Beiträge von KarSteN

    Hier noch die (Forecast-) Backtrajektorie die ich gestern schon mal in der Shoutbox gezeigt hatte:



    [www.ready.noaa.gov] --> Compute forecast trajectories


    Sehr unüberraschend kommt die Luft direkt aus der Arktis bzw der Nordpolregion. Kälter gehts eigentlich nur noch direkt via Skandinavien (weniger Zeit sich über dem Nordatlantik aufzuwärmen). Aber nahe am Kältestmöglichen ... genau eine Woche nachdem wir nahe am Wärmestmöglichen waren.


    Ich finde ja Ostern sollte sich grundsätzlich dem Wetter anpassen und spontan immer zusammen mit dem ersten Wärmeausbruch gefeiert werden :-)

    Das Saisonvideo 2020 von Pecos Hank:


    The Dude :D ... and the Stop signs. Pecos ist einfach der coolste. Ich glaube es gibt selten eine so hohe likes-to-views ratio wie bei ihm. Aber wenn einer abgefeiert werden muss, dann er! Amazing guy 8)

    Markus : Etwas sehr besonderes indeed. Wünschte ich könnte öfter solche Berichte verfassen! Was lange währt ... 8)
    Jens Hoffmann bringt es perfekt auf den Punkt. Merci fürs Verlinken. So, jetzt nur noch der Blogeintrag. Immerhin, Paper-Review gerade submitted :)


    Felix L. : Ich glaube ich bin gefühlt aller 5 Minuten ans Fenster, jeweils im Wechsel von einer zur anderen Seite. Das geniale war (wie sicher bei euch allen), dass absolute Stille geherrscht hat. Der Sound vom in Massen herunter rieselnden Schnee war atemberaubend genial. Werde ich nicht vergessen.


    Fahren ging am besten auf Fusswegen wo nur drauf gelaufen worden ist. Das war die perfekte Unterlage, selbst steil bergan noch fahrbar. Teil- oder nichtberäumte Straßen hingegen etwas tipsy-turfy. Nicht einmal aufgemault, trotz 20km-Runde den ersten Tag :saint:


    Jena sicher nicht die schönste Stadt (im traditionellen Sinne ... so wie EF oder Lpz ... no shade pls!), wandertechnisch aber ein Paradies. 20min egal in welche Richtung und man hat entweder Ausblick oder Natur. Denke die Steilheit der Hänge macht den Unterschied. Schön wandern kann man ansonsten in EF, WE, G (oder eigentlich überall in Thüringen) genauso. Nur halt nicht so universell in alle Richtungen. Nachteil: Man muss immer erst hoch ;) Würzburg ist in Ansätzen ähnlich, wenn auch weniger steil. Kassel fand ich beeindruckend. Der Aufstieg zum Herkules ist ein Traum. Stuggi und Freiburg natürlich nice as well. Und Wuppertal hat ebenfalls was ... alles unter dem Aspekt Stadt mit Bergen bzw Hügeln drumrum. Der Klassiker wäre freilich Hongkong.

    Fein fein, mein Lieber! Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft kommen wir bzgl Poster vmtl nochmal ins Geschäft :saint:
    Congrats zum Zeitungsbeitrag, auch wenn der Spaß paywalled ist!


    Ironischer Zufall, dass Du am Ende doch noch kurz vor Eventbeginn wieder vor Ort sein konntest, was andererseits ja unweigerlich (zumindest anfangs) an Dir vorbeigegangen wäre. Dabei sind insbesondere die frischen Eindrücke vom Montag in Hindsight irgendwie doch die besten.

    Where to start? Eigentlich haben Florian und Marco ja schon alles aus Jenaer Perspektive gezeigt bzw geschrieben. Da ich alles aus einem Nahverkehrs-Geek/Skifahrer-Blickwinkel aufgenommen habe, hoffe ich trotzdem auf etwas verbleibende Abwechslung. Am Ende des Tages sind es ja doch irgendwie die individuellen persönlichen Impressionen die zählen … und die sind bei mir, wie sicher bei den meisten von Euch extrem intensiv gewesen.


