11.07.2010: Der Cumulonimbus aus dem Bilderbuch / Helmetal, Kindelbrück

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    • 11.07.2010: Der Cumulonimbus aus dem Bilderbuch / Helmetal, Kindelbrück

      Hallo Sturmjäger!

      Einige von euch haben ja schon von dem "Traum-Cb" am 11.7. berichtet.
      (Markus: LINK , Maurice: LINK )

      Ich war noch ein kleines Stück näher dran, und bin dann auch mal ein Stück in den Kern der Zelle gefahren. Dazu an
      dieser Stelle mein Chasingbericht von diesem "sagenumwobenen" Tag:

      Am 11. Juli herrschte über Thüringen eine immense Hitze und Schwüle. Die Luft war damit für Gewitter äußerst
      prädestiniert. Den Auslösemechanismus setzte an diesem Tag eine Konvergenzzone in Gang. Die
      Geschwindigkeitsscherung blieb sehr gering, sodass die Gefahr hauptsächlich von Starkregen ausging.

      Ein leichter Deckel sorgte in Nordthüringen für einen weitgehend wolkenarmen Vormittag. Die Konvergenzzone lag
      gegen Nachmittag schließlich bereits östlich von Sondershausen, wo es dann aber recht plötzlich zur Zündung kam.
      Wie an einer Kette reihten sich Cumulustürme von Süd nach Nord nebeneinander, wobei sich das südliche Ende knapp
      östlich von mir befand.

      Ich lichtete die herrliche Cumuluswolke kurz ab und bereitete mich auf ein Chasing vor. Eindeutigere Zeichen, dass
      es bald losgehen könnte, habe ich bisher kaum gesehen. ;)



      Wie man an dem Bild mehr oder weniger erkennen kann, war die Sperrschicht bereits durchbrochen und es war nur noch
      eine Frage der Zeit, bis der Cumulus vereisen würde.

      Als ich nach der Vorbereitung wieder nach draußen schaute, traute ich meinen Augen kaum: Der Cu con erreichte
      allmählich Cb-Stadium und die vertikale Mächtigkeit der Wolke überraschte selbst mich. Ich ging daher kurz hoch auf
      meine Beobachtungswiese um ein Foto von dem entstehenden Cb zu machen. Der Himmel war sonst sehr klar und man hatte
      freie Sicht auf die Konvergenzlinie. Jedoch war der Cb aufgrund seiner Mächtigkeit und relativen Nähe zu mir, selbst
      mit 18mm Brennweite kaum noch abzulichten:



      Auf diesem Foto kann man die Sperrschicht aus Altocumuluswolken nun bereits besser erkennen.
      Das Foto bringt natürlich aufgrund des Weitwinkels noch nicht die reale Mächtigkeit des Cbs herüber.
      Jedoch fühlte ich mich schon recht klein angesichts dieses wirklich majestätischen Anblicks. :)

      Auch im Norden schlossen sich Cbs an, die bereits einen deutlich geformten Amboss aufwiesen:



      Im Hochformat ging der entstehende Cb natürlich auch aufs Bild:



      Ein Amboss entwickelt sich:



      Ich habe dann mal mit 30mm-Brennweite etwas herangezoomt.
      (entspricht aber immer noch nicht dem Eindruck des menschlichen Auges)



      Beim Bearbeiten der Bilder dachte ich mir dann so:
      "Mensch Christoph, wenn man schon so einen Cb aus dem Lehrbuch präsentiert bekommt, sollte man ihn eigentlich auch mal beschriften."



      Aus dem Cb setzte ein leises Dauerdonnern ein und ich wollte natürlich nicht verpassen, unter das Gewitter zu
      gelangen. Ich setzte mich deshalb in Richtung Kelbra / Roßla in Bewegung und vernahm häufiges Knacken aus der
      Mittelwelle. In Roßla gelangte ich schließlich erstmals in den Niederschlag, jedoch konnte ich keine Blitze sehen,
      höchstens ein schwaches Flackern. Ich setzte meine Fahrt auf der A38 fort und bekam dann die Hauptgefahr des Tages
      auch gleich zu spüren. Ich befand mich sehr schnell im Starkregenbereich und es kam kurzzeitig zu Aquaplaning.

      Auf dem Rastplatz "Helmetal" wartete ich vergeblich auf ein paar schöne Erdblitze. Es war wie so oft in diesem
      Jahr: Von weitem nett anzusehen, aber es steckte dann nicht allzu viel dahinter.

      Ein Bild von dem abziehenden Niederschlagsbereich:




      Ich setzte mich dann mit Maurice in Verbindung, der bereits auf neue Entwicklungen aus Mittel- und Südthüringen
      wartete. Bevor ich allerdings an der nächsten Abfahrt von der Autobahn herunterfahren konnte, kam ich noch einmal
      in einen enormen Starkregen, scheinbar eine weitere Neuentwicklung an der südlichen Flanke der Konvergenzlinie.
      Ich fuhr dann in Richtung Kannawurf / Kindelbrück. Dort angekommen erfuhr ich von Maurice, der sich dort ebenso
      positioniert hatte, dass die meisten Entwicklungen, die in unsere Richtung ziehen sollten, Auflösungstendenzen
      zeigten. Das setzte sich dann entsprechend fort, jedoch wurden wir bei lästigen Mückenschwärmen, Bremsen und
      immenser Schwüle doch noch durch ein tolles Panorama entlohnt, bei dem sich neben der tiefstehenden Sonne auch
      schöne orographisch ausgelöste Zellen über dem Harz präsentierten.





