08.08.2012 | Großer Inselsberg | Es war einmal ein Märchenwald...

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    • 08.08.2012 | Großer Inselsberg | Es war einmal ein Märchenwald...

      Hallo liebe Naturfreunde und Waldliebhaber,

      da das Belauben der Bäume nach dem Dauerwinter nicht von Heute auf Morgen geschieht, sondern die Waldheinzelmännchen wie immer jedes Blatt erst einzeln aufhängen müssen, werde ich euch an dieser Stelle einen kleinen Vorgeschmack darauf geben, was uns in diesem Jahr zu einem späteren Zeitpunkt wieder alles erwarten könnte.

      Am 8.8.2012 unternahmen Markus und ich einen langgeplanten Ausflug in den Thüringer Wald. Wir wollten einmal mehr das wirklich grüne Herz Deutschlands erkunden, die Natur genießen, ein bisschen reden und resümieren und uns hier im tiefsten Dschungel von zivilisatorischen Einflüssen weitgehend fernhalten. Dazu wählten wir den Aufstieg auf den Großen Inselsberg von Tabarz aus. Nur dort am Lauchagrund scheint die Natur noch so unberührt und das Wasser noch so rein zu sein, wie es uns in der Bierwerbung immer vorgegaukelt wird. An diesem herrlich angenehmen Sommertag mit für diese Jahreszeit maximal geringfügig zu niedrigen Temperaturen, fuhr ich nach dem für mich ungewohnt frühen Aufstehen von meiner Residenz in Sondershausen aus in Richtung Süden - nach Tabarz. Der erste Teil der Strecke erinnerte mich noch sehr an unsere Familientreffen bei meiner Oma in Bad Langensalza. Doch als ich dann an einer Stelle links abbog, war plötzlich alles anders. Während ich den Großen Inselsberg bislang meist nur von weiter Ferne aus betrachten konnte, näherte sich der Berg diesmal unaufhaltsam meinem Wagen - oder vielleicht auch umgekehrt. :grübel

      Ich erinnerte mich und tagträumte vor mich hin: Bereits als kleines Kind verschlug es mich einmal mit der Familie dorthin. Hier lernte ich an einem warmen Sommertag das Reiten auf einem Pferd. Genauer gesagt saß ich nur darauf, während das Pferd von einem ausgebildeten Pferdeführer geführt wurde. Doch schon damals faszinierte mich der Inselsberg mit seinen drei "Trepp-auf-Türmchen", deren Bedeutungen sich mir im einzelnen aber noch nicht erschlossen. Diesmal würde es wieder genauso sein. Eine scharfe Linkskurve riss mich aus meinen Gedanken.

      An unserem gemeinsamen Treffpunkt - einer schlichten Tankstelle - angekommen, begegnete ich Markus mit seinem Wagen. Wir begrüßten uns gegenseitig und Markus fuhr mit seinem Wagen voraus, damit wir uns an eine Stelle am Lauchagrund begeben konnten, wo wir die Wagen anleinen konnten. Wir nahmen ihnen anschließend die Gepäckstücke ab und machten uns auf einen weiten Weg durch sagenumwobenen Wald. Zunächst entdeckten wir einen kleinen Bachlauf. Dort knieten wir uns nieder, fühlten Temperatur und Konsistenz des Wassers und knipsten Bilder.



      Markus versuchte es ebenso. Die Resultate könnt ihr bald unter meinem Beitrag besehen.



      Allmählich begannen wir auch miteinander zu reden. Bis dahin wusste niemand wirklich, ob der andere nicht auch beißen könnte, die Tollwut hatte oder einfach nur ein kranker Psychopath war. Markus knipste fleißig - doch ich genoss noch etwas die Stille des Waldes, da ich auf dem Rückweg noch genug Gelegenheit haben würde. Zeitweise war es so still, dass man außer dem Keuchen zweier halb erschöpfter Wanderer und gelegentlichem Vogelzwitschern praktisch nichts hören konnte - zumindest so lange nicht, bis uns auch hier wieder vor Ohren geführt wurde, dass wir in einer hochtechnisierten Gesellschaft mit Flugzeugen über unseren Köpfen leben. Wir bildeten uns ein, dass es vielleicht nur ein motorisierter Vogel gewesen sein könnte und zogen weiter.

      Der Aufstieg wurde steiler, die Gesprächsthemen interessanter, die Wanderer zahlreicher und schon bald erreichten wir einen großen Parkplatz mit einigen angeleinten Autos verschiedener Gattungen. Die verhältnismäßig geringe Anzahl derer überraschte uns nicht. Nun begaben wir uns auf ein Stück Weg, welches im Volksmund "Rennsteig" genannt wird. Beide bemerkten wir, dass wir (noch) nicht die Kondition eines Maurice S. besaßen, sodass wir bald doch ganz froh waren, als uns der erste bekannte Turm anlächelte und bald auch die beiden anderen. Der Weg war durchaus etwas belebter und wir blickten in zahlreiche, sich vom gemeinen Sachsen deutlich unterscheidende fröhliche Gesichter.

      Ohne zu Zögern beantwortete ich die Frage von Markus nach sofortiger Nahrungsaufnahme mit 'Ja' und wir stärkten uns im Bergrestaurant. Mich dünkt, ich nahm die Hähnchenbrust mit Erbsen und Pommes Frites - aber das nur am Rande. Hauptsache, es schmeckt!
      Warum die ansonsten sehr freundliche Bedienung uns als Westdeutsche deklarieren wollte, nachdem wir die Karte an den Platz gereicht bekommen haben, ist mir aber bis heute noch nicht ganz klar geworden.

