Thread (Schwer)Gewitterlage 05.05./06.05.2015

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    • Thread (Schwer)Gewitterlage 05.05./06.05.2015

      Hallo zusammen,

      ich greife schon mal vor, da ich morgen keine Zeit für den Thread habe. Für den kommenden Dienstag (05.05.) deutet sich eine erste potentielle Schwergewitterlage an, nachdem mit einer kräftigen Südwestströmung an diesem Tag feuchtwarme Luftmassen nach Deutschland strömen, die uns erst einmal Höchstwerte von über 20, teils um/knapp über 25°C bescheren.

      Gleichzeitg liegen wir auf der Vorderseite des europäischen Langwellentroges, an dem kurzwellige Anteile ablaufen, durch die ein Randtief über der Nordsee induziert werden soll.

      DI, 17 Uhr MESZ:
      Tiefzentrum über der Nordsee, Warmsektor mit Gewittersack (Ausbuchtung der Isobaren dort in "U-Form" über Bayern), Kaltfront über Westdeutschland (zu erkennen an den kleinen Ausbuchtungen in den Isobaren und natürlich der nachfolgenden kalten Luftmasse, zu erkennen an den grünen Farben, die später noch blau werden)


      300hPa Vorticity:


      Entwicklungsgünstig kommt der Jet hinzu, an dessen rechten Ausgang wir (Deutschland) liegen:


      CAPE kann Werte um bzw. übe 1.000 J/kg erreichen, Gehalt an niederschlagbarem Wasser liegt zw 25 und 35 mm (nicht gezeigt):


      Durchaus hohe Paramter zu erwarten, die vom Timing her nun noch so zueinander passen müssen, um die erste Schwergewitterlage zu produzieren. Es wird spannend!

      Timing derzeit eher zum späten Nachmittag/Abend/Nacht zum Mittwoch. Die nächsten Läufe abwarten, kann noch vieles dran geschraubt werden...

      Updates folgen...
      Gründer und Organisator Thüringer Storm Chaser
      ESSL Voluntary Observer Person (Qualitätslevel QC1) (European Severe Storms Laboratory)
      Premium Advanced Spotter & Regionaler Ansprechpartner Thüringen (Skywarn Deutschland e.V.)
      Weitere Mitgliedschaften: Arbeitskreis Meteore e.V. • Cloud Appreciation Society
    • DWD via Facebook:


      Quelle: DWD

      Update: Sehr schöne Einschätzung in der Abend-Synop von Marcus Beyer:


      ...
      Dienstag ... kommt der umfangreiche Langwellentrog allmählich weiter in Richtung
      Deutschland voran. Damit dreht die Höhenströmung noch stärker auf Südwest und
      ist zudem recht kräftig, was an der starken Drängung der Isohypsen zu erkennen
      ist. Die 850 hPa Temperatur klettert insbesondere in der Südhälfte auf mehr als
      15 Grad.

      Am Alpenrand verstärkt sich mit der kräftigen südwestlichen Höhenströmung der
      Föhn, sodass in den Hochlagen der Alpen mit Föhnsturm zu rechnen ist. Mit dem
      Föhn steigen die 850 hPa Werte in Südbayern auf über 20 Grad. Durch längere
      Einstrahlung sind dort dann Höchstwerte um oder knapp über 30 Grad möglich. Aber
      auch sonst gibt es im Warmsektor vielerorts einen Sommertag.

      Etwas anders schaut es in Richtung Nordwesten aus. Dort liegt man noch längere
      Zeit im Einflussbereich der Warmfront und zudem folgt rasch der Okklusionspunkt
      des Frontensystems nach. Fehlende Einstrahlung belässt damit die Höchstwerte
      meist unter 25 Grad.

      Die Hauptaufmerksamkeit ist schließlich auf die im Laufe des Nachmittages
      nachfolgende Kaltfront gerichtet. Dahingehend gibt es auch noch gewisse
      Modellunsicherheiten. Insbesondere bei der deutschen Modellkette werden viele
      Wolken und zeitweiligen Niederschläge im Westen und Südwesten simuliert, die ein
      stärkeres Aufheizen verhindern würden. Das ECMW und EURO4 sind diesbezüglich
      weniger aggressiv. Demnach gibt es kaum Niederschlag und Sonne würde eine
      weitere Aufheizung zur Folge haben.

      OSTEN UND SÜDEN:
      Dort ist die Entwicklung einer Schwergewitterlage als recht wahrscheinlich
      anzusehen. Längerer Sonnenschein und kräftige Aufheizung sorgen vor Erreichen
      der Kaltfront am späten Nachmittag und Abend für eine ideale Luftmasse.

      Gestützt durch die linke Jetausgangsseite und damit Höhendivergenz wird vor
      allem im Bereich des Okklusionspunktes kräftige Hebung simuliert. Die Luftmasse
      zeichnet sich zudem durch hohe Labilitäts- und Feuchtewerte aus, sodass von den
      COSMO, wie auch WRF CAPE-Werte bis 1500 J/kg vorhergesagt werden. Der
      Flüssigwassergehalt liegt zwischen 30 und 35 mm, lokal auch noch darüber. Trotz
      recht hoher Zuggeschwindigkeiten (W500: um 50 kn) ist die Überschreitung des
      Unwetterkriteriums für Starkregen vereinzelt möglich.

