13.07.2021 - Stormchasing in Hof und Sachsen

  • Hallo zusammen,


    am 13.07.2021 stand wieder eine Gewitterlage an, bei welcher am Nachmittag vom Vogtland aus Gewitter entstehen sollten. Da es für mich fast ein Heimspiel war, bin ich direkt nach der Arbeit um 15:30 Uhr von Tirschenreuth aus nach Norden aufgebrochen, um mögliche Gewitter abzufangen. Bereits bei meiner Abfahrt gab es erste Gewitter im Großraum Hof. Während der Anfahrt entstanden direkt auf meiner Höhe westlich ebenfalls erste Gewitter, welche ich aber im wahrsten Sinne des Wortes links liegen lassen habe.


    Um 16:20 Uhr war ich schließlich östlich von Hof und konnte einen ersten Blick auf das zu diesem Zeitpunkt stärkste Gewitter werfen (Standort: AS Regnitzlosau). Es zeigte sich bereits eine sich entwickelnde Wallcloud. Es schien, als würde sich das Gewitter gerade beginnen zu organisieren. Zu diesem Zeitpunkt gab es auch für fast 1 Stunde extremen Starkregen in Selbitz, was für massiven Überflutungen sorgte.

    Radar HD+, Regenradar vom 13.07.2021, 16:20 Uhr - Hof | Wetter von kachelmann.



    Nach diesem Foto, einem schnellen Blick aufs Radar und der weiteren Routenplanung ging es auch direkt weiter. Nach einer weiteren Autobahnausfahrt ging es schließlich wieder runter und über Landstraßen Nordwärts. Zunächst habe ich auf dem Weg keinen Standort mit Sicht gefunden, nach einigen Kilometern Fahrstrecke, wurde ich aber schließlich fündig. Das Gewitter schien sich gut zu organisieren. Die Wallcloud war mittlerweile gut ausgebildet und erste laminare Strukturen wurden sichtbar.

    Uhrzeit: 16:33 Uhr

    Standort: südlich von Gutenfürst



    Ich wollte aber noch weiter nördlich stehen und bin deshalb direkt wieder weitergefahren.

    Ein paar Kilometer weiter in Grobau schließlich erneut ein kurzer Halt, da sich die Zelle prächtig entwickelte. Die Sicht nach Südwesten war aber sehr eingeschränkt, weshalb es erneut schnell weiter ging. Uhrzeit: 16:41 Uhr



    Erneut in Misslareuth habe ich um 16:46 Uhr schließlich den optimalen Standort gefunden. Die Wallcloud war wirklich schön anzusehen und die Tailcloud zum Teil schön ausgeprägt.

    Radar HD+, Regenradar vom 13.07.2021, 16:45 Uhr - Hof | Wetter von kachelmann.




    Der Fraktus schien bis zum Boden zu hängen, was aber wohl an der Perspektive lag.




    Schließlich war das Gewitter genau westlich von mir, sodass ich mich wieder davorsetzen wollte. Es ging also weiter der Straße folgend nach Nordnordosten. Nach knapp 5 Minuten Fahrzeit, es war nun 17:07 Uhr, zeigte sich im Augenwinkel kurz vor Stelzen eine wahnsinnig schön ausgeprägte Wallcloud. Für ein Foto musste ich unbedingt stehenbleiben, wenngleich ich mich dazu entschied, gleich noch weiterzufahren, um an einem guten Standort weiter nördlich noch einmal länger beobachten zu können.




    Die nächsten 5 Kilometer war jedoch viel Wald und vor allem wenig gute Sicht. Kurz vor einem erneuten Waldstück ergab sich dann eine Lücke, durch welche ich das Gewitter weiter beobachten konnte. Die Ausprägung war nicht mehr ganz so schön, allerdings immer noch beeindruckend.

    Uhrzeit: 17:17 Uhr

    Standort: nördlich Schönberg

    Radar HD+, Regenradar vom 13.07.2021, 17:20 Uhr - Vogtlandkreis | Wetter von kachelmann.




