01.08./02.08.2018 Gewitterthread

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    • 01.08./02.08.2018 Gewitterthread

      Heute ab den Mittagsstunden zunächst über dem Bergland, später auch in den übrigen Gebieten Schauer und Gewitter. Durch langsame Verlagerung wg mangelnder Höhenströmung kann lokal ergiebiger Starkregen fallen, bei beu entwickelten Zellen außerdem Hagel zw. 2 und 3cm Größe. Weitere Gefahr: Fallböen (Downbursts) durch die relativ hohe Wolkenbasen und trockene Grundschicht.

      Die Verteilung schwankte in den Modellen bis zuletzt, was nicht verwundert, da Orographie und lokale Konvergenzen eine entscheidende Rolle spielen.

      Markus
      Gründer und Organisator Thüringer Storm Chaser
      ESSL Voluntary Observer Person (Qualitätslevel QC1) (European Severe Storms Laboratory)
      Premium Advanced Spotter & Regionaler Ansprechpartner Thüringen (Skywarn Deutschland e.V.)
      Weitere Mitgliedschaften: Arbeitskreis Meteore e.V. • Cloud Appreciation Society
    • Ein u.A. starker Deckel hat heute tagsüber die Konvektion unterbunden. Der Punkt geht diesmal an die Modelle, die vorher bereits keine großflächige Konvektion simulierten als zB SuperHD oder WRF.

      In der Nacht/Donnerstagmorgen können entkoppelte Schauer/Gewitter auftreten, die durch etwas Hebung eines Randtroges aus SW ausgelöst werden.

      Am Donnerstag sind vielleicht noch im äußersten Westen/Südwesten einzelne Schauer und Gewitter denkbar, aber eher weniger wie generell im restlichen Land.
      Gründer und Organisator Thüringer Storm Chaser
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    • Am frühen Nachmittag hatte sich südöstlich von Carlsfeld auf tschechischer Seite des Erzgebirges eine kleine Gewitterzelle gebildet. Die Cb sah sehr ansehnlich aus:



      Ein etwas anderes Panorama, links 12:52Uhr MEZ, rechts 13:17Uhr MEZ:



      Später bildeten sich am Eisschirm ein paar Mammati:





      In Carlsfeld selber hat es nicht geregnet, Blitze waren ebenfalls nicht zu sehen. Nur das Donnergrollen hörte man in der Ferne. Gegen 14Uhr MEZ hatte sich die Zelle dann fast aufgelöst und es blieb nur noch der aus dem Eisschirm gebildete Cirrus übrig (der dann als Cirrus cumulonimbogenitus bezeichnet wird).
      Später hatte sich im Osten ein weiterer Cu con gebildet, der aber den Sprung zum Cb nicht ganz schaffte.

      Ich hab währenddessen auch zwei Zeitraffer gemacht, die werde ich morgen zusammenfügen und mit einstellen.

      Viele Grüße Kevin

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von KevinF ()

    • Schweres "Privatgewitter" in der Nacht zum 01. August mit Besonderheiten

      (Nicht bebildert, dennoch frohlockt es mich, in Textform mein Erlebnis von gestern zu teilen.)

      Nach dem heißesten Tag des Jahres mit 37°C in Leipzig (Bernburg in Sachsen-Anhalt knappe 40°C) und unerträglicher Bürohitze gestern erwartete ich in Sachen Gewitter schlichtweg gar nichts, denn erfahrungsgemäß geht Extremhitze in Deutschland auch immer mit sehr hohem Geopotential einher, sodass Hebungsantriebe Mangelware sind.

      Trotzdem konnte sich gestern Abend bodennah zumindest eine markante Konvergenz von Nord nach Süd ausgerichtet über Ostdeutschland etablieren. In ihr traten immer wieder kurze Schauer auf, nur ganz vereinzelt verirrte sich mal eine elektrische Entladung dazwischen. Die zugehörige Tiefdruckrinne bewegte sich ganz langsam nach Osten, was sich über Leipzig und Markkleeberg in Form einer vorgezogenen Dämmerung bemerkbar machte. Die dichte Wolkendecke bestand aus überwiegend stratiformer Bewölkung mit labilen Anteilen (also irgendwas in Richtung Ac str, Ac flo, Ac cas und später auch mehr in Richtung Cu med, Cu con, aber ohne sichtbaren Blumenkohl, sondern nur die dunkle Basis ).