      Der Hauptaugenmerk sollte aber auf größeren Hagel (hohe CAPE-Werte und kräftige
      hochreichende Windscherung) und vor allem kräftigen Wind gerichtet werden. Zum
      einen lässt der Luftdruckgradient an sich schon starke bis stürmische Böen zu.
      Zum anderen werden 850 hPa Winde im Bereich zwischen 40 und 50 kn vorhergesagt,
      wobei die Windkomponente vor allem über der Südhälfte nahezu frontsenkrecht ist.
      Auch die prognostizierten Drucktendenzen deuten auf den Durchgang einer
      Druckanstiegswelle hin. In Verbindung mit dem sich entwickelnden Cold-Pool sind
      dadurch durchaus schwere Sturmböen möglich.

      Über dem Süden soll sich föhnbedingt ein Leetief entwickeln, sodass mit
      Durchgang der Kaltfront eine Winddrehung von 180° erwartet wird. Etwas fraglich
      ist noch, wie weit die trockenen Föhnluftmassen nach Norden ausgreifen und
      Konvektion unterdrücken. Gerade über dem äußersten Süden ist auch der Durchgang
      einer trockenen Druckanstiegswelle denkbar, die aber ebenfalls von Sturmböen
      begleitet sein kann.

      NORDEN:
      Einen weiteren Schwerpunkt bildet der Trippelpunkt des Frontensystems, der über
      den Norden zieht. Zwar ist dort thermisch kaum etwas zu erwarten. Allerdings ist
      in diesem Bereich gestützt durch den Höhenjet die dynamische Komponente am
      stärksten. Aufgrund langsamerer Zuggeschwindigkeiten spielt weniger Wind, dafür
      aber verstärkt unwetterartiger Starkregen eine Rolle. Zudem ergibt sich in
      diesem Bereich eine gute Überlappung von niedrigen Wolkenuntergrenzen (400 bis
      600 m) und kräftiger Scherung zwischen 0 und 1 km (15 bis 20 m/s). Entsprechend
      gibt es dort auch ein erhöhtes Tornadopotential.

      ZUSAMMENGEFASST:
      Für den Dienstag steht aus jetziger Sicht die erste richtige Schwergewitterlage
      ins Haus. Dabei stellen nach Osten und Süden Wind und Hagel die Hauptgefahr dar,
      während nach Norden Starkregen und Tornados eine Rolle spielen.
      Am Alpenrand ist
      auch der Durchgang einer trockenen Druckanstiegswelle möglich. Weiter in
      Richtung Westen und Südwesten ist die Unwettergefahr aus jetziger Sicht deutlich
      geringer.

      In der Nacht auf Mittwoch zieht die Kaltfront ostwärts aus Deutschland ab.
      Anfangs besteht vor allem in Richtung Osten und Südosten noch Unwettergefahr.
      Hinter der Kaltfront kommt ein Schwall deutlich kälterer Luftmassen mit 850 hPa
      Temperaturen unter 5 Grad nach. In Richtung Alpen beginnt die Kaltfront etwas zu
      schleifen, sodass es vor allem südlich der Donau noch länger anhaltend und
      ergiebig regnen kann. Im Rest des Landes klart der Himmel postfrontal zum Teil
      stärker auf und es kann sich gebietsweise teils dichter Nebel bilden. Der Wind
      weht vor allem im Umfeld der Nordsee und auf den Bergen in Böen noch teils
      stürmisch und kommt weiter aus Südwest...

      Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
      Dipl. Met. Marcus Beyer
      Gründer und Organisator Thüringer Storm Chaser
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    • Update 04.05.2015, 21:00 Uhr

      Eben nochmal mit Martin die Lage besprochen. Sehr viel schlauer können wir euch nicht machen im Vergleich zu den Vortagen, da einfach zu viele Dinge eine Rolle spielen und nicht absehbar ist, wie das alles vom Timing her passt. Grundsätzlich werden die besten Bedingungen mit jedem Stück weiter nach Osten in Richtung Sachsen zu finden sein. Wer dorthin aufbrechen möchte, sollte zeitig (früher Nachmittag -> aber Nowcastsache) aufbrechen. Mit Glück entwicklen sich noch die ersten Zellen im Osten/Südostthüringen, insofern bis dahin der Deckel geknackt ist. Dieser ist am Vormittag bis in den Nachmittag recht starkt (CIN zw. 100 zu Beginn, später in Richtung 50 sinkend).

      Morgen Früh/Vormittag werde wir noch einige Warmfrontbewölkungsreste über uns haben, sodass Einstrahlung bedingt stattfindet (je weiter nach Sachsen, umso besser). Ob der Saharastaub morgen noch mit entscheidend ist, bleibt fraglich. Eine Konvergenz ist etwa mittags möglich, wird wohl auch eher für Sachsen interessant. Später dann eine erste Kaltfront, mit der verstreut ein paar Zellen möglich sind. Zu beachten sind die recht starken Höhenwinde, sodass mit Sturmböen bei auftretenden Zellen zu rechnen ist, ebenso Hagel und Starkregen. Wegen des starken Windes verlagern sich die Zellen recht schnell.