    Fangen wir an wie es dazu kam, dass ich eine Woche höchsten Wintergenuss im Thüringer Flachland überhaupt genießen konnte. Nachdem ich nun wieder im dt Gesundheitssystem bin, hatte ich entschieden meine Varizen-Laser-OP (leichter Eingriff, kein großer Deal … you can google it ;-)) Anfang Februar zu machen. Da ich bereits gute Erfahrungen in Jena gemacht hatte, bin ich beim selben Arzt geblieben. Weder wusste ich, dass ich danach eine Woche krank geschrieben sein würde zum Zwecke möglichst intensiver Bewegung (idealerweise outdoors), noch wie das Wetter in dieser Woche wohl sein würde.


    Well, well, well. Was kam hatte ich in meinen kühnsten Träumen nicht auf dem Schirm. Zwar deutete sich bereits in der Vorwoche die Grenzwetterlage an, allerdings war bis zum eigentlich Event-Wochenende nicht wirklich klar wo die Magic happen würde. Sogar Hamburg (wo ich alternativ schnell in meine neue Bude zum 'Wintergucken' hätte fahren können) war lange nicht aus dem Rennen. Am Ende schien es auf südliches Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, nördliches Hessen und Thüringen rauszulaufen. Westsachsen vielleicht noch. Auf jeden Fall war plötzlich zumindest Hoffnung auf ein winterliches Intermezzo vorhanden, was nach fast 10 Jahren mehr als nötig schien.


    Das krasse an der Grenzlage war, dass der Unterschied zw kalter Ostluft unten und warm-feuchter Südluft oben heftiger nicht hätte ausfallen können. Meteorologisch ein extremer Leckerbissen, aber wie oft bei solchen Lagen ist das Bust-Potenzial hoch. Wenn es hingegen mit Schnee klappen sollte waren die Aussichten mit (mind) einer Woche feinstem Dauerfrost ideal. Der Samstag sollte jedoch im Ostthüringer Raum erstmal die Bust-Tendenz bestätigen. 5-7cm bis Sonntagmorgen, die dank Saharastaubschicht zwar interessant aussah, aber definitiv kein übermäßiges 'Excitement' bei mir auslösen konnte. Zumal es nicht einmal genug zum Skifahren auf Jenas Bergen war.


    Ironischerweise hatte Janek in Leipzig, wo es Samstagabend noch kaum geschneit hatte, die Flinte just zu jenem Zeitpunkt in den Sand geworfen. Nun tendiert er zwar - wie ich auch - die Erwartungen grundsätzlich niedrig zu halten, aber trotzdem hat sein meteorologisches Wort zumindest für mich immenses Gewicht, sodass ich mich mit den paar Samstags-Zentimetern schon abgefunden hatte :P Dass es just nach Janeks Sa-Abend-Email in Leipzig richtig anfing zur Sache zu gehen, hat mir zumindest für den weiteren Verlauf dann doch nochmal Hoffnung gegeben. Und Janek musste später auch anerkennen, dass er wohl etwas vorschnell die Lage abgeschrieben hatte. Immerhin 12cm schon mal in der Nacht zum Sonntag in good old Schneeloch-Leipzig.


    Und genau, es gab ja noch das sich im Alpenlee entwickelnde Randtief in der Nacht zum Montag. Die Modelle blieben erstaunlich 'bullish' was diesen eigentlich harmlosen Wirbel anging. Nur ich konnte mir, trotz unterschwelliger Hoffnung auf was Großes, eine Wette dagegen nicht verkneifen. Hätte es am nächsten Tag für einfaches Skifahren gereicht wäre ich letztlich zufrieden gewesen. Das Tief ließ sich Zeit, bestätigte aber spätestens am frühen Abend dass die vorhergesagten Niederschlags- und damit Schneemengen vielleicht realistisch sind. Auch wenn man zu diesem Zeitpunkt nicht wusste wo nun die grösste Ladung runterkommen würde. Die Zugrichtung war so, dass einige Ecken genau in der Zugrichtung der Okklusion liegen würden, die zumindest aus sonntäglicher Modellsicht über Westsachsen ziehen sollte.