      Da die Wolkendecke zum Sonnenuntergang aufzog, konservierte sie schön die heißen Abendtemperaturen, sodass es Mitternacht in einem Streifen von Magdeburg bis Leipzig noch knapp 30°C hatte. Zuvor erreichten schon einzelne Regenschauer die Region. Man muss sich dabei bewusst machen, dass sich die Schauer-Konvektion aufgrund des Inverted-V-Profils im Sounding ausschließlich in der mittleren bis oberen Troposphäre abspielte. Die Wolkenuntergrenze lag über 3.000 Meter hoch:

      weather.uwyo.edu/cgi-bin/sound…M=3112&TO=3112&STNM=10548


      Erste Entladungen

      Gegen 21.45 Uhr schaute ich Richtung Westen einer dunklen Basis entgegen. Daraus erwuchs ein Schauer, der in der Umgebung den ersten nennenswerten Regen hervorbrachte. Alle anderen Zellen brachten jeweils nur ein paar abzählbare Tropfen, so auch über meiner Wohnung, da der Rest auf dem Weg zum Erdboden bereits verdunstete. Dann hörte ich ein Geräusch, dass wie Feuerwerk klang und dachte zunächst daran, dass dies doch bei der Waldbrandgefahr untersagt sein müsste. Dann sah ich aber ein Flackern in den Wolken, woraufhin mein Nachbar meinte: "Das gibt bestimmt noch was." Er sollte Recht behalten.

      Die ersten Entladungen klangen so schwach, dass sie von herkömmlichem Feuerwerk kaum zu unterscheiden waren. Sie wurden auch nicht von der Blitzortung registriert. Die Zelle war recht nah, dennoch kam auch später nur ein schwacher Donner an. Das Gewitter streifte Markkleeberg, lud seine 10 Tropfen ab und verschwand wieder - ich glaube, in diesem Falle kann es zu Recht als "Mini-Gewitter" bezeichnet werden. :grins Zurück blieb angefeuchtete Luft, die sich bald auch schwül anfühlen sollte. In Verbindung mit den Temperaturen und der Dunkelheit konnte man durchaus von Mittelmeer-Feeling sprechen.

      Erst gegen 23.30 Uhr, als ich bereits das Bett aufsuchen wollte, erregte eine neue kräftige Zelle bei Lützen meine Aufmerksamkeit. Diese schien stärker als zuvor und hatte einen kräftigeren Kern. Außerdem blitzte sie regelmäßiger, häufiger, heller und vor allem dauerhaft. Ein dunkles Grollen war diesmal aus der Ferne zu hören. Ich ergriff kurzerhand die Initiative und fuhr fix zum See für einen freien Blick nach Westen. Doch es war zu spät: Im Vorfeld bildeten sich frische, junge Zellen. Aus einzelnen Tropfen wurde ein kleiner Platzregen. Radfahrer im T-Shirt, welche um diese Uhrzeit bei schweißtreibenden Temperaturen vom See wegfuhren und schwitzten, bekamen eine Dusche ab und suchten das Weite. Ich fuhr auch zurück und war zu Hause wieder im Trockenen, bevor ich beim Erreichen der Wohnung erneut von großen Tropfen überrascht wurde. Mittlerweile flackerte es sehr heftig und der Donner kam näher. Den Rest des Spektakels sah ich mir dann von der Wohnung aus an.


      Starkregen und starke Knaller

      Gegen Mitternacht setzte Starkregen ein, der in der Intensität variierte und nun mehrere Stunden anhalten sollte. Blitz & Donner kamen näher und weckten Markkleeberg und den Leipziger Süden auf. Die Brecher brachten ordentlichen Sound, Naheinschläge (drei davon etwa 300m entfernt) erschreckten viele im Markkleeberger Norden. Zwar war nur ein CG+ dabei, doch auch die CG- gingen bei kachelmann fast alle als starke Knaller durch:

      kachelmannwetter.com/de/blitze…stadt/20180731-2255z.html

      Die Storm Chaser, die unterwegs waren, berichteten von vielen sichtbaren Blitzkanälen und Mehrfacheinschlägen, wie die Blitzortung auch gut wiedergibt. Erst gegen 2 Uhr ließ der Regen hier deutlich nach, die kalibrierte Summe zeigte um 20 bis 30 Liter/qm an. Danach löste sich die Zelle rasch auf. Doch auch das ging noch einmal mit einem interessanten Phänomen einher: Am meteorologischen Institut in Leipzig stieg die Temperatur gegen 2 Uhr von 26 noch einmal kurz auf 31°C an, der Taupunkt sank kurzzeitig auf 9°C, Wind kam auf und der Druck fiel für kurze Zeit, wie mir Christoph G. mitteilte. Das Phänomen dazu ist sehr selten und nennt sich "Heat Burst" oder rückseitiges Absinken und ich kannte es bislang nur aus den USA. Doch die Charakteristik der Messwerte war hier eindeutig, eine Erklärung dazu findet man in der englischsprachigen Wikipedia: en.wikipedia.org/wiki/Heat_burst.

