10.05.2020 | Gewitter bei Grimma/Döbel/Colditz

  • Hallöchen,

    obwohl es schon ein paar Berichte gibt, geb ich hier auch nochmal meine Erlebnisse vom 10.05 zu Protokoll.

    Zur Wetterlage:

    Das Bodentief, welches sich am Samstag über Bayern gebildet hatte, verlagerte sich im Lauf der Nacht weiter nach Norden. Dabei wurde feuchtwarme Luftmasse aus Bayern nach Ostdeutschland advehiert.


    Insbesondere im Osten Thüringens und südöstlich von Leipzig lagen die Taupunkte teilweise bei 13°C. Nördöstlich von Leipzig lag eine noch deutlich trockenere und kühlere Luftmasse. Dies zeigt sich an dem relativ scharfen Theta-Ae Gradienten knapp südlich des Bodentiefs, welcher gleichzeitig die Lage der Kaltfront dieses Tiefs in 850hPa markiert. Bodennah war diese deutlich am Windsprung und der damit verbundenen Konvergenz sichtbar (Hier im Bereich von Leipzig): Windrichtung, Messwerte Deutschland vom 10.05.2020, 14:00 Uhr | Wetter von kachelmann.

    Die CAPE Verteilung variierte lokal relativ stark, dies war insbesondere aus Forecastsoundings des Cosmo-DE zu entnehmen. Die besten Bedingungen zeigte ein Streifen in der Region Borna/Grimma/Colditz.

    Begünstigend war dort weiterhin eine moderate Windscherung. mit einer bodennahen komponente aus S/SO.


    Ich verlagerte mich bereits gegen 14 Uhr in den Bereich der "potenteren" Luftmasse, sobald der Wind aus Westen kam rückte ich noch ein Stück weiter nach Osten, denn ich wollte mich östlich der Konvergenz positionieren (Windräder sind da wirklich nützlich).

    Nach ein paar kräpligen Versuchen bei Grimma konzentrierte ich mich auf diese Zelle nördlich von Borna...die nichtmal geblitzt hat, denn hier verhinderte eine Inversion hochreichende Konvektion: Radar HD+, Regenradar vom 10.05.2020, 16:45 Uhr - Leipzig | Wetter von kachelmann.


    Strukturtechnisch gefiel mir dieser nicht blitzende Aufwind jedoch ganz gut, grade im Zeitraffer ist eine leichte Rotation zu erahnen


    LP kleiner.mp4


    Diese Zelle lag am Nordende der Konvergenz. Noch während der Zeitraffer lief, verstärkte sich in der Nähe von Zeitz eine Zelle aus dem Cluster, welches sich von Thüringen nach Osten verlagerte.

    In der Hoffnung, diese könnte das rennen machen (Cosmo-DE hatte ähnliche Entwicklungen angedeutet) verlagerte ich mich weiter nach SO, in die Nähe von Bad Lausick.

    Radarbild: Radar HD+, Regenradar vom 10.05.2020, 17:35 Uhr - Leipzig | Wetter von kachelmann.


    Anfänglich war links des Niederschlagsbereichs eine relativ diffuse Basis zu erkennen



    Diese intensivierte sich im weiteren Verlauf, und saugte stetig Fractus aus dem Niederschlagsbereich an.



    Der Zeitraffer zeigt die Dynamik dahinter ganz gut:

    Rapsfeld kleiner.mp4


    Um mich über die Landstraßen nochmal davorzusetzen musste ich mich schnell verlagern. Mittlerweile hatte sich das Südende weiter verstärkt, die Zelle schien sich aufzuteilen, bei diesem Windprofil sollte die südliche Seite dominieren.

    Kurz hinter Colditz stoppte ich, um einen Blick auf die Südseite zu bekommen. Die Struktur ist nicht rein Outflowdominant, hier ist hinter dem Niederschlag eine Art Wallcloud erkennbar, im Zeitraffer weiter unten ist auch erkennbar, wie Fractus angesaugt wird. Der Mesotracker von Kachelmannwetter zeigte ebenfalls deutliche Signaturen: Aufwind/Mesozyklonen-Index | 3D-Radaranalyse vom 10.05.2020, 18:25 Uhr - Leipzig | Wetter von kachelmann.


    Gegen Ende wird die Zelle zunehmend Outflowdominant und zeigt shelfcloudartige Ansätze

    Shelf kleiner.mp4


    Ein letztes mal davorgesetzt - Die Zelle haucht schnell ihren Atem aus, je weiter sie ins Erzgebirgsvorland zieht. Alles in allem ein sehr schönes Chasing! :)