterdach hat, fallen immer wieder einzelne komplett abgestorbene Bäume oder zumindest abgestorbene Äste auf. Von den Straßenbäumen brauchen wir gar nicht sprechen. In den kommenden Jahren werden mit Sicherheit weitere Waldareale großflächig folgen, wenn kein Wunder passiert.


    Klimatisch gesehen befinden wir uns seit 2018 im Steppenklima (300 - 450 mm Niederschlag pro Jahr). Leipzig meldet


    2018: 337,5 mm - Wetter - Klima - aktuell

    2019: 394,7 mm - Wetter - Klima - aktuell

    2020: 208,2 mm bis 30.06.


    Unter diesen Umständen muss man wohl das bittere Fazit ziehen, dass der Wald hier, so wie wir ihn kennen, dem Untergang geweiht ist. Mal abgesehen davon sinken die Grundwasserstände unaufhörlich. Der Kampf ums Wasser hat längst begonnen und wir sollten begreifen, dass das erst der Anfang ist.

    Quick Nowcast Facts - Update 16 Uhr


    Thüringen liegt bislang offenbar teilweise unter Absinken, sodass die Energie nur örtlich verbraucht wurde. Lediglich eine Zelle bei Triptis war etwas stärker. Im Harz sind auf der niedersächsischen Seite schwere Gewitter entstanden, die - relativ ortsfest - viel Regen gebracht und für lokale Überflutungen gesorgt haben sollten. Das Gleiche gilt für das östliche Sachsen-Anhalt - auch hier besteht gerade akute Unwettergefahr.


    Die Outflow Boundary dieser Entwicklung über Sachsen-Anhalt dürfte bald auch weiter südlich für zunehmende Konvergenz sorgen. Sollte es dort ebenfalls zu solchen starken Entwicklungen kommen, könnte die nächste Welle am Abend auch in Thüringen noch für Auslöse sorgen.


    In dem neuen Lauf von COSMO wird so etwas angedeutet, sowie weitere Entwicklungen vom Erzgebirge über Mittel- und Westsachsen ausgehend, die ebenfalls nochmal triggern könnten. Insgesamt ist aber alles weiterhin Nowcast und es bleibt abzuwarten, inwieweit und vor allem wann die Energie abgeräumt wird.

    Quick Nowcast Facts


    +++ überall kräftige Einstrahlung und bereits Quellwolkenentwicklung +++ von Osten / Nordosten Zustrom sehr feuchter Luftmassen mit Taupunkten über 20°C in Polen +++ denkbare Aktionszentren der nächsten Stunden:



    +++ einerseits Orographie (ThW, Harz, Erzgebirge) sowie direktes Vorland +++ Inversion im Meiningen Sounding 00z zu erkennen - könnte Konvektion in Thüringen vorerst limitieren +++ Konvergenz nördlich Erzgebirge durch Windpfeile zu erkennen +++ kräftige Outflow Boundary über mittlerem Sachsen-Anhalt durch Vormittagsgewitter im Norden +++ EML im Prag-Sounding und Castellani weisen auf Hagelgefahr hin +++ nicht zu unterschätzen sind auch rotierende Aufwinde am Westende von Clustern (siehe COSMO über Sachsen-Anhalt) +++

    Das Frühjahr 2020 war das sechsttrockenste seit 1881:


    Tatsächlich zeigt der ECMWF 46-Tage-Trend (geht heute bis 24.07.2020) mehr als den durchschnittlichen NIederschlag. Das klingt regelrecht fremd nach den letzten beiden Jahren.

    Diese Grafik finde ich interessant. Es scheint so zu sein, dass der Zeitraum 1961 - 1990 offenbar zufälligerweise einer der feuchtesten Zeiträume in Deutschland war, was die Frühjahrsniederschläge angeht. Das sollte man bei den zukünftigen Abweichungen vom Mittelwert wohl auch immer im Hinterkopf behalten. So feucht, wie die Landwirtschaft den Frühling gern hätte, ist er hierzulande oftmals gar nicht, was aufgrund der stark meridional geprägten Zirkulation durchaus plausibel ist.


    Das bedeutet auf der einen Seite, dass wir uns aktuell auf lange Sicht noch "im Rahmen bewegen". Da einige regionale Untersuchungen aber schon gezeigt haben, dass durch den Klimawandel bedingt die Frühjahre in Deutschland noch trockener werden, könnte es aber auch bedeuten, dass wir so "richtig trockene" Frühjahre noch gar nicht gesehen haben...

    Morgen mehren sich zumindest laut Rapid HD die Gewittersignale noch etwas.


    Da schwenkt dann zur günstigen Nachmittagszeit die Trogachse des Langwellentrogs (!) durch, entsprechend ist es in der Höhe nochmal ca. 3K kälter und die Hebung stärker.