    Gegen 22:00 kam die erste Welle durch, und die Schneeintensität bei dann permanent unter -8°C am Boden war einfach nur mind-boggling. Hatte ich so noch nie erlebt. Durch den bereits schwächelnden Wind in Jena zu der Zeit, hat es teilweise einfach nur Schnee vom Himmel geschüttet. Da deutete sich bereits an, dass es wohl recht spektakulär zugehen könnte. Die erste Welle hat sicher schon knapp 10cm 'hingerotzt' ;-) Dann war die Frage wo die schleifende Okklusion letztlich wirklich aufschlagen würde, und ab 1 bis 2 Uhr am Morgen sollte klar sein, dass Jena und Weimar wohl ideal getroffen werden. Am Ende also doch etwas westlicher, allerdings war Erfurt schon zu westlich und hat deutlich weniger Zuwachs bekommen. Es gab dafür dort am Vortag bereits das doppelte von Jena, insofern vllt ein bisschen 'regression to the mean'.


    An Schlaf war nicht zu denken, auch wenn ich es ab 3 Uhr morgens gelegentlich versucht habe. Die Niederschlagsintensität zw 1 und 4 Uhr morgen hatte sich locker im ww75er Bereich eingepegelt (sehr starker Schneefall in den Meteo-Synops). Draußen sah es immer Unwirklicher aus und am liebsten hätte ich einfach nur das Haus verlassen und wäre draußen rumgetobt. Immerhin gab es im TSC-Chat auch zu dieser Zeit ein paar Gleichgesinnte. Nachdem ich die ersten zwei gescheiterten Versuche irgendwelcher Autos aus ihren Lücken zu kommen beobachtet habe, hat es doch noch für 2-3h Schlaf gereicht.


    Am Vormittag ging es aber sofort raus. Aus der Innenstadt wurden 40cm Schnee mit Lineal-Evidenz gepostet, was bei etwas über 30mm Niederschlag als Schnee sehr plausibel war. Interessanterweise waren es im Jenaer Süden ca 5cm weniger, d.h. ich konnte nirgends mehr als 35cm messen (außer auf einer Bank), was freilich den Eindruck nicht im Ansatz gemildert hat. Es war allerdings Indiz, dass das Niederschlagsmaximum wohl irgendwo um Jena-City gelegen haben muss, da selbst Weimar 'nur' 22mm gemessen hat. Ist im Winter aber zugegebenermaßen schwierig. Alle 3 Jenaer professionellen Stationen hatten jedoch über 30mm, d.h. ziemlich konsistent für eine solche Lage (Saaleaue weniger, aber dort scheint es bei Schnee tatsächlich einen trockenen Bias zu geben). Stadtroda ebenfalls mit 30mm: [kachelmannwetter.com/de/messwerte]


    Relativ schnell habe ich im Tagesverlauf realisiert, dass diese Mengen für weite Teile des Thüringer Flachlandes Rekorde bedeuteten, sowohl Gesamthöhe als auch Neuschneemenge. Das hat das surreale Ausmaß nur noch deutlicher werden lassen. Im Traum hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich solche Mengen mal selbst im urbanen (heimischen) Umfeld sehen würde, let alone bei solchen Temperaturen und solchen Aussichten. Dazu eine Woche Freizeit, in der alles bestens dokumentiert werden konnte. Werde immer dankbar für diesen wunderbaren Zufall sein. Dabei selbst minutengenau verfolgen zu können, wie solche epischen Niederschlagsmengen letztlich (auch dynamisch) zustande kommen, und sich dabei Stück für Stück die Schneetürme überall bilden, ist mit einiger Wahrscheinlichkeit etwas was man nur noch als Schneechaser wird erleben können.


