USA Storm Chasing 2019 - Rückblick als Chaselog

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    • USA Storm Chasing 2019 - Rückblick als Chaselog

      Hallo zusammen,

      unabhängig vom Blog möchte ich hier im Forum noch einmal meine Bilder der einzelnen Tage und ein paar Gedanken dazu schreiben.

      Los geht's mit Chasing-Tag #1 am 17.05.2019:

      Nach Ankunft in Chicago am Vortag fuhren wir 1.200 km nach Nebraska. Wir erwarteten nicht viel weil wir nicht wussten ob wir noch rechtzeitig ankommen. Ein Gewitter wäre schön und ein Gewinn für die erste Jagd in den USA für Jörg und Felix. Wir erreichten die McCook Superzelle vom Osten nach dem 1. Tornado :


      Ein erstes Treffen mit Einheimischen am Straßenrand. Sie konnten sogar etwas deutsch und luden uns zu einer Party ein paar Tage später ein - müssen wir leider ablehnen, da sicherlich nicht mehr in der Ecke unterwegs. Dafür wollten sie uns unbedingt noch ihren Bullen im Anhänger vorstellen - Mr. Handsome :) Wegen dem Niederschlag einer Neuentwicklung fahren wir kurz einige hundert Meter zurück, kehren dann aber wieder an den 1. Punkt zurück:


      Die Regenvorhänge versperrten uns die Sicht auf den 2. Tornado bei Farnam. Wussten wir zu dieser Zeit nicht.

      Als wir das Südende der Superzelle erreichten, war es zu spät um ihr nochmal zu folgen. Die Rückseite an sich aber strukturell sehr fotogen:




      So haben wir wenigstens seltene Bilder der McCook Superzelle ohne den Tornado :grins, den gefühlt sonst jeder hatte.
      Gründer und Organisator Thüringer Storm Chaser
      ESSL Voluntary Observer Person (Qualitätslevel QC1) (European Severe Storms Laboratory)
      Premium Advanced Spotter & Regionaler Ansprechpartner Thüringen (Skywarn Deutschland e.V.)
      Weitere Mitgliedschaften: Arbeitskreis Meteore e.V. • Cloud Appreciation Society
    • Der zweite Tag (18. Mai 2019) führte uns südwärts an die Grenze Kansas/Oklahoma. Team Sachsen-Anhalt war ebenfalls von Westen her in das gleiche Gebiet unterwegs. Wir rechneten mit einzelnen Superzellen am Abend. Man musste nur die richtige heraus picken. Wie einfach, haha :)

      Bei Alva (Oklahoma), welches auch unser Zielort war, kam es zum Zellsplit. Der nördliche Teil war erst interessant:


      ...entschied sich aber bald zu sterben. Der südliche Teil hielt etwas besser durch. Den schauten wir uns mit einigen anderen an:


      Weiter südwärts erweckt eine zweite Zelle zwischen Cherokee und Carmen unser Interesse. Wir überholen sie als die Wallcloud gerade in eine Shelfcloud übergeht. An einer Kreuzung mahen wir halt:




      Wir halten noch zwei weitere Male als wir ihr voraus fuhren. Wir stehen direkt unter der Walze. Die Bewegung der verschiedenen Wolkenkanten an der Unterseite fasziniert uns und hypnotisiert regelrecht. Hoch, links, runter, rechts, weg, neu, jetzt da - so muss man sich es vorstellen.








      Wir fahren noch bis Enid und treffen dort auf das Team SA. Sie hatten die gleiche Zelle am Ende von Süden her noch erreicht. Beim Abendessen besprechen wir noch die ersten Eindrücke des Landes, der USA und den Plan für die nächsten Tage.


      Markus
      Gründer und Organisator Thüringer Storm Chaser
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    • Aus der Reihe "Waaaaaasss, da seid ihr so viel gefahren?". Ja, sind wir! Das Land ist sehr groß!

      Mit Team SA fahren wir ins Texas Panhandle, wo wir für den übernächsten Tag ein Setup mit viel Dynamik erwarten. Auf dem Weg dorthin machen wir einen Abstecher zum El Reno - Denkmal von Tim Samaras und Co. Und wie es so ist treffen wir auch andere Chaser. Darunter ist Stavros aus Griechenland, den ich schon länger virtuell kenne. Er ist mit einer Gruppe US-Chasern unterwegs. Wir kommen alle ins Gespräch und machen noch ein Gruppenfoto:

      Der Rest des Tages ist fahren, kurz Pause machen und wieder fahren - bis wir in Childress, TX ankommen. Dort stoßen Ronny und Luise zu uns. Und: Wir quatschen noch mit einem Chasing-Team aus Neuseeland. Die ganze Welt ist da - die Bewohner vor Ort sehen die Welt jedoch meist nur bis zur nächsten Stadt...

