18.06.2024 I Mellingen bis Gera I Superzelle und Tornadoverdacht

  • Déjà-vu 16.06.2006? Gewissermaßen.

    2 Tage später, EM statt WM, Superzellen und Hagel bleiben aber gleich.


    Es war einer der wenigen, aber denkwürdigen Superzellen-Tage in Thüringen. Der Ablauf war wieder identisch zu früheren Ereignissen. Auslöse im Ilm-Kreis oder im Weimarer Land, dann rasche Verstärkung, ausscheren nach Osten und die Superzellen marschieren mit Hagel grob entlang der A4 nach Osten. Einzig die Tageszeit war diesmal "neu". Alle früheren Ereignisse fanden früher am Nachmittag statt.


    Die Entwicklung war so explosiv schnell, dass die kurze Verlagerung von Weimar nach Mellingen schon reichte, dass sich die Zelle zur Superzelle entwickelte. Dauergrummeln, Rotation, Inflow aus Osten, Wahnsinn. Würde die Landschaft anders aussehen, hätten man denken können, ich reiche einen USA-Bericht nach.


    Zoom:


    Und nochmal vor Abfahrt:


    Ergänzend der Livestream von kachelmannwetter:


    Kurze Verlagerung nach Milda. Es wurde noch imposanter und toller in der Struktur. Kurze Zeit sogar mit Ansätzen von Kelvin-Helmholtz-Wellen. Krass.




    Panorama:



    Letztes Detailbild vor Abfahrt:


    Update im Livestream von kachelmannwetter dazu:


    Kurz vor Hagel konnte ich wieder auf die A4 Richtung Osten auffahren, Ziel grob Lederhose/Triptis. Über Land- und Bundesstraße ging es bis nach Mittelpölnitz. Die tiefe Wolkenschwanz der Flanking-Line war bereits über mich hinweggezogen. Es war noch warm, keinerlei Wind und ich konnte nun von Südwesten her zur Superzelle schauen, die inzwischen Gera überquerte.


    Auffallend war für 5 Minuten diese rot eingekreiste Absenkung, die sichtbar rotierte:




    Meinungen dazu, TSCience ?


    Ich fuhr danach noch weiter nach Gera und von dort zurück Richtung Weimar.


    Was für ein Tag.

    1. Vorsitzender Thüringer Storm Chaser e.V.
    ESSL Voluntary Observer Person (Qualitätslevel QC1) (European Severe Storms Laboratory)
    Weitere Mitgliedschaften: Member of AMS Weatherband · Arbeitskreis Meteore e.V.

  • Da hätten wir uns ja sehen können, ich stand etwas weiter vorn Richtung Schorba mit unserem Betriebswagen 😁

    Also ich habe dich gesehen am Feldrand :)


    Ich bin gespannt auf deine Bilder!

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  • Loni A. Der Komplex gestern für Nordthüringen ist im Verlauf einfach zu sehr verclustert. Das lag wohl nicht grad wenig auch am Überzug vom Weserbergland und Werratal. Wie so häufig bei Südwest-Lagen.

  • Moin, toller Bericht Markus! Auch super dass es mit dem Livestream geklappt hat!

    Zum Tornadoverdacht: Stelle würde ja ungefähr passen, aber auf der Rückseite haste gerade bei so ner Scherung auch oft mal kleinere okkludierte Aufwinde die zwar rotieren aber an sich uninteressiert an Bodenkontakt sind.
    Was für mich gegen Tornado spricht:

    1) Im letzten Bild sieht man rechts davon ist eine fast identische, symmetrische Absenkung, sieht eher aus wie ein kleiner gesplitteter Aufwind.

    2) Die Zelle sah von vorne völlig uninteressiert aus nen Tornado zu schmeißen. Sprich der RFD lief eher gemächlich nach Süden raus und machte keine Anstalten, sich rumzuwickeln. Auch wenn sich die Okklusion hinter dem RFD vollzieht sollte man von vorne Anzeichen dafür sehen. Von wann war das verdächtige Bild?

  • Was für mich gegen Tornado spricht:

    1) Im letzten Bild sieht man rechts davon ist eine fast identische, symmetrische Absenkung, sieht eher aus wie ein kleiner gesplitteter Aufwind.

    2) Die Zelle sah von vorne völlig uninteressiert aus nen Tornado zu schmeißen. Sprich der RFD lief eher gemächlich nach Süden raus und machte keine Anstalten, sich rumzuwickeln. Auch wenn sich die Okklusion hinter dem RFD vollzieht sollte man von vorne Anzeichen dafür sehen. Von wann war das verdächtige Bild?

    Janek meint folgendes via X, wo auch Radar- und Doppler zu finden sind:

    ich würde da mitgehen, deutliche Absenkung an der richtigen Stelle der Meso. Im Doppler fehlte zum Termin das nötige Echo im niederschlagsfreien Hook-Inneren (also das Gegenstück zum grünlichen Fleck), 5min später aber da:

    Zu deiner Frage: Das Bild ist von 21:24 Uhr. Die gesamte Dauer dieser Absenkung waren vielleicht 5 Minuten.


    Von Bodenkontakt gehe ich ehrlich gesagt so gut wie gar nicht aus. Als Funnel würde ich diese Absenkung aber schon sehen.


    Die einsetzende Dunkelheit und Zeit waren Gegner dafür die Region bezügliche Schäden abzufahren. Auch im Rahmen der ESWD-Recherche ist erstmal noch nichts aufgetaucht.


    Ich habe die Front in Schiedungen erwartet, konnte aber absolut nichts davon sehen, da ich einen dichten Regenvorhang hatte. Außer ein paar Donnerschlägen, zu sehen gab es nichts.


    Muß wohl doch mal weiter in den Osten fahren?

    Leider für diese Lage ein schlechter Standort. Wie Peter schon richtig schrieb, ist der Lee vom osthessischen Bergland nicht förderlich für Konvektion, die aus Südwesten aufzieht. Lee bedeutet erstmal absinken und Stabilisierung, ergo Abschwächung oder Auflösung von Konvektion. Im nördlichen Bereich des Clusters hattest du zudem nur noch die alten Rester mit Regen. Die neuen Zellen nach Süden wären dann interessanter, haben auch hier das Problem, dass sie in die Absinkzone des Thüringer Waldes im Thüringer Becken ziehen und keine guten Überlebenschancen haben.


    Um an deiner Stelle Erfolg zu haben, müsste der ganze Cluster so weit nach Norden versetzt sein, dass nur das Südende deinen Bereich trifft. Das würde in diesem Fall etwas erhöhte Chancen auf mehr als nur Regenvorhang bringen.

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