29.05.2016 I Chemnitz-Ilmenau-Kitzingen I div. Gewitter mit Starkregen, Rotation, Shelfcloud

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    • 29.05.2016 I Chemnitz-Ilmenau-Kitzingen I div. Gewitter mit Starkregen, Rotation, Shelfcloud

      Hallo miteinander!

      Am vergangenen Sonntag war ich zusammen mit Carsten, Marco und später Ronny und Luise in Sachsen, Thüringen und Bayern unterwegs. Wir konnten dabei dass stationäre, retrograde Gewitter bei Ilmenau beobachten und erwischten am Abend eine Shelfcloud bei Kitzingen nahe Würzburg.

      Gefahrene Strecke: 787 km
      Streckenverlauf:


      Ich hatte mich zum chasen mit Carsten verabredet. Am Morgen waren wir noch unschlüssig ob Hermsdorfer oder Erfurter Kreuz der Ausgangspunkt sein sollen. Als sich die erste Zelle im Erzgebirge entwickelte, größer wurde und letztendlich doch das Gebirge Rtg. Chemnitz verlassen wollte entschied ich mich doch aufzubrechen. Unterwegs überholte ich Ronny und Luise. Der Schirm der Zelle reichte weit voraus und neue Quellungen waren darunter zu sehen. Bei Hohenstein-Ernstthal war erstmals gute Struktur an der Wolkenbasis zu sehen. An der Abfahrt Chemnitz-Ost hielt ich an einem meiner Chasingpoints und sah der Zelle bei ihren letzten Atemzügen zu. Tot. Dann eben zurück ohne Ergebnisse und mit weniger Sprit im Tank bis Schmölln, wo ich auf Carsten traf. Die Option, die A72 zu nehmen wegen weiterer Zellen am Erzegbirge verwarf ich wieder. Da dürfte noch mehr kommen - und vor allem westlicher. Nach kurzer Pause visierten wir Ilmenau als neues Ziel an, nachdem die ersten kleineren Zellen Richtung Gotha abgezogen waren und das Radar Neuentwicklungen andeutete. Bei Erfurt stieg Marco noch mit zu uns und wir starteten Richtung Süden auf der A71.

      Auf der Anfahrt haben wir das weitere Vorgehen besprochen. Die Zelle über Ilmenau hatte sich deutlich verstärkt und kündigte lt. Radar viel Regen und Hagel an. Da Teile der Zelle auch die A71 beeinflussten, wir aber einen Punch vermeiden wollten (nicht zuletzt wegen Carstens neuem Auto) einigten wir uns auf die AS Ilmenau-Ost, die gerade noch so vor der Zelle liegen dürfte und wir uns dann östlich der Stadt zur besseren Beobachtung positionieren können. Auf der Fahrt nur viel Stratus und Pampe, nichts zu erkennen. Es wurde nur immer dunkler je mehr wie uns Ilmenau näherten.

      Nach der Abfahrt hielten wir kurz an. Es war sehr dunkel (Anzeichen für hochreichende Gewitter mit viel NIederschlag) und permanenter, dumpfer Donner war zu hören. Die Stimmung war gespenstig:


      Wir suchten uns einen Beobachtungspunkt nahe dem Ort "Singen", wo ein Donnerkonzert erklang und wir ahnten, was in der Stadt für Niederschlag fallen muss. Die Struktur vor Ort erschien zunächst so:


      Die Zelle zog ständig die gefallene Feuchtigkeit in den umliegenden Tälern wieder ein. Auch war beim Abspielen der Bilder/Zeitraffer Rotation zu erkennen. Am Beobachtungspunkt wehte der Wind außerdem auf die Zelle zu. Die Struktur wurde nun interessanter:


      Der Regen wurde intensiver und wir bauten ab. Erstmal noch ein Stück ostwärts ausweichen. Letzter Blick:


      Gern wären wir an das Südende der Zelle gefahren, um die Neubildungen an ihrer Rückseite zu erwischen. Es herrschte dahinter fast blauer Himmel. Dafür hätten wir, die A71-Punch-Option blieb weiterhin außen vor, aber einen riesen Umweg fahren müssen, der auch wieder nicht gerechtfertigt war. Also erstmal ostwärts Rtg. Nahwinden. Am Ende landeten wir etwas zu weit östlich bei Groschwitz (SLF), dafür mit besseren Blick auf die Neubildungen im Süden:


      Mammati über uns:


      Nach kurzem Lagecheck wieder zurück nach Singen. Wir kamen kurzzeitig mal in etwas Starkregen kurz vor Ilmenau. Zu dieser Zeit war die Zelle bereits am sterben - sie hat genug abgeladen und mittlerweile war wohl auch jedes umliegende Tal so weit gekühlt, dass der Aufwind keine Chance mehr hatte weil warme Luft fehlte - Saft abgedreht. Wir konnten nun über die A71 weiter südwärts. Der aufsteigende Stratus aus den Tälern bot vor dem Rennsteigtunnel nochmal eine imposante Kulisse:


      Mittlerweile hatten wir die intensiven Zellen im Süden BY/BW's im Blick, die später als MCS nordwärts ziehen sollen. Auch im Vorfeld waren schon nördlicher ein paar Zellen aktiv. Frage aber nun, wollen wir noch weiter fahren oder hier warten? Wir verabredeten uns mit Ronny und Luise und besprachen an der AS Meiningen-Nord das weitere Vorgehen, während über der Rhön bei Fulda neue Zellen entstanden sind:


      Wir einigten uns auf Abendessen am Rasthof Mellrichstädter Höhe. Die Burger kann ich nur empfehlen ;) Würzburg sollte das neue Ziel sein. WÜRZBURG :panik .... Bei Carsten und Marco führte das wie bei mir zu einem mulmigen Gefühl und Augenverdrehen. Hat sich doch mittlerweile der "Würzburg-Fluch" bei uns 3 zur traumatischen Erfahrung entwickelt. Soll heißen, bei vergangenen Jagden kamen wir zur perfekten Zeit in Würzburg an und im selben Moment war die Zelle tot und die Fahrerei umsonst. Aber das gehört nun mal beim chasen dazu. Genauso wie satirische Bemerkungen darüber wenn man sich sieht...

      Auf der Anfahrt nahmen wir eine erste vorlaufende Zelle vor dem nachfolgenden Cluster ins Visier, die von OSO Richtung WNW direkt auf die Stadt ziehen sollte. Am AK Schweinfurt/Werneck Stau wegen nur einer freien Spur und Sonntags-Pendler-Verkehr. Trotz langsamer Verlagerung der Zellen wird es jetzt doch etwas knapp und wir nervös. Denn das Ziel würde auch noch unser letztes Autobahnkreuz beeinflussen und wir wollten auch hier den Punch vermeiden und das Risiko von Unfällen und Stau. Schon in Höhe WB-Espenried wurde klar, die Zelle wird noch beständig sein und verstärkte sich laut Radar noch einmal. Die ersten Ansätze einer Shelfcloud zeigten sich am Horizont. Wir wichen ostwärts aus um im trockenen zu bleiben und nahmen gleich die nächste Abfahrt, in dem Fall Kitzingen-Schwarzach. Nach einem kurzen Waldstück ging rechts ein Feldweg mit freie Sicht nach Süden weg - perfekt. Und da war sie auch schon:

      Hastig wurden Stative aufgebaut und losgeknipst. Die langsame Zuggeschwindigkeit erlaubte uns etwas zu verweilen - und den Mücken freie Auswahl der Opfer.












      Links im Hintergrund ist bereits die Unterkante des nächsten MCS zu erkennen:


      Wir lagen nicht in der Zugbahn und schauten noch eine Weile zu:


      Dann aber müssen wir wirklich los. Plan war weiter ostwärts bis Erlangen um dann über die A73 mit der Gewitterlinie aus Süden wieder peu a peu gen Thüringen zu fahren. Wurde aber nichts. Zu sehr war der Regen bereits vor den eigentlich aktiven Zellen und zu nah an der Autobahn. Also ging es die gleiche Strecke zurück. Der Regen kam noch weiter nordwärts voran und erlaubte uns erst wieder an der AS Gramschatzer Wald abzufahren und uns bei Bergtheim wieder zu platzieren. Der Cluster lag südlich von uns und es waren ein paar Blitze durch Flackern zu erahnen.


      Da nun aber auch hier wieder Regen einsetzte, bauten wir ab und gingen ins Auto und fuhren zurück. In der Ortschaft dann ein heller Blitz links von uns. Die Blitzanalyse verriet - war nicht weit weg von der Feldeinfahrt wo wir draußen standen. Das war nochmal gut gegangen... Es folgte die Rückfahrt bis Erfurt-Ost, wo wir wieder umpackten und umstiegen. Nach Mitternacht ging es dann zumindest für mich ins Bett um kurz vor 6 Uhr wieder von Gewittern geweckt zu werden...

      Reflektion:
      - Blitzschlaggefahr im stratiformen Niederschlag vor dem eigentlichen Core nicht unterschätzen. Der Einschlag lag sehr nah an der Stelle, wo wir draußen standen -> lieber etwas nördlicher positionieren
      - Abstimmung über Navigation anhand der aktuellen Lage lief sehr gut, später auch via Funk mit Ronny und Luise
      - das Ilmenauer Stadtgebiet wg. möglicher Überschwemmungen zu meiden war die richtige Entscheidung

      In der Summe aus Sicht des Chasers ein erfolgreicher Tag. Für die gefahrenen Kilometer wurde man am Ende mit eindrucksvollen Strukturen belohnt und der Würzburg-Fluch ist gebrochen ;) Der Abstecher nach Chemnitz im Nachgang betrachtet unnötig, im Vorfeld aber als Option gesehen und entschieden. Ist halt so. Kommunikation und Navigation (mal wieder mit dem Atlas auf meinem Schoß) haben wunderbar geklappt. Carsten, du hast prima als Fahrer durchgehalten, Respekt!

      Markus
    • Danke euch für den positiven Zuspruch!

      Dany (SHL) schrieb:

      Markus schrieb:


      (mal wieder mit dem Atlas auf meinem Schoß)


      Lobenswert ! es lebe das Navigationspapier :)

      :) Amen! Macht immer noch am meisten Spaß...

      chris89 schrieb:

      Sehr schöner Bericht mit interessanten! Eine Frage bleibt aber noch offen: Wen haben sich die Mücken diesmal ausgesucht?

      Es herrschte freie Auswahl.. Ich habe so an die 15 Stiche :)