Thread Sturmlagen/Gewittergefahr ab 13.11.2015

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    • Thread Sturmlagen/Gewittergefahr ab 13.11.2015

      War der Herbst bislang mit frühem Schnee und Frühling im November verbunden, steht in den kommeden Tagen etwas jahreszeittypisches an: Sturm!

      Den Beginn macht am morgigen Freitag (13.11) Sturmtief "Frank". Es zieht nördlich von Irland über Schottland in Richtung Norwegen:


      Die Kaltfront von "Frank" wird am Nachmittag (lasst euch nicht von 18 UTC = 19 MEZ beirren) über uns ziehen (rot eingkreist). Interessant dürfte aber auch eine nachfolgende 2. Kaltfront, die quasi als Kaltluftstaffel im Trogsektor anzusehen ist, werden (rote Punkte):

      Quelle: wetter3

      Die stärksten Böen mit stürmischer Stärke (Bft. 8 bis 74 km/h) aus West sollten abends/nachts bevorzugt im Bergland auftreten. Auch mit Kaltfrontpassage sind diese im Flachland nicht ausgeschlossen. Spannend wird die Frage, wie sich besonders an der 2. Staffel orangisierte Schauer-/Gewitterlinien ausbilden können (WRF) und wie weit diese auch Thüringen noch beeinflussen. Aufgrund der Scherung sollte das auch nachts durchaus möglich sein. Hier sind dann auch stärke Böen durch den kräftigen Höhenwind denkbar, die Sturmstärke, durchaus auch mal eng begrenzt schwere Sturmstärke in vereinzelten Fällen möglich erscheinen lassen. Das muss man wie gewohnt im Nowcasting betrachten.

      Am Samstag treten vereinzelte Schauer auf. Zwar greift der Trog auf Norddeutschland über, sehr lebhaftes Schauerwetter dürfte sich aber nicht entwickeln, zumal sich von Süden schwacher Hochdruckeinfluss bemerkbar macht und später schon wieder Warmluftadvektion von Westen her einsetzt. Die Windsiutation bleibt tagsüber erhalten mit den kräftigsten Böen im Bergland (zw. 70 und 85 km/h).

      In der Nacht zum Sonntag wird durch das Sturmtief "Ex-Kate" im Warmsektor einerseits Regen in der 2. Nachthälfte und Sonntagmorgen einsetzen sowie durch eine Randtiefentwicklung eine Windverschärfung zu erwarten sein. Diese dürfte sich dann mit öfteren Sturmböen im Bergland, vereinzelt auch schweren Sturmböen über 90 km/h aus West bemerkbar machen. Auch sind mal einzelne Böen dieser Stärke im Tiefland nicht auszuschließen.

      Durch die Westwetterlage bleibt es auch in den Folgetagen stürmisch. Dabei besteht natürlich immer eine gewisse Gefahr von kleinräumigen, stärkeren Tiefentwicklung, die gern mal für einen schweren Sturm oder Orkan gut sind. Das kann man aber nur in der Kurzfrist näher beobachten.

      Zusammenfassend also stürmische Zeiten, besonders im Bergland. Obacht ist geboten mit konvektiven Staffeln am Freitagabend/Nacht zu Sonntag.

      Markus
      Gründer und Organisator Thüringer Storm Chaser
      ESSL Voluntary Observer Person (Qualitätslevel QC1) (European Severe Storms Laboratory)
      Premium Advanced Spotter & Regionaler Ansprechpartner Thüringen (Skywarn Deutschland e.V.)
      Weitere Mitgliedschaften: Arbeitskreis Meteore e.V. • Cloud Appreciation Society
    • Das WRF hat für heute Abend ein bisschen Konvektion übrig:

      19 Uhr:


      22 Uhr:

      Quelle [2]: modellzentrale.de

      Estofex hat berechtigt ein Level 2 bzw. 1 für den Norden Deutschlands für konvektive Windböen ausgegeben, die gerade in Schauer(staffeln) wie im Update gestern geschrieben auftreten dürften. Man darf gespannt sein.
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    • Exakt 00:00 Uhr wurde ein 80 km/h Böe in Gera-Leumnitz gemessen. Mit den Schauerstaffeln in der vergangenen Nacht wurden bis ins Tiefland einige stürmische bzw. Sturmböen heruntergemischt. Schäden wurden bislang glücklicherweise nicht gemeldet.

