Gewitterthread 27.07./28.07.2019

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Gewitterthread 27.07./28.07.2019

      Im Bereich einer Tiefdruckrinne mit Konvergenz (en) können am Wochenende teilweise Schauer und Gewitter mit lokal ergiebigem Starkregen in Thüringen auftreten.

      Aktuell: Heute Morgen um 08:00 Uhr MESZ liegt eine Tiefdruckrinne mit eingelagerter Konvergenz von Benelux bis nach Tschechien. Nördlich davon wird mit östlicher Strömung stabile Festlandsluft herangeführt. Südlich davon mit westlicher Strömung eine weniger warme, aber sehr feuchte Luftmasse. Das Tiefdruckrinne-Konvergenz-Gebilde kommt im Tagesverlauf sehr langsam nordostwärts voran und überquert Thüringen in der Nacht zum Sonntag/am Sonntag.



      In der schwachen Höhenströmung werden Schauer und Gewitter zunächst über dem Bergland oder Hügelländern ausgelöst. Später können Schauer/Gewitter auch von Süden übergreifen. Generell steht den Gewittern im Bereich der feuchteren Luftmasse ein hoher Gehalt an niederschlagbarem Wasser zur Verfügung (25-40 mm):


      Kombiniert mit keiner oder nur sehr geringer Verlagerung der Zellen können schon Schauer lokal Überflutungen auslösen, wenn die lokalen Gegebenheiten mitspielen (Orographie, sehr trockene Böden, ...). Zu Beginn der neu bentwickelten Zellen ist auch mal Hagel zw. 1 und 2cm Korngröße dabei. Auch die Gefahr von Fallböen in die noch trockene Grundschicht sollte nicht vernachlässigt werden.

      Anders wird es sein, wenn sich Gewitter am Nordrand der Rinne im Übergangsbereich zur trockenen Luftmasse bilden. Die Wolkenbasis wird sehr hoch angesiedelt sein und ein Schauer/Gewitter wird nur eine geringe vertikale Mächtigkeit aufweisen. Dafür können in diesem Bereich sehr kleinräumige Fallböen (ggf. sogar trocken) zu Boden fallen. Das ist aber wirklich nur sehr sehr begrenzt möglich.

      In den größten Teilen Thüringens wird heute gewittertechnisch nicht viel passieren. Erst am Abend und in der Nacht mehren sich die Gewittersignale besonders nach Süden hin. Besonders der Bereich entlang der thüringischen Landesgrenze vom südlichen Wartburgkreis bis ins Vogtland ist noch am ehesten für Gewitterbildung bevorzugt. Beispiel COSMO D2:



      Quelle [2]: Unwetteralarm

      In der Nacht zum Sonntag schiebt sich die Tiefdruckrinne über uns hinweg. Die Gewittersignale werden einheitlich sehr mager simuliert. Das liegt einerseits am Tagesgang und fehlender dynamischer Unterstützung. Ob lokale Konvergenzen ggf. doch das eine oder andere Gewitter auslösen, ist fraglich.

      Am Sonntag wiederholt sich das Spiel, wobei noch beachtet werden muss, dass Absinken zwischen dem Höhetief über der Nordsee und der nördlichen Adria die Gewitterentwicklung zeitweise unterbindet.



      Dennoch sollten von Berg- und Hügelländern ausgehend wieder einige Schauer und Gewitter verstreut über dem Land möglich sein. Starkregen mit örtlichen Überflutungen ist auch hier die primäre Gefahr.

      Fazit: Keine großräumige, dynamische Gewitterlage. Lokal aber Unwetter durch Starkregen/Überflutung wahrscheinlich.

      Markus
      Gründer und Organisator Thüringer Storm Chaser
      ESSL Voluntary Observer Person (Qualitätslevel QC1) (European Severe Storms Laboratory)
      Premium Advanced Spotter & Regionaler Ansprechpartner Thüringen (Skywarn Deutschland e.V.)
      Weitere Mitgliedschaften: Arbeitskreis Meteore e.V. • Cloud Appreciation Society
    • Ortsfeste Schauer brachten gestern im LK Sonneberg zw Schalkau und Steinach zw. 15 und 35 l/m² Regen. Auch im Bereich Lehesten (SLF) und und Suhl waren Schauer und kurze Gewitter aktiv.


      Die Konvergenz hat Thürigen heute Nacht erreicht und liegt am Morgen quer über uns:


      Die Modelle reagieren heute mit unterschiedlichen Lösungen und Verteilungen. Einerseits können nur Regenfälle auftreten (was Mangel an CAPE teilweise logisch erscheinen lässt), andererseits kann es zu Gewitterlinien oder -clustern kommen, die mal mehr in den Südosten Thüringens verschoben werden und mal mehr in den Westen/Nordwesten. Auch verstreute Einzel- und Multizellen sind nahezu überall nicht ausgeschlossen. Kurzum: Man muss mit Messwerten, Radar, Satellit und den eigenen Augen die Lage im Nowcast beobachten.

      Zumindest die Hauptgefahren sind auch heute klar: Starkregen mit Überflutungsgefahr (stehende oder nur langsam ziehende Gewitter), Hagel 1-2cm besonders bei neu entwickelten Zellen, Windböen.
      Gründer und Organisator Thüringer Storm Chaser
      ESSL Voluntary Observer Person (Qualitätslevel QC1) (European Severe Storms Laboratory)
      Premium Advanced Spotter & Regionaler Ansprechpartner Thüringen (Skywarn Deutschland e.V.)
      Weitere Mitgliedschaften: Arbeitskreis Meteore e.V. • Cloud Appreciation Society