    +++ Am Vormittag zunächst eher stabiles Gewölk, aber auch schon konvektiv durchsetzt (Starkregenschauer) +++ Nachmittags Winddrehung auf NW und übergehend in Schauer-/Gewitterstaffeln an der Troglinie +++

    Mit der Trockenheit habe ich mich an sich noch nicht wieder allzu sehr beschäftigt aufgrund des alles überragenden Coronavirus-Themas in den letzten zwei Monaten, bin aber gestern auch in diesem Zusammenhang wieder darauf aufmerksam geworden.


    Seit einer Woche geht es wieder rückwärts, was die Erholung der tiefen Bodenschichten betrifft - leider. Noch können viele Pflanzen von den oberflächlichen Wasservorräten der vergangenen Monate zehren, was in Kombination mit den frühlingshaften Temperaturen einen ordentlichen Vegetationsschub ergibt. Der April macht seinem Namen wieder alle Ehre - wo er früher allerdings mit wechselhaftem und zeitweilig kühlem Wetter assoziiert wurde, ist die Bedeutung heute jedoch "warm und trocken" - der April macht, was er will, hat sich aber mittlerweile zur Ruhe gesetzt und macht daher immer nur das Gleiche.


    Das Frühsommer-Muster wird sich aber voraussichtlich erst im Mai wieder andeuten, so lehrt es zumindest die Erfahrung der letzten drei Jahre. Allein statistisch ist ein trocken-heißer Sommer aber schon ziemlich wahrscheinlich. Das Niveau der Jahre 2018 / 2019 werden wir zukünftig wohl nur noch ausnahmsweise unterbieten.


    In Anbetracht der Gesamtsituation sinkt unser Lebensstandard in dieser Zeit nun offenbar - die Natur zwingt uns mit dem Doppelschlag Pandemie + Klimawandel allmählich in die Knie. Besonders die alten Leute haben es sehr schwer, denn wenn sie nicht ohnehin aufgrund des Virus in ihren Häusern bleiben sollen, könnte es im Sommer wieder oder sogar zusätzlich die Hitze sein, die ihr Leben gefährdet. Unberücksichtigt bleibt auch noch, inwiefern die Waldbrände im Sommer den Lungen der Menschen zusetzen und sie damit einer zweiten Infektionswelle gegen das Coronavirus im Herbst weniger entgegenzusetzen haben, aber das bleibt pure Spekulation.


    Um nicht allzu pessimistisch zu enden, sei ein Blick auf das NOAA CFS gestattet, das momentan nur leicht überdurchschnittliche Temperaturen und mittlere Niederschlagssummen prognostiziert: https://www.cpc.ncep.noaa.gov/…v2/htmls/euPrece3Mon.html


    Bekanntlich kann man da aber wahlweise das NOAA CFS nehmen oder würfeln - es zeigt aber zumindest, dass auch halbwegs moderate Sommer zum Durchschnaufen nicht völlig ausgeschlossen sind.

    Bevor es dann endgültig ins neue Jahr geht, möchte ich noch ein paar Aufnahmen aus 2019 einstellen. Am Morgen des 05. August machte ich ein paar schnelle Fotos von eher unbedeutendem [definition=32,1]elevated[/definition] Kram (Schauer).




    EDIT by MOD: Leerzeichen zwischen den Bildern eingefügt

    Hallo zusammen,


    der August brachte nochmal einige Gewitter, allerdings nahm die Anzahl der Statistikgewitter für Leipzig deutlich zu. Das bedeutet, es gab vermehrt Schauer mit einzelnen Entladungen oder in einiger Entfernung vorbeiziehende Gewitter.


    Auch der Abend des 18.08. sollte mit kräftigen Schauerzellen (mit vereinzelten Entladungen) beginnen. Mit einer schönen Höhenströmung, die man im vorigen Jahr so schmerzlich vermisst hatte, zog eine Zelle von Südwesten einmal quer über die Stadt. Vom Fenster aus konnte ich gut den Niederschlagskern beobachten:





    Danach näherte sich noch eine kräftige Linie, die uns nur streifen sollte. Viele Blitze versteckten sich im Niederschlag, waren weiter entfernt oder wollten nicht so recht aufs Bild. Die Lage war kaum mit den richtig kräftigen Gewittern im Juni und Juli hinsichtlich Wind, Starkregen oder Blitzfrequenz zu vergleichen.




    Doch es wurde besser.



    Das Highlight des Tages war dann wohl der Abzug der Linie. Die Blitzfrequenz nahm noch einmal zu und viele Crawler zeigten sich am Himmel. Einige waren ziemlich gut sichtbar und ich bannte sie auf den Chip meiner Sony.





    Insgesamt war es diesmal ein doch eher kurzes Unterfangen, bei dem sich aber der Ausblick wieder gelohnt hat.


    Viele Grüße
    Chris