      Heute bleibt es wechselhaft und windig, ehe der Wind abends kurz etwas abflaut, in der 2. Nachthälfte und am Sonntagmorgen/-vormittag durch ein Randtief deutlich auffrischt und dann in den Bergen Sturmböen um 90 km/h, in Einzelfällen darüber, im Tiefland Böen um 80 - 85 km/h möglich sind. Dazu teilweise Regenfälle.

      Spitzenböen vom 15.11.2015 in km/h:

      78 Erfurt/Bindersleben
      76 Schmücke
      72 Neuhaus
      67 Schleiz
      63 Eisenach
      61 Meiningen
      59 Leinefelde
      56 Artern
      54 Gera/Leumnitz
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    • Neues Sturmtief in der Nacht zum Mittwoch/am Mittwoch!

      Das Atlantikfließband ist weiterhin produktiv, sodass wir schon wieder ein neues Sturmtief erwarten dürfen, dass uns Böen von bis zu 90 km/h, im Bergland auch mehr, bescheren kann. Auch kurze Gewitter sind nicht vollkommen ausgeschlossen. Besonders gefährlich wird es, wenn sich eine Schauer- oder Gewitterlinie ausbildet und dann auch Böen über 100 km/h denkbar sind.

      Ein kleines Tiefdruckgebiet zieht vom Dienstag zum Mittwoch von Irland über die Nordsee nach Dänemark:


      Das Tief ist an einen kleinen Kurzwellentrog gekoppelt, der gut vom Jet überlagert wird. So erfolgt mit Verlagerung des Sturmtiefs eine deutliche Intensivierung. Die Zugbahn und damit Lage des Sturmfeldes (immer südlich des Tiefkerns) soll dabei die Mitte Deutschlands beeinflussen. Generell weht der Wind am Dienstag schon lebhaft aus Südwest. Die stärksten Böen dürften sich aber noch in dem Bereich von 60 - 70 km/h, im Bergland auch mal nahe der 80 km/h bewegen. In der Nacht zum Mittwoch ist mit einem Aufleben des Südwestwindes zu rechnen. Der Höhepunkt des Sturms zeichnet sich zum Mittwochmorgen/-vormittag ab. Das bedeutet, dass die stärksten Böen zur besten morgendlichen Rush hour auftreten können - nicht die beste Tageszeit, die es wohl nie ist, aber so ist das Gefahrenpotential doch noch einmal erhöht.

      Mit Kaltfrontdurchgang am Morgen und hinter der Kaltfront werden die stärksten Böen aus Südwest, teils WSW erwartet:

      Tiefland: wiederholt 70 - 80 km/h, Spitzenböen von 90-95 km/h, in Schauer- und Gewitternähe sogar noch örtlich mehr
      Bergland: wiederholt 80 - 90 km/h, Spitzenböen bis 100 km/h auf den Gipfeln vereinzelt möglich, in Schauer- und Gewitternähe ebenso

      Beispiel Cosmo-EU:


      Auch die übrigen Modelle siedeln sich im Bereich der Spitzenböen ähnlich COSMO an.

      Zu erwähnen ist noch die beachtliche Scherung in der Nacht zum Mittwoch, die sogar etwas Labilität (100 J/kg) zur Verfügung gestellt bekommt. Die 0-6 km Scherung reicht bis an die 40 m/s (GFS), die 0-1 km bodennahe Scherung bis 20 m/s (GFS), holla! In Verbindung mit der Rückseite des Tiefkerns und der nicht zu kalten Höhenluft von -20°C sollte es für konvektive Umlagerungen auch nachts ohne Unterstützung des Tagesgangs reichen. Das WRF von Janek hat einige Schauer an und hinter der Kaltfront auf dem Plan. In deren Umfeld kann dann natürlich der kräftige Höhenwind angezapft und nach unten geschleudert werden (das ist dann aber so lokal, dass Haus A kaputt ist, Haus B daneben ungläubig zu Haus A guckt wie das passieren konnte). Bei diesem "vertikalen Impulstransport" sind dann auch 100er - Böenkandidaten drin. Man sollte bei solchen Lagen immer die Möglichkeit von staffelartigen Linien im Hinterkopf behalten und die aktuelle Entwicklung verfolgen.