      Alles in allem wohl eines der besten Spottings, die ich seit 2013 hier erlebt habe und sehr verdient nach dem extrem heißen Tag, wie ich finde. :) In Markkleeberg vermeldete die Feuerwehr am Morgen übrigens auch Schäden. Drei Einsätze waren bei Facebook vermerkt mit jeweils einem Baum auf Auto / Haus / Straße.
      Meilensteine:
      - wetterinteressiert und unwetterbegeistert seit Beginn der 2000er Jahre
      - TSC-Mitglied seit 2007, aktiver Chaser seit 2010
      - eigenes Portal seit 2017: faszination-sturmjagd.de

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Chris ()

    • Ich äußere mich zu letzter Nacht auch mal kurz.

      Ich (Wir) durften mal so richtig am eigenen Leib erfahren was es heißt, wenn sich Städte tagsüber aufheizen und Nachts nur langsam bis kaum abkühlen. Hotelzimmer gegenüber vom Hauptbahnhof im Obergeschoss (4.OG) = Schöne Aussicht aber schlecht zum schlafen bei Temperaturen jenseits der 30 Gradmarke. Die Nacht davor hatte sogar ein Thermometer am Bahnhof gegen 22 Uhr noch 34 Grad angezeigt. Allein die Vassaden der Gebäude haben beim vorbeigehen dermaßen Wärme abgestrahlt, dass es sich so anfühlt als ob man im Winter die Heizung auf 5 gedreht hat und der warme Schwall einen entgegen kommt wenn man in Heizungsnähe ist. Hab ich jedenfalls hier in unseren kleinen, gemütlichen Heiligenstadt nie so extrem wahrgenommen. Ist ja klar, ist ja auch kleiner. Gut, nun zur Gewitternacht.

      In der besagten Nacht war es ein paar Grad kühler (trotzdem noch um die 30!), weil es ca. Eins-zwei Stunden vor der Dämmerung zuzog und es keine direkte Einstrahlung mehr gab (wie Chris schon beschrieb).
      Ab ca. 22 Uhr vernahm ich auch erstes Geflackere Richtung Südwest. Hab mir nichts dabei gedacht. Dachte halt nur:Ach, wird eh nur ein kurzes Intermezzo, wie's halt so ist bei dieser schwachgradienten Witterung. Nachdem die Kid's dann schliefen, hielt ich mich noch für ein paar kühle Getränke mit Eis in der Lobby auf und ging immer mal raus zum "gucken was das Wetter macht" (Rauchen). Mit jeden Glimmstängel kam das Gewitter etwas näher. Ach, Blitzt ja immernoch, Uhi, was für Brummer von Schlägen, könntest ja jetzt langsam hochgehen. - Waren gegen 1 Uhr meine Gedanken. Oben angekommen, genoss jch dann die freie Sicht bei offenem Fenster auf ein schönes Nachtgewitter im typischen "Lampenschirmstil". Ich überlegte ehrlich gesagt auch kurz, ob ich zwei Bier einpacke, schnell Richtung Markleeberger See fahre um vermutlich auf Chris zu treffen. Aber, nee. Ich blieb diesmal hart und verdrängte den Gedanke schnell. Da ich ja schließlich im "Urlaub" war, wir einen langen Tag vor uns haben und ich das Gewitter ohne irgendwo draufrum zudrücken genießen wollte. Und es war die richtige Entscheidung. Mittlerweile war es glaub ich auch schon um 2.30 Uhr und es beruhigte sich wieder. Regen fiel kaum. Das meiste zog südlich des Zentrums durch. Aber viele Schläge gingen schon ganz schön tief in die Magengrube. Ich fand auch, dass häufig der Donner plötzlich und heftig kam. Also garnicht erst leise anfing und rasch lauter wurde und dann wieder langsam leise. -Sondern gleich mit einem riesen Gebrüll über die Menschheit herfiel. War schon irgendwie beeindruckend und faszinierend.
    • Erfurt aktuell:
      Gründer und Organisator Thüringer Storm Chaser
      ESSL Voluntary Observer Person (Qualitätslevel QC1) (European Severe Storms Laboratory)
      Premium Advanced Spotter & Regionaler Ansprechpartner Thüringen (Skywarn Deutschland e.V.)
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    • Hier war´s nur teilweise spannend heute morgen. Habe anfangs die Böenfront aus der Ferne gesehen, umso näher sie kam wurde sie jedoch von einer neuen Zelle verdeckt. Aufgrund der recht begrenzten Sicht sowie Starkregen habe ich mich dann nicht noch extra auf den Weg für ein paar Fotos gemacht. Die Blitze waren hin und wieder recht ordentlich und wurden kraftvoller je weiter die Front über uns hinweg zog.

