Beiträge von Markus

    Hallo!


    Schönes Wolkenkino gab es heute ab den MIttagsstunden bis zum Abend in Thüringen.


    Los ging es mit einer ersten Schauerstaffel gegen 12:00 Uhr im Kyffhäuserkreis:

    Quelle: Unwetteralarm


    Bei Reinsdorf bot sich wieder ein guter Blick nach Norden und Westen. Es war bereits eine Böenwaze zu sehen:



    Bald nahm der Niederschlag die Landschaft ein:


    ...und verschlang sie:


    Ich fuhr zurück nach Süden und beobachtete diese Schauerzelle bei Sömmerda:


    Wieder schöne Kontraste mit den Fallstreifen, dem Licht und der Landschaft:


    An einem Aussichtspunkt schaute ich dem Schauspiel noch einige Zeit zu. Von Westen zogen immer wieder neue Schauer und Gewitter auf oder bildeten sich vor mir neu:


    Schöne Cumuli und Cumulonimben zeigten sich am Horizont im Westen und Nordwesten:





    Eine weitere Schauerzelle bildete sich direkt westlich von mir neu und zog über meinen Standort. Für wenige Minuten sprang die Rotationserkennung an: RadarHD-Stormtracking vom 26.07.2020, 13:50 Uhr - Sömmerda | Wetter von kachelmann.



    Und tatsächlich: Das kleine Scheißerchen drehte eine kurze Runde:


    Als erstmal kein Nachschub mehr kam, fuhr ich nach Hause, um dann später nochmal aufzubrechen. Von Erfurt kommend zog eine Gewitterzelle heran. Auch hier war wieder ein bisschen Drehimpuls dabei. Bei Oßmannstedt schaute ich dem Aufzug zu:



    Bei permanentem Grummeln aus Westen wurde aber auch leider mehr Abwind-Dominanz sichtbar:


    Zum Abschluss gab es an der Rückseite noch einen schönen Regenbogen bei Buttstädt. Ein passender Abschluss für diesen Tag.





    Markus

    Im US-Bundestaat Minnesota gab es gestern einen Tornado, der durch ein paar Chaser äußerst nah gefilmt wurde:




    Von etwas weiter weg auch fotogen:

    Anmerkung zum Gewittertyp: es war wenn überhaupt eine klassische Superzelle. Strukturell spricht alles dafür. Beim LP-Typ (also durch "low precipitation" gekennzeichnet) würde der Aufwindturm maßgeblich freier stehen - ohne einen derart ausgeprägten Starkregenbereich, den wir ja bei unserer Flucht südwärts kurz zu spüren bekamen. Auf dem Radar war der Niederschlagskern auch deutlich zu sehen.

    Das ist richtig - und gerade die Radarmerkmale haben den klassischen Typ auch noch einmal ggü der LP belegt. Die LP ist ja eher durch weniger Reflektion gekennzeichnet, was hier nicht der Fall war. Außerdem konnte man schön ein V-Notch erkennen. Der FFD hatte ebenfalls für eine LP im weiteren Verlauf zu viel Niederschlag.


    Die erste Bezeichnung als LP war auch durch mich ausgegangen, was aber falsch war. Einmal mehr nachschauen und Radardaten vergleichen hat geholfen. Janek bestätigte auch noch einmal den mehr klassischen Mode, meinte aber auch es wäre ein Grenzfall zur LP.


    Lupenrein ist es hier in Deutschland eben nicht so einfach mit der Bestimmung. Zu oft gibt es flache, rotierende Zellen, die verschiedene Stadien/Kategorien durchlaufen und gar als "Hybride" bezeichnet werden können. Klar, eine HP erkennt man da besser. Die klassiche Einordnung aus den Staaten ist für diese Grenzfälle dann eben schwierig - aber eben auch wieder interessant.


    LG

    Schöne Bilder!

    Die 3D Radaranalyse von Kachelmann sieht vorallem dort interessant aus, ob sogar kurzzeitig eine Meso dabei war ?

    Aufwind/Mesozyklonen-Index | 3D-Radaranalyse vom 02.07.2020, 22:45 Uhr - Sächsische Schweiz-Osterzgebirge | Wetter von kachelmann.

    Kurzzeitig durchaus. Auf dem Sweep ist vielleicht auch mal kurz ein kleines V-Notch zu erkennen: Radar-Sweeps vom 02.07.2020, 22:40 Uhr - Dresden (Mitte) | Wetter von kachelmann.

    Update 15:00 Uhr:

    Worauf morgen unbedingt geachtet werden sollte:

    - genaue Lage des Frontenzugs und damit wo Wolken/Niederschläge die Einstrahlung vermindern

    - Soundings

    - Abtrocknung im Lee des Thüringer Waldes

    - später: Outflow

    Die Lage des Frontenzugs hat die Einstrahlung im Großteil Thüringens nicht verhindert (auch südl. Sachsen-Anhalt)

    Die Abtrocknung im Lee des Thüringer Waldes fällt nicht im größeren Stil auf.