      Am Mittwochnachmittag wird der Wind zwar etwas abflauen, sodass zumindest keine 90er Böen mehr auftreten sollten. Generell bleibt der Wind lebhaft.
      Niederschläge sind mit der Kaltfront eher weniger mit großen Mengen zu erwarten. Aufsummiert allerdings kann bis zum Wochenende gerade im Gebirgsbereich von Harz und Thüringer Wald weiterer Regen fallen. Anschwellende Bäche und kleine Flüsse sind da nicht ganz abwegig (und nein, kein Hochwasser!).

      Jetzt gilt es die letzten Modellläufe abzuwarten und den Rest im Nowcasting zu beobachten. Updates gibt's wenn es brennen sollte.

      Ach ja, Donnerstag kommt schon der nächste Sturm (vermutlich schwächer als der am MI), Freitag/Nacht zu SA könnte es nochmal einen kleinen Giftzwerg geben (man munkelt stärker als MI) und am Wochenende kommt endlich mal Winter mit Schnee! Endlich mal Wetter der Jahreszeit entsprechend!

      Markus
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    • Update 17.11.2015, 19:00 Uhr:

      Um 18:00 Uhr zeigt die Druckverteilung das Sturmtief "Heini" über den britischen Inseln:

      Quelle: Meteocentre.com

      Das Sturmfeld auf seiner Südseite hat bereits Orkanböen zw. 118 und 130 km/h über Irland produziert. Der Bereich der höchsten Windspitzen und das Tief verlagern sich ostnordostwärts. Im Laufe der Nacht frischt der Wind deutschlandweit auf, das Maximum wird sehr wahrscheinlich wie gestern angedeutet zw. 3:00 Uhr morgen und 12:00 Uhr erwartet.

      Gerade im Bereich der Kaltfront und bei Schauern hinter der Kaltfront besteht die Gefahr von konvektiven Windböen, wenn der kräftige Höhenwind (um 130 km/h in 1400m Höhe) heruntergemischt werden kann. Dann können orkanartige Böen über 100 und im Extremfall punktuell 120 km/h erreicht werden. Die Scherungswerte sind ebenfalls sehr ansehnlich. Da jedoch mehr Geschwindigkeitsscherung (also Zunahme mit der Höhe) als Richtungsscherung (Drehung mit der Höhe) vorhanden ist, dürfte die Tornadogefahr eher gering, aber nicht völlig ausgeschlossen sein. Folgerichtig gibts auch von Estofex ein Level 2 bzw 1:



      Storm Forecast

      Valid: Tue 17 Nov 2015 06:00 to Wed 18 Nov 2015 06:00 UTC

      Issued: Mon 16 Nov 2015 22:35

      Forecaster: GROENEMEIJER

      A level 2 was issued for the Benelux countries, a
      large part of Germany, the NW Czech Republic and W Poland mainly for
      severe wind gusts and to a lesser extent for tornadoes
      .

      A level 1
      was issued for and area surrounding the level 1, including S Ireland,
      the S United Kingdom, larger parts of Poland and the Czech Republic, all
      of Germany and parts of Denmark, France, Switzerland, and Austria,
      mainly for severe wind gusts and to a lesser extent for tornadoes.

      Quelle: estofex.org


      Viel mehr dürfte der Wind im allgemeinen im Fokus liegen, der in Spitzen bis zu 90 km/h im Flachland und über 90 km/h im Bergland erreicht. Wie erwähnt kann lokal und örtlich eng begrenzt auch mal eine Böe über 100 auftreten.