      Relativ stark zugeschnittenes Bild der Böenfront , wirkte zu dem Zeitpunkt recht imposant. Leider konnte man dann nichts mehr davon sehen.

    • Peter, das was du da so schön beschreibst, zeigt auf, wie fremde Umgebungen und Ereignisse wahrgenommen werden, wenn man dort zu Gast ist. Neben den Eindrücken der Stadt verbindest du Leipzig wahrscheinlich jetzt noch zusätzlich mit einem schönen Gewitter und Extremhitze zwischen den Häuserwänden. :grins

      Zugegebenermaßen war es schon ein wirklich außergewöhnliches Ereignis (Extremhitze + vereinzelte Zelle bei Nacht + heftige Einschläge), das gibt es hier so auch nicht alle Tage. Trotzdem konnte ich hin und wieder schon beobachten, dass die Hitze der Stadt für die Auslöse oder Verstärkung von Zellen mit verantwortlich ist und es heftiger "knallt" als in der Umgebung - mit entsprechenden Effekten (lokale Überflutungen, Hagelschlag, mehr Blitze). Man denke an den 16.06.2006 (Großhagel), 20.06.2013 (Starkregen) oder den 27.07.2016 (zwei heftige Zellen mit ihrer maximalen Intensität im Leipziger Stadtgebiet).

      Mich persönlich hat es von den Blitzen her an den 02.05.2012 (Nachtgewitter aus Südost mit heftigen Einschlägen) erinnert. Vom gesamten Feeling her fühlte es sich hingegen eher an wie ein Gewitter auf unserer Ligurien-Abschlussfahrt (Norditalien) im Jahr 2006. Das ging damals auch bei großer Hitze am Abend sehr schwach auf dem Meer los, zog dann mit ordentlichen Blitzen und Starkregen landeinwärts und schwächte sich nach Stunden erst wieder ab. Am nächsten Tag war es dann wieder heiß. Mittlerweile scheint es so, als sind wir hier auch in diesem Klima angekommen.
      Meilensteine:
      - wetterinteressiert und unwetterbegeistert seit Beginn der 2000er Jahre
      - TSC-Mitglied seit 2007, aktiver Chaser seit 2010
      - eigenes Portal seit 2017: faszination-sturmjagd.de

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Chris ()

    • Ein paar Bilder aus der Ferne habe ich auch noch.

      Auf dem Flugplatz im Krs. Hohnstein an der Nordthüringer Grenze habe ich die ganze Nacht gewacht.

      Gegen Morgen dann ein erstes Blitzen am Horizont hinter der Hainleite, später dann auch über dem Harz.
      Karte
      Karte


      Von meinem Standpunkt aus konnte man meinen, da bewegen sich zwei Gewitterlinien aufeinander zu.

      Die Nacht über hatte ich Nordwind mit 28°, dann zögerlich einsetzender Regen gegen Mitternacht, der sich dann auch steigerte. Jedoch ein moderater Landregen, der dann gegen 2°° auch schon wieder vorbei war.

      Bis halb sieben zuckten Blitze am Horizont, bis sich die Wetter ausgetobt hatten.



      Über dem Harz Sachsen/Anhalt, wahrscheinlich bei Thale





      Viel Niederschlag dort, die Sichtweite nicht so, wie sonst.





      Die letzten Blitze gegen 6.30 Uhr bei Mansfeld
      Liebe Grüße von der Deern

      honeysuckle-honeysuniversum.blogspot.de/
    • @ Loni.
      "Auf dem Flugplatz im Krs. Hohnstein an der Nordthüringer Grenze habe ich die ganze Nacht gewacht."

      Wo ist denn dieser Flugplatz? Ich wollte mal nachschauen ...ich habe aber unter Kreis Hohnstein nichts gefunden..??