05.08.2019 I Behringen bis Kirchheim I Flache Superzelle

  • Hallo zusammen,


    am 05. August bildete sich westlich von Kassel eine Gewitterzelle, die über das Thüringer Becken zog und sich bei Triptis im Saale-Orla-Kreis auflöste. Ich folgte der Zelle von Behringen nordöstlich von Eisenach bis Kirchheim im Ilm-Kreis.


    Die meteorologischen Parameter, Dopplerradarbilder und Vor-Ort-Beobachtungen sprechen für eine [definition=101,0]Superzelle[/definition], die allerdings als eine flache [definition=101,0]Superzelle[/definition] (low-topped supercell) bezeichnet werden kann, da sie in ihrer vertikalen Entwicklung durch eine [definition=52,0]Inversion[/definition] in 400 hPa begrenzt wurde.



    Betrachtet man das [definition=96,0]Sounding[/definition] von Meiningen 12Z (14 Uhr MESZ) fällt einem zunächste die günstige [definition=95,2]Windscherung[/definition] auf: Am Boden Südostwind, der mit der Höhe auf West dreht und in den oberen Luftschichten aus Nordwest weht. Man sieht außerdem mehrere Inversionen, wovon eine bei etwa 400 hPa (~7.400m) zu finden ist. Diese machte es der Zelle schwer, sie zu überwinden. Die [definition=59,0]Labilität[/definition] war insgesamt eher schwach und der Auftrieb limitiert.


    Man erkennt das auch im Satellitenbild anhand der Wolkenoberkanten (Cloud-Tops) die zw. -30 und -40, teilweise mal bis -55°C erreichten. Im Seitenaufriss findet man maximale Reflektivität im Durchschnitt bei 7 km, kurzzeitig auch mal bei 8-9 km. Die mangelnde vertikale Entwicklung äußerte sich auch in der niedrigen Blitzrate, dem kleinen Hagel in der Hagelspur und war visuell mit einer schwach anmutenden Vereisung zu sehen, die keinen klassischen [definition=22,0]Cb[/definition] ausbilden konnte (wie auch, wenn noch vor dem oberen Stockwerk Schluss ist).


    Das Dopplerradarbild zeigte immer wieder mal offensichtliche Rotationsversuche im unteren Abstrahlwinkel:


    18:50 Uhr bei Treffurt: https://kachelmannwetter.com/d…5grad/20190805-1650z.html (Bild verfällt)
    19:20 Uhr bei Behringen: https://kachelmannwetter.com/d…5grad/20190805-1720z.html (Bild verfällt)


    Im Radar-Sweep, aber auch im regulären Radar konnte man einige Radarmerkmale einer [definition=101,0]Superzelle[/definition] wie ein V-Notch ausmachen, abgesehen vom rechten ausscheren der Zelle. Man findet auch die Krümmung am Ende der Zelle, hier aber ohne Haken. Beispiele: https://kachelmannwetter.com/d…kreis/20190805-1715z.html oder https://kachelmannwetter.com/d…kreis/20190805-1635z.html


    Flache Superzellen werden auch u.A. dadurch charakterisiert, dass das [definition=33,0]Equilibrum Level[/definition] niedriger ist. Im Sommer ist das natürlich nicht so offensichtlich wie im Winter. Viel mehr war in diesem Fall die [definition=52,0]Inversion[/definition] der entscheidende [definition=28,0]Deckel[/definition], der höheres aufsteigen verhinderte.


    Jetzt aber zu den Bildern :)


    An meinem ersten Standort nordöstlich von Behringen sieht man bereits einen gut getrennten Niederschlagsbereich und die [definition=8,3]Basis[/definition] links daneben, die bereits eine gewisse Tellerform zeigt:


    Noch deutlicher wird es in der nächsten Aufnahme. Hier sind unter dem rotierenden [definition=7,0]Aufwind[/definition] bereits aufsteigender [definition=37,0]Fractus[/definition] zu sehen, der vom Niederschlagsbereich daneben getriggert wird:


    Ich fuhr ein kleines Stück entgegen, um auch im Verlauf gute Straßenoptionen für die Verfolgung nach Südosten zu haben. Jetzt sieht man die Wolkenbasis sehr gut. Am Boden fanden Erntearbeiten statt. Imposant war anzusehen, wie der Staub durch die unteren Wolkenfetzen angesaugt wurde:


    Hier noch besser:


    Die Zelle zieht direkt an mir vorbei. Ich stehe quasi unter dem Bereich des vorherigen Bilds:


    Ein kleines Stück weiter:



    Und so folgte ich ihr immer schrittweise. Die langsame Verlagerung ermöglichte mehrmalige Stopps um zu beobachten und zu fotografieren. Auch hier wieder:


    Kurz vor Erfurt war zwar immer noch Rotation vorhanden, aber die [definition=8,3]Basis[/definition] an sich bildete keine Mauerwolken mehr aus:



    Einer kurzen Intensivierung bei Bindersleben folgte dann so langsam die Abschwächung. Bei Kirchheim (IK) war immer noch eine rotierende [definition=8,3]Basis[/definition] vorhanden, wie unschwer anhand der Wolken zu erkennen ist:


    …aber so langsam wurde es immer schwieriger zu überleben:


    Nun folgt der gemütliche Teil des Abends mit schöner, entspannter Stimmung. Anfangs war noch ein Stückchen Regenbogen zu sehen:


    Im Westen ging die Sonne unter:


    Der Turm wurde nun erst in gelb:


    …dann orange:



    …in zartes rosarot


    …und zuletzt in ein abgestuftes blau-rosa getaucht:



    Ein paar Quellungen sind noch da, werden aber keine große Chance mehr haben:


    Auch sonst schöne Stimmung am Himmel:


    Eine erfolgreiche Jagd mit einer interessanten, nicht alltäglichen Zelle endete auf dem Feld bei Kirchheim mit Schüssen des Jägers unweit von mir. Meine Pirsch war hier aber beendet.


    Markus

    1. Vorsitzender Thüringer Storm Chaser e.V.
    ESSL Voluntary Observer Person (Qualitätslevel QC1) (European Severe Storms Laboratory)
    Premium Advanced Spotter & Regionaler Ansprechpartner Thüringen (Skywarn Deutschland e.V.)
    Weitere Mitgliedschaften: Arbeitskreis Meteore e.V. • Cloud Appreciation Society