Beiträge von KarSteN

    vielleicht mal ne klitzekleine Zwischenbilanz des bisherigen Monats, nachdem die letzten 7 tage stellenweise massive Regenmengen gebracht haben. Dementsprechend lokale Entspannung der Dürreproblematik, jedoch andernorts aufgrund der Zufälligkeit des Regens weiterhin katastrophale Bedingungen, insbesondere Nordthüringen bis Leipzig (und stellenweise Westsachsen plus südlich des Thüringer Waldes)


    https://kachelmannwetter.com

    Update Dürremonitor:
    SM_Lall_aktuell.png

    Ja, wässert denn die Stadt nicht?


    Das machen andere Städte doch auch...man muß schon was tun, wenn man nicht alle Gehölze verlieren will.


    Die Bäume sind doch ein wichtiger Teil zur Erhaltung des Stadtklimas. Sie kühlen ...die kann man doch nicht so vernachlässigen. Ich finde, die Stadt sollte mehr Verantwortung zeigen und Bäume nicht als etwas selbstverständliches hinnehmen.


    Junge Neupflanzungen werden gewässert (teils von der Stadt, teils von den Wohnungsgesellschaften). Altbäume kann man nicht wirtschaftlich bewässern, da es aber-Millionen von Litern von Wasser bräuchte. Das kann keine Stadt der Welt leisten. Dürre ist der Killer und man kann so gut wie nichts dagegen tun. Traurig, aber wahr.

    Berlin sieht übrigens auch an vielen Stellen ziemlich übel aus was jüngere Baumbestände angeht.

    Durch den Kaltlufteinbruch und die sehr kalten Nächte bei bereits sehr sehr weit fortgeschrittener Vegetationsentwicklung vermelden die Thüringer Weingüter aus Bad Sulza,Kaatschen und Jena erhebliche Frostschäden an den Weinstöcken! Die Ernte wird daduch vermutlich heuer sehr mager werden,zumal auch etliche Blütenansätze erfroren sind.Es ging ja teilweise bis auf Minus 6 Grad herunter


    Der 6.5. ging ja bereits tiefer in den Frostbereich als der Kaltlufteinbruch Anfang Mai 2019. Der Dienstagmorgen hat dann nochmal einen drauf gesetzt. Da es mindestens ein 1-in-50 (würde schätzen sogar 1-in-100 Jahre) Event war, ist es eigentlich kein Wunder, dass es solche Schäden seit 50 Jahren nicht gegeben hat. Wenn man bedenkt, dass die Maxima auch schon Richtung 34-35°C gehen könnten (wenn wir das umgekehrte Extrem hätten), dann sind 40K weniger schon eine krasse Hausnummer für Mitte Mai.

    Wenn meteorologische oder auch klimatologische Geschichte geschrieben wird, ist es immer ein besonderer Tag. So wie auch gestern. Die Jagd nach neuen Temperaturrekorden in Westdeutschland und Westeuropa erreichte gestern ihr Maximum. Schon ab 14:00 Uhr purzelten die ersten Altrekorde, die bis zum späten Nachmittag noch weiter kletterten und die früheren Allzeitrekorde regelrecht pulverresierten. Nichts mit einem jämmerlichen Zehntel dass den Rekord brechen soll, gleich ein paar Grad oben drauf um allen zu verdeutlichen: Das ist einer der kühleren Sommer der nächsten 100 Jahre

    yo yo yo, epic day!! wird sicher nicht der letzte gewesen sein, auch wenn es durchaus 10 Jahre dauern kann bis wir sowas wieder "erleben". Lingen mittlerweile in der Tat bestätigt. Zwar keine ideale lage der station, aber irgendnen ausreißer der nicht optimal gelegen ist hat man immer. liegt in der natur der sache. Sollte nicht davon ablenken, dass etliche Stationen ihren alten Rekord mal eben um 3-4 Grad zerschmettert haben. Essen bspw. Wenns heute nochmal irgendwo 40 Grad werden (39.7°C während ich schreibe), hätte D ebenfalls noch nie dagewesene 3 Tage mit >40°C am Stück. Ebenfalls eine absolute Hausnummer.


    Well, so läufts Klimawandel-Business. Basically weather on steroids!


    Edit: Da isses passiert. 40.4°C in NRW nochmals.