    In den Soundings zeigt sich noch eine vom Morgen nach Norden transportierte EML (elevated mixed layer), die nicht schlecht für die Gewitterintensität ist.


    Die Modelle zeigten immer noch unterschiedliche Szenarien. Anhand der aktuellen Lage und Entwicklung ist am wahtscheinlichsten, dass durch das konvergente Windfeld im Harzumfeld entweder am Südharz eine Auslösung stattfindet oder (nord)westlich vom Harz mit Verlagerung nach Ost. Auch kann sich mit einem Leetief am östlichen Harzrand Auslöse ergeben.


    Das wäre sozusagen die erste konvektive Phase. Verglichen mit Druckänderung und Windfeld scheint sich ggf. mit der Welle von Westen (ca. Köln) kommend bald Verstärkung an der dortigen Linie bemerkbar zu machen. SuperHD passt übrigens zu dieser Entwicklung recht gut, Rapid aktuell nicht so sehr.


    Die zweite Phase sollte dann später am Abend im Vorfeld der Kaltfront von West nach Ost durchziehen.


    Anton/Chrstoph/Markus

    Am Mittwoch steht eine Gewitterlage mit Potenzial für kräftige Entwicklungen in der 2. Tageshälfte an. Zum ersten Mal wird die Gewitterlage mit deutlich mehr Dynamik als bisher verbunden sein, was organisierte Zellen erlaubt. Auslösend wird eine Welle in entlang dieses Frontensystems sein:



    Zeitpunkt: 2. Tageshälfte, ab Nachmittag (grob ab 14-15:00 Uhr im Nordwesten/Westen zuerst)

    Verlagerung: West > Ost


    Was ist dabei?

    Starkregen

    Hagel zw. 2-4cm

    Windböen (mit den Zellen/Clustern zw. 60-90 km/h, örtlich mehr denkbar)

    Tornadogefahr ist etwas erhöht bei idealem Zusammenspiel aller Paramter und Orographie (aber längst keine "Tornadolage" nach heutigem Stand)


    Ausgangslage/Parameter:

    Einzel-/Multizellen mit Potenzial zur Superzelle (Zellteilungen dann möglich), später kleinere Cluster/Linien

    Frontalwelle/kleinere Verwellungen entlang der Front
    (West-)Südwestliche Höhenströmung mit Zufuhr feucht-warmer, instabiler Luftmasse
    CAPE eher niedrig zw. 200 und 600, lokal etwas mehr J/kg
    Scherung ausgeprägt (0-6km= 20-30 m/s, 0-1km= 10-15 m/s) -> schnelle Verlagerung der Gewitter

    Achtung: Hohe Scherung/wenig CAPE-Lagen sorgen gern für starke Gewitter und rotierende Aufwinde (auch gern zusammen mit lokalen Bergländen)

    Hebung mit den genannten Wellen, abends/nachts vor der Kaltfront


    Ablauf/Unsicherheiten:

    Entlang der Warmfront nachts/tagsüber Regen und Bewölkung

    Nachmittags von Westen heranziehend/oder neu entstehende Gewitter (Superzellen möglich)

    -> aber: mit der Südwestströmung ist im Lee (also nordöstlich) des Thüringer Waldes mit Abtrocknung zu rechnen, was die Entstehung dort hemmen könnte

    -> aber2: es ist ganz entscheidend, in welchen Gebieten am längsten Einstrahlung erfolgt -> ist Orographie (Bergländer) mit im Spiel, sind die Chancen für Gewitterbildung in diesem Bereich noch besser


    Es sind 2 Höhepunkte möglich (nachmittags mehr nach Norden, also Nordthüringen, Sachsen-Anhalt -> dieser Höhepunkt ist recht einheitlich in den Modellen, aber auch mit regionalen Unterschieden in der Verteilung)

    Der zweite Höhepunkt könnte im Vorfeld der Kaltfront abends/nachts auftreten


    Worauf morgen unbedingt geachtet werden sollte:

    - genaue Lage des Frontenzugs und damit wo Wolken/Niederschläge die Einstrahlung vermindern

    - Soundings

    - Abtrocknung im Lee des Thüringer Waldes

    - später: Outflow


    Der Ablauf der Lage ist im Detail noch unsicher. Die kleinen Details können morgen auch entscheidend sein, dass es ggf. nicht zu solch einer Lage kommt, wie sie im passendsten Fall möglich wäre.


    Chasing-Tipps gibts gleich noch im Kalendertermin und Updates morgen.