      Alles Andere bitte Morgen über die gewohnten Nowcastingmittel verfolgen und beobachten.

      Martin, hab ich noch was vergessen?

      VG


      Update 05.05.2015, 06:00 Uhr: Estofex



      Storm Forecast

      Valid: Tue 05 May 2015 06:00 to Wed 06 May 2015 06:00 UTC

      Issued: Mon 04 May 2015 22:39

      Forecaster: PUCIK

      A level 1 was issued for SE Germany, NW Austria,
      Bohemia, W Poland mainly for large hail, severe wind gusts and to the
      lesser degree for tornadoes.

      A level 1 was issued for N Germany mainly for severe wind gusts and tornadoes.

      SYNOPSIS

      Main
      synoptic-scale feature will be a deep trough over the Atlantic as
      steering southwesterly flow ovespreads much of W and Central Europe.
      With tropical airmass spreading northward, a ridge will also amplify
      from the Mediterranean through Balkans into Poland. Short-wave will
      rotate around trough, from BENELUX towards Denmark and S Scandinavia.
      Closer to the surface, frontal system of seasonably deep low pressure
      system will affect Central Europe. Cold front will progress eastward
      during the day, reaching W Poland, Bohemia and Austria till Wednesday
      morning.

      Most of the DMC activity will be confined to the warm sector of the frontal system, ahead or along the cold front.

      DISCUSSION

      ... SE Germany, NW Austria, Bohemia, NE and N Germany, W Poland ...

      As
      strong SW-ly flow overspreads warm sector with 500 hPa windspeeds above
      20 m/s, wind profiles will favour well-organised DMC, including
      supercells. DLS is forecast to reach values 20 - 30 m/s over the whole
      region. Over northern half of the area, LLS over 10 m/s is simulated as
      well, given 850 hPa flow reaching 15 - 20 m/s. Models indicate that a
      plume of steep lapse rates will contribute to hundreds J/kg of MLCAPE,
      perhaps locally even higher (especially close to the Alpine foreland).
      However, there is disagreement between the models regarding the degree
      of destabilisation. Furtheremore, it is possible that cloud cover may
      inhibit surface heating significantly.

      With short-wave travelling
      northwest of the risk area, forcing will remain in the form of
      low-level convergence zones ahead or along the surface cold front. There
      is also significant disagreement in models regarding initiation and
      coverage of DMC in particular areas.

      As such, situation is
      supportive of severe thunderstorms, primarily capable of large hail
      and/or severe wind gusts. Threat of severe wind gusts or tornadoes will
      be elevated over the northern part of area, where stronger low-level
      flow is forecast. If isolated supercell manages to track along the N
      Alpine foreland, steeper lapse rates and enhanced SREH may allow for an
      isolated report of very large hail. Due to the numerous uncertainities,
      Lvl 1 was kept for all mentioned areas.
      Gründer und Organisator Thüringer Storm Chaser
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    • Kurzes Update: Die aktuellen Messwerte (Drucktendenz, Taupunkte, Feuchte etc) zeigen eher Stabilisierung und wenig gewitterfördernde Parameter. Im Osten und Südosten tröpfelts eh vor sich hin. Der W/NW scheint mir noch geringe Chancen zu haben. Mal schauen, was aus Westen noch an Schauern kommt oder sich tatsächlich noch neu bildet. Aktuell sehe ich hier in EF nicht gerade mächtige Quellungen. Himmel und Radar sollten weiter im Auge behalten werden, solange die Kaltfront (derzeit HE/NRW) nicht durch ist.

      Grüße aus EF
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    • 05.05.15 Glückstreffer bei Vollradisroda

      Hallo Leute,

      eigentlich hatte ich heute nichts mehr erwartet und war gerade dabei, bei Vollradisroda noch ein paar Raps bzw. Abendstimmungsbilder zu machen. Das Radar sah bescheiden aus und so beschloss ich, nach Hause zu fahren. Das war gegen 21:00 Uhr. Leider wollte mein Hobel nicht anspringen und so verbrachte ich ca. eine viertel Stunde mit fluchen, diversen Schimpfwörtern ( nicht jugendfrei) und gut zureden. Schließlich sprang er an und just in dem Moment vernahm ich im Augenwinkel ein Leuchten. Nachdem ich mich erst einmal selbst für blöd erklärt habe schaute ich dann doch nochmal genauer hin und tatsächlich, in Richtung Naumburg hatte sich eine Zelle entwickelt, der ich sogar noch einen Blitz abringen konnte. Was für ein Zufall...das ganze ging dann relativ zügig ein, hinterherfahren mit meiner Gehhilfe wäre sowieso sinnlos gewesen. Mein Auto sprang dann auch wieder an und ich konnte froh gemut den Heimweg antreten. Hier der Glückstreffer, Bilder von den Abendstimmungen folgen noch...

      Gruß
      Kay