    Das habe ich zwar schon im Dezember 2010 nach dem berühmten Weihnachtsevent gesagt, aber zumindest auf den Jenaer Bergen hat der alte Rekord bestand. Dort waren es dank Akkumulation über den Gesamtmonat am Ende knapp über 50cm (im Tal mit 40cm deutlich weniger), während es diesmal im Prinzip überall die gleiche Menge war, von den beschriebenen lokalen, jedoch höhenunabhängigen Unterschieden abgesehen. Dass das damals bereits ein Rekord an der offiziellen Jenaer Station war, ist mir bis vor kurzem nicht bewusst gewesen. Ihn nun mit 45cm bereits erneut übertroffen zu haben ist pretty wyld. Immerhin gehen die Aufzeichnungen der Schneemengen bis 1887 zurück. Dass früh um 7 zur Messzeit gleichzeitig Schneefall-ende war, hat den Rekord sicher begünstigt, da am darauffolgenden Dienstag bereits 4cm gesackt sind. Di-NaMi habe ich auf der angrenzenden Wiese sogar nur noch 37cm gemessen (die Station dann 35cm am Mittwochmorgen).


    Alles in allem war es eine Woche voll mit Endorphinen und permanentem Einsaugen der Eindrücke. 3x Skifahren, 2x Radtouren, 1x Wandertour mit Florian. Perfection! Für Jemanden der als Stöpsel schon jeden cm Schnee gefeiert hat, war das hier zweifelsohne ein Lebenshöhepunkt der im Gedächtnis bleibt.


    Gekrönt wurde die Woche übrigens durch nochmal 7cm Neuschnee in nur 2 Stunden an der Warmfront am darauffolgenden Montag. Diesmal nicht in Jena, sondern im schönen Hamburg, was trotz des Wissens um dessen Kurzlebigkeit ein weiteres Highlight war. Dass das der Startschuss für eine fast einwöchige Episode mit Februar-Wärmerekorden sein sollte, war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Erwartet hatte ich auch das ganz sicher nicht. Sind halt nicht umsonst Extremereignisse :-) Die Wärme hat zweifelsohne den strangesten Schlusspunkt unter diesen monumentale Wettermonat gesetzt. Auf diese Art kann einem noch jeder Lockdown-Light egal sein, auch wenn ich denjenigen die Arbeiten mussten (insbesondere in der Pflege) selbstredend nicht beneide. Meine grösste Hochachtung für Alle die hier Riesenaufwand betrieben haben, um für andere da zu sein.


    Okay, genug gepinselt. Once-in-a-lifetime Events erfordern halt ein paar länglichere Reflexionen. Anschließend meine Bilder, mit erwähntem Fokus auf Wald und Tram 8)


    Liebe Grüße,

    KarSteN



    Sonntag, 07.02.2021


    Meine 'Referenz-Messwiese' auf der Wöllmisse am Sonntag mit 7cm Sahara-Schnee



    Montag, 08.02.2021


    Das erste Bild am Montagmorgen von der noch fast unbefleckten Nebenstraße im Lobedaer Wohngebiet.


    Ca 35cm frisches Puder. Kannte man bis dahin halt nur aus TV-Berichten ...


    Dann ging es auf die Bretter, was bei 150-200m Höhenunterschied die es erstmal zu überwinden gilt gar nicht so einfach ist im Tiefschnee.


    Oben angekommen (Wöllmisse) musste fleißig gespurt werden, was dank feinstem Pulver Riesenspaß gemacht hat (ohne nasse Schuhe)


    Wieder an der 'Referenz-Messstelle' angekommen, und jetzt ca 41cm nicer frischer weißer shice ;-) ... ca 35cm Neuschnee demnach. Man beachte den seit 2010 angebrachten Vermerk von 50cm ... wohlgemerkt an exakt gleicher Stelle. Hier der Beweis: [www.karstenhaustein.com]


    So stellt sich die Hütte einen Tag später dar. Keine 2010er Ausmaße, aber darum ging es beim heurigen Event ja auch nicht.


    Später dann bereits vorhandene Spuren Richtung Steinkreuz. Sehr feines Fahren. Und literally wie im Märchenwald.


    Der Nahverkehr natürlich eingestellt. Die wichtige Strecke zum Klinikum war dank dieser Technik Dienstagfrüh aber wieder befahrbar.