    Guter Punkt, Chris! Und natürlich Merci für Deine Ergänzungen! Warum der Winter-Block dieses Jahr zu einer so positionierten persistenten Jetanomalie geführt hat, ist schwer exakt zu bestimmen (und noch schwerer im Frühjahr schon vorauszuahnen). Denke es hat mit konstruktivem Feedback von Winterblock-bedingten SST-Anomalien (SST=Ozeanoberflächentemperatur) über dem Atlantik und der ENSO-Konstellation (wir hatten eine moderate La Nina diesen Winter) im tropischen Pazifik zu tun, die selten je gleich sind. Erst recht nicht in zwei aufeinanderfolgenden Jahren. Entsprechend kann die präferierte Jetlage von Sommer zu Sommer variieren.

    Guter Punkt, Chris! Und natürlich Merci für Deine Ergänzungen! Warum der Winter-Block dieses Jahr zu einer so positionierten persistenten Jetanomalie geführt hat, ist schwer exakt zu bestimmen (und noch schwerer im Frühjahr schon vorauszuahnen). Denke es hat mit konstruktivem Feedback von Winterblock-bedingten SST-Anomalien (SST=Ozeanoberflächentemperatur) über dem Atlantik und der ENSO-Konstellation (wir hatten eine moderate La Nina diesen Winter) im tropischen Pazifik zu tun, die selten je gleich sind. Erst recht nicht in zwei aufeinanderfolgenden Jahren. Entsprechend kann die präferierte Jetlage von Sommer zu Sommer variieren.

    Hi Chris and @all,


    hab mich wie üblich rar gemacht im Forum, sodass es erst wieder nen Anstupser brauchte bis ich reagiere.


    Du hast schon viele interessante Punkte passend zur Thematik abgearbeitet. Generell sind Änderungen des Jetstreams in Folge höherer Globaltemperaturen schwer vorherzusagen, aber besonders schwer ist es aus den von Dir genannten Gründen über Europa. Während eine Nordwärtsverlagerung des Jets unausweichlich ist (im Mittel), sieht es für das Verhalten der Welligkeit ganz anders. Tendenz ist "welliger", d.h. eine höhere Wellenzahl im Sommer, was mit erhöhter Blocking-Neigung einhergeht. Und das was wir jetzt sehen wäre ein klassisches Bsp dafür. Es wird weiterhin Shiiieeet-Sommer geben, aber die Anzahl warmer, geblockter Sommer sollte zunehmen.


    Was dieses Jahr ironischerweise geholfen haben könnte, ist der kalte Feb/März. Dank Sudden-Statospheric Warming gabs nen Monster-Winter-Block, währenddessen dem Jet über dem Atlantik nix blieb als nach Norden und Süden auszuweichen, was nach mehreren Wochen zu dem jetzt noch sichtbaren Horseshoe-Ozeantemperatur-Anomaliemuster geführt hat (kalt südlich von Grönland und im tropischen Atlantik und warm dazwischen. Geht man mit einem solchen Muster in den Spätfrühling und/oder Sommer, fängt die Atmosphäre an sich mehr und mehr nach den Ozeantemperaturanomalies zu richten, da der Jet im Sommer deutlich schwächer ist. Im Ergebnis stellt sich eine Persistenz der Lage ein, die sich erst nach vielen vielen Versuchen der Westdrift gegen den Block anzurennen abschwächt (was jetzt so langsam zu passieren scheint).


    Unabhängig vom [definition=53,0]Jetstream[/definition] wird es wärmer und trockener, unterbrochen von Starkniederschlägen, die in der Summe zwar die gewohnten Regenmengen bringen mag, aber in der realen Welt halt als Abwechslung von Dürre und Überschwemmung daherkommt. Das ist der sogenannte thermodynamische Effekt infolge der Erwärmung. Beides zusammen, die zirkulatorischen und thermodynamischen Änderungen bescheren uns dann ein geändertes Risikoszenario für Extremereignisse, dessen Quantifizierung mein derzeitiger Job ist. Markus hat unsere jüngste Analyse zur Hitzewelle schon verlinkt, aber doppelt hält bekanntlich besser: www.worldweatherattribution.org