    Anton/Christoph/Markus

    UPDATE für heute (von Anton Koetsche : Hauptproblem ist das schnelle und zu frühe durchziehen der Bodenkaltfront. Das Ausbilden eines Boden "Hitze" Tiefs, wie es normalerweise wünschenswert ist, wird verhindert. Ein Grund dafür ist die Bewölkung, welche Einstrahlung verhindert. Hauptgrund ist jedoch die ungünstige Lage des Haupttroges. Statt nach Süden abzutropfen (was die Bildung eines Bodentiefs begünstigen würde) schiebt er sich nach Osten, besonders deutlich zu sehen an der negativen Schichtdickenadvektion. Dadurch bildet sich kein optimaler Overlap zwischen Scherung und Cape, und die Kaltluft sickert mehr oder weniger ein. Im äußersten Südwesten ist es am längsten sonnig, und eine Konvergenz über den Alpen, verbunden mit später einsetzendem synoptischen Hebungsantrieb könnte für die Bildung eines großen Clusters sorgen. Da die Region nicht gut geschert und die Relative feuchte in der Höhe zu hoch ist, dürfte das weitestgehend uninteressant sein.


    Nicht zu vergessen die Absinkinversion in der mittleren Troposphäre, die Gewittern zusätzlich das Leben schwer machen wird. Diese ist bei fast allen Temps zu sehen:


    In der Summe also geringe Gewitterchancen für Thüringen, maximal flache Schauer aufgrund der Absinkinversion. Richtung Sachsen vielleicht noch etwas mehr möglich.


    Die neuen Cosmo Läufe haben etwas Auslöse in Thüringen, diese wird vielfach Low Topped sein. Es deuten sich aber auch Bereiche mit etwas hochreichender Konvektion an (da wo das meiste Cape ist), hierfür besonders die Taupunkte beachten. Dieser Bereich liegt momentan eher Richtung Leipzig. Durch die sehr gute Scherung könnten die Zellen optisch ansprechend sein.


    Auch erwähnt sei die Teilweise recht gute Scherung in den unteren Kilometern. SOLLTE was auslösen, halte ich schwache Organisation und vielleicht nen Funnel für möglich. Aber das ist natürlich viel Spekulation meinerseits.

    Ich war zwischen Weimar und Eckartsberga unterwegs und konnte einige pulsierende Zellen beobachten. Es gab sehr starken Wolkenbruch und kleinere Überflutungen auf den Straßen Richtung Eckartsberga.


    Ein paar Eindrücke:




    Am Wochenende steht eine Gewitterlage im Vorfeld einer Kaltfront an. Besonders am Samstag können sich einzelne Gewitterzellen oder Cluster bilden, die von WSW nach ONO ziehen.


    SAMSTAG, 27.06.2020


    Zeitpunkt: ab ca. 14:00 Uhr beginnend bis in die 1. Nachthälfte (spätabends/nachts Wetterberuhigung)

    Zugbahn: WSW - ONO


    Was ist dabei?

    Starkregen (Hauptgefahr), besonders bei Clustern dann auch nochmal erhöhte Überflutungsgefahr

    Hagel bis zu 3cm

    Windböen (örtlich zw. 60-90 km/h)


    Ausgangslage/Parameter:

    Langwellentrog nähert sich von Westen

    Kaltfront eines Tief bei Schottland (zieht erst am Sonntag durch)

    Beste Scherung außerhalb unserer Region (Nordwestdeutschland)

    Interaktion von Scherung/Hebung nicht perfekt

    Feuchte ggf. ein Problem -> kommt erst hochreichend besser am Nachmittag/Abend rein, dafür bodennah besser vorhanden als in den letzten Monaten

    Lapse Rates/CAPE (unter 1.000 J7kg) moderat, aber ausreichend

    Abends/Nacht zu Sonntag Wetterberuhigung


    Hinweis zur Jagd:

    Die Zellen werden sich nicht zu langsam verlagern, man wird aber auch nicht "überrannt"

    Thüringer Wald bedenken bei WSW-Strömung! Heranziehendes wird im Luv verstärkt/im Lee abgeschwächt



    SONNTAG. 28.06.2020


    Bitte Update weiter unten beachten!


    Zeitpunkt: zw. 11:00 Uhr und 21:00 Uhr

    Zugbahn: WSW - ONO


    Was ist dabei?

    Starkregen (Hauptgefahr)

    Hagel bis zu 3cm

    Windböen (örtlich zw. 60-90 km/h)


    Ausgangslage/Parameter:

    Langwellentrog nähert sich von Westen

    Kaltfrontdurchgang am Nachmittag/Abend (Kaltfront selbst bringt keine Gewitter)

    Bessere hochreichende Scherung als am Samstag

    ggf. etwas weniger CAPE/Feuchte als am Samstag

    Bildung von kleinen Linien/Clustern möglich

    bessere Bedingungen östlich Leipzig/Chemnitz sowie Franken, östliches/zentrales Bayern und Alpenrand


    Updates folgen bei Bedarf