    Dienstag, 09.02.2021


    Die Nebenstraßen weitgehend sich selbst überlassen. Aber wenn man gesehen hat, wie sich der Winterdienst in den Städten den Arse aufgerissen hat, sollte man sich über solche Lappalien nicht beschweren. Außerdem sieht es einfach nur genial aus ;-)


    Dank des pausenlosen Einsatzes des JeNah'er Winterteams, konnte ich Dienstag das Stadtzentrum selbst in Augenschein nehmen.


    Hier wurde schon 'weggeraspelt', aber noch nicht enteist. Daher eher Fussgängerzone statt Tram-Reservat.


    An der zentralen Umsteigestelle am Holzmarkt waren die 'Raspeltruppen' gerade eifrig dabei sich durch den Schnee zu wühlen.


    Das ist sie: Die 200 Jahre alte Jenaer Referenzstation am Schillergässchen. Bild nur durch den Zaun. 37cm habe ich auf der zugänglichen Wiese nebenan gemessen, was die Glaubwürdigkeit der offiziellen Messung voll bestätigt hat (35cm am darauffolgenden Morgen).


    Planetarium in ungewohnter Erscheinung.


    Im Damenviertel diese Reihe auch 36h später noch unberührter Autos. Das hat schon was von Movie-Scene.


    Gleich noch ein Bild aus derselben Gegend hinterher. Alpine Stimmung zum Sonnenuntergang in der Stadt.


    Wie schon 2010, kam auch heuer die alte Gotha-Traditionstram wieder zu ehren um die freigekratzten Schienen richtig frei zu fahren. Die Achslast und Bodenfreiheit dieser Teile ist eben doch etwas höher. Am selben Abend konnte der Tramverkehr Richtung Jena-Nord wieder aufgenommen werden.


    Ein Teil der Flotte hat die Nacht zum Montag im alten Depot verbracht. Ein Anblick den man nur in der Stadt so zu sehen bekommt.


    Insgesamt 8 Bahnen schlummern hier seit mindestens 2 Tagen vor sich hin und harren ihrer Ausbuddelung.


    Dieses Bild habe ich weniger wg des bunten Hauses, als vielmehr wg des Knirpses neben dem Schneeberg aufgenommen. Wenn der/die Lütte groß ist, wird er/sie ganz sicher von den viiiiiieeeeel höheren Schneemengen während der Kindheit berichten. The funny thing: It would be true :-D


    Wie schon von Marco gezeigt als es noch ganz frisch war am Tag zuvor, konnte auch ich an diesem fast schon epischsten aller Jenaer Winterbilder nicht vorbei.


    Der Platz vorm jetzigen Kultur- aka ex-Saalbahnhof im letzten Licht des Tages. Meine Finger haben übrigens ob der nun bereits herrschenden zweistelligen Minusgrade schlapp gemacht. Es wurde pretty 'nippy'.


    Relativ neue Perspektive da der Intershop-Neubau erst seit ein paar Wochen entkleidet ist.



    Mittwoch, 10.02.2021


    Dann wieder ein herrlicher Tag auf den Brettern. Hier Wöllmisse Richtung Luftschiff. Und der Haube verbergen sich Schneemann-Reste vom Januarschnee.


    40cm auf dem Tisch auch am dritten Tag nach der großen Neuschneesause.


    Ein paar mehr Spuren sind mittlerweile auch vorhanden. Der Märchenhafte Gesamteindruck nach wie vor intakt.


    Drackendorfer Park neben dem Uni-Klinikum zum Tagesausklang. Zu dieser Zeit hat es recht solide zu schneien begonnen, was das Tüpfelchen auf dem Tages-i war.



    Donnerstag, 11.02.2021


    Diesmal ging es mit dem Rad in die Stadt, was sich als erstaunlich 'machbar' rausstellen sollte. Unterwegs dieser nice' Schneeschauer vorm Kernbergpanorama.


    Die Stelle kommt euch bekannt vor. Die Trams wurden ausgebuddelt und allesamt wieder zum Einsatz gebracht.