      Nun endlich konnte auch ich mit der Knipserei beginnen und ich startete mit der allgemeinen Aussichtssituation.



      Markus ergänzt dann bitte noch, in welche Richtung wir da eigentlich schauten. Wer mich kennt, weiß, dass ich mit der Orientierung öfter mal Probleme habe.

      Jetzt wollte ich natürlich auch, wie ich es von vielen Postkarten und auch alten Fotos kannte, die drei Türme des Inselsbergs auf einem Bild festhalten, doch das Unterfangen gestaltete sich als schwierig. Mit der niedrigsten Brennweite meines Objektivs (18mm) gelang es mir zumindest ansatzweise, jedoch mehr schlecht als recht.



      Das Wetter gestaltete sich derweil wechselhaft. Unter anderem auch orographisch bedingt türmten sich über uns immer wieder mächtige Quellwolken auf, breiteten sich an einer Inversion aus und führten schließlich zu einer Stratocumulus-Wolkendecke. Die Sonneneinstrahlung wurde eine Weile abgeschirmt, der Sc löste sich auf oder zog weiter und das Spiel begann von vorn.



      Der Sc erinnert zum Teil an wesentlich spektakulärere Wolkenformationen.



      Der schlanke "Riese".



      "Thermosflasche", "Riese", und eine freundlich ins Bild schauende Wanderin.



      Das nächste Bild stammt einfach nur aus der Ich-war-auch-mal-da-Reihe.



      Und nun aufgepasst! Für unseren Wissensbereich im Forum haben wir uns überlegt mit den grundlegenden Basics anzufangen...



      Und der ist jetzt ein Insider... "Echtes Gras, Markus!" :grins



      Noch einmal der Blick zum Kleinen Inselsberg mit nicht allzu vielen Automobilen.



      Nun war es an der Zeit aufzubrechen und wir wählten einen anderen Abstieg als zuvor der Anstieg war - oder so ähnlich formuliert.



      Wir wollten gar nicht so genau wissen, was man eigentlich mit Reitsteinen macht und stiegen weiter hinab...
      Derweil verliebte ich mich etwas in die von den Waldheinzelmännchen liebevoll am Wegesrand platzierten Farne.



      Ein interessantes Gewächs griff nach uns.



      Der vom Sonnenlicht durchkämmte Nadelwald war einfach nur schön.



      Araneaes baden auf warmen Steinen im Sonnenlicht. Nicht unbedingt mein Lieblingstier - aber ich denke, auch dieses Geschöpf hat einen berechtigten Platz in meiner Fotosammlung, wenn es sich schon so präsentiert.



      Anschließend führte mich Markus zu einem interessanten, natürlich geformten Tunnelgebilde.



      Auch hinter dem Tunnel markierten schroffe Felsen das Terrain.



      Während Markus irgendwo oben auf dem Felsen rumturnte, meditierte ich eine Weile und genoss noch einmal die Stille. Man kann diese Orte nicht ewig haben.
      Anschließend wendete ich mich wieder den Farnen zu:



      Das Tunnelgebilde von der anderen Seite:



      Bereits im Devon hatten riesige Urfarne die Landschaft bewaldet. Gern würde ich einmal in der Zeit zurückreisen und mir das genauer ansehen.
      Heute bleibt mir nur ein etwas minimalistischer Anblick dessen.



      Wir kugelten kleine Steinchen den Hang hinab, bis die Waldbewohner uns rieten, wir sollten das lassen. Ich konnte Markus gerade noch davon abhalten, einen 1-Meter-Brocken mit voller Wucht hinunterzuschleudern.
      Am Fuße des Lauchagrunds angekommen, endete unser Abstieg schließlich.



      Hier trennten sich unsere Wege wieder. Wir sattelten noch schnell die Pferde und ritten in der späten Nachmittagssonne über die Feldwege nach Hause.

      Und wenn sie nicht gestorben sind, so hängen sie auch dieses Jahr wieder ihr frisches, grünes Laub an die Bäume.


      Märchenhafte Grüße

      Chris
      - wetterinteressiert und unwetterbegeistert seit Beginn der 2000er Jahre
      - TSC-Mitglied seit 2007
      - aktiver Chaser seit 2010
    • Bevor ich mir in Ruhe am Aebend die Bilder anschaue und den Text lese, zur Ergänzung noch ein paar Aufnahmen von mir:

      Am kleinen Inselsberg:


      Ideales Wanderwetter lockte viele ins Freie:


      Ein bisschen Wetterkunde:


      ...und Ortskunde:


      Die 4 Türme :zwinker




      Der bewohnte schöne Blick auf das Vorland:


      Ich fühle mich beobachtet:


      Ein sehr netter und angenehmer Tag, Chris. Gerne wieder!

      -----EDIT-----

      Meine Güte, da hast du dir aber Mühe mit dem Text gegeben, dass er zum "Märchenwald" passt, alle Achtung! Und übrigens, an einen 1m großen Stein kann ich mich gar nicht erinnern :grübel Das "Tunnelgebilde" ist übrigens das Felsentor.


      LG
      Markus