      Das SPC gibt ein High Risk heraus - also kein schöner Tag aus Sicht eines Chasers wie auch für die Bewohner. Viel Dynamik, viel Feuchte, viel Energie. Viele Superzellen sind möglich und zahlreiche Tornados. Man möchte eigentlich gar nicht jagen, tut es dann aber doch. Wer kann da schon ruhig bleiben und es vollkommen ignorieren?

      Da der High Risk-Tag auch der erste Tag mit der gesamten Truppe und 3 Fahrzeugen ist, die zum erstmal Mal koordiniert werden müssen, bin ich durchaus nervös und gehe lieber auf Nummer sicher - also mit mehr Abstand. Wir machen vor dem Start noch eine Vorbesprechung und verlagern uns südwärts Richtung Paducah. Der Himmel ist voll mit Stratus, Stratocumulus und darüber noch mittelhohe Bewölkung. Man sieht nicht viel. Als die ersten Zellen hochpoppen geht es sehr schnell bis zur Superzelle und bald zum ersten Wurfversuch. Eine Zelle südlich von Paducah hat auch geschmissen, also einen Tornado produziert. Weiteres Problem an diesem Tag: Man hatte sehr häufig gleich zwei Superzellen nebeneinander, die sich bald negativ beeinflussten:


      Und so sieht es am Himmel aus - wie öde:




      Wir folgen den Zellen nordostwärts und landen wieder östlich von Childress. Die vorbeiziehende Zelle wird später den Mangum-Tornado produzieren. Wir bleiben aber nicht dran, sondern orientieren uns traditionell eher nach Süden wegen der Neuentwicklungen. Wir bekommen eine weitere Zelle die sich mit Shelfcloud und einzelnen schönen Erdblitzen präsentiert:


      Nett. Wieder nach Süden. Bei Guthrie, TX haben wir nochmal eine Chance. Zumindest ein paar schöne Erdblitze sehen wir. Strukturell, naja:


      Aber genau da drin ist ein regenverhüllter Tornado laut Meldung. Wir fahren zügig durch Guthrie als die Sirenen heulen. Jetzt sind wir etwas zu nah und sollten schnell südlich ausweichen. Doch noch hohes Risiko an diesem Tag ;)

      Das Radarbild zeigt zwar keine klassiche Superzellenstruktur, aber aus solch einer ging diese Zelle hervor. Man achte auf die Einkerbung in der Zelle, die auf Einstrom (Inflow) schließen lässt. Die Form der Zelle mit ihrem "Kringel" sollte erkennbar sein:


      Am Straßenrand schauen wir der Konvektion noch zu und fahren letztendlich runter bis nach Abilene. Und auch da lassen uns diese nervigen Gewitter nicht in Ruhe. Selbst beim essen. Wir gehen aber dann später ins Bett. Team SA fotografiert noch Blitze. Für den nächsten Tag sieht es in Oklahoma nicht verkehrt aus, aber es wäre ein Risikoritt für wenig Potenzial, dafür aber mit Überraschungsfaktor. Aber auch langem Fahrtag....

      So ist das chasen und High Risk. Man kann es eben doch nicht lassen.
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      ...und weil man es eben nicht lassen kann, geht man das Risiko ein und fährt von Abilene zurück nach Oklahoma. Wir sind also wieder einen ganzen Tag auf der Straße bis wir nach 677 km in Enid, OK ankommen. Ähnlich wie 2015 im Panhandle und südlich davon gab es auch 2019 Floodings. Viele Straßen waren im zentralen und östlichen Oklahoma deswegen gesperrt. Das müssen wir auch für unsere Strategie mit einplanen.

      Was anfangs noch als geringes Risiko beim SPC eingestuft wurde, wurde am Tag selbst zum Moderate Risk. Es sollte am Ende mehrere Tornados östlich von OKC geben. Wir haben uns aber gegen dieses Zielgebiet entschieden: Viele Straßen wegen Überflutung gesperrt, Berge und Wälder mit eingeschränkter Sicht, darauf haben wir kein Bock. Wir warten zunächst eine Weile in Guthrie OK die Entwicklung ab und lassen uns doch dazu hinreißen nach Süden zu fahren. Dazu müssen wir nochmal durch OKC, was besser ging als vorher gedacht. Dummerweise löste es im Norden an unserem Standort aus. Letztlich wurde aus dieser Zelle nicht viel mehr, aber zum Zeitpunkt der Auslöse und unserer Umentscheidung war ich verägert ;)

      Wir stehen nun in der schwülen Pampe und einem kleinen Keil, der die Konvektion wieder unterdrückt, in Lindsay südlich von Oklahoma City. In der Tankstelle verfolgen wir den Livestream der Nachrichtensender zum Wettergeschehen. Nach gut einer Stunde entschieden wir uns für eine Südoption: Wichita Falls. Da waren wir erst am Vortag durch und die Stadt hatte bereits eine isolierte Superzelle am Nachmittag in ihrer Nähe. Eine zweite war gerade in der Entwicklung.