    Im Jenaer Paradies am Abend dieser fast schon gemäldeartige Eindruck.


    Eingepackte Rangierlok im Bahnhof Göschwitz.



    Freitag, 12.02.2021


    Freitag ging es mit Florian zuerst auf den Haeckelstein, welchen ich statt des Ausblicks zeige, den ihr in Florians Bilderserie bewundern könnt.


    Im Jenaer Forst gibts offenbar sogar ein Hexenhaus :-)


    Unweit davon der Forstturm, wo wir nochmal Schneehöhe gemessen haben und an Tag 4 auf ca 30 gesackte cm gekommen sind.


    Der Unvermeidliche Blick von der Schweizerhöhe, den es in Marco's Serie in noch schöner gibt. Danach haben Florian und ich nach 4 Stunden wandern versucht uns ein bisschen in der Stadt aufzuwärmen, was bei Lockdown gar nicht so leicht ist, da man nicht mal im Shopping-Center Food verspeisen darf. Das war der einzige Punkt, wo die Pandemie doch ein bisschen ins Kontor schlug. Aber Florian kennt sich aus in Town und wir haben ein warmes Treppenhaus gefunden. Die Uni wäre wahrscheinlich auch gegangen. Tolle Tour jedenfalls. Jederzeit wieder, Flo!



    Samstag, 13.02.2021


    Mit etwas mehr Sonne ging es zur Abschieds-Skitour am ersten Wochenendtag. Recht viel 'Verkehr' und mittlerweile ein brauchbares Netz an Spuren. Hier oberhalb der Kernberge zw Pennicken- und Ziegenhainer Tal.


    Und plötzlich dieser Blick, wenn man mitten von der Hochebene und einem Stück tiefverschneiten Wald kommt. Nun wohnen meine Eltern schon 40 Jahre in Jena (wovon auch ich ein paar in der Stadt zugebracht habe), aber keiner von uns hat den sogenannten Dietrichstein je entdeckt. Dabei ist der 3D Eindruck von dort besser als von den meisten Standard-Spots, auch wenn das in 2D nicht rüberkommt. Wer in der Gegend ist, sollte da mal hochschlendern. Lohnt sich. Gelungenes Finales dieses Skitages.



    Sonntag, 14.02.2021


    Mein letzter Tag vor der Rückreise nach Hamburg mit eindrucksvoller Inversion und Vorboten dessen was unweigerlich kommen würde.


    Die Cirren der Warmfront. Letzter Blick, bevor es Abschied vom Tiefschnee nehmen hieß.



    Montag, 15.02.2021


    Während Hamburg mich mit kaum Restschnee eher trist begrüßt hat, ging es Montagabend mit dem Warmfront-Niederschlag ab.


    Die Alster war zugefroren, was dem ganzen bei zeitweise ww75 'Whiteout' Status verholfen hat. Hier übrigens die Außenalster.


    An der Binnenalster diese seltene Hamburg-Impression.


    Und zum Abschluss ein Bild das den Faden dieser Serie quasi zuende spinnt. Nahverkehr im Schnee. Wenn auch ohne Tram, die Hamburg partout nicht wieder einführen möchte, obwohl es seit Jahrzehnten diskutiert wird. Anyways, frische 7cm zum Abschluss. Auch da schließt sich der Kreis, denn mit 7cm ging es vor über einer Woche los :-)

    Sehr feiner Bericht!! Ein klein bisschen würde man sich manchmal wünschen, man könnte sich von sowas wie zu Stöpseltagen am Morgen überraschen laschen. Als Nacht- und Schneeeule (Schneule ;-)) führt an Schlaflosigkeit bei sowas jedoch kein Weg vorbei. Das Hochgefühl ist zum Glück trotzdem da :-)


    Zum Napoleonstein muss ich auch endlich mal. Scheint ziemlich populär zu sein, zumindest zum Rodeln. Kupferplatte sowie. Noch so ein underappreciateter Spot meinerseits.


