06.08.2013 I Fahner Höhe I Vorlaufende Superzellen, Bow Echo mit Shelfcloud und schweren Sturmböen

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    • 06.08.2013 I Fahner Höhe I Vorlaufende Superzellen, Bow Echo mit Shelfcloud und schweren Sturmböen

      Hallo zusammen,

      der 06.08.2013 zählt neben dem 17.05. und 20.06.2013 zu den Tagen mit den schwersten Gewittern bzw. Unwettern im Freistaat. Ein Bow Echo zog am Abend von Bayern kommend über Thüringen hinweg und richtete dabei besonders windbedingte Schäden an. Über einige Tornadoverdachtsfälle wurde/wird noch diskutiert (Kaltennordheim speziell, aber auch Eisenach).

      Für mich war es nach den beeindruckenden Chasings vom 28.07. bei Erlangen und dem Chasingwochenende 03./04.08.2013 (hier folgen noch Berichte) das finale Chasing in diesen Wochen. Die Eindrücke des Wochenendes zuvor waren noch längst nicht verdaut, als es nach Feierabend an jenem Dienstag von Erfurt aus mit Ronny los ging. Auf der bekannten Aussicht bei Marbach verschafften wir uns einen Überblick. Im Osten hatten sich seit den Mittagsstunden schon einige kräftige Zellen gebildet, die durch die Jenaer Fraktion entsprechend beobachtet und dokumentiert wurden. Zweifellos gab es dabei auch einige Superzellen, wie nicht nur die Radarsignatur verriet, sondern auch die Strukturen (siehe Vorab-Beitrag von Marco: wzforum.de/forum2/read.php?8,2723787).

      Es bildeten sich immer wieder neue Gewitterzellen, deren Neutentwicklung sich schrittweise nach Westen ins Vorfeld des Bow Echos verschoben. Ich sah einigen dieser Entwicklungen mit Ronny begeistert zu. Es war eine der Situationen, in der man mit bloßem Auge das explosionsartige Quellen der Wolkenberge sieht und wie schnell ein Cb daraus entsteht. Ein paar Eindrücke auf dem Weg nach Westen:





      Für einige Augenblicke waren wir hin- und hergerissen, doch nach Osten zu fahren. Aber das Ziel war von Anfang an die aufziehende Front aus Bayern in Empfang zu nehmen.

      An unserem Beobachtungspunkt angekommen, bildeten sich im näheren Umkreis neue Gewitterzellen, die uns auch mit ihren Niederschlagsvorhängen immer näher auf den Pelz rückten:



      Als auch über uns die Wolkenbasis dichter wurde, mussten wir zwangsläufig, in erster Linie aus Sicherheitsaspekten, weiter westwärts ausweichen. Jetzt begann auch der Wettlauf gegen die Zeit: Die Front lag schon im Südwesten Thüringens, der typische "fahl-grau-blaue" Himmel wurde nach Südwesten immer dunkler und auf uns prasselten dicke Tropfen während der Fahrt nieder. An einem mir bekannten Chasingpoint bei Westhausen lagen wir zeit- und positionsgünstig "zwsichen den Fronten". Wir sahen nun am südlichen Horizont erste Strukturen der Shelfcloud, waren aber nicht minder begeistert von den Superzellen, die sich davor gebildet hatten und nun nordnordöstlich von uns lagen:





      Besonders die eingedrehte Wolkenform (ähnlich eines Skorpions) imponierte uns sehr. Im Zeitraffer (absichtlich etwas kontrastverstärkt) sieht man die Rotation wunderbar:



      Dieses Gebilde wurde im Verlauf zunehmend zerrissen. Mittlerweile zog die beeindruckende Shelfcloud mit einem bösen blau-türkisem Niederschlagsbereich auf uns zu. Die Situation im Panorama mit "Skorpion", der aufziehenden Shelfcloud und Mammatus im Vorfeld:



      Die Front rückt näher:



      Ein paar Zooms:





      Die Zähne nach Südosten hingen teilweise recht tief. Man sah zudem eindrucksvoll den aufgewirbelten Staub:



      Ich machte noch mit dem Camcorder ein paar hastige Aufnahmen:



      Dann wurde es Zeit zum Auto zu rennen:



      Das letzte Bild vor Ankunft der Front machte ich in der Hocke hinter dem Auto, da die Winde uns schon regelrecht schubsten:



      Wir liesen uns überrollen und kamen äußerst glimpflich davon. Der Wind war bei Ankunft (wie im Video zu sehen) sehr stark, das Auto wackelte zeitweise. Der Starkregen hielt sich in Grenzen, Hagel gab es nur wenig und unter 2cm Größe.

      Wir beobachteten noch einige Zeit die Rückseite mit zahlreichen Wolkenblitzen. Auf der Rückfahrt nach Erfurt überall abgerissene Äste, kleinere umgestürzte Bäume, soweit keine größeren Schäden. Kurz vor Bindersleben hielten wir noch einmal des schönen Himmels wegen:



      Dieser erinnerte mit dem immer noch strammen Wind an Winterstürme, längst nicht an sommerliche Gewitterfronten. In Erfurt lieferte ich unter dem ständigen Pressluftton der Feuerwehren Ronny zu Hause ab. Einige Straßen waren wegen der Aufräumabreiten gesperrt, die Schäden unübersehbar auf dem Weg nach Hause. Das schöne Abendrot genoss ich vom heimischen Fenster ohne Kamera in der Hand, bildete es doch einen grandiosen Abschluss dieser aufregenden Wochen.

      Markus