    Leider setzte nun das erste mal vorlaufender Regen ein, welcher sich laut Radar immer weiter ausbreitete. Deshalb habe ich mich entschlossen, etwas weiter ostwärts zu fahren, aus dem Regen heraus und dann weiter nach Norden. Das hat vorerst auch geklappt, doch lange hielt die Regenpause nicht an. Zudem war hier mittlerweile deutlicher Outflow spürbar. Der Anblick war immer noch sehr schön, allerdings schien die Zelle merklich an Organisation zu verlieren. Der Regen drückte nun auch immer schneller raus nach Osten.

    Uhrzeit: 17:40 Uhr

    Standort: Steinsdorf




    Als es schließlich auch an diesem Standort hat angefangen zu regnen, entschloss ich mich die Zelle ziehen zu lassen und eine der Neuentwicklung südlich davon abzupassen (Radar HD+, Regenradar vom 13.07.2021, 17:50 Uhr - Vogtlandkreis | Wetter von kachelmann.). Hierfür bin ich nach Osten zur A72 gefahren. Meine Hoffnung war, dass weiter östlich auch noch weitere Gewitter anbauen. Die vorhandenen Gewitter sind aber weiterhin nordwärts gezogen und wollten nicht so recht rauskommen. Mein nächster Standort war schließlich nahe der Autobahnausfahrt Reichenbach. Ankunft war um 18:15 Uhr, die nächsten 15 Minuten gab es erstmal nichts als eine graue strukturlose Wolkenwand zu sehen. Um 18:30 Uhr entwickelte sich aber schließlich neue Struktur direkt vor mir.



    Genau zu diesem Zeitpunkt kam ein mir bekanntest Auto den Feldweg durch die teils riesigen Pfützen geschliddert, Markus und Marco haben sich zu mir gesellt. Wir standen an diesem Standort noch bis 18:50 Uhr. In diesem Zeitraum zeigte sich nun zum Teil sehr ausgeprägte Rotation.



    Die Rotation war wunderbar mit bloßem Auge zu beobachten. Im Zeitraffer (siehe unten) könnte man sogar meinen, dass das Gewitter versucht hat zu rüsseln. Nachfolgend drei Bilder, die die Rotation schön zeigen. Das letzte Foto entstand um 18:45 Uhr. Das Dopplerradar sprang auch immer wieder an: Doppler-Sweeps vom 13.07.2021, 18:45 Uhr - Dresden (Südwest) | Wetter von kachelmann.





    Schließlich habe ich mich noch an Markus und Marco rangehängt, die weitere Fahrt ging wieder nach Nordosten zu der Zelle bei Gera. Das Gewitter war für längere Zeit fast ortsfest, da es immer wieder südlich angebaut hat. Als wir uns in der Anfahrt befunden haben, zog es dann aber recht rasch nach Norden ab und es lösten weitere Schauer östlich davon aus (Radar HD+, Regenradar vom 13.07.2021, 19:25 Uhr - Sachsen | Wetter von kachelmann.). Dadurch konnten wir das Gewitter nicht mehr erreichen und befanden uns auf einmal wieder im Regen. In Gaithain haben wir es schließlich aus dem Regen rausgeschafft. Es war mittlerweile 20:15 Uhr. Struktur gab es leider keine mehr, dafür einige schöne Erdblitze. Leider hatte keine von uns dreien wirklich Erfolg, für einen Mitleidsblitz hat es dann aber doch noch bei allen von uns gereicht.

    In meinem Fall haben sich sogar insgesamt drei Blitze aufs Bild geschmuggelt.



    Nach einer gefühlten Minuten hat es aber auch an diesem Standort mäßig angefangen zu regnen. Nach 20 Minuten nahm der Regen immer weiter zu, sodass wir schließlich eingepackt haben. Nach einer kurzen Verabschiedung haben wir uns auf den Heimweg gemacht. Nach wenigen Minuten wurde mein Heimweg aber nochmal unterbrochen. Zum einen stieg die Blitzfrequenz nochmal an, zum anderen konnte ich im mittlerweile starken Regen nochmal Struktur am Horizont erahnen. Deshalb bin ich nochmal stehengeblieben und habe die Kamera ausgepackt. Während die GoPro noch ein paar Blitze erwischt hat, war die DSLR nicht mehr erfolgreich. Dafür zog nochmal eine teils recht schöne Böenfront auf. Im Schutze des Kofferraums konnte ich noch einige Bilder machen, der Regen war immer noch relativ stark.