    Heute, aber spätestens Morgen (heute evtl Wüstenstaub als 'Capping') dann nach Schneerekord auch noch ein neuer Februar-Tmax-Rekord an den meisten Stationen. Interessanterweise wirds für Jena nicht reichen, denn da gab es am 26.02.1900 wohl mal 23°C am Schillergässchen. Zwar ein krasser Wert, aber in NRW offenbar sogar 25°C an jenem Tag, was den Rekord plausibel erscheinen lässt: [kachelmannwetter.com]

    Ein kurzer Eindruck aus Arnstadt entlang der Gera, hier war dann endlich langsam wieder etwas Ruhe:


    Was'n das fürn krasser Kran? Kann es sein, dass das so nen oldschool GDR Kran ist? Hab ich noch auf so alten Fotos. Cause als echter Nerd war ich natürlich auch mal Kran-Enthusiast. Die Teile haben mein Bruder und ich glaube ich Erfurter Kran getauft :P

    Sehr geiler Bericht. Sieht locker nach 40cm (oder sogar etwas mehr aus). Aufgrund meiner gerade durchgeführten Rekord-Recherche, scheint es durchaus möglich, dass das auch in SDH ein Alltime-Rekord war. Wir überschätzen wahrscheinlich das Potenzial für riesige Schneemengen, was logisch ist in Anbetracht der Tatsache dass das synoptische Setup absolut perfekt sein muss. Häufiger hat es früher zweifelsohne geschneit, aber eben nicht mehr ;-)


    Nun ist Jena zwar keine echte Großstadt, aber aufgrund meiner heutigen Erfahrung in der Innenstadt, kann ich garantieren dass es dort gestern ganz ähnlich wie in SDH zuging. Da war nix mehr mit Hektik. In fact, besonders hektisch war es auch heute noch nicht. Fußgänger haben das Bild in ungewohnter Weise auch abseits der Kern-Innenstadt dominiert. Das wäre in Leipzig bei 35cm Neuschnee nicht anders ... I think 8)

    Verdammt viel nices Material hier, aber wenn ein Event abgefeiert werden muss, dann dieser :-) Mein Bericht folgt die Tage.


    Hab auf Markus' Tipp hin schnell mal Micha Theussners geniale Website nach Rekorden durchforstet. Here is what i found:


    So


    Aufgelistet sämtliche Allzeitrekorde für Thüringen im Zusammenhang mit diesem Event. Stationen die erst nach 2000 hinzugekommen sind habe ich rausgestrichen. Das krasseste ist, dass an etlichen Stationen der Weihnachtsschnee 2010 bereits ein neuer Rekord war. Wenn man wie in Jena eine über 130 jährige durchgehende Messreihe hat, ist das schon extrem bemerkenswert.

    Hier eine kleine Rechnung dazu. Mittlerweile haben wir über Landmassen 2°C Klimaerwärmung. Mit jedem Grad Erwärmung nimmt der Niederschlag um ca 7% zu (zumindest unter optimalen dynamischen Verhältnissen). Am Bsp Jena wären das 14% weniger für 2021, also nur ca 39cm. Wenn wir 2010 rausnehmen, liegt der vorangegangene Rekord bei je 2x 37cm. Wäre also im Bereich der vorangegangenen Rekorde gewesen, während es diesmal gereicht hat den alten Rekord deutlich zu überbieten. Ergo: Der Klimawandel könnte tatsächlich eine Rolle gespielt haben. Klein, aber notierenswert :-)

    Anyways, große Teile des Thüringer Flachlandes haben einen Event für die Geschichtsbücher erlebt. Einzig Erfurt hat Sonntagnacht etwas 'Pech' gehabt und einen neuen Rekord verpasst. Insofern ist die 1-in-40 Return time (Wiederkehrintervall), die mein Kollege Colin auf die Schnelle via Twitter ermittelt hat nicht unrealistisch. Würde man die Analyse mit Tmin wiederholen, dürfte die Return time sogar noch größer sein, zumindest was die Kombination aus Schneemenge und Temperatur (während des Schneefalls) angeht. Geht man nur nach der Schneemenge, sind sicher 1-in-20 Jahre Return time näher an der Wahrheit, allerdings zählen dazu halt auch die fatalen Pappschnee-Events, wo alles nach Stunden wieder Pampe oder Wasser ist ;-)