    Bezüglich des anthropogenen Anteils an der Erwärmung kann ich auch Expertise liefern, denn das einzige Paper dazu bisher stammt von mir und meinen Kollegen: A real-time Global Warming Index ... Stellt sich raus (bzw das wussten wir grob schon vom letzten IPCC-Report), dass sämtliche Erwärmung seit 1850 menschengemacht ist. Ohne unseren Einfluss wären die Temperaturen noch so wie vor ~170 Jahren (genau genommen sogar ein ganz klein wenig kühler als damals). Hier noch unsere Website mit der exakten Angabe wieviel Warming wir "produziert" haben: www.globalwarmingindex.org ... Das ist in der Wissenschaft weitgehend unumstritten, auch wenn in der Öffentlichkeit (leider) ein anderer Eindruck herrscht. Ende des Jahres gibts noch ein Synthesis-Paper von mir dazu, wo noch ne ganze Menge mehr Co-Autoren drauf sein werden.


    Soweit für den Moment ... ich versuche zu ergänzen, wenn es weitere Fragen oder Anmerkungen gibt, bzw neue wissenschaftliche Erkenntnisse (Spoiler: einer meiner Kollegen in Oxford arbeitet gerade an nem spannenden Paper zur Zirkulation in diesem Sommer)


    KarSteN




    Das ist auch ein interessantes Thema, es beschreibt sozusagen den ozeanischen Teil der Klimawandel-Thematik. Gleichwohl ist es etwas umstrittener unter Fachleuten, inwiefern das Förderband hier das Klima zukünftig beeinflussen wird, wie stark die Abschwächung ist und was Ursache und was Wirkung ist. So könnte man argumentieren, dass das Schmelzwasser aus Grönland im Nordatlantik indirekt (Süßwassereintrag, etc.) den Golfstrom bzw. den verlängerten Arm dessen im Nordatlantik bremst. Über kaltem Meerwasser könnte dann tendenziell eher Hochdruck in der Atmosphäre resultieren, aber was bedeutet das für uns? Kalte Nordströmung oder werden die atlantischen Tiefdruckgebiete dann weiter südlich in einem Bogen zu uns geführt? Wissen wir alles noch nicht genau. Fakt ist aber, dass Klimamodelle in der Nordatlantikregion kaum mit einer Erwärmung rechnen und das lässt sich auch jetzt bereits gut nachweisen. Die Sache mit dem [definition=53,0]Jetstream[/definition] ist da etwas einfacher und hat wohl insgesamt auch die höhere Bedeutung. Wechselwirkungen mit den Ozeanen sollten aber grundsätzlich auch nicht ausgeblendet werden. Zuletzt wurden sowohl (winterliche) Stürme, als auch sommerliche Hitzewellen über Europa mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht: https://scilogs.spektrum.de/kl…aecheres-golfstromsystem/

    Das hat es und doch gab es noch nie in der Erdgeschichte einen so enormen Ausstoß an Treibhausgasen innerhalb so kurzer Zeit. Hier geht man in der Forschung wohl davon aus, dass knapp über die Hälfte bis etwa 75% der aktuellen Erwärmung auf menschlichen Einfluss zurückgehen. Was man aber wohl nie so genau weiß, ist, welche Kettenreaktionen wir eigentlich in Gang setzen, wenn wir in ein so empfindliches System eingreifen, welches über lange Zeit sehr stabil war. Und da verstärkt dann ein Trend erst einen Trend...

    Ja, so sehe ich das auch. Manchmal schadet ein wenig Pathos auch nicht, denn nur so erreicht und bewegt man die Massen. Man darf es nur nicht übertreiben und ins Unseriöse abdriften, denn das kann ins Gegenteil führen und "Skeptiker" des Klimawandels hängen sich daran dann ganz gern mal auf.

    Hi Chris and @all,


    hab mich wie üblich rar gemacht im Forum, sodass es erst wieder nen Anstupser brauchte bis ich reagiere.


    Du hast schon viele interessante Punkte passend zur Thematik abgearbeitet. Generell sind Änderungen des Jetstreams in Folge höherer Globaltemperaturen schwer vorherzusagen, aber besonders schwer ist es aus den von Dir genannten Gründen über Europa. Während eine Nordwärtsverlagerung des Jets unausweichlich ist (im Mittel), sieht es für das Verhalten der Welligkeit ganz anders. Tendenz ist "welliger", d.h. eine höhere Wellenzahl im Sommer, was mit erhöhter Blocking-Neigung einhergeht. Und das was wir jetzt sehen wäre ein klassisches Bsp dafür. Es wird weiterhin Shiiieeet-Sommer geben, aber die Anzahl warmer, geblockter Sommer sollte zunehmen.