      Nach kurzer Wetterberuhigung in der 2. Tageshälfte frischt der Wind am Donnerstag erneut auf.

      EDIT 19:30 Uhr:

      Nun ist auch der aktuelle WRF-Abendlauf da, gegen 1 Uhr MEZ nette Schauer drin:

      Quelle: Modellzentrale
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    • Spitzenböen 18.11.2015 Stand: bis 7.00 Uhr

      Brocken 170 Km/h
      Fichtelberg 137 Km/h
      Erfurt Bindersleben 108 Km/h
      Schmücke 101 Km/h
      Artern 97 Km/h
      Leinefelde 86 Km/h
      Meiningen 86 Km/h
      Gera Leumnitz 83 Km/h
      Eisenach 79 Km/h

      "Quelle: DWD"


      zu Schäden

      Tanne Erfurter Weihnachtsmarkt von Sturmtief Heini umgeworfen

      thueringer-allgemeine.de/start…hnachtsbaum-um-1781827565

      "Quelle: Thüringer Allgemeine"

      kyffhaeuser-nachrichten.de/news/news_lang.php?ArtNr=180918

      "Quelle: Kyffhäuser Nachrichten"


      noch ein paar Links zum Sturm

      artern.thueringer-allgemeine.d…-km-h-gemessen-1049447503

      "Quelle: Thüringer Allgemeine"


      thueringen.de/apps/news/displa…-99-01503%3a1447829065000

      "Quelle thüringen.de"




      LG Andreas

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Andreas ()

    • Hier lief es glimpflich ab. Unser Dorf liegt ja in einem V-förmigen Tal, da ist der Sturm in Böen kanalisiert durchgegangen. Die stärkste, hier gemessene Böe hatte 75Km/h

      Schäden so gut wie keine, ein paar umgewehte Mülltonnen, sonst nichts.

      Weiter oben im Dorf, auf halber Höhe des Berges (320ünN) Waren einzelne Böen zwischen 70-85 Km/h zu verzeichnen.
      Da der Wind aus West/Süd/West kam, fegte er hauptsächlich über die Bergkuppen. (Kukuck und Knicking)
      Viel Wind wurde auch von nahe gelegenen Stöberhai abgefangen.

      Von hier nichts spektakuläres...
      Liebe Grüße von der Deern

      honeysuckle-honeysuniversum.blogspot.de/
    • :morgähhhhn

      In aller Kürze noch ein Update, denn es bleibt spannend in der Wetterküche:

      Heute (DO): Neue Sturmtief, dabei Böen zw. 75 und 85 km/h im Tiefland, Berge zw. 90 und vereinzelten 100 km/h aus Südwest, teils Schauer, später aufkommender Regen (die Estofex 1 für heute reicht noch knapp an TH heran).
      Freitag: Weiter lebhafter Wind, aber nicht mehr die hohen Windspitzen wie gestern und heute. Im Süden Dauerregen.
      Nacht zu Samstag: Übergang der Niederschläge inn Schnee oberhalb von etwa 400 - 500 Metern
      Wochenende: Winterlich in den Bergen mit einigen Zentimetern Neuschnee, im Tiefland nasskalt und höchstens kurze Ausbildung einer Schneedecke. Schauer, teils auch mit Graupel und zurückgehende Temperaturen.

      Markus
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    • Morschens... bisher lief es im "Scherkondetal" auch ohne weitere Schäden ab. Einige Äste abgebrochen und Mülltonnen über die Straße geschoben... sonst nix.
      Muß noch die Sturmschäden aus den Vormpnaten beseitigen.... (gibt einen schönen Schwung Brennholz)....
      Der Hauptunterschied zwischen etwas, was möglicherweise kaputtgehen könnte und etwas, was unmöglich kaputtgehen kann,
      besteht darin, dass sich bei allem, was unmöglich kaputtgehen kann, falls es doch kaputtgeht, normalerweise herausstellt,
      dass es unmöglich zerlegt oder repariert werden kann. (Douglas Adams)