16.05.2010 SChaPLe OK1.0 ... Teil 1

  • Hallo zusammen,


    obwohl einige sicher schon mitbekommen haben, dass www.SChaPLe.com dieses Jahr wieder in den US-Plains unterwegs war, soll es hier nochmal eine kleine Zusammenfassung der besten Events geben. Insgesamt eine sehr erfreuliche Saison, die auch momentan noch jede Menge Spannung bietet. Sie fällt vor allem dadurch auf, dass es seit Wochen ununterbrochen zur abendlichen Clusterbildung in den nördlichen Plains kommt. Das ist so ungefähr das Gegenteil von dem was wir Mitte Mai, als es für uns losging, befürchtet hatten. Ein klein wenig eingebauter Pessimismus hat noch nie geschadet. Das hält die Erwartungen niedrig und die Enttäuschung extrem gering ;-). Ich werde die Bilder kurz chronologisch kommentieren und darunter jeweils die weiterführenden Links zur SChaPLe- sowie zu meiner Homepage angeben.


    Bei Bedarf gibts alle Bilder in voller Auflösung auf Nachfrage sehr gern persönlich zugeschickt :-).


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    Gleich am ersten Tag, dem 16. Mai, ging es unweit unserer Homebase los. Erstmal allerdings mit dieser unansehnlich, outflow-dominierten Linie:




    Dem Ganzen ein bisschen unmotiviert zugeschaut, bevor sich dann doch noch was basisartiges zeigen sollte:




    Die Basis vollzog einen move nach rechts und bescherte uns eine Weile später diesen Ufo-esken Anblick:






    Daraus wurde eine wunderschöne LP-Zelle mit beeindruckendem Updraft. Für Strukturchaser wie uns ein Traum:






    Ewig währte der Spaß nicht, denn die Basis hob zunehmend ab und verhungerte schließlich:




    --> www.schaple.com
    --> www.karstenhaustein.de


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    Dennoch ein sehr guter Start, dem zwei Tage später im Texas-Panhandle schon das nächste highlight folgte. Kurz nach Ankunft ging es los und wenig später erwartete uns eine breite Meso mit jeder Menge Fraktus-Gedöns:




    Die Zelle nahm weiter an Struktur zu und nach einer Weile schmiss der RFD Niederschlag und Hagel im Aufwindbereich. Zeit für die Zelle, sich ein wenig neu zu strukturieren:






    Derweil schliffen der outflow-induzierte Fraktus fast auf dem Boden, nahm aber (erfreulicherweise) keine Böenkragenstruktur an, machte allerdings (unerfreulicherweise) auch keine ernstzunehmenden Wallcloudansätze:






    Die Struktur insbesondere der Vorderflanke beeindruckte dennoch, auch wenn die Zelle zunehmend HP-lastig wurde:






    Später dann nette Shelfcloud-Ansätze:








    Daneben ein paar laminar geformter inflow-Wolken:




    Bevor es am Ende in Stinnett eine der mittlerweile sehr häufig anzutreffenden Chaser-Konvergenzen gab:




    --> www.schaple.com
    --> www.karstenhaustein.de


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    Der darauffolgende 19.Mai sollte unser erstes live erlebtes SPC-HIGH-risk bringen, und dazu noch mitten in der Saison fast oin central-Oklahoma. Wie eingangs erwähnt, Ball flach halten zahlt sich gerade in solchen Fällen ganz besonders aus. Sowas wird schnell zum strukturtechnischen Rohrkrepierer, denn das SPC macht seine Vorhersage nicht unter ästhetischen Gesichtspunkten. Ob sowas zum Outbreakt werden kann, entscheidet sich meist erst spät. Diesmal wurde es keiner. Nur eine Zelle hat wirklich ordentlich Tornados geschmissen, es war allerdings
    nicht unsere ;-). Egal, empfangen wurden wir hiermit:






    Zu Beginn also schon mal schwer HP-verdächtig und mit ordentlichem Böenkragen. Später gabs immer mal wieder Versuche ein bisschen Strktur reinzubringen:




    Gelungen ist es aber nie ernsthaft. Auch die Vortex-2-Leute waren diesmal an der "falschen" Zelle:




    Das Teil baute immer wieder hinten an, hatte aber ständig mit dem Outflow zu kämpfen:






    Dennoch hat natürlich auch eine solch massive HP-Zelle ein paar nette Impressionen zu bieten:




    Es hieß aber stets Flucht, sowohl von dem Hagel, als auch vor der unfassbar hohen Anzahl Chaser. Etwas später bildete sich in den Ortschaften tatsächlich veritabler Stau, ein insbesondere in Zukunft nicht zu unterschätzendes Problem:




    Irgendwann ist dann rundherum alles fies verclustert, sodass wir nach diesem Stopp bereits zurückfuhren:




    Erfreulicherweise gabs gleich bei uns in Norman noch diese Rückseite als Highlight des HIGH-risk-Tages zu bestaunen:






    --> www.schaple.com
    --> www.karstenhaustein.de


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    Weiter in Teil 2 ...

  • Hallo Karsten!


    Danke für deine Berichte! Die Strategie, pessimistisch zu sein, verfolgen wir ja auch schon ein paar Jahre... Ihr seit aber gut empfangen wurden wie ich persönlich finde (ich stelle mir vor, ich stehe an der Stelle des Fotografen :) ). Bei diesem Bericht gefällt mir das Bild vom 16. Mai mit dieser runden Basis der Zelle am Besten, einfach genial! Und der abendliche Ausklang des HIGH-Risk-Tags ist auch sehr sehenswert!


    Vielleicht erklären wir nochmal für die noch unerfahrenen Mitglieder und Besucher die Begriffe "LP-Superzelle" und "HP-Superzelle". Ich versuche das mal selbst aus eigenem Wissen und bitte dich, mich eventuell zu korrigieren.


    LP-Superzelle: Das "LP" für steht "Low-Precipitation", also wenig Niederschlag. Damit ist gemeint, dass der Niederschlagsbereich dieser Superzellenart recht klein ist und sich auf den Kern der Zelle beschränkt.


    HP-Superzelle: Hier steht das "HP" für "High-Precipitation", also viel Niederschlag. Das Niederschlagsgebiet ist sehr groß und erstreckt sich mit Starkregen und Hagel auf ein großflächiges Gebiet. Die höchste Gefahr bei diesem Zelltyp ist, dass die entstehenden Tornados im Regen versteckt sind (Bärenkäfig) und vom Regen "umwickelt" ("rain-wrapped") sein können.

    1. Vorsitzender Thüringer Storm Chaser e.V.
    ESSL Voluntary Observer Person (Qualitätslevel QC1) (European Severe Storms Laboratory)
    Premium Advanced Spotter & Regionaler Ansprechpartner Thüringen (Skywarn Deutschland e.V.)
    Weitere Mitgliedschaften: Arbeitskreis Meteore e.V. • Cloud Appreciation Society


  • Absolut richtig die Erklärung. LP-Zellen kommen bisweilen auch mal völlig ohne Niederschlag aus. Da fliegen ein paar Hagelsteine und ansonsten sterben sie irgendwann ab und der Rest verdunstet. Dazwischen gibts noch die Classic-Superzelle, so wie wir sie letztlich am 31.Mai hatten. Da ist wenn man so will alles gut ausbalanciert, Auf- und Abwind. Muss zwar deswegen noch keinen Tornado werfen (da spielt der rear flank downdraft - RFD - wohl eine übergeordnete Rolle), aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit ungemein ;) . Die Zustände sind selbstredend nicht gleichbleibend. Es geht meist mit LP los und wird dann oft über Classic zur HP. Direkt HP dürfte vermutlich gar nicht gehen, würde ich aber jetzt nicht meine Hand für ins Feuer legen.


    Ansonsten habe ich mit den Begriffen vermutlich wieder recht schlampig um mich geschmissen. Da bitte ich Euch, bei Klärungsbedarf einfach nochmal nachzuhaken. Ich (oder andere) versuchen dann die entsprechenden Erläuterungen zu geben.


    GTZ KarSteN