    Was dieses Jahr ironischerweise geholfen haben könnte, ist der kalte Feb/März. Dank Sudden-Statospheric Warming gabs nen Monster-Winter-Block, währenddessen dem Jet über dem Atlantik nix blieb als nach Norden und Süden auszuweichen, was nach mehreren Wochen zu dem jetzt noch sichtbaren Horseshoe-Ozeantemperatur-Anomaliemuster geführt hat (kalt südlich von Grönland und im tropischen Atlantik und warm dazwischen. Geht man mit einem solchen Muster in den Spätfrühling und/oder Sommer, fängt die Atmosphäre an sich mehr und mehr nach den Ozeantemperaturanomalies zu richten, da der Jet im Sommer deutlich schwächer ist. Im Ergebnis stellt sich eine Persistenz der Lage ein, die sich erst nach vielen vielen Versuchen der Westdrift gegen den Block anzurennen abschwächt (was jetzt so langsam zu passieren scheint).


    Unabhängig vom [definition=53,0]Jetstream[/definition] wird es wärmer und trockener, unterbrochen von Starkniederschlägen, die in der Summe zwar die gewohnten Regenmengen bringen mag, aber in der realen Welt halt als Abwechslung von Dürre und Überschwemmung daherkommt. Das ist der sogenannte thermodynamische Effekt infolge der Erwärmung. Beides zusammen, die zirkulatorischen und thermodynamischen Änderungen bescheren uns dann ein geändertes Risikoszenario für Extremereignisse, dessen Quantifizierung mein derzeitiger Job ist. Markus hat unsere jüngste Analyse zur Hitzewelle schon verlinkt, aber doppelt hält bekanntlich besser: www.worldweatherattribution.org


    Bezüglich des anthropogenen Anteils an der Erwärmung kann ich auch Expertise liefern, denn das einzige Paper dazu bisher stammt von mir und meinen Kollegen: A real-time Global Warming Index ... Stellt sich raus (bzw das wussten wir grob schon vom letzten IPCC-Report), dass sämtliche Erwärmung seit 1850 menschengemacht ist. Ohne unseren Einfluss wären die Temperaturen noch so wie vor ~170 Jahren (genau genommen sogar ein ganz klein wenig kühler als damals). Hier noch unsere Website mit der exakten Angabe wieviel Warming wir "produziert" haben: www.globalwarmingindex.org ... Das ist in der Wissenschaft weitgehend unumstritten, auch wenn in der Öffentlichkeit (leider) ein anderer Eindruck herrscht. Ende des Jahres gibts noch ein Synthesis-Paper von mir dazu, wo noch ne ganze Menge mehr Co-Autoren drauf sein werden.


    Soweit für den Moment ... ich versuche zu ergänzen, wenn es weitere Fragen oder Anmerkungen gibt, bzw neue wissenschaftliche Erkenntnisse (Spoiler: einer meiner Kollegen in Oxford arbeitet gerade an nem spannenden Paper zur Zirkulation in diesem Sommer)


    KarSteN




    Das ist auch ein interessantes Thema, es beschreibt sozusagen den ozeanischen Teil der Klimawandel-Thematik. Gleichwohl ist es etwas umstrittener unter Fachleuten, inwiefern das Förderband hier das Klima zukünftig beeinflussen wird, wie stark die Abschwächung ist und was Ursache und was Wirkung ist. So könnte man argumentieren, dass das Schmelzwasser aus Grönland im Nordatlantik indirekt (Süßwassereintrag, etc.) den Golfstrom bzw. den verlängerten Arm dessen im Nordatlantik bremst. Über kaltem Meerwasser könnte dann tendenziell eher Hochdruck in der Atmosphäre resultieren, aber was bedeutet das für uns? Kalte Nordströmung oder werden die atlantischen Tiefdruckgebiete dann weiter südlich in einem Bogen zu uns geführt? Wissen wir alles noch nicht genau. Fakt ist aber, dass Klimamodelle in der Nordatlantikregion kaum mit einer Erwärmung rechnen und das lässt sich auch jetzt bereits gut nachweisen. Die Sache mit dem [definition=53,0]Jetstream[/definition] ist da etwas einfacher und hat wohl insgesamt auch die höhere Bedeutung. Wechselwirkungen mit den Ozeanen sollten aber grundsätzlich auch nicht ausgeblendet werden. Zuletzt wurden sowohl (winterliche) Stürme, als auch sommerliche Hitzewellen über Europa mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht: https://scilogs.spektrum.de/kl…aecheres-golfstromsystem/