    Uhrzeit: 21:05 Uhr

    Standort: Narsdorf




    Ein Blick aufs Regenradar zeigt schließlich noch ein Linie aus Tschechien aufziehen (Radar HD+, Regenradar vom 13.07.2021, 21:00 Uhr - Sachsen | Wetter von kachelmann.). Da sich mein Heimweg mit der Zugrichtung der Linie kreuzte, wollte ich auch diese Linie noch mitnehmen. Nach kurzem Kontakt mit Marco hat er mir bestätigt, dass auch sie diese Linie noch abfangen wollen. Im Hinterkopf war jedoch auch bereits der Gedanken, dass die Luftmasse in Sachsen bereits komplett aufgebraucht war, sodass es fraglich war, wie weit die Linie noch kommen würde.


    Die Dämmerung setzte mittlerweile ein, was die Standortsuche südwestlich von Chemnitz sehr erschwerte. An der Autobahnausfahrt Hartenstein wurde ich schließlich fündig. Die Linie hatte sich erwartungsgemäß fast komplett aufgelöst, ein paar letzte Wolkenblitze gab es jedoch noch. Mittlerweile war es 21:47 Uhr. Radar HD+, Regenradar vom 13.07.2021, 21:45 Uhr - Sachsen | Wetter von kachelmann.



    Als die Kameras aufgebaut waren und ich ein weiteres mal das Radar geprüft habe, habe ich gesehen, dass mir Marco und Markus vor 15 Minuten den aktuellen Standort von ihnen gesendet haben - nur 3km von meinem entfernt. Da fototechnisch nicht mehr viel ging, wollte ich sie noch einmal kurz besuchen kommen, doch leider waren sie nicht mehr auffindbar. Im Nachhinein haben wir herausgefunden, dass wir uns wohl um wenige Meter verfehlt haben und uns Aufgrund der Dunkelheit nicht mehr gesehen haben - schade.


    Auf dem Heimweg gab es schließlich noch teils sintflutartigen Regen, ab Hof war es aber wieder trocken.


    In der Summe bin ich knapp 450km gefahren, nachfolgend meine Fahrstrecke.


    Quelle: Google Maps


    Mein persönliches Fazit:

    Das war das erste Mal, dass bei einem Chasing alleine alles gepasst hat. Sowohl das Timing und die Route, als auch die Entscheidungen unterwegs waren richtig. Dieses mal hat auch die Koordination zwischen Autofahren, Radar im Auge behalten und Routenführung sehr gut gepasst. Der Schlüssel dazu war meiner Meinung nach die hervorragende Vorbereitung bzw,. Vorhersage von Anton am Tag zuvor. Dadurch wusste ich genau, was mich erwartet, wie sich die Lage weiter entwickelt und konnte dadurch schon frühzeitig die Strecke raussuchen und dem Navi folgen. Ein großes DANKESCHÖN an dieser Stelle an Anton und natürlich auch an alle anderen, die zu den Vorhersagen und Nachbesprechungen beitragen. Dadurch konnte ich dieses Jahr schon wirklich viel dazulernen.


    Nach so viel Text und vielen Bildern habe ich nun noch einen Videozusammenschnitt aus Zeitraffern und Echtzeitvideos von meinem Chasing.



    Danke fürs Lesen und viele Grüße,

    Thomas

  • Vielen Dank für den tollen Bericht, Thomas!

    1. Vorsitzender Thüringer Storm Chaser e.V.
    ESSL Voluntary Observer Person (Qualitätslevel QC1) (European Severe Storms Laboratory)
    Premium Advanced Spotter & Regionaler Ansprechpartner Thüringen (Skywarn Deutschland e.V.)
    Weitere Mitgliedschaften: Arbeitskreis Meteore e.V. • Cloud Appreciation Society