    Liebe Grüße in die Winterrunde,

    KarSteN


    P.S.: Micha's Tool gibt nur Gesamtneuschneemenge für den Monat aus, d.h. Tagesneuschneemengen kann ich nicht auf die Schnelle ermitteln. In Jena war es auf jeden Fall neuer Rekord, denn mit 38cm neu ist selbst das pre-2010 Gesamtmax überboten (2010 lag schon einiges vor Xmas). Weimar dito, 41cm gabs nur Anfang 2011 (max des länglichen Xmas Events) und Anfang Jan 1970, wo auch nicht alles auf einmal kam.

    Zur Frage ob der Wüstenstaub eine Rolle bzgl Eisregenintensität spielen könnte, hier ein paar Gedanken:


    Zuerst ein Loop der Staub-forecast als cross-section für Leipzig (vertical dashed line): www.bsc.es
    Angehangen das vermutliche maximum bei ca +36h (Mitternacht), siehe auch: +36h dust forecast Leipzig
    Quelle: ess.bsc.es

    Was könnten die Implikationen sein? Schwer zu sagen. Strahlungstechnisch sicher keine relevanten Einflüsse. Bzgl veränderter Niederschlagsform ist Wüstenstaub jedoch tricky. Ist ein bisschen hydrophob, d.h. die klassische aerosolbedingte Bildung von mehr, aber kleineren Tropfen daher nicht wahrscheinlich. Sollten die Tropfen größer als ohne Anwesenheit von Wüstenstaub werden, könnte es leicht eisregenfördernd wirken. Denke aber die Dynamik macht die Musik, sodass der Einfluss minimal ist. Alles jedoch reine guesswork, da ich mit winterlichen Staubniederschlagslagen null Erfahrung habe ;-)




    Heute Morgen um 5 Uhr in Neuhaus, da ging es so langsam los, mittlerweile ca 10 cm Neuschnee ...


    Lange nicht mehr solche Bilder gesehen, geschweige denn selbst erlebt. Vielleicht hält es ja noch bis wir wieder aus den schneefreien Niederungen heraus dürfen. Tausend Dank für die regelmäßigen Eindrücke! :-)

    Super cool! Sehr geschmeidige Analyse. Well done! Besten Dank Florian!! Wenn wir davon ausgehen, dass es sich gegenwärtig mit 0.5°C / Dekade in Mitteleuropa erwärmt (seit ca Mitte 1970er), dann erhöht sich jedes neue 30-Jahres Mittel um 0.33°C. Von 61-90 auf 81-10 somit 0.67°C und 81-10 auf 91-20 jene 0.33°C. Deine Werte mit 0.68°C und 0.35°C passen fast exakt. Wenn das mal kein linearer und robuster Trend ist (krass sowieso), dann weiß ich auch nicht. Werd mir das 'neue' Klimamitteldiagramm am besten gleich abspeichern :-)

    April halt durch die letzte Dekade noch mal richtig ausgetrocknet, man darf gespannt sein wie es weitergeht. Irgendwann wird sich sicher ein Boden finden. Die sommerlichen Starkniederschläge kompensieren den allgemeinen Trend zu mehr Trockenheit in der warmen Saison zumindest zahlentechnisch. Wäre interessant, ob man bereits einen Trend zu mehr trockenen Tagen im Sommer sieht. Winter wahrscheinlich zuviel Blocking indeed. Da ist nur mit Westdrift Regen drin, Lagen die nicht unbedingt zugenommen haben.

    Und finally, wenn die 3 Vb's im Aug, Sep, Okt nicht gewesen wären hätte es defizit-technisch noch viel übler ausgesehen. So ist zumindest der Schnitt heuer mal wieder erreicht, auch wenns noch lange hin ist um wieder sowas wie wasserhaushalt-technische Normalität zu bekommen. Nicht sicher, ob und wann das wieder der Fall sein wird.


    Entspanntes Post-Neujahrs-WE! KarSteN