    Das hat es und doch gab es noch nie in der Erdgeschichte einen so enormen Ausstoß an Treibhausgasen innerhalb so kurzer Zeit. Hier geht man in der Forschung wohl davon aus, dass knapp über die Hälfte bis etwa 75% der aktuellen Erwärmung auf menschlichen Einfluss zurückgehen. Was man aber wohl nie so genau weiß, ist, welche Kettenreaktionen wir eigentlich in Gang setzen, wenn wir in ein so empfindliches System eingreifen, welches über lange Zeit sehr stabil war. Und da verstärkt dann ein Trend erst einen Trend...

    Ja, so sehe ich das auch. Manchmal schadet ein wenig Pathos auch nicht, denn nur so erreicht und bewegt man die Massen. Man darf es nur nicht übertreiben und ins Unseriöse abdriften, denn das kann ins Gegenteil führen und "Skeptiker" des Klimawandels hängen sich daran dann ganz gern mal auf.

    Das Jena-Teil habe ich von Lobeda-Ost aus ebenfalls aufgenommen. Mörsdorf (LOL) wäre in dem Fall der ideale Standort gewesen. Glück gehabt, dass sich die Zelle wenigstens noch einigermaßen entschließen konnte ne Mini-Performance hinzulegen. Viel war es nicht, aber für meine Verhältnisse auf jeden Fall ein Highlight :-) Hänge mal 2 Bilder an:




    Zählt das jetzt als mein erster Chase-Bericht? ROFL ... not really! Aber nett gelegentlich sowas vor die Linse zu bekommen. Schön habt ihrs hier ;-)


    LG KarSteN


    P.S.: Sorry für die für Forenerhältnisse grottige Fotoqualität. Mehr gibt das OnePlus 3T halt dann doch nicht her bei diesen Bedingungen.

    Ein paar nachträgliche Gedanken zum Thema von mir.


    In den Staaten ist es im Prinzip so, dass sämtliche Radio- und TV-Networks die Wettermeldungen freiwillig anbieten und quasi damit einen Mehrwert schaffen, der mittlerweile längst eine Art Markt für beste/schnellste/verlässlichste Wettermeldung geschaffen hat. Überlagert ist das Ganze zumindest im Radio von den offiziellen SPC (Storm Prediction Center) Meldungen. Die werden quasi zwangsgeschaltet sobald eine heikle Situation in einem bestimmten County ansteht. Ob es im TV auch Zwang gibt oder gab weiss ich nicht, aber die Konkurrenzsituation hat es quasi heute zu einem solchen gemacht.


    Die Frage ist, ob das bei uns auf freiwilliger Basis denkbar wäre? Vermutlich nicht. Dazu passiert zu wenig. Allerdings bringt es mich auch direkt zum entscheidenden Punkt. Alles was es braucht ist ein simples Warnsystem basierend auf DWD-Live-Warnungen (analog SPC), die im Radio zu Zwangsinformation führen. Wer einmal in den Staaten war kennt das Warngeräusch nur zu gut und man wird extrem schnell ziemlich krass darauf konditioniert. Das verfehlt seine Warnwirkung definitiv nicht und kommt freilich nur bei starken Superzellen mit Tornadogefahr oder Flash-Floods zum Einsatz. Alles was es dazu braucht ist vorhanden. Ein Wetterservice und ein Rundfunksystem was nicht im rechtsfreien Raum schwebt. Ich denke das liesse sich ebenso für Warneinblendungen im TV nutzen. Sollte es jedenfalls in Anbetracht der höheren unmittelbaren Reichweite.