      (Zum Vergrößern Klicken)

      Schließlich verdeckten Altocumulusfelder wieder die Sicht, welche aber mit der Sonne immer noch eine schöne
      Abendstimmung zauberten.



      Und am nächsten Tag sollte es ja weitergehen. ;)


      Grüße, Chris
    • Vielen Dank lieber Chris, für diesen abermals schönen Bericht. Er ist umso schöner, wenn man an diesem Tag die gleichen Entwicklungen von einem anderen Punkt beobachtet hat. Ich war an diesem Tag auch erst im KYF bei Artern unterwegs, drehte dann aber südwärts ab, da die Cu's immer wieder zusammenfielen. Die Entwicklung vom TCU und Cb bei deinen Bildern ist wirklich wunderschön anzusehen! Nur weiter so....

      Markus
    • So, nach Rücksprache (PN) mit Chris meine Idee:


      Hallo Chris!

      Schönes Teil hast du da abgelichtet. Die Kiste hat knapp nördlich von BFH aber mal so richtig den Punk raushängen lassen. Zu deinem beschrifteten Bild habe ich noch eine kleine fachliche Anfrage. Die AC Schicht, die du beschriftest hast, könnte das nicht auch eine Feuchteschicht sein, die durch die massiven Quellungen gehoben wurde und dann auskondensiert ist? Ich meine, dass der Inversions Ac etwas weiter oben ansetzt. Wenn so eine Schicht oben aufgesetzt wäre würde ich sie Pileus nennen. Ich hab mal Zahlen ans Bild gemacht. 3 Feuchteschichten hab ich gezählt, rechts darüber den Inversions AC. Unter dem Amboß findest du übrigens auch noch so einen (Fake) Pileus.




      Aber nochmal, ich möchte hier nicht klugkäckern ;)!

      Danke an alle für die tollen Bilder, leider habe ich ja nicht oft die Möglichkeit, hier live mit dabei zu sein :(

      Viele Grüße
      Mathias
    • Mathias schrieb:

      So, nach Rücksprache (PN) mit Chris meine Idee:

      Hallo Chris!

      Schönes Teil hast du da abgelichtet. Die Kiste hat knapp nördlich von BFH aber mal so richtig den Punk raushängen lassen. Zu deinem beschrifteten Bild habe ich noch eine kleine fachliche Anfrage. Die AC Schicht, die du beschriftest hast, könnte das nicht auch eine Feuchteschicht sein, die durch die massiven Quellungen gehoben wurde und dann auskondensiert ist? Ich meine, dass der Inversions Ac etwas weiter oben ansetzt. Wenn so eine Schicht oben aufgesetzt wäre würde ich sie Pileus nennen. Ich hab mal Zahlen ans Bild gemacht. 3 Feuchteschichten hab ich gezählt, rechts darüber den Inversions AC. Unter dem Amboß findest du übrigens auch noch so einen (Fake) Pileus.


      Moin,

      n1-squared kann ich da nur sagen :thumbsup: . rock-hard convection vom allergeilsten! Schöne(s) Bild(er) und geniale Idee, dass mal vernünftig zu beschriften. Dazu meinerseits auch noch ne kleine Anmerkung. Die Sperrschicht fand ich eigentlich gut identifiziert und korrekt beschriftet. Wie man die laminaren Wolkenbänder (die ja nix anderes als die shelf-struktur darstellen) exakt klassifiziert, ist mir zwar auch grad nicht vollkommen klar, ist aber auch egal an dieser Stelle. Ihr habt euch nun auf Feuchteschicht geeinigt, was sicherlich korrekt ist, allerdings ist es rein ursächlich betrachtet nicht ganz korrekt, denn in den meisten Fällen findet man dort erhöhte Feuchte WEGEN der inversion. D.h. wenn man von Inversion spricht, hat man die Feuchte implizit mit "erschlagen", daher würde ich Sperrschicht präferieren, so wie von Chris erst vorgeschlagen.

      Die zweite Sache ist dann der Ac nebenan, welcher nicht direkt an den Aufwind gekoppelt ist. Würde ebenfalls denken, dass er durch die inversionsbedingte Feuchteschicht ermöglicht wird, allerdings dürfte der zugrundeliegende Prozess (der diese Ac-Felder um den Aufwind entstehen lässt) eher im kompensatorischen Absinken zu suchen sein. Es gibt nicht nur das Absinken im Gewitterabwind selbst, sondern aus Kontinuitätsgründen auch um den Aufwind herum auf den regenfreien Seiten. Dieses Absinken stärkt quasi die Inversion und führt zur hier sichtbaren Ac-Bildung. Kann auch passieren, wenn das Gewitter selbst in einen stabiler geschichteten Bereich wandert, was dann wiederum ein sehr schlechtes Zeichen ist, da ein baldiger Zelltod wahrscheinlicher wird. Insbesondere in den Staaten von Interesse ;) . Hier mal ein schönes Bsp von Ac-Feldern im Inversionniveau (nicht zu sehr von der Perspektive täuschen lassen):



      GTZ KarSteN