      Während der Fahrt stellte Felix noch einmal seine Reatkion unter Beweis, als uns ein Reh vor das Auto laufen wollte. Es ging ohne Schaden für beide Parteien aus ;)



      Angekommen westlich von Waurika sehen wir schon erste Anzeichen für Abschwächung:


      Aber wir freuen uns über die nicht ganz so schlechte Sicht und die sterbende Zelle im Abendlicht:


      Um am nächsten Tag im TX Panhandle zu sein, fahren wir noch bis Vernon, wo wir uns ein Motel suchen.
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      Ein neuer Chasingtag! Und der wird nicht einfach. Die südliche Strömung bringt viel Feuchte und wir haben sehr schlechte Sicht. Es sieht wieder nach HP-Superzellen und damit auch im Regen verhüllten Tornados aus.

      An der Interstate 40 warten wir auf Auslöse an der Dryline und Outflow Boundary . Wir vertreiben uns die Zeit an einer alten Tankstelle und treffen auch andere deutsche Chaser:


      Wir verlagern uns weiter nach Norden, wo sich schon einige Zelle gebildet haben. Wir wollen die südlichen Neuentwicklungen nördlich von Pampa TX anfahren. Im Panhandle gibt es zwar mehr Hügel, jedoch keine dichten Wälder. Man sieht hier trotz Hügelland gut - wäre da nicht die feuchte Luft und schlechte Sicht. Um auch etwas näher an Struktur zu kommen, möchten wir heute auch offensiver vorgehen und uns näher herantrauen. Das bedeutet aber auch: Chaserkonvergenz! Und wir sind froh die Regel aus 2017 "gleich in Fluchtrichtung parken" treu anzuwenden. Grund:


      Alle wollen weg. Und wir sind an dieser Stelle wirklich schon recht nah dran. Man erahnt am Horizont die Wolkenkante in der Pampe nördlich von Pampa ;) Eine Art Wallcloud sahen wir davon süwestlich versetzt in Umrissen. Jedenfalls wollen wir hier weg und fahren östlich nach Canadian. Nach kurzem Tankstopp verlagern wir uns zurück nach Norden, wo eine Zelle gerade vorbeizieht. Was diese dicke, tiefe Wolke war, wissen wir nicht:


      Blick nach Norden:


      Jedenfalls ging von dieser oder der noch nördlicher anschließenden Zelle ein Tornado hervor. Dafür waren wir aber zu südlich. Und für regenverhüllte Tornados braucht man eine bestimmte Position um diese an der Rückseite der Zelle zu sehen und nicht zuletzt die nötige Prise Glück. Das trauen wir uns aber noch nicht zu.

      Daher schauen wir uns den Walschlund an:


      Über uns:


      Wir fahren nun nordöstlich von Canadian auf einen Hügel zum beoabchten. Dort beobachtet auch ein mobiles Dopplerradar und die örtliche Feuerwehr:


      Die Zellen aus Westen lassen wir heranziehen. Langsam geht auch das Licht weg. Dafür können wir noch eine schöne rotierende Wallcloud ohne viel Chaser-Traffic beobachten. Geschmückt mit ein paar netten Blitzen davor und neugierigen Kühen. Wir schauen eine Weile zu bis es Nacht wird.

      Letztes Licht, dann brechen wir auf und quartieren uns in Pampa ein.
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      Badetaaaaaag! 24. Mai südlich von Lubbock im Texas Panhandle. Wir müssen für eine Nord- oder Südoption entscheiden. Der Norden wird später das Rennen hinsichtlich Tornados machen. Der Süden hinsichtlich Floodings. Dort sind wir. Der Schirm einer der nördlichen Zellen liegt über uns:


      Es clustert früh zusammen und die Zellen laden jede Menge Regen ab. Durch rückwärtigen Anbau kommt es in unserem Gebiet zu Überschwemmungen. Nichts läuft irgendwo ab sondern bleibt einfach stehen. Zu Beginn füllen sich die Gräben:


      ...und bald die Straßen. Es wird zu einem gewissen Spaß durch die unterschiedlich großen Pfützen zu fahren. Irgendwann ging es dann aber nicht mehr:




      Somit fuhren wie die gleiche Strecke zurück die wir auch gekommen sind. Inzwischen stand da noch mehr Wasser.


      Haihappen freut es:


      In einigen Überflutungen hört man Froschkonzerte. Das hätten wir hier nicht erwartet. Verrückte Welt hier draußen.








      Von Lubbock aus wollen wir noch nach Amarillo, weil es am Folgetag weiter nach Norden gehen soll. Unterwegs schöne Stimmungen:


      Und ein großer Wolkenteppich mit Mammatus :


      Am Big Texan Steak House reservieren wir einen Tisch. Solange schauen wir uns den abziehenden MCS an:


      Und dann wird gegessen:


      Lustiger Tag.
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