    Warum es nicht passiert? Well, fehlendes Bewusstsein bei Entscheidungsträgern dürfte der Hauptgrund sein. Wie es zu ändern ist? Schwer zu sagen. Es braucht vermutlich tatsächlich ein paar krassere Ereignisse, bevor sich ein Bewusstseinswandel vollzieht. Die 1950er-Jahre USA-Tornado-Todesfälle haben auch dort erst dazu geführt, dass ein entsprechendes Warnsystem entwickelt wurde (wobei erstmal Grundlagenforschung notwendig war als unmittelbarer erster Schritt). Auf freiwilliger Basis wird sich kein Sender einen Severe-Weather-Experten ins Haus holen der in Zusammenarbeit mit dem DWD neben den normalen Wetterberichten auch für Unwetterwarnungen (rund um die Uhr abrufbar) zuständig ist. Das brauchts aber ein Stück weit, solange es keine Zwangseinblendungen gibt.


    Immerhin, die neue Generation beim DWD und generell in der Wettervorhersage hat bzgl Severe-Weather ein viel besseres Basiswissen. Vielleicht führt das dazu, dass sich irgendwann auch die entscheidungsrelevanten Ebenen in der Landes- bzw Bundespolitik inspirieren lassen.


    Grüsse KarSteN


    P.S.: Und wieder ging das Post mit dem ersten Ess-Zett unfreiwillig raus *doh*. Fehlendes ebensolches bitte ich daher zu entschuldigen.

    Hallo Zusammen,
    bin neu im Forum. Kann mir jemand kurz Erklären welcher Wolkentyp das ist?


    Vermutung: Fraktus (im sehr schwachen Abwindbereich) einer sterbenden Gewitterzelle. Kann natürlich nicht beurteilen, ob es sich überhaupt um ein Gewitter handelt. Der Schirm kann auch zu ner anderen Zelle gehören.

    Grandiose Bilder und geniale Zelle. Habt euch wahrscheinlich in den letzten Wochen allesamt zutode gechased ;-)


    Kurze Anmerkung zu Deiner insgesamt guten Analyse, Marco: Das Teil wird mit großer Wahrscheinlichkeit zwischenzeitlich mal ne Superzelle gewesen sein, allerdings mit erheblichen Schwierigkeiten den Abwind im Zaum zu halten (zu schwacher Jet etc). Dementsprechend sieht es auf den Bildern schon ziemlich fies abwind-dominiert aus, auch von Andreas' Standort (Gebesee) aus betrachtet. Da keine klare Wallcloud erkennbar ist (was nicht untypisch ist für solche kurzlebigen Superzellen bzw Superzellenversuche ... den Aufwindbereich an der Basis hat man ja trotzdem), würde ich mich gegen Inflowband bzw Beaver Tail an der eingezeichneten Stelle entscheiden (die Unterscheidung ist ziemlich schwierig und wird noch dazu oft mehr oder weniger synonym durcheinandergewürfelt). Würde ich eher als Outflow-Produkt definieren, obwohl es nicht mit der Shelf gekoppelt zu sein scheint. Das Band sieht später (kurz vorm Absterben) nach normalem Fraktus aus, wie man auf Andreas' Bildern sehen kann, was eindeutig gegen Inflow spricht. Allerdings halte ich die "Stockwerk-Andeutungen" links der Bildmitte aus dieser Perspektive für mögliche Inflow-Bänder, die allerdings dann ebenfalls schnell den Geist aufgeben.


    Versorgungslinie sehe ich auf den Bildern nicht wirklich. Denke eher, dass es der vorgeschobene "Müll" an einer der Inversionen ist. Die Flanking Line sieht man eigentlich auf keinem der Bilder, was anhand des Radarbildes nicht verwunderlich wäre. Da ist nicht viel Platz für ne vernünftig ausgeprägte Versorgungslinie.


    Just my 2 Cent. Wie gesagt, klasse Analyse und huge Merci fürs Zusammenbasteln! Nur so lernt man dazu.


    Grüssle KarSteN

    58mm übrigens an der MPI-Zweitmessstation Jena-Saaleaue. MPI Jena-Beutenberg nur 10mm. Quite impressive. Scheint ziemlich weit oben auf der Liste der Tages-RR zu stehen. Keine schlechte Lage. Hier in München gabs tagsüber leichten Dauerregen bei 12°C ... einen Tag zu früh abgeschwirrt ;-)