28.6.21 | Heiligenstadt | Abendstimmung, Blitze, Feeling und Shelfcloud

  • Hallo alle miteinander,


    mein Bericht dauerte diesmal etwas länger, weil es sehr viel Material zu sichten und zum bearbeiten gab. Zum einen war das der traumhaften Lichtstimmung an diesen Abend geschuldet. -> Man kann bei solch einer Lichtsituation einfach nicht den Finger vom Auslöser lassen. Man möchte gern jedes Detail festhalten. Als zweites gab es anschließend viele Blitze. -> Da will man ja auch keinen verpassen und schon garnicht in der blauen Stunde. Also wieder zusätzlich um die 100/150 Foto's die kontrolliert werden möchten. Als drittes deutete sich dann noch ein Frontaufzug mit möglicher Shelfcloud aus Süden an. -> Die lässt man ja auch nur ungern ohne Foto's durchziehen. ;-)


    Ok, dann zum Wesentlichen.

    In den Wettermodellen waren an dem Tag für's Eichsfeld bzw. Westthüringen immer mal Gewittersignale angegeben. Ich plante an dem Tag eigentlich kein Chasing, weil das Timing nicht so ganz in die private Planung passte. Schließlich fand ich nach dem Abendbrot mit der Family doch etwas Zeit. Markus kündigte via Facebook eine Gewitterwarnung für's EIC an. Das war quasi mein Startschuss mich auf die Socken zu machen. Ich packte schnell mein Kram ein und bin den I-Berg hochgeheizt. Da ich die Strecke und den Aussichtspunkt gut kenne, dauerte das gerade mal 5 Minuten. Bei Kalteneber oben angekommen, sah man aber schon, dass die Zelle schon ihre besten Zeiten hinter sich hat.



    Sterbendes Gewitter/Aufwind nahe Bad Hersfeld

    storm-chasing.de/forum/wcf/index.php?attachment/31230/


    Hier ein passender Zeitraffer zur Situation.






    Dann ließ ich etwas Zeit verstreichen. Inzwischen kam tief im Westen die Sonne durch und ließ die gesamte Umgebung in einem prächtigen Orange erstrahlen.


    Es gab auch noch ein wenig Auftrieb, sogar mit kurzzeitiger Rotation im Radar dazu und es entwickelte sich kurzzeitig nochmal ein neues Gewitter mit einigen Erdblitzen. Es war noch zu hell für längere Belichtungszeiten, deshalb hab ich von dieser Szene leider keine Erdblitze, aber im Zeitraffer ist etwas Flackern drauf.





    Die Abwinde übernahmen auch langsam an dieser Zelle die Dominanz.


    Auch hierzu noch zwei Zeitraffer.



    Ich befinde mich mit der neuen Gopro noch in der Findungsphase, weshalb nicht alle Video's von bester Qualität sind. Muss noch schauen welches Programm ich wann und wo am besten Verwende und welche Auflösung ich verwenden kann. Hab sicherheitshalber alles erstmal nur in FullHD aufgenommen.


    Weiter im Text:

    Allmählich begann auch die "blaue Stunde". Ein weiterer Cluster zog den Thüringer Wald entlang nach Norden ...




    ...und ich konnte in der Ferne schon schönes Wetterleuchten sehen. Der Bildauschnitt ist bewusst in Originalgröße bei 18 mm gewählt um die Entfernung etwas rüberzubringen.


    Ich musste auch wieder einige Zeit vergehen lassen, weil viel mehr als Wetterleuchten passierte erstmal nicht.

    Ich glaube Loni A. hatte diese Zelle auf ihrer Eichsfeldtour auch angesteuert und ebenfalls geschildert, dass sie recht stationär war. Bad Hersfeld


    Von diesen aufziehenden Cluster gibt's natürlich auch Zeitraffer ;-)


    *...hier inklusive Neubildungen


    Jetzt wurde es langsam spannend. Die größere Front aus Süddeutschland gewann langsam an Tempo und hatte zur thüringischen Grenze ordentlich Speed drauf. Das wirkte sich auch auf die Zellen hier in Nordthüringen aus.

    Dem bestehenden Cluster der noch im nordosten Hessens festsaß wurde ein ordentlicher Anstoß verpasst und rückte nun dem Eichsfeld immer näher. (siehe Zeitraffer mit *).


    Vor dem Cluster entwickelten sich auch schöne Neubildungen.






    Jetzt blitzte es endlich aus den Neubildungen und in akzeptabler Entfernung. Die folgenden sechs Bilder sind genau der Grund warum ich als Kind schon Gewitter mochte. Um ein Gewitter so zu sehen, hab ich stundenlang am Fenster gehangen.







    Das ging nun eine Weile so. Zwischendurch hab ich auch die Kamera ausgemacht um die Stille und die Show zu genießen. Es war bis auf ein paar mal entferntes grummeln wirklich sehr sehr still. So dass man jedes noch so kleines Rascheln im Feld gehört hat. Vom Fledermaus-flattern über Füchse, Mäuse bis hin zu tippelnden Dachsen die über die Straße gehuscht sind. Vieles konnte man auch nicht zuordnen. Deshalb war auch ein gewisses Maß an Gruselfaktor dabei. Hab mich auch öfters erschrocken und bin dann schnell ins Auto gesprungen.


    Zwischenzeitlich meldete sich meine Schwester aus Schmalkalden und vermeldet Gewitter. Bei der Zuggeschwindigkeit konnte man von Sturmböen ausgehen und hab ihr das kurz mitgeteilt, damit sie noch schnell ihre Terasse sichern kann.


    Ich hab die Kamera wieder startklar gemacht, da man nun langsam eine schöne Grenze vom Licht zu den Wolken sah. Die Spannung stieg jetzt dementsprechend wieder rapide an.



    Leider gab es während des gesamten Aufzugs keinen Blitz vor der Wolkenkante, so dass sie schön beleuchtet wurde. Das kleine Dorf in Zugrichtung hat auch nicht wirklich viel Licht gemacht.

    Aber man erkennt wenigsten etwas Struktur.


    Da es noch so still war, hörte man schon in weiter Entfernung den Wind durch den Wald rauschen, der natürlich immer lauter wurde. Hatte ich bis dato so bewusst noch nicht wahrgenommen.-Tolles Erlebnis.



    Nach dem folgenden Bild ging es Schlag auf Schlag. Blitze ringsum, Donner, Sturmböen, aufpassen dass die Kamera nicht umfällt und ja den richtigen Fluchtmoment nicht verpassen.




    Nach dem Bild bin ich dann ins Auto gesprungen. Hauptsächlich wegen der Naheinschläge und erste dicke Regentropfen klatschten mir an die Stirn.


    Hier der Zeitraffer des gesamten Aufzugs.


    Ich hatte etwas bedenken vor Hagel. Da ich am Aussichtspunkt keinen Schutz gehabt hätte. Also wartete ich noch kurz die stärksten Sturmböen ab, weil mein Heimweg auch durch einen Wald führte und bin dann im heftigen Starkregen langsam Heimgefahren. Im Nachhinein betrachtet war das auch nicht so ganz ohne Risiko. Selbst jetzt hätten noch Bäume umstürzen können oder zumindest dickere Äste von Blitzschlag getroffen werden können. Ich hätte wohl lieber zum nächsten Ort abbiegen sollen um mich da hinter eine Mauer zu stellen. - In dem Moment leider nicht dran gedacht. Zum Glück ging dann doch alles gut